„Diffusion ist ein Prozess, der beschreibt, wie Innovationen sich über bestimmte Kommunikationswege unter den Mitgliedern einer Gesellschaft verbreiten. [...] Als eine Innovation sei in diesem Zusammenhang eine Idee, ein Verfahren oder ein Objekt bezeichnet, das von einem Wirtschaftssubjekt als neu empfunden wird.“
Multinationalen Unternehmen (MNU) wird zugeschrieben, eine wichtige Rolle bei der Diffusion von Innovationen über Ländergrenzen hinweg zu spielen. Um in Bezug auf diese Eigenschaft tatsächlich ein interessantes Forschungsobjekt zu sein, muss die Ausprägung innerhalb der Gruppe „Multinationale Unternehmen“ von der Ausprägung der Eigenschaft innerhalb anderer Gruppen oder der Gesamtheit aller Unternehmen abweichen. Andernfalls wäre es sinnvoller, sich bei der Untersuchung dieser Eigenschaft auf eine Gruppe zu konzentrieren, bei der oben genannte Bedingung in einem höheren Maße erfüllt ist (z.B. Großunternehmen, Konzerne, KMU usw.). So wäre es beispielsweise ebenso gut möglich, dass sich Innovationen weltweit verbreiten, indem in jedem Land wirtschaftlich unabhängige Start-Ups gegründet werden, welche die Innovation umsetzen. Ein Beispiel ist die Gründung des Deutschen StudiVZ nach dem amerikanischen Vorbild Facebook. Gegenstand der vorliegenden Arbeit ist es, in Bezug auf Schlüsselinnovationen der vergangenen 60 Jahre zu untersuchen, welche Rolle MNU bei deren Verbreitung gespielt haben. Die zentrale Frage soll dabei sein: Gelingt es MNU ihre Innovationen international zu vermarkten?
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Bedeutung von MNU für grenzüberschreitende Innovationsdiffusion
2.1 MNU und Technologietransfer
2.2 Abgrenzung innovationstheoretischer Grundbegriffe
2.2.1 Technologie- vs. Innovationsdiffusion
2.2.2 Invention, Innovation und Diffusion
3 Methodik der Untersuchung
3.1 Auswahl der untersuchten Länder
3.2 Auswahl der Innovationen
3.3 Datengewinnung
4 Ergebnisse und Auswertung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle multinationaler Unternehmen (MNU) bei der internationalen Technologiediffusion auf Marktebene. Im Fokus steht die Forschungsfrage, ob es MNU erfolgreich gelingt, ihre Innovationen über nationale Grenzen hinweg zu vermarkten, oder ob die Verbreitung maßgeblich durch andere Akteure erfolgt.
- Bedeutung von MNU für Technologietransfer und Innovationsdiffusion
- Theoretische Abgrenzung von Invention, Innovation und Diffusion
- Empirische Analyse anhand einer Stichprobe bedeutender Innovationen seit 1950
- Untersuchung der Rolle von MNU bei der grenzüberschreitenden Produkteinführung
- Einflussfaktoren wie Marktkenntnis, regionale Bedürfnisse und Imitation
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Technologie- vs. Innovationsdiffusion
„Technologie“ ist ein abstraktes und schwer messbares und beobachtbares Konzept. Die Diffusion von Innovationen setzt hingegen voraus, dass sich die neue Technologie in einer Anwendungsmöglichkeit manifestiert und nicht nur geographisch, sondern auch innerhalb einer Gesellschaft verbreitet, das heißt, dass sie von Menschen verwendet und genutzt wird.
So kann es sein, dass Arbeiter in Schwellenländern Plasmafernseher für Tochterunternehmen ausländischer Elektronikunternehmen produzieren, ohne dass derartige Geräte aufgrund der hohen Preise in Kombination mit einem niedrigen Lohnniveau im entsprechenden Land erschwinglich wären. Hier findet ein Technologietransfer, der die Produktion erlaubt statt, eine Diffusion der Produkte unterbleibt jedoch.
Wenn ein Automobilhersteller in einem Schwellenland hingegen ein eigenes Vertriebsnetz aufbaut und Marketingkampagnen startet, so sorgt er für die Diffusion seiner Produkte auf der zu untersuchenden Marktebene.
