In der vorliegenden Arbeit befasse ich mich zunächst mit der Stellung körperbehinderter Menschen in der Vergangenheit. Dabei geht es mir um die Menschen, welche bereits mit einer Körperschädigung geboren wurden. Im Laufe von Kriegen und infolge schwerer Krankheiten, wie zum Beispiel Lepra, erlitten viele Menschen Verletzungen oder wiesen Symptome auf, in deren Konsequenz ein oder mehrere Körperglied(er) amputiert werden mussten. Da mir der Zusammenhang zwischen einem körperbehinderten Neugeborenen in früheren Zeiten und einem noch ungeborenen Kind in heutigen Zeiten (im Zuge der Diskussion über die PND=Pränataldiagnostik und PID=Präimplantationsdiagnostik) für die Gestaltung einer möglichen Zukunft für körperbehinderte Kinder jedoch sehr wichtig erscheint, möchte ich in meiner Ausarbeitung auf das Einbeziehen von Kriegsinvaliden oder Unfallopfern verzichten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Stellung körperbehinderter Menschen in der Vergangenheit
2.1 Körperliche Schädigungen in der Antike und im Mittelalter
2.2 Die pädagogische Entwicklung ab dem 17. Jahrhundert
2.3 Rückschläge im Nationalsozialismus
2.4 Nachkriegszeit und die Contergan-Problematik
3. Herausforderungen durch Pränatal- und Präimplantationsdiagnostik
3.1 Begriffsdefinitionen und medizinische Möglichkeiten
3.2 Ethische Aspekte und gesellschaftliche Auswirkungen
3.3 Die Zukunft der Heilpädagogik und des Bildungsrechts
4. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historische Entwicklung des Umgangs mit körperbehinderten Menschen von der Antike bis in die heutige Zeit und analysiert kritisch, wie moderne medizinische Verfahren wie die Pränatal- und Präimplantationsdiagnostik die gesellschaftliche Akzeptanz sowie das zukünftige Aufgabenfeld der Heilpädagogik beeinflussen.
- Historische Perspektiven auf den Umgang mit körperlicher Behinderung
- Einfluss der NS-Rassenideologie auf die Behandlung von Menschen mit Behinderung
- Ethische Reflexion der Selektion durch moderne Diagnostikverfahren
- Zukunftsperspektiven für das Recht auf Bildung und Teilhabe
- Die Rolle der Heilpädagogik in einer technisierten Gesellschaft
Auszug aus dem Buch
Die Stellung körperbehinderter Menschen in der Vergangenheit
Im Laufe der Geschichte hat es schon immer Menschen mit körperlichen Schädigungen und Missbildungen gegeben. „Schon in steinzeitlichen Skelettfunden, bei ägyptischen Mumien wie bei römischen Kaisern und indianischen Schamanen finden sich Menschen mit körperlichen Schädigungen.“ (Kallenbach,2000, S.14) „Den Menschen früherer Zeiten waren körperliche Schädigungen bei Kindern nicht biologisch erklärlich. Sie suchten ein Verständnis mit mythischen und auch magischen Deutungen zu gewinnen.“(ebd. S.18) So ist es nicht verwunderlich, dass sich die (gesunden) Menschen in der Geschichte meist vor körperbehinderten oder „missgestalteten“ Kindern fürchteten und diese oft ohne Schutz ihrem Schicksal überließen. In vielen Kulturen war es üblich, Säuglinge mit einer körperlichen Schädigung direkt nach der Geburt zu töten oder sie auszusetzen. Dies zieht sich von der Antike bis hin ins Mittelalter.
Das Idealbild der Griechen und Römer von Schönheit, Sittlichkeit und körperliche Tüchtigkeit wurde zum „begründeten/gerechtfertigten“ Todesurteil vieler körperbehinderter Menschen in der Antike. (Vgl. Bleidick, 1999, S.164) Der griechische Philosoph Aristoteles war ein starker Befürworter der Abtreibung und sprach sich, wie auch der griechische Philosoph Platon, für das Töten missgebildeter Kinder aus. (Vgl. ebd. S. 168) Zudem forderte er das strenge Verbot des Aufziehens von verkrüppelten Kindern, welche seine Vorstellung des Menschen als „soziales und politisches Lebewesen“ nicht erfüllen konnten. Hingegen genossen gesunde Neugeborene besonderen Schutz. (Bleidick, 1999, S.165)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Fragestellung ein und grenzt den Fokus auf körperbehinderte Menschen ab, um den Bogen zur modernen Diskussion über Selektionsmechanismen zu spannen.
2. Die Stellung körperbehinderter Menschen in der Vergangenheit: Dieses Kapitel zeichnet den langen, oft von Ablehnung und Barbarei geprägten Umgang mit Körperbehinderten von der Antike bis in die moderne Zeit nach.
3. Herausforderungen durch Pränatal- und Präimplantationsdiagnostik: Die Autorin analysiert die ethischen Spannungsfelder moderner diagnostischer Verfahren und deren Auswirkungen auf die zukünftige gesellschaftliche Stellung behinderter Menschen.
4. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Notwendigkeit einer kritischen Auseinandersetzung mit der Vielfalt menschlichen Lebens zusammen und mahnt zu einer Ethik, die nicht nach Gebrauchswert urteilt.
Schlüsselwörter
Körperbehinderung, Heilpädagogik, Pränataldiagnostik, Präimplantationsdiagnostik, Ethik, Geschichte, Selektion, Menschenwürde, Integration, Inklusion, Nationalsozialismus, Bildung, Behinderungsbild, Behindertenpädagogik, Gesellschaftskritik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der historischen und gesellschaftlichen Entwicklung der Stellung von Menschen mit Körperbehinderung und reflektiert deren Zukunft vor dem Hintergrund moderner medizinischer Diagnostik.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Geschichte der Ausgrenzung, die Auswirkungen nationalsozialistischer Ideologie sowie die ethischen Fragen, die durch moderne Selektionstechniken (PND/PID) aufgeworfen werden.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, kritisch zu hinterfragen, ob unsere Gesellschaft in der Lage ist, körperbehinderte Menschen als gleichwertig anzuerkennen, oder ob durch Selektion ein neues Stigma als „Mensch mit Korrektur“ entsteht.
Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?
Es handelt sich um eine literaturgestützte Essay-Arbeit, die historische Analysen mit einer ethisch-philosophischen Diskussion der aktuellen heilpädagogischen Herausforderungen verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse des Umgangs mit Körperbehinderten sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten und Risiken von PID und PND.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Körperbehinderung, Pränataldiagnostik, Ethik, Selektion, Heilpädagogik und gesellschaftliche Integration.
Welche Rolle spielt die Heilpädagogik laut der Autorin in Zukunft?
Die Autorin äußert die Sorge, dass der Berufsstand der Heilpädagogen durch die vermeintliche „Vermeidung“ von Behinderung an Bedeutung verlieren oder in eine rein private/unterstützende Rolle gedrängt werden könnte.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich des Begriffs „lebenswert“?
Die Autorin betont, dass es keine allgemein gültige Definition für ein „lebenswertes“ Leben geben darf und dass die Bestimmung darüber nur dem Individuum selbst zusteht, nicht der Gesellschaft oder medizinischen Normen.
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- Miriam Lüddecke (Autor), 2012, Körperbehinderte in der Geschichte - In Zukunft Menschen mit "Korrektur"?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191698