Der Bar Kochba-Aufstand (132-135/36 n.Chr.)

Ursachen, Verlauf und Folgen unter Einbeziehung aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse


Examensarbeit, 2008

116 Seiten, Note: 1,00


Leseprobe


Inhaltsverzeichnis mit Seitenangaben

I. Einleitung

II. Hauptteil
1. Die Vorgeschichte: Judäa und die Diasporajuden seit dem Fall Jerusalems 70 n. Chr
1.1 Die Provinz Judaea nach der Katastrophe – Die Folgen des Ersten Jüdischen Krieges (66- 73 n. Chr.)
1.2 Der Aufstand der Diasporajuden (115-117 n. Chr.)
2. Kritische Reflexion möglicher Ursachen der Bar Kochba-Erhebung
2.1 Die Neugründung Jerusalems als römische Garnisonsstadt Aelia Capitolina
2.2 Das Beschneidungsverbot Hadrians
3. Der Messianismus in der Person Bar Kochbas als auslösendes Moment?
3.1 Die historische Persönlichkeit Bar Kochba
3.2 Kritische Auseinandersetzung mit dem messianischen Anspruch Bar Kochbas
3.3 Bar Kochbas Beziehung zu den Rabbinen – Verschiedene Strömungen innerhalb des jüdischen Staates
4. Der Bar Kochba-Aufstand – Die für das römische Heer verlustreichen Anfänge
4.1 Römische Verluste anhand der Auswertung von Militärdiplomen
4.1.1 Militärdiplome für Auxiliarverbände
4.1.2 Flottendiplome der classis Misenensis
4.2 Der Ausbruch des Aufstands – Historische Einordnung und Quellenlage
4.3 Hinweise zum Aufstandsablauf aus historiographischen Quellen
4.4 Außergewöhnliche Notmaßnahmen der römischen Administration
4.4.1 Zwangsaushebungen im italischen Kernland
4.4.2 Atypische Versetzungsmaßnahmen innerhalb des römischen Militärapparats und die Akklamation Hadrians
4.5 Indizien für die Vernichtung einer gesamten Legion
5. Das Ende des Aufstand bis zum Fall von Bethar und die Folgen für die Provinz Judaea und die Juden
5.1 Wiederaufbaumaßnahmen am Tempel als Streitpunkt der Wissenschaft und die Bedeutung der Beteiligung von Fremdvölkern am Aufstand
5.2 Das Aufstandsgebiet aus geographisch-territorialen Gesichtspunkten und anhand von Münzzeugnissen
5.3 Die unmittelbaren Folgen für Judaea und seine Bewohner

III. Schlussbetrachtung

IV. Anhang

V. Literaturverzeichnis

I. Einleitung

„Bar Kochba war ein Held, der keine Niederlage kennen wollte. Als der Sieg ihn verließ, wusste er zu sterben. Bar Kochba ist die letzte weltge- schichtliche Verkörperung des kriegsharten waf- fenfrohen Judentums. Sich unter Bar Kochbas An- rufung zu stellen, verrät Ehrgeiz.“

(Max Nordau, 1909) 1

Dieses Zitat entstammt Max Nordaus Zionistischen Schriften aus dem Jahr 1909 und wurde seiner- seits, der er, Mitbegründer der Zionistischen Weltorganisation, Schriftsteller und Politiker, gleicher- maßen als Vertreter des sogenannten Muskeljudentums des beginnenden 20. Jahrhunderts galt, an- lässlich der Gründungsfeier eines jüdischen Turnvereins in Berlin, welcher den Namen „Bar Koch- ba(r)“ trug, erstmalig verwendet. Neben den obligatorischen Segenswünschen, der Verein möge in Zukunft „blühen und gedeihen und zu einem an allen Mittelpunkten jüdischen Lebens eifrig nach- geahmten Vorbilde werden“2, impliziert dieses Zitat eine Bezugnahme auf die Person Bar Kochbas, welcher in seiner historischen Einordnung noch immer im Zwiespalt betrachtet wird. In der Na- mensgebung des Turnvereins wurde ein Rückgriff vollzogen auf eine als ruhmreich verklärte jüdi- sche Vergangenheit, für die Bar Kochba als Mann der Stärke zur damaligen Zeit stand und welche als mentale Akquirierung die Geschicke der Vereinsmitglieder stärken sollte. Der zeitgenössische deutsch-jüdische Historiker für Neuere Geschichte und Politologe an der Bundeswehruniversität München, Michael Wolffsohn, betont, dass in der jüdisch-israelischen Geschichtsschreibung bzw. in den offiziellen israelischen Schulbüchern die Person Bar Kochba noch heute als eine Art „Held“ dargestellt wird.3 Die römischen bzw. frühchristlichen Historiographen hingegen stellen seine Per- son, seine Strenge gegenüber seinen Anhängern, seine Skrupellosigkeit und Grausamkeit heraus und zeichnen ein entgegengesetztes, von messianischem Fanatismus geprägtes Bild dieser bislang eher in der wissenschaftlichen Auseinandersetzung stiefmütterlich behandelten historischen Persön- lichkeit. Unter anderem der Persönlichkeitsaspekt und die messianische Intention Bar Kochbas sol- len in dieser Arbeit ebenfalls in kritischen Kontext thematisiert werden.

Insbesondere dem Kölner Althistoriker Werner Eck, der seit Jahren in Kooperation mit israelischen Forschern an der Ausarbeitung eines Corpus Inscriptionum Iudaeae/Palestinae (CIIP) beteiligt ist, dessen Zielsetzung darin besteht, alle unter griechisch-römischer Herrschaft entstandenen Inschrif- ten aus dem Raum Judaea und Palaestina zusammenzufassen, ist es zu verdanken, dass unlängst eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Zeit des Bar Kochba-Aufstands sowohl in Israel als auch im deutschsprachigen Raum zunehmend in den Vordergrund althistorischer Forschung gerückt ist. Im Rahmen der Vorlesungsreihe Tria Corda an der Universität Jena im Jahr 2005 hielt Werner Eck fünf Vorträge, die sich mit verschiedensten Themenstellungen zu Rom und Judaea beschäftigten; im Rahmen seines im Jahr 2007 publizierten Buches zur Vorlesungsreihe ist insbesondere das Kapitel zu Repression und Entwicklung: Das römische Heer in Judaea von Bedeutung für die Frage nach den Umständen, unter denen das römische Heer in die Auseinandersetzungen mit den Aufrührern um Bar Kochba involviert war, und unter dem Gesichtspunkt, inwiefern römische Militärdiplome, die erst in jüngster Vergangenheit von Archäologen entdeckt wurden, Aufschluss darüber zu geben vermögen, inwieweit die römische Streitmacht gerade zu Beginn der kriegerischen Auseinandersetzungen aufgerieben und zahlenmäßig dezimiert wurde. Derartige Diplome weisen den unverkennbaren Vorzug auf, dass sie im Gegensatz zu literarischen Quellen zum einen zeitgenössisch sind und zum anderen im Nachhinein nicht beeinflusst oder manipuliert werden können.

