Das Internet als Medium politischer Kommunikation

Potentiale, Möglichkeiten und Chancen des Internets - eine normative Betrachtung


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
1.1 Thema und Eingrenzung
1.2 Literatur und Forschungsstand
1.3 Studie

2. Die elektronischen Medien
2.1 Der Begriff Web 2.0 und seine Besonderheiten
2.2 Politiker als Akteur politischer Kommunikation im Web
2.3 Politiker als Medienproduzenten im Web
2.4 Zwischenfazit

3. Podcasting – Radio der Zukunft?
3.1 Podcasts als Medium politischer Kommunikation
3.2 Praxisbeispiel: der Videocast der Bundeskanzlerin Angela Merkel
3.3 Fazit Podcasts

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

„Was wir über unsere Gesellschaft, ja über die Welt, in der wir leben, wissen, wissen wir durch die Massenmedien.“ (Luhmann, 2009, S. 9)

Medien sind in unserem Leben heutzutage allseits präsent und selbstverständlicher Bestandteil des Alltags. Fernsehen – Hörfunk – Presse – Internet, das sind die Massenmedien der modernen Gesellschaft und die Instrumente, mit denen Menschen Informationen vermitteln und Meinungen austauschen. Und tatsächlich ist gerade die Vermittlung von politischen Informationen über die Medien heute so omnipräsent wie nie zuvor. Auch wenn die deutschen Politiker und Parteien nach über 15 Jahren der ökonomischen und privaten Internetnutzung erst verhältnismäßig spät beginnen, sich politisch mit dem jungen Medium auseinanderzusetzten, nutzen sie es selbst analog dazu schon als Mittel der politischen Kommunikation. Ob Homepages, Blogs oder Soziale Netzwerke, ­spätestens in Zeiten des Wahlkampfes haben Politiker und Parteien ihre Kommunikation im Netz stets modernisiert und erneuert.

1.1 Thema und Eingrenzung

Thema der vorliegenden Arbeit ist die Kommunikation politischer Akteure im Web 2.0, und zwar weniger aus einer kommunikations- oder politikwissenschaftlichen Sicht, sondern vielmehr aus einer beschreibenden Perspektive. Trotzdessen bleibt der Bereich der politischen Kommunikation im Netz ein sehr umfangreicher Themenbereich, den es einzugrenzen gilt, weshalb diese Arbeit keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann. Im Folgenden möchte ich kurz das Ziel sowie die Gliederung der vorliegenden Arbeit erläutern. Die Arbeit besteht aus drei unabhängigen Abschnitten, die allerdings aufeinander aufbauen. Zunächst soll kurz der gegenwärtige Forschungsstand zur politischen Kommunikation umrissen werden, um anschließend eine Studie zur Bedeutung des neuen Mediums Internet für die politische Kommunikation aufzuzeigen. Im zweiten Teil soll im Weiteren das Medium Internet von den klassischen Massenmedien Presse, Hörfunk und Fernsehen abgegrenzt und die Bedeutung sowie die Besonderheiten des neuen Mediums in der politischen Online-Kommunikation herausgestellt werden. Dabei konzentriert sich diese Arbeit auf die politischen Akteure, die Wähler und die Wirkungen der Online-Kommunikation auf diese sind nicht relevant. Abschließen wird dieser Teil der Arbeit mit einem Zwischenfazit. Die Schlussfolgerungen aus dem zweiten Teil dienen unter anderem als Grundlage für den dritten Teil der Arbeit, welcher einen groben Überblick über den Bereich der Podcasts geben soll. Zum Heranführen an diesen Themenbereich wird zunächst kurz erläutert, was Podcasts überhaupt sind, um darauf aufbauend anhand des seit 2006 wöchentlich ausgestrahlten Video-Podcasts der Bundeskanzlerin Angela Merkel dieses neue Format einer kritischen Betrachtung zu unterziehen. Im Anschluss daran versuche ich in der Schlussbetrachtung die Befunde zusammenzutragen, um abschließend einen Blick in die Zukunft des Podcastings zu wagen. Das Erkenntnisinteresse dieser Arbeit liegt darin, festzustellen, ob die politischen Akteure die Potenziale des Internets bislang erkannt und genutzt haben.