Da aus der Beschaffenheit der Endprodukte nicht zwangsläufig die zur Herstellung benötigte Technologie abzuleiten ist, kann eine Diffusion auch ohne Technologietransfer erfolgen. Genauso, wie der Technologietransfer im oben beschriebenen Beispiel ohne Diffusion möglich ist.
Die hier beschriebene Art der Diffusion beschreibt die Verbreitung von Innovationen unter Akteuren außerhalb des innovierenden MNU. Davon abzugrenzen ist Diffusion innerhalb von MNU, die beschreibt, wie sich bestimmte Innovationen zwischen den einzelnen Tochterunternehmen, lokalen Standorten und dem Hauptstandort des MNUs verbreiten. Sie soll nicht Gegenstand der Untersuchung sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Forschungsthema ein und definiert die zentrale Fragestellung zur Rolle multinationaler Unternehmen bei der internationalen Vermarktung von Innovationen.
2 Bedeutung von MNU für grenzüberschreitende Innovationsdiffusion: Dieses Kapitel erläutert theoretisch, wie MNU Technologietransfer betreiben und grenzt wichtige Begriffe wie Technologie, Innovation und Diffusion voneinander ab.
3 Methodik der Untersuchung: Hier wird der methodische Ansatz der Arbeit dargelegt, insbesondere die Auswahl der untersuchten Länder (Deutschland und USA) sowie die Kriterien zur Bildung der Stichprobe von Innovationen.
4 Ergebnisse und Auswertung: Dieses Kapitel präsentiert die empirischen Erkenntnisse der Untersuchung und analysiert, inwieweit MNU tatsächlich als treibende Kraft bei der grenzüberschreitenden Verbreitung von Innovationen identifiziert werden können.
Schlüsselwörter
Internationale Technologiediffusion, Multinationale Unternehmen, MNU, Innovation, Invention, Imitation, Markteinführung, Technologietransfer, Produktzyklus, Produktlebenszyklus, Deutschland, USA, Marktebene, Forschung und Entwicklung, Wettbewerbsfähigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, welche Rolle multinationale Unternehmen (MNU) bei der internationalen Verbreitung (Diffusion) von technologischen Schlüsselinnovationen der letzten 60 Jahre spielen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Differenzierung zwischen Technologietransfer und Innovationsdiffusion, der Rolle von MNU bei der Markteinführung sowie der Bedeutung von Imitationsprozessen.
Was ist die Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, ob es multinationalen Unternehmen gelingt, ihre Innovationen erfolgreich international zu vermarkten, oder ob andere Akteure die Diffusion stärker vorantreiben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine empirische Untersuchung, bei der eine Stichprobe bedeutender Innovationen hinsichtlich ihrer Erfinder, der Erstinnovatoren und der anschließenden Marktdurchbrüche in Deutschland und den USA analysiert wurde.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der theoretischen Abgrenzung von Innovationsbegriffen, der Auswahl der Datenbasis sowie der Auswertung der Diffusion von Innovationen im Kontext der Internationalisierungsstrategien von Unternehmen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören insbesondere die internationale Technologiediffusion, MNU, Marktebene, Produktlebenszyklus sowie die Unterscheidung von Invention und Innovation.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen Technologietransfer und Diffusion?
Der Transfer betrifft oft die produktionstechnische Seite, während Diffusion das Produkt auf dem Markt für den Endverbraucher verfügbar macht; beide können voneinander entkoppelt auftreten.
Warum ist das Beispiel „Prozac“ für die Untersuchung relevant?
Das Fallbeispiel verdeutlicht, dass eine Lizenzvergabe an ein lokales Unternehmen nicht zwangsläufig bedeutet, dass das ursprüngliche MNU die Innovation selbst grenzüberschreitend diffundiert hat.
Was ist das zentrale Fazit zur Rolle der MNU?
Die Bedeutung von MNU bei der internationalen Verbreitung von Schlüsselinnovationen konnte in der Stichprobe nicht pauschal nachgewiesen werden; oft sind es andere Unternehmen, die Produkte im Zielland vermarkten.
Welche Rolle spielt die „Produktzyklus-Hypothese“?
Sie dient als theoretische Grundlage für die Annahme, dass Innovationen zunächst in ähnlich entwickelten Märkten (wie Deutschland und USA) eingeführt werden, was die Stichprobenauswahl stützt.
- Arbeit zitieren
- Jan Franke (Autor:in), 2012, Internationale Technologiediffusion durch MNU auf Marktebene, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191751