Die militärischen Aspekte des Aufstands aus römischem Blickwinkel und die Folgen für die Provinz stehen bei W. Eck im Mittelpunkt seiner Betrachtung, während die Gesamtbehandlung, die Voraus- setzungen bzw. die Folgen für die jüdische Bevölkerung weitgehend ausgeklammert werden. Anleh- nend an Eck, gleichsam aber unter Berücksichtigung jener für einen kritischen Gesamtüberblick un- erlässlichen, bei Eck aber ausgeklammerten Aspekte, soll versucht werden, den Bar Kochba-Auf- stand in erster Linie unter römischen Gesichtspunkten einer gründlicheren Untersuchung mit Be- zugnahme auf neueste Forschungsliteratur zu unterziehen.

Hinsichtlich der literarischen Überlieferung stammt, angefangen bei den Makkabäerbüchern, über Philo und Josephus bis hin zu den Corpora rechtlicher und erzählender Literatur, der überwiegende Teil zur jüdischen Geschichte aus den ersten beiden nachchristlichen Jahrhunderten ebenso aus jüdi- scher Feder, was in der Vergangenheit zu einer gewissen Einseitigkeit der historisch-wissenschaftli- chen Betrachtungsweise geführt hat. Bei den meisten modernen Arbeiten zum Bar Kochba-Auf- stand stand somit die römische Betrachtungsweise zwangsläufig im Hintergrund. Angesichts vieler in den letzten Jahren entdeckter neuer epigraphischer Zeugnisse ist es nun gelungen, die Aufstands- bewegung zwischen den Jahren 132 und 135/136 n. Chr.4 aus dem bislang weitgehend ausgeklam- merten römischen Sichtwinkel zu interpretieren. Methodisch greift Eck dabei auf neues Inschriften- material, papyrologische und archäologische Quellen zurück, die im Rahmen des CIIP-Projektes zusammengetragen wurden und teils erst in naher Zukunft publiziert werden. Gewisse Aspekte der Thematik, die sich anlehnend an Werner Eck in einem neuen Licht der Forschung darstellen, gilt es kritisch zu hinterfragen. Im Rahmen der Zielsetzung soll der Versuch gemacht werden, anhand der Analyse ausgewählter römischer Militärdiplome und deren Einordnung in einen zeitlichen Rahmen, der wiederum Rückschlüsse zulassen soll auf die Situation der römischen Streitkräfte in der Provinz Judaea zu Beginn der Bar-Kochba-Insurrektion.

Das Gesamtkonzept dieser Arbeit soll unter der Intention der Ursachenforschung unter Berücksich- tigung der Vorgeschichte jüdischer Aufstände im 1. und 2. nachchristlichen Jahrhundert, der Bedeu- tung eines Beschneidungsverbots unter Hadrian gleichermaßen als Angriff auf die religiösen Riten des Judentums, der Entehrung der Heiligen Stadt Jerusalem durch den Bau einer römischen Militär- garnison und unter Bezugnahme auf messianische Bestrebungen innerhalb des jüdischen Volkes ste- hen, als deren Anführer Bar Kochba noch immer vielfach auch in wissenschaftlichen Kreisen als re- ligiös überhöhter Messias betrachtet wird. In Anlehnung an die neuesten historischen Erkenntnisse zum Verlauf des Aufstands, zu dem die historiographischen Quellen gerade von lateinisch bzw. christlicher Seite äußerst spärlich bzw. undetailliert zu klassifizieren sind, soll versucht werden, her- auszuarbeiten, welch unerwarteten Widerständen bzw. Verlusten das römische Heer in Judaea gera- de in den ersten beiden Jahren ausgesetzt sein musste bzw. wie die Reaktionen seitens des Impera- tors in Rom bzw. seiner kaiserlichen Verwaltung dahingehend ausfielen, die außer Kontrolle gerate- ne militärische Situation zugunsten Roms zu verändern. Eine Reihe von außergewöhnlichen Versetzungs- bzw. Rekrutierungsmaßnahmen und nicht zuletzt die Siegerakklamation, die Hadrian entgegen seiner sonstigen Gepflogenheiten anzunehmen bereit war, sollen in diesem Rahmen eben- falls Einzug in das Gesamtwerk finden.

Da eine historiographisch in sich geschlossene Chronologie der Kriegsereignisse nicht vorliegt, war man bislang seitens der Wissenschaft auf Mutmaßungen, Spekulationen und Deutungen ange- wiesen. Derartige Mutmaßungen erhalten durch das Auffinden Dutzender mit dem Bar Kochba- Aufstand in Zusammenhang stehender Militärdiplome erstmals ein belegbares Fundament. Die Be- endigung des Aufstands nach mehr als drei Jahren bedeutete gleichsam die Begrabung des jüdi- schen Traums von der Rückeroberung Jerusalems und der Wiedererrichtung des Tempels in strahlendem Glanz. Die Folgen dieser Rückeroberung der jüdäischen Aufstandsgebiete, die Vertrei- bung bzw. Abwanderung der jüdischen Bevölkerung in die Diaspora, das Ende des messianischen Traums und die anschließende römische Militärverwaltung des Heiligen Landes bilden gleicherma- ßen den Abschluss dieser Arbeit.

Von hadrianischer Seite wurde nach Ende des Krieges auffallend wenig getan, um die Erinnerung an die Kämpfe bzw. den hart errungenen Sieg in der Folgezeit im öffentlichen Bewusstsein aufrecht zu erhalten. Weder wurde ein Monument in Rom errichtet, noch fand die Auseinandersetzung im Heiligen Land Eingang in die Prägung der Reichsmünzen, was sich in vespasianisch-domitianischer Zeit nach dem Triumph im Ersten Jüdischen Krieg anders gestaltete, als in einer Serie von Münz- prägungen immer wieder das Motiv einer trauernden Jüdin und eines gefesselten Juden verbunden mit der Siegestitulatur IVDAEA CAPTA verwendet wurde. Nun könnte man aus diesem Umstand ableiten, dass das Kriegsereignis des 2. nachchristlichen Jahrhunderts entweder für Hadrian nichts Erwähnenswertes aufwies oder aber derart wenig ruhmreich verlaufen ist, dass eine memoria die al- ten Wunden wieder aufzureißen drohte, respektive ein negatives Schlaglicht auf seine letzten Regie- rungsjahre werfen hätte können.

Die Vertreter der modernen Geschichtsschreibung deuteten die Rebellion womöglich nicht zuletzt aufgrund der wenig detaillierten historiographischen Überlieferungen - auf die noch zu sprechen kommen wird -, der nicht vorhandenen Omnipräsenz der Auseinandersetzung im Alltagsleben des antiken Roms und der jahrhundertelangen spärlichen Überlieferung epigrahischer Zeugnisse ledig- lich als historisches Randereignis.5 Zu besagten Wissenschaftlern gehört u.a. der zeitgenössische is- raelische Historiker Menachem Mor, der nahezu alle Fakten leugnet, abstreitet bzw. mit obskuren Behauptungen zu widerlegen versucht, die einer großangelegten römischen Militäraktion Rechnung tragen. Eine kritische Auseinandersetzung mit den Thesen Mors erfolgt im Kontext mit den Zwangsrekrutierungen bzw. -versetzungen, respektive der Auszeichnung römischer Feldherren im Verlauf der vorliegenden Arbeit. Andere Wissenschaftler, unter ihnen W. Eck, deuten die Aufstands- bewegung aufgrund ihrer zeitlichen Ausdehnung, der bedeutenden Mannschaftsbestandsverluste bzw. der weit reichenden Folgen bzw. der Wirkung der Rebellion für die Provinz in einem anderen Licht: W. Eck spricht davon, dass der Aufstand „noch bedeutsamer und verheerender als der Krieg von 66-70“6 gewesen sei angesichts der knapp vier Jahre währenden Auseinandersetzungen, der massiven militärischen Herausforderung Roms und der erneuten Tragödie für das jüdische Volk.

In einem Zeitraum der letzten vier Jahrzehnte mit Höhepunkt der letzten Jahre revolutionierte sich die Beurteilung des Aufstands im wissenschaftlichen Kontext basierend darauf, dass in dieser Zeit eine Vielzahl neuer archäologischer Zeugnisse, Inschriften, Münzen, Diplome und Papyri gefunden wurden, die allermeisten davon – abgesehen von den Militärdiplomen – in der Judaeischen Wüste. Diese Funde geben dem modernen Historiker ganz neue Einblicke in das, was auf beiden Seiten der Kriegsparteien geschehen ist, sowohl im militärischen Handeln, als auch in der messianischen In- tention der jüdischen Insurgenten.7 Wie bereits kurz angerissen, wurde das heute existierende Wis- sen über den Aufstand aufgrund der papyrologischen Funde in der Judaeischen Wüste, der Entdeckung etlicher Verstecke und Höhlenanlagen der Aufständischen und nicht zuletzt der Münz- funde aus der Zeit Bar Kochbas auf eine neue Ebene gestellt. Dennoch existiert bislang keine unum- strittene Sichtweise hinsichtlich der Ursachen, des Verlaufs und der Folgen des Aufstands sowohl für die römische Seite als auch im Hinblick auf den Judaismus. Die römische Sichtweise der Um- stände des Aufstands zu eruieren ist nicht gleichzusetzen mit dem Postulat die jüdische Sichtweise hinsichtlich ihrer historischen Relevanz unterzuterminieren. Vielmehr soll versucht werden heraus- zufinden, wie die römische Betrachtung bzw. die Maßnahmen gegenüber der Revolte ausfielen, welche militärischen Maßnahmen getroffen wurden und welche Folgen daraus für die Provinz ent- standen.8

Außer W. Eck ist im Hinblick auf zeitgenössische Forschungsliteratur vor allem Mary Smallwoods 2001 erschienene Monographie mit dem Titel The Jews Under Roman Rule: From Pompey to Dio- cletian. A Study in Political Relations zu nennen, die die Bar Kochba-Periode umfassend, kritisch und unter jüngsten wissenschaftlichen Einflüssen schildert. Peter Schäfers 2003 publizierte Aufsatz- sammlung The Bar Kokhba War Reconsidered beinhaltet Essays in erster Linie israelischer Ge- schichtswissenschaftler u.a. zur römischen Religionspolitik, mehrere Diskurse zum Beschneidungs- verbot, Aufsätze über die zeitliche und territoriale Ausdehnung des Aufstands, aber auch zu gegen- wärtigen epigraphischen Funden und deren Bedeutung für moderne Forschungsansätze und nicht zuletzt einen Essay über das Bar Kochba-Bild in der heutigen israelischen Gesellschaft. Martin Goodman ist gleich in zweifacher Hinsicht als Herausgeber bzw. Publizist hervorzuheben; einmal als Publizist der Aufsatzsammlung Jews in a Graeco-Roman World und zum anderen als Mitheraus- geber des Oxford Handbook of Jewish Studies; beide Werke sind unerlässlich, wenn es darum geht, einen Umriss über komplizierte Sachverhalte zu erlangen. Ähnliches gilt für den von Steven Katz (u.a.) 2006 herausgegebenen 4. Band der Aufsatzsammlung The Cambridge History of Judaism, The late Roman-Rabbinic Period; hierin werden chronologisch geordnet die wichtigsten in dieser Arbeit thematisierten Ansatzpunkte wiedergegeben. Bedeutend sind insbesondere als Überblick für die jeweiligen Zeitereignisse Miriam Pucci ben Zeevs Aufsatz The Uprising in the Jewish Diaspora 116-117 bzw. Eshel Hanans Essay The Bar Kochba Revolt 132-135. Was den Status der Juden im römischen Reich anbelangt ist Ammon Linders Aufsatz The Legal Status of the Jews in the Roman Empire relevant. Hinsichtlich der Auseinandersetzungen über die Messianität Bar Kochbas sei auf verschiedene Aufsätze Aharon Oppenheimers verwiesen, v.a. auf den 1997 unter dem Titel Messia- nismus in römischer Zeit. Zur Pluralität eines Begriffes bei Juden und Christen publizierten, der sich kritisch mit der messianischen Intention des Aufstandsführers auseinandersetzt.

Zur Primärliteratur, auf die im Laufe der Arbeit noch mehrmals kritisch Bezug genommen werden wird, sei angemerkt, dass sich ein Abschnitt aus dem 69. Buch von Cassius Dios Historia Romana als der glaubwürdigste hinsichtlich der Ereignisse zwischen 132 und 135 erweist in einer ansonsten sehr überschaubaren historiographischen Überlieferungslage. Weniger zeitnah ist eine Stelle aus der Kirchengeschichte des Eusebius von Caesarea, der sich in seiner Überlieferung des 3./4. Jahrhun- derts auf Aussagen eines gewissen historisch nicht näher einzuordnenden Ariston von Pella bezieht.

II. Hauptteil

1. Die V or g eschichte: Judaea u n d die Diasporajuden seit dem Fall Jerusalems 70 n. Chr.

1.1 Die Provinz Judaea nach der Katastrophe – Die Folgen des Ersten Jüdischen Krieges (66-73 n. Chr.)

Der Erste Jüdische Krieg, der im April 73 mit der Erstürmung der Bergfestung Masada durch römi- sche Truppen und dem vorausgegangenen Massenselbstmord der jüdischen Verteidiger zu einem definitiven Ende gefunden hatte, bedeutete für die Provinz Judaea eine historische Zäsur.9 Judaea wurde fortan eine proprätorische Provinz und damit einem kaiserlichen Legaten vom Rang eines ehemaligen Prätoren unterstellt, dessen Amtssitz sich in Caesarea befand. Gleichzeitig übernahm er die Funktion des Legionskommandanten, dem es oblag, zusammen mit sechs Auxiliarverbänden die Ruhe in der unterworfenen Provinz zu garantieren.10 Zusammen mit der im ehemaligen Königspa- last des Herodes stationierten legio X Fretensis, die von Anfang an in die Kampfhandlungen des Jü- dischen Krieges involviert und im Jahr 70 maßgeblich an der Einnahme und Zerstörung Jerusalems beteiligt war, verblieben sechs ursprünglich im Westen des Reiches aufgestellte Hilfstruppeneinhei- ten im Land stationiert.11 Ein Militärdiplom aus dem Jahr 88 benennt die betreffenden Einheiten: zwei Reiterverbände, die ala veterana Gaetulorum und die ala I Thraca Mauretana, bzw. die vier Fußkohorten I Augusta Lusitanorum, I und II Thracum sowie die II Cantabrorum.12 Zur unmittelbar folgenden Entwicklung Judaeas liegen, nachdem der zeitgenössische Chronist Flavius Josephus sein Werk De bello Iudaico kurz nach dem Ende des großen Krieges ebenso zum Abschluss gebracht hatte, nur sehr spärliche schriftliche Zeugnisse vor.

Nach 70 wurden in Emmaus seitens Vespasians 800 Veteranen des Jüdischen Krieges angesiedelt; die übrigen Ländereien wurden verpachtet. Allen Juden des römischen Reiches, ob in Judaea oder in Nov. 88. In: Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik (ZPE) 143 (2003), Bonn 2003, S. 229ff.

der Diaspora, wurde eine jährliche Sonderbesteuerung (fiscus Iudaicus) in der Höhe einer Dop- peldrachme zugunsten des Tempels des obersten römischen Staatsgotts, des Capitolinischen Iuppi- ter, auferlegt, was gleichzusetzen war mit einer besonderen Form der Demütigung angesichts der Tatsache, dass die Juden vorher von jedem Glaubensbruder jene Sondersteuer für den Tempel in Je- rusalem eingetrieben hatten, der in den Kriegswirren völlig zerstört wurde.13 Zudem war die gesam- te jüdische Bevölkerung des Reiches mit dieser Art der Sondersteuer, die bis in das 3. nachchristli- che Jahrhundert belegt ist, erstmals aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit als steuerpflichtige Son- dergruppe festgelegt worden.14

Am schwersten während der kriegerischen Auseinandersetzungen hatten einige wichtige urbane Zentren Galilaeas, viele Städte in Judaea und hauptsächlich Jerusalem und dessen unmittelbare Um- gebung gelitten, so dass das Heilige Land zunächst kein städtisches Zentrum mehr besaß. Ange- sichts der Stationierung der legio X Fretensis dürfte aber die bis dato in Trümmer liegende und ent- völkerte Stadt mittelfristig von der Garnison profitiert haben, in dem Maße, in dem sich Kleinhänd- ler und Handwerker angesiedelt haben, ohne deren Anwesenheit eine militärische Niederlassung dieser Größenordnung nicht existiert haben könnte.15 Die Historiker des Altertums haben jene Jahre Jerusalems nach der Zerstörung des Tempels in ihren Niederschriften außen vor gelassen; jedoch kann davon ausgegangen werden, dass die Bevölkerungszahl der Stadt im Laufe der folgenden Jahr- zehnte wieder stetig angewachsen ist.

Der Schilderung des Flavius Josephus, wonach Vespasian auf dem Boden der besiegten Provinz ge- wissermaßen aus Bestrafungsmotiven heraus die Gründung neuer Städte verweigerte, kann nicht ge- folgt werden.16 In Samaria wurde in der Nähe von Sichem das heutige Nablus im Westjordanland unter dem damaligen Namen Flavia Neapolis gegründet. Bereits während der Kriegswirren hatte Vespasian einen Wiederaufbau zerstörter Städte vorangetrieben; nach dem Ende der Kämpfe existierten weiterhin die alten Städte der Küstenebene mit ihren Territorien. Caesarea maritima, wo Vespasian einst zum Kaiser ausgerufen wurde, benannte dieser aus Dankbarkeit in Colonia prima Flavia Augusta Caesariensis um; zudem wurde die Stadt in den Status einer römischen Bürgerkolo- nie erhoben.17

Zum Zentrum des pharisäischen Schriftgelehrtentums entwickelte sich bereits während des Krieges die in der Küstenebene gelegene Stadt Iamneia. Wohl noch im Jahr 68 war es dem Jerusalemer Rab- bi Yohanan Ben Zakkai gelungen, der die Zerstörung Jerusalems erahnte, ins Lager der Römer über- zulaufen und dort von Vespasian eine Genehmigung zu erhalten, eine Rabbinerschule betreiben zu dürfen. Noch im Laufe der Kampfhandlungen entwickelte sich Iamneia zu einem Zufluchtsort für Juden, die sich den Römern ergeben hatten.18 In den ersten Jahrzehnten nach der Zerstörung Jerusalems versammelte sich die Elite der Schriftgelehrten in Iamneia, um im Studium der Thora, die nach dem Untergang des Tempels die letzte Grundlage der religiös begründeten Identität des jüdischen Volkes darstellte, ihre religiöse Erfüllung zu finden. Zudem stellte das Gremium der Schriftgelehrten von Iamneia nach der Aufhebung des Jerusalemer Sanhedrins als oberstes Gericht von nun an die höchste jüdische Rechtsinstanz dar. Die römische Verwaltung tolerierte eine jüdische Gerichtsbarkeit unter der Prämisse, dass beide an der Rechtsstreitigkeit beteiligte Parteien sich dazu bereit fanden, ein jüdisches Gericht zu akzeptieren.19 Obwohl bereits vor Kriegsausbruch innerjüdische Strömungen existierten (z.B. in Qumran oder bei den Samaritanern), die eine Loslösung vom irdischen Tempel in Jerusalem forderten, entwickelte sich Jerusalem in den folgenden Jahrhunderten des Spätjudentums wieder zur Heimstätte der geistigen Bindung.

In der christlichen Interpretation wurde die Tempelzerstörung als vermeintlicher Beweis der Ver- werfung der Juden durch Jahwe herangezogen, ein Blickwinkel, der nach dem letzten zum Schei- tern verurteilten Wiederaufbauversuch des Tempels unter Julian (361-363) seine theologische Vollendung erhielt. Nicht zuletzt stützte man sich dabei von Seiten christlicher Auslegung auf Flavi- us Josephus, der in dem verlorenen Krieg und der damit einhergehenden Katastrophe eine Bestra- fung Gottes bzw. eine sich erfüllende Prophezeiung zu erkennen glaubte. Die moderne Forschung kommt in ihrer Bewertung zu differierenden Ergebnissen; während u.a. Scheckenberg und Wagner- Lux darauf verweisen, dass die Zerstörung des Tempels insbesondere für die Diasporajuden keine direkten Konsequenzen mit sich gebracht habe, bzw. die unterschiedliche Betroffenheit innerhalb des Judentums akzentuieren, betont Neussner im Untergang der heiligsten Kultstätte gleichsam den Verlust des einheitsstiftenden Elements der Basis des religiös-kulturellen Landlebens bzw. des Brennpunktes sozialer Strömungen, die als Grundlage politischer Autonomie dienten. Eine weitrei- chende Krise der geistigen Existenz, die nicht nur neuartige Riten notwendig machte, sei die Folge gewesen.20

Dennoch darf die unmittelbare geistige Lage nach der verheerenden Niederlage als äußerst traurig angenommen werden: nicht nur die Demütigung, die Tempelsteuer an den Iuppiter Capitolinus fort- an nach Rom entrichten zu müssen und die Tatsache, dass Jerusalem nach der Zerstörung des Tem- pels gleichsam entvölkert in Schutt und Asche lag und darüber hinaus die Heilige Stadt durch die andauernde Präsenz einer römischen Legion entweiht wurde. Besonders die Messiaserwartungen, die nicht erfüllt wurden, der hätte erscheinen sollen, um die Nation aus der Asche zum Siege zu führen und sein Reich zu errichten, führten dazu, dass sich das Judentum in der Zeit nach 73 in einer Phase der geistigen Depression befand.21

Der religiöse Eifer für die Thora entfachte sich in den folgenden Jahrzehnten an der Vorstellung, die erlittene Katastrophe des Volkes sei eine Bestrafung Jahwes für den Abfall von göttlichen Weisungen und die Folge ausschweifender Sünden. Anders ausgedrückt konnte dies nur bedeuten, dass eine Rückwendung Gottes und ein Neuerstrahlen des Tempels in altem Glanz wie zuletzt nach dem Ende des Babylonischen Exils, nur unter der Voraussetzung gelebter und praktizierter Treue zu den in den Thorarollen offenbarten Gesetzen möglich sei.22 Im Kontext wissenschaftlicher Untersu- chungen konnte keine einheitliche Einschätzung darüber hergestellt werden, warum der Tempel nach seiner Zerstörung nach Beendigung der Kampfhandlungen nicht wieder aufgebaut wurde, was offenbar von römischer Seite nicht durch Gesetzesmaßnahmen verboten wurde. Goodman vertritt die Einschätzung, die Juden hätten auf einen Wiederaufbau nach Ende der Flavier-Dynastie gehofft und erst unter Nerva die Hoffnung verloren. Nach Smallwood sollen die Pharisäer durchaus zufrie- den gewesen sein, die Vormachtstellung der Sadduzäer und damit der Priesterklasse gebrochen zu haben.23

1.2 Der Aufstand der Diasporajuden (115-117 n. Chr.)

Am Ende der Regierungszeit Traians (98-117) erschütterte der Aufstand der Diasporajuden das Rö- mische Reich in seinen Grundfesten, ohne dass sich in der modernen Forschung ein Motiv heraus - kristallisiert hätte, das die Unzufriedenheit und die Bereitschaft zur Rebellion gegen die römische Oberhoheit jener jüdischen Bevölkerungsteile von der Cyrenaica im Westen, über Ägypten und Zy- pern bis nach Mesopotamien und Babylonien im Osten hätte erklären können.24 Die Wissenschaft ist auch aufgrund der Tatsache, dass ein gewissenhafter Chronist, wie zu Zeiten des Ersten Jüdi- schen Krieges in der Person eines Flavius Josephus existent, während des Diasporaufstands gänz- lich fehlte, auf Spekulationen und Vermutungen angewiesen.25

Noethlichs benennt als mögliche Hintergründe den Abnutzungskrieg Traians gegen die Parther ab 114, darüber hinaus auch ein starkes Erdbeben, welches besonders bei den Juden die Erwartung vom unmittelbar bevorstehenden Ende der Welt auslöste, aber auch zu dieser Zeit in den Diaspora- gemeinden freigekaufte Zeloten des Ersten Krieges, die als Unruhestifter die Juden gegen die Besatzer aufgewiegelt haben könnten.26 Besonders der Umstand, dass am 13. Dezember 115 besagte Reihe von gewaltigen Erdstößen den östlichen Mittelmeerraum erschütterte und u.a. Antiochia verwüsteten, wo Traian gerade sein Winterlager aufgeschlagen hatte, mochte den Aufständischen wie ein göttliches Fanal, dass die Zeit für ihren messianischen Kampf gekommen sei, vorgekommen sein.27

Eusebius berichtet in seiner Kirchengeschichte, dass im achtzehnten Jahr der Regierung Traian eine neue jüdische Erhebung ausgebrochen sei: „In Alexandrien wie in dem übrigen Ägypten und auch in Cyrene ließen sie sich, von einem bösen, revolutionären Geiste ergriffen, dazu herbei, sich gegen ihre griechischen Mitbürger zu erheben.“ (Historia Ecclesiastica IV, 2)28

Der Aufstand in den Jahren 115-117 lässt sich als die sozial und militärisch schwerwiegendste Krise auf dem Territorium des ehemaligen Ptolemäerreichs seit Actium 31 v.Chr. und bis zur Eroberung des Landes durch Zenobia in den Jahren 269/70 klassifizieren.29 Cassius Dio gibt als Zahlen für den Aufstand die Zahl der getöteten „Römer und Griechen“ mit 240 000 auf Cypern bzw. 220 000 in der Cyrenaica an. (Historia Romana LXVIII, 32.1-3)30 Selbst wenn die Angaben übertrieben erscheinen, wurde die Auseinandersetzung beiderseits als Ausrottungskrieg geführt, was u.a. Orosius bemerkt, wenn er schreibt, dass Libyen (gemeint ist die Cyrenaica) „derart verwüstet wurde [...], dass wenn nicht später Kaiser Hadrian (neue) Kolonien angesiedelt hätte [...], der Landstrich [...] verwaist geblieben wäre“. (Historiae adversum paganos 7,12.6)31

Eusebius bemerkt zu den Diasporaerhebungen: „Der Kaiser entsandte daher gegen sie [die Juden] Marcus Turbo mit Fußsoldaten, Kriegsschiffen und auch Reiterei. Dieser führte in zahlreichen Ge- fechten einen langwierigen, mühsamen Krieg und vernichtete zu Tausenden die cyrenischen Juden aber auch ägyptische Juden, die sich ihrem König Lukuas angeschlossen hatten. Da der Kaiser be- fürchtete, es möchten sich auch die Juden Mesopotamiens erheben, befahl er dem Lusius Quietus, die Provinz von diesen Leuten zu reinigen. Dieser rüstete und vernichtete eine sehr große Anzahl der dortigen Juden.“ (HE IV, 2.4)32

Die Juden verfolgten mit dem Konflikt, der im ersten Halbjahr des Jahres 115 an verschiedenen Or- ten entlang der nordafrikanischen Küste nahezu zeitgleich entbrannt war, zumindest das Ziel der Zerstörung der zumeist heidnisch geprägten Gebiete.33 Nachrichten aus Cyrene und Alexandrien be- legen, dass heidnische Kultstätten geschändet und zerstört wurden.34 So fiel das Heiligtum der Ne- mesis im Osten Alexandrias, in dem Caesar einst das Haupt des Pompeius begraben ließ, den Ver- heerungen der jüdischen Insurgenten zum Opfer.35

Unter Ptolemaios I. war Alexandria einst zur Heimstätte für viele Juden geworden, nachdem der Diadoche während der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen 320 und 301 v. Chr. vier Mal nach Palaestina vorgedrungen war und anschließend jüdische Gefangene als Sklaven für seine Sol- daten bzw. als Garnisonsarbeiter nach Ägypten verschleppt hatte. Hinzu kam zu jener Zeit eine nicht unbedeutende freiwillige Wanderungsbewegung von Juden nach Alexandria, eine Stadt, die wegen ihrer Lage hervorragende geschäftliche Möglichkeiten für jüdische Händler bzw. Kaufleute bot.36 Ungefähr in dieser Zeit seines Sukzessors Ptolemaios II. fiel die Gründung der jüdischen Ge- meinde in der Stadt, die schnell wachsend solche Ausmaße annahm, dass den jüdischen Neubewoh- nern eines der fünf Stadtviertel zugewiesen wurde. In der Folgezeit machten sie sich bei der griechi- schen Oberschicht wie bei der ägyptischen stadtrechtslosen Unterschicht gleichermaßen unbeliebt, indem sie ohne Beweisführung behaupteten, der Stadtgründer Alexander habe ihnen das Stadtrecht zuerkannt.37

In Cyrene, dem Mittelpunkt des Aufstandes, sind Beschädigungen bzw. Zerstörungen mehrerer Tempelanlagen, u.a. derer des Zeus, der Artemis und der Isis, in Inschriften aus dem Caesareum der Stadt bezeugt.38 St. Schreiber akklamiert die Bestrebungen der Juden dahingehend, dass deren als „König“ (nasi) bezeichneter Anführer Lukuas – bei Cassius Dio heißt dieser Andreas – aus Cyrene nach Ägypten aufgebrochen sei, um nach der Eroberung der Landstriche weiter nach Jerusalem vor- zustoßen. Er glaubt in dem Aufstand eine Erhebung gegen die römische Unterdrückungsmacht zu erkennen, in der sich soziale und politische Impulse mit einem religiös-messianischen Befreiungs- anspruch gepaart hätten.39 Auch Applebaum interpretiert die nahezu zeitgleiche Auflehnung entlang der nordafrikanischen Küstengebiete als Teil eines strategisch bereits vorbereiteten Plans, dessen Zielsetzung darin bestand, von Westen her zunächst die Cyrenaica, danach die ägyptische Chora bzw. Alexandrien unter Kontrolle zu bringen, um von dort aus Richtung Osten ins Heilige Land vorzustoßen.40 An dieser Stelle müssen Zweifel an der Realisierung eines derartigen Unterfangens angebracht sein: der Marsch nach Jerusalem musste hinsichtlich seiner realen Umsetzbarkeit selbst bei der Unterstellung der messianischen Ideologie des Anführerkreises, was seitens dessen eine größenwahnsinnige, realitätsferne und ideologisch geprägte Einschätzung der Situation durchaus implizieren kann, eine Utopie gewesen sein. Selbst wenn zu dieser Zeit Kaiser Traian mit einer immensen römischen Militärstreitmacht im parthischen Mesopotamien einrückte und infolge dessen dort heftige Kämpfe entbrannten, was wiederum mit einer militärischen Entblößung seitens der römischen Streitkräfte in den südlichen Mittelmeerländern einherging, konnten die Aufrührer nicht davon ausgehen, dass die Südflanke des römischen Reiches derart militärisch unstrukturiert und unterversorgt war, dass ein Hunderte Kilometer langer Marsch vom Osten der Cyrenaika bis in die Heilige Stadt nicht die römischen Machthaber mit Hilfe von eiligen Truppenverlegungen und Ausbau von Befestigungsanlagen zu verhindern gewusst hätten. Ein Eingreifen Roms musste allein dem Umstand geschuldet sein, dass Ägypten als Kornkammer des römischen Reiches und Hauptversorgungsträger von Weizen und Korn nicht einfach aufgegeben werden konnte. Selbst in der Annahme, dieser Handstreich könnte gelingen, musste den Aufständischen bewusst sein, dass eine militärische Kontrolle über die eroberten nordafrikanischen Gebiete bzw. nicht zuletzt Judaea und Jerusalem auf mittelfristige Sicht schlichtweg unhaltbar gewesen wäre, weswegen diese verwegene Planung eines militärischen Coups diesen Ausmaßes kurzum als Himmelfahrtskommando bezeichnet werden kann. Über die militärische Organisation, die Hierarchie bzw. die materielle Ausrüstung der Usurpatoren ist leider wenig bekannt; jedoch kann davon ausgegangen werden, dass ähnlich wie an den heutigen Brennpunkten der Welt, an denen Aufständische gegen reguläre Streitkräfte einer militärisch überlegenen Zentralregierung kämpfen, die militärische Ausrüstung qualitativ nicht an die der römischen Armee heranreichen konnte.

Der Tatsache, dass keine detaillierten chronologischen Schilderungen über den Verlauf des Auf- stands existieren, ist es geschuldet, dass anhand von Papyri, historiographischen Fragmenten und Überrestquellen über den Ablauf der Ereignisse nur spekuliert werden kann. Nach den Anfangser- folgen in der Cyrenaica versuchten die Juden, die ägyptische Chora und Alexandria unter ihrer mili- tärische Kontrolle zu bringen. Auf dem flachen Land konnten die römischen Einheiten zunächst den Erfolg der Aufständischen nicht verhindern, was dazu führte, dass diese bis in die erste Hälfte des Jahres 116 weite Teile des Landes von Thebais im Süden (Oberägypten) bis kurz vor Pelusium im Nordosten und bis an die Grenzen Alexandrias unter ihre Kontrolle brachten.41 Die Griechen auf dem Lande, die unter den Eroberungszügen zu leiden hatten, flüchteten in Scharen nach Alexandria. Die Stadt wurde gleichermaßen zum Symbol des Wendepunkts in diesem Kriege, denn den grie- chischstämmigen bzw. heidnischen Bewohnern der Stadt gelang es mit römischer Hilfe, die Juden zurückzuschlagen. Nach langwierigen Kämpfen, die mit der Zerstörung Alexandrias, welches erst unter Hadrian wieder aufgebaut wurde, einhergingen, richteten die Bewohner der Stadt an den jüdischen Insurgenten und der dortigen in der Antike sehr bedeutenden jüdischen Gemeinde, ein Blutbad an. In der Folge wurde vielfach der Besitz jüdischer Ländereien in Ägypten konfisziert. Ein undatierter Brief des Strategos der Stadt Heracleopolis an den von Oxyrhynchus beinhaltet zwei Abschriften einer Auflistung ehemals jüdischen Landbesitzes. Einer davon sollte laut Anweisung an den Amtsträger in der Stadt Cynopolis gesendet werden, möglicherweise mit der Absicht, dort ähnliche Konfiszierungen in die Wege zu leiten. Ähnliche Formen der organisierten Konfiskationen sind auch nach dem Bar Kochba-Aufstand bezeugt.42 In Oxyrhynchus wurde noch ein Jahrhundert später jährlich mit einem Fest anlässlich des gemeinsam errungenen Sieges über die Juden und der Waffenbrüderschaft mit den Römern gedacht.43 In Cyrene nahmen die dortigen Juden Rache an ihren nicht-jüdischen Mitbürgern und richteten ihrerseits blutige Massaker an, wie oben bei Cassius Dio erwähnt. In der historiographischen Überlieferung finden sich Berichte scheußlichster Gräueltaten, u.a. wird den cyrenischen Juden vorgeworfen, ihre malträtierten Mitbürger zur Demütigung zum Kannibalismus gezwungen zu haben; jedoch dürften derartige Berichte eher unter der Kategorie der diskreditierenden Übertreibung einzuordnen sein.44

In der Erwartungshaltung, dass römische Truppenverbände gegen sie in Gang gesetzt würden, hat- ten die aufständischen Juden Cyrenes rechtzeitig wichtige Ost-West-Straßenverbindungen zerstört; möglicherweise stand hinter dieser Maßnahme die Annahme der Rebellen, römische Truppen könn- ten von der Seeseite in der Hafenstadt Apollonia anlanden.45 Die Straßenzerstörung ist ein Vorgang, der selbst im 21. Jahrhundert in regulären Kriegen in ähnlicher Form zu beobachten ist, wenn zu- rückweichende Truppen angesichts des drohenden Vormarschs des Gegners Brücken sprengen oder Straßenverbindungen verminen. Im Jahr 118/19 erneuerte Meilensteine entlang der Verbindungs- straße zwischen Apollonia und Cyrene bezeugen, dass die Straße in besagten Jahren wieder instand gesetzt wurde, nachdem sie während der jüdischen Erhebung (tumultu Iudaico) zerstört wurde.46 Aus Sicht der Rebellen war der Kriegsverlauf, bedenkt man deren spärliche militärische Erfahrung und die anzunehmenderweise schlechte Ausrüstung, in den ersten anderthalb Jahren bis zum Ein- greifen des Marcius Turbo überwiegend und letztlich auch unerwartet positiv.

Hierfür mögen mehrere Ursachen maßgeblich zusammengewirkt haben: zum einen sicherlich die im Kontext der Partherfeldzüge mangelnden militärischen Kapazitäten im nordafrikanischen Raum; abgesehen von der in Alexandria stationierten legio XXII Deiotariana, die später im Zusammenhang mit dem Bar-Kochba-Aufstand noch zu thematisieren sein wird, waren die römischen Besitzungen entlang des südlichen Mittelmeeres zu jener Zeit weitgehend militärisch entblößt. Des Weiteren sind die Gründe auch auf Seiten der Insurgenten zu suchen: Tacitus verweist in seinen Historien auf die jüdische „[...] animosque proelio aut suppliciis peremptorum aeternos putant: hinc generandi amor et moriendi contemptus [...]“47, also sinngemäß „die Liebe [der Juden] zum Hervorbringen [ihres Volkes] und die Verachtung gegenüber dem Sterben“; zudem würden sie „die Seelen derer, die im Kampf oder infolge der Todesstrafe gestorben sind, für unsterblich halten“. Schenkt man dem Historiographen Glauben, so mischten sich bei den Juden Todesverachtung mit dem unstillbaren Willen, durch Fruchtbarkeit das eigene Volk wachsen zu lassen. Die Erhebung der Seelen derer, die während eines Krieges im Dienste ihres jüdischen Volkes oder aufgrund von Todesstrafen um Le- ben kamen, im geistig-religiösen Denken implizieren einen Märtyreranspruch und damit zeichnen damit letztlich ein Bild einer Jenseitserwartung, die vom messianischen Erlösungsanspruch geprägt ist.

Zudem kann die militärische Leistung der Juden in der Cyrenaica und in Ägypten nicht hoch genug eingeschätzt werden: in Anbetracht eines Vergleichs der Topographie Judaeas, wo jüdische Insur- genten um den Anführer Bar Kochba knapp 20 Jahre später erneut einen Aufstand anzettelten, mit der des nördlichen Afrika kommt man nicht umhin festzustellen, dass allein die weitläufigen, flachen, ariden Wüstenebenen einem Guerillakrieg entgegenstanden, während das unwegsame, von Höhlen, Wadis und Hügelketten durchgezogene Judaea geradezu einen idealen Standort für eine derartige Kriegstaktik bot. Hinter der von Akko nach Haifa in Nord-Süd-Richtung verlaufenden Küstenstraßen in östlicher Richtung liegt das bis zu 552 Meter hohe Karmel-Gebirge, ein bis zum Mittelmeer vorgeschobener Bergrücken; dahinter folgt das sich bis zu 1200 Meter erhebende west- jordanische Bergland als Fortsetzung des bereits bei Tacitus erwähnten Libanongebirges, welches im Süden in die Negev-Wüste abfällt.48 Im östlichen Part des judaeischen Gebirges schließt sich eine trostlose Stein- und Geröllwüste an, ehe der tektonische Grabenbruch entlang des Jordans das heutige Cis- und Transjordanien trennt. Der See Genezareth (-212m NN) und das Tote Meer (-408m NN) liegen in der von Nord nach Süd verlaufenden Senke bereits weit unterhalb des Meeresspie- gels.49 Die Ausdehnung des nordafrikanischen Aufstandsterritoriums erstreckte sich hingegen über Hunderte Kilometer von West nach Ost ohne von Menschenhand geschaffene Befestigungsformen und -anlagen, während Judaea insgesamt nur einige Tausend Quadratkilometer Landfläche umfasste und dort die natürlichen Gegebenheiten den Aufständischen Schutz, etwa in Höhlen bot. Die Bevölkerung von Cyrene und Ägypten war mehrheitlich nicht-jüdisch, zumeist griechisch geprägt und gerade die Menschen auf dem Land standen den Rebellen feindlich gegenüber; mit Denunzierung seitens der griechischen Bevölkerung hatten die jüdischen Insurgenten immer zu rechnen. In Judaea hingegen lebte eine jüdische Majorität, die den Aufständischen Unterschlupf, Versorgung mit Nahrung sowie tatkräftige und moralische Unterstützung gewähren konnte.50

Auf der Insel Cypern, wo bereits im 2. vorchristlichen Jahrhundert beachtliche jüdische Diasporage- meinden beheimatet waren, hatte die jüdische Erhebung erst im Jahr 116 begonnen; nachdem Augustus 12 v. Chr. Herodes dem Großen die Hälfte am Ertrag der dortigen Kupferminen vermachte hatte dürfte ein weiterer Zustrom jüdischer Einwanderer auf die Insel erfolgt sein. Aus dem Zeitraum des gesamten 1. nachchristlichen Jahrhunderts sind keine Auseinandersetzungen zwi- schen ihnen und den auf der Insel lebenden Griechen bekannt geworden, ebenso wenig Erhebungen gegen die römische Oberherrschaft, so dass sich konstatieren lässt, dass der Aufstand die Insel völ- lig überraschend und ohne konkreten Anlass getroffen hatte.51 Unter einem Führer namens Artemi- on, vermutlich ebenfalls einer jener messianischen Könige, die sich berufen fühlten das jüdische Volk der göttlichen Erlösung und dem Weltenende zuzuführen, wurde das Zentrum des Aufstands, die Hauptstadt Salamis – bereits seit dem 11. Jahrhundert vor Christus wichtigste Stadt Cyperns, in der mehrere Synagogen belegt waren52 - , verwüstet. Bei Eusebius ist überliefert, dass die Juden wie in einem Blutrausch im 19. Regierungsjahr Kaiser Traians in Salamis alle Griechen, die nicht geflohen waren angriffen, töteten und anschließend die Stadt bis auf die Grundmauern niederbrann- ten.53 Mögen die bei Cassius Dio angegebenen Opferzahlen hinsichtlich der Quantitäten übertrieben erscheinen, so lässt sich dennoch nicht verkennen, dass auch auf Cypern beiderseits ein Vernichtungskrieg tobte. Die einzige gesicherte Information über ein römisches Eingreifen auf Cy- pern, das im übrigen das einzige auf der Mittelmeerinsel in der Geschichte des Römisches Reiches bleiben sollte, ist eine Inschrift für einen Militärtribunen der legio VII Claudia, der eine Legionsab- teilung befehligte, die vom Krieg im Partherreich abkommandiert wurde an den Aufstandsbrenn- punkt auf Cypern.54 Eine nahe Salamis gefundene Weihinschrift zu Ehren einer ansonsten in Panno- nien stationierten Auxiliareinheit lässt sich als Hinweis deuten, dass dieser Truppenverband eben- falls an der Unterwerfung des Aufstands beteiligt war.55 Nach der Niederschlagung der jüdischen In- surgenten blieb ihnen in der Folgezeit das Betreten der Insel unter Androhung der Todesstrafe ver- boten, selbst wenn ein Sturm einen Juden in die Notsituation brächte, mit seinem Schiff auf Cypern anlanden zu müssen:

„... und in Äygpten unter Führung eines gewissen Artemion. Insgesamt starben 240 000 Einwohner und aus diesem Grund heraus durfte kein Jude mehr seinen Fuß auf die Insel setzen; sogar wenn er durch einen Sturm an die Gestrände angespült wird, wird er mit dem Tod bestraft.“ (Cassius Dio, HR LXVIII, 32.3).56

Das Schlachten auf Cypern musste ein Ausmaß an Grausamkeit angenommen haben, für welches die Behörden den Messianismus des Judentums verantwortlich machten. Anders kann eine derart drakonische Strafmaßnahme, die Vertreibung aller Juden von der Insel inklusive eines derart re- striktiven Verbots des Betretens der Insel nicht gedeutet werden. Die fruchtbare Insel hatte zu dieser Zeit bereits über eine Million Einwohner, von denen nur eine geringe Minderheit dem jüdischen Glauben angehörte.57 Cypern – von der Insel waren bis dato keine jüdischen Ausschreitungen be- kannt – war also zum Exempel der Entflammbarkeit der messianischen Erweckungen geworden, die die Insel an den Rande des Zusammenbruchs gebracht hatte.

In Mesopotamien und Babylonien, der wohl ältesten und zahlenmäßig stärksten jüdischen Gemein- de außerhalb Judaeas, entbrannten Unruhen im Jahr 116 in Folge der römischen Eroberungszüge; in Mesopotamien kam es zu Aufständen gegen die römische Oberhoheit, in Babylonien gelang es Trai- an, der zu dieser Zeit in der parthischen Hauptstadt Ktesiphon weilte, die Unruhen niederzuschla- gen. Ob Juden an den antirömischen Agitationen unmittelbar beteiligt waren, lässt sich nur schwer- lich sagen: Cassius Dio benennt die Juden nicht als Unruhestifter und bezichtigt sie keiner Beteili- gung. Eusebius hingegen verweist darauf, dass gerade sie eine große Gefahr darstellten, da sie daran Interesse hatten, zusammen mit der einheimischen Bevölkerung der römischen Vorherrschaft im Nahen Osten ein Ende zu bereiten, möglicherweise mit der Intention, dass dadurch das römische Imperium im ganzen vorderasiatischen Bereich ins Wanken geraten könnte. Das römische Joch würde für die Juden allemal ein schwereres Los bedeuten als von den Parthern regiert zu werden, die ihnen bereits vorher ein hohes Maß an Selbstverwaltung und Unabhängigkeit eingeräumt hat- ten.58

Den anfänglichen Erfolgen der Aufständischen folgte letztlich die erneute Unterwerfung durch Lu- sius Quietus, den Traian in die Unruheprovinz entsandt hatte. Edessa, Nisibis und Seleukia, Städte in denen zahlreiche jüdische Diasporagemeinden existiert hatten, wurden erobert und zerstört. Mas- senhinrichtungen folgten, so dass auch die mesopotamischen Juden nahezu gänzlich ausgerottet wurden. Die Erhebungen kamen nach 117 zu einem endgültigen Ende.59

In Palaestina und Judaea, dem jüdischen Stammland, kam es nach allem, was wir wissen, zu keinen nennenswerten Aufständen, was einzelne militärische Operationen nicht ausschließt, wie sie in jüdi- schen Quellen, wo man gar von einem „Krieg des Kito (Quietus)“ spricht bzw. in einer Inschrift auf Sardinien, bezeugt sind.60 Traian ernannte besagten militärisch erfahrenen und gegenüber den Auf- ständischen äußerst unnachgiebigen Lusius Quietus zum Statthalter Palaestinas senatorischen Rangs, womit auch die Besatzungen in der Provinz massiv verstärkt wurden. Aus dieser Maßnahme lässt sich ableiten, dass Traian die Situation in Palaestina als äußerst angespannt beurteilte und ein Übergreifen der Diasporaaufstände auch im Kernland befürchtete. Teile der legio III Cyrenaica, die ihren Standort in Alexandria hatte, wurde nach dem abgeschlossenen Partherfeldzug aus dem Osten abgezogen und in Jerusalem stationiert, worauf eine dortige Weihung einer vexillatio hinweist. Die Weihung in Jerusalem als Heilige Stadt der Juden darf unter diesem Aspekt als deutliche antijüdi- sche Demonstration römischen Herrschaftsverständnis betrachtet werden.61

Die gescheiterte jüdische Erhebung in den Jahren zwischen 115 und 117 in den Diasporagebieten endete in einer Katastrophe; viele jüdische Gemeinden wurden ausgelöscht, in Ägypten, der Cyre- naika und anderen Gebieten wohl nahezu alle; Hunderttausende Juden waren ums Leben gekom- men, in manchen Gebieten existierte fortan kein jüdisches Leben mehr, wie etwa u.a. auf Cypern eindrucksvoll belegt.62 Das apokalyptische Ausmaß der verheerenden Niