Die Hausarbeit analysiert die Inszenierung der Figur des "Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand" im Kontext des Sturm und Drang
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Spuren Shakespeares
3. Das Postulat der Freiheit
3.1. Der Ort
3.2. Die Zeit
3.3. Die Handlung
3.4. Die Figurenkonzeption
4. Spiegelungen – und wie war das mit der rechten Hand?
5. Schlussbetrachtungen
6. Nachwort
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht Goethes Schauspiel „Götz von Berlichingen“ im Kontext des Sturm und Drang. Das primäre Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Goethe das zentrale Leitmotiv der Freiheit in seinem Werk manifestiert und dabei die historische Figur des Götz für seine zeitgenössische Gesellschaft kritisch inszeniert.
- Die Rezeption von Shakespeares Werk als Inspirationsquelle und ästhetisches Gegenkonzept.
- Die räumliche und zeitliche Struktur des Dramas als Ausdruck des Freiheitsdrangs.
- Die Analyse der Figurenkonzeption, insbesondere die antithetische Darstellung von Götz und Weislingen.
- Die Untersuchung der Spiegelungs- und Kontrasttechnik als Mittel der Gesellschaftskritik.
- Die Bedeutung von Sprache und Symbolik, insbesondere der „rechten Hand“ des Helden.
Auszug aus dem Buch
3.2. Die Zeit
Der Zeitaspekt spielt im Götz von Berlichingen offenbar eine tragende Rolle, denn es lassen sich verschiedene Zeitebenen festmachen. Der deutsche Philologe Heinrich Meyer-Benfey (1869-1945) hat exakt nachgerechnet, dass die tatsächliche Handlungszeit (dargestellte Zeit) im Götz nur wenige Monate beträgt. Diese wird uns in der Reclam Ausgabe in 5 Aufzügen und 111 Seiten präsentiert (darstellende Zeit).
Anhand der Menschenleben manifestiert sich jedoch noch eine „organische Zeit“, die nicht parallel zu der eigentlichen Handlungszeit verläuft. Es scheint, dass besonders die Menschen um Götz herum unverhältnismäßig schnell altern:
Georg, der Junge von Götz, wird in der Szene „Herberge im Wald“ (1. Akt) als Knabe dargestellt und wird von seinem Herrn, Götz, im Panzer eines Erwachsenen erwischt, um in der Szene „Im Spessart“ (2.Akt) schon als „Reitersknecht“ bezeichnet zu werden. In der Schlussszene erfährt Götz, dass Georg bei Miltenberg erstochen wurde, sich aber „[...] wie ein Löw um seine Freiheit.“ gewehrt hat und als tapferer Krieger in Erinnerung bleibt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Entstehungsgeschichte des Werkes und Erläuterung der methodischen Herangehensweise Goethes unter dem Aspekt des Sturm und Drang.
2. Die Spuren Shakespeares: Erörterung des Einflusses von Herder und Shakespeare auf Goethes dramentheoretische Auffassung und die Ablehnung starrer Regeln.
3. Das Postulat der Freiheit: Analyse der räumlichen Gestaltung, der komplexen Zeitstruktur, des Handlungsverlaufs und der differenzierten Figurenzeichnung im Drama.
4. Spiegelungen – und wie war das mit der rechten Hand?: Untersuchung der Kontrasttechnik zwischen den Figuren sowie die symbolische Deutung von Götz’ „rechter Hand“.
5. Schlussbetrachtungen: Reflexion über die Intention Goethes, durch die historische Inszenierung ein kritisches Spiegelbild für seine eigene Gesellschaft zu schaffen.
6. Nachwort: Ein kurzer Ausblick auf die zeitlose Wirkung und parabolische Kraft des Werkes durch ein Zitat von Ernst Bertram.
Schlüsselwörter
Götz von Berlichingen, Johann Wolfgang Goethe, Sturm und Drang, Freiheit, Historisches Drama, Figurenkonzeption, Shakespeare-Rezeption, Kontrasttechnik, Adelheid von Walldorf, Adalbert von Weislingen, Zeitstruktur, Gesellschaftskritik, Symbolik, Eiserne Hand, Literaturgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert das Drama „Götz von Berlichingen“ von Johann Wolfgang von Goethe hinsichtlich seiner literarischen Gestaltung und der Vermittlung zentraler Motive der Epoche des Sturm und Drang.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Konzepte von Freiheit, die Auseinandersetzung mit historischer Stofflichkeit, die Gestaltung von Figuren sowie die Anwendung von Kontrast- und Spiegelungstechniken.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie Goethe das Motiv der Freiheit innerhalb seines Dramas manifestiert und wie er das historische Sujet nutzt, um seiner eigenen Zeit den Spiegel vorzuhalten.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die sowohl den historischen Kontext (Autobiographie des Ritters) als auch dichtungstheoretische Diskurse und zeitgenössische Sekundärliteratur einbezieht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Einflüssen (Shakespeare), die Analyse der zeitlichen und räumlichen Struktur, die Charakterisierung der Figuren (insbesondere die Opposition Götz vs. Weislingen) sowie die Symbolik der „rechten Hand“.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit?
Neben dem Titel und Autor sind zentrale Begriffe wie Sturm und Drang, Freiheit, Figurenkonzeption, Kontrasttechnik und Gesellschaftskritik entscheidend für das Verständnis der Arbeit.
Warum spielt die Figur der Adelheid von Walldorf eine so große Rolle?
Adelheid fungiert im Drama als Sinnbild für die verhasste „neue Epoche“ und die höfische Welt, die Goethe kritisch betrachtet; sie dient als Kontrastfolie für die Werte des Protagonisten.
Inwieweit lässt sich Weislingen als Gegenpart zu Götz verstehen?
Weislingen verkörpert die höfische Abhängigkeit, Wankelmut und den Verlust an Selbsttätigkeit, was in direkter Opposition zum freiheitsliebenden und tätigen Götz steht.
Welche Bedeutung hat das Ende des Dramas für die Interpretation der Freiheit?
Der Tod des Protagonisten im Gefängnis unterstreicht die Tragik des „Anachronismus“, zeigt aber gleichzeitig die innere Bewahrung der Freiheit als letzte Konsequenz.
- Arbeit zitieren
- Insa Meyer (Autor:in), 2011, Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand - oder über die „stürmische“ Inszenierung einer historischen Figur, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191629