1.2 Literatur und Forschungsstand

In der Diskussion über die Auswirkungen des Internets auf die Politik gibt es unterschiedliche Schwerpunkte und Ansätze. Die Politikwissenschaft stellt sich vorrangig die Frage nach den Folgen der computervermittelten Kommunikation für die Demokratie, wohingegen sich die kommunikationswissenschaftlich orientierten Arbeiten eher mit den Nutzern des neuen Mediums sowie der Bedeutung für die Öffentlichkeit im Allgemeinen auseinandersetzen und beschäftigen. Größtenteils beruht diese Arbeit auf Literaturstudien. Als Grundlage dienen wissenschaftliche und journalistische Veröffentlichungen. Um möglichst aktuelle und zeitnahe Ergebnisse zu offerieren, wurden Internetquellen, aktuelle Studien und Erhebungen einbezogen. Für das Forschungsfeld „Politische Kommunikation“ existiert keine allgemein gültige und akzeptierte Definition (vgl. Sarcinelli, 2011, S. 19). Das liegt mitunter daran, dass allein die beiden Begriffe „Politik“ und „Kommunikation“ gesellschaftliche Systemen beschreiben, die sich nicht einfach eingrenzen lassen, was auf die unterschiedlichen Wissenschaftsdisziplinen – neben der Politikwissenschaft vor allem die Kommunikations- und Publizistikwissenschaft, die Soziologie, die Ökonomie und die Psychologie – zurückzuführen ist, die sich mit dem Gebiet beschäftigen (vgl. Jarren & Donges, 2006, S. 19f.). Die Komplexität des Untersuchungsgegenstandes trägt einen weiteren Teil dazu bei, dass eine eindeutige Definition schwer fällt. Mittlerweile hat sich das Feld „Politische Kommunikation“ als eigenständiges Forschungsfeld etabliert und je nach Erkenntnisinteresse werden der jeweilige Geltungsbereich sowie die Dimensionierung des Politikbegriffs (vgl. Sarcinelli, 2011, S. 92) bestimmt. Im Folgenden soll anhand ausgewählter Texte und einer Studie zu der Bedeutung digitaler Medien ein Überblick darüber verschafft werden, inwieweit die digitalen Medien – speziell das Web 2.0 – einen wachsenden Stellenwert für die politische Kommunikation einnehmen.

1.3 Studie

Eine neue Pilotstudie der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf im Zeitraum von 2002 bis 2009 belegt die wachsende Bedeutung digitaler Medien für die politische Kommunikation. Ein Ziel der Studie war es, zu verifizieren, inwieweit die Deutschen das Internet überhaupt für ihre politische Information, Kommunikation und Partizipation nutzen. Als weiteres Ziel sollte in diesem Zusammenhang eine langfristige Beobachtung der individuellen politischen Kommunikation ermöglicht werden. Die Forschungsfrage sollte im Wesentlichen mit standardisierten Befragungen einer repräsentativen Stichprobe der deutschen Bürgerinnen und Bürger[1] erreicht werden. Zu diesem Zweck wurden im Jahr 2002 ca. 1500 Personen zufällig ausgewählt und telefonisch jährlich wiederbefragt (sog. „Paneldesign“)[2].

Die bisherigen Befunde lassen sich kurz zusammenfassend wie folgt darstellen:

1. Im Zuge der Verbreitung des Internets lässt sich insgesamt eine generelle Zunahme der politischen Informationsnutzung der Deutschen beobachten, welche ursächlich auf den Einstieg der Bürger ins Internet zurückgeführt werden kann. Kurz: Wer das Internet nutzt, informiert sich intensiver über Politik als er/sie es früher getan hat.
2. Neben den großen Informationsportalen sind durchaus auch Websites von Politikern und politischen Organisationen die politisch relevanten Formen der Kommunikation.
3. Die Befragten sprechen den Medien eine große politische Bedeutung zu: 62% der Befragten hielten politische Websites für politisch wirksam.

Bisherige Analysen haben gezeigt, dass die oben beschriebenen Effekte der politischen Kommunikation im Internet langfristig stabil sind. Online-Medien als Mittel der politischen Kommunikation haben sich etabliert, jedoch fand bisher keine revolutionäre Wandlung, sondern vielmehr eine eher evolutionäre Veränderung der Politik durch das Netz statt. Faktum ist, dass gerade junge Menschen das vergleichsweise noch recht junge Medium Internet anzuwenden und zu nutzen wissen und diese (Menschen) jedoch erst, wenn sie älter werden, gesellschaftlich relevant werden, da dann erst ihr verändertes Kommunikationsverhalten - politisch und gesellschaftlich - sichtbar und somit auch wirksam wird.

(Ilmenau, 2011)

2. Die elektronischen Medien

Bisher war das Fernsehen das wichtigste Leitmedium, um die breite Masse anzusprechen und somit die öffentliche Meinung zu beeinflussen . Das 21. Jahrhundert ist aber auch gekennzeichnet als ein Jahrhundert des Umschwungs und der Innovationen. In den letzten Jahren entwickelte sich das Internet von einem Minderheitenmedium zu einem Massenmedium (vgl. Rampf, 2009, S. 47), was durchaus die Vermutung aufkommen lässt, dass dieses dem Fernsehen den Rang abzulaufen droht: „Die Mediendemokratie von morgen sei unter dem Einfluss des Internets (...) eine neue Welt, in der die Regeln des Fernsehzeitalters an Bedeutung verlieren.“ (Meyer T. , 2001, S. 177) Es scheint, als habe sich das neue Medium Internet einen nahezu gleichberechtigten Platz neben den klassischen Medien – Hörfunk, Presse und Fernsehen – erkämpft, auf Grund seiner Interaktivität und Multimedialität scheint es ihnen sogar überlegen (vgl. Hoecker, 2002). Doch vor allem die Tatsache, dass das „World Wide Web“, wie der Name schon sagt, weltweit für einen Großteil der Bevölkerung erreichbar ist und besonders junge und gut gebildete Bürger durch das Internet erreicht werden (vgl. Zeh, 2010, S. 245), lässt die Vermutung zu, dass das „technische Potential des neuen Mediums [Internet]“ (Meyer T. , 2001, S. 177), das Medium Fernsehen vom Thron zu verstoßen vermag. Die Verbreitung und intensive Vernetzung des Mediums Internet, sowie die immer intensivere Nutzung dessen und die Möglichkeit einer „im Prinzip symmetrische Kommunikation zwischen allen“ (Meyer T. , 2001, S. 177) haben dazu beigetragen, dass die Rezeption von Informationen heutzutage anders als noch vor 20 Jahren erfolgt (vgl. Schubert, 2010, S. 193). Wir sind es mittlerweile gewohnt, alles was wir benötigen, überallhin mitnehmen und zu jeder Zeit nutzen zu können. Musik wird auf Handys oder iPods überall und zu jeder Zeit bei sich getragen, Fotos vom Urlaub werden direkt mit dem iPhone in Social Networks (Sozialen Netzwerken) wie Facebook und Twitter veröffentlicht und kommentiert, wir geben unsere Steuererklärung digital ab, mailen, arbeiten und spielen über das Netz, pflegen unsere Freundschaften und unsere Dokumente (seien es Bewerbungsunterlagen, Geschäftsunterlagen oder private Briefe) bewahren wir auf virtuellen Festplatten im Netz auf. Im Zeitalter des „Zwischenmediums“ Internet, in dem alle Informationen der klassischen Medienkanäle zu verschmelzen scheinen (vgl. Löser & Peters, 2007, S. 148), stellen nun auch Zeitungs- und Rundfunkredaktionen ihre Produkte ins virtuelle Netz und werden dort auf ungefähr dieselbe Weise genutzt wie die klassischen Medien selbst (vgl. Meyer, 2001, S. 181). Meyer postuliert weiterhin, dass es durchaus wahrscheinlich ist, „dass das Internet künftig überwiegend als ein neues technisches Verteilungssystem für die Massenkommunikation alten Stils genutzt wird.“ (Meyer, 2001, S. 181) Das neue schnelle und flexible Medium Internet ergänzt die bisherigen Kommunikationsangebote weitreichend und schafft einen globalen Marktplatz für Informationen und Wissen. Heute stehen den privaten Anwendern genauso wie den Unternehmen ein riesiger und ständig wachsender Datenpool zu Verfügung. Die Menschen heute sind miteinander verbunden – dank des Internets könnte quasi jeder jeden erreichen. Vor allem aber bezieht inzwischen ein erheblicher Teil der Bevölkerung seine politische Bildung aus dem Netz. Die Politik hat Einzug im virtuellen Netz gehalten, es gilt die Wähler und Wählerinnen dort anzusprechen, wo sich diese häufig aufhalten: im Web 2.0 – eine neue Generation des Webs, in der neue, innovative Anwendungen und Nutzungsmodalitäten zusammentreffen und der Nutzer erstmals selbst Inhalte zur Verfügung stellen kann und somit als Produzent von Informationen auftritt. Dass das Fernsehen – zumindest in Deutschland – nach wie vor das führende Medium ist, soll hier keineswegs bestritten noch widerlegt werden (vgl. von Pape & Quandt, 2010, S. 397). Tatsache ist auch, dass deutsche Parteien und Politiker, im Gegensatz zu den USA, das Internet bisher weit weniger für sich entdeckten und im Vergleich gesehen auch noch nicht seine völlige Effektivität ausschöpften. Inwieweit die Nutzung von Internet und Online-Diensten Auswirkungen auf die traditioneller Massenmedien wie Fernsehen, Rundfunk und Print hat, soll hierbei nicht Thema der Arbeit sein, vielmehr soll das Medium Internet im Hinblick darauf untersucht werden, inwieweit Politiker das Web 2.0 für ihre politische Kommunikation nutzen, beziehungsweise welche Möglichkeiten deutsche Politiker bislang im World Wide Web für sich identifiziert haben und es für sich zu nutzen wissen.

[...]


[1] Deutschsprachige Wohnbevölkerung ab 16 Jahren

[2] Zum Austausch der sog. Panelmortalität“ wurden jedes Jahr kleinere Stichproben neu gezogen und dem Panel hinzugefügt.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Das Internet als Medium politischer Kommunikation
Untertitel
Potentiale, Möglichkeiten und Chancen des Internets - eine normative Betrachtung
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena  (Kommunikationswissenschaften)
Veranstaltung
Öffentliche Kommunikation
Note
1,3
Autor
Jahr
2011
Seiten
18
Katalognummer
V191630
ISBN (eBook)
9783656164869
ISBN (Buch)
9783656165156
Dateigröße
596 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Podcasting, Angela Merkl, Podcast, politische Kommunikation, elektronische Medien, Web 2.0, Internet, Politiker, Videocast
Arbeit zitieren
Aline Kaplan (Autor), 2011, Das Internet als Medium politischer Kommunikation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191630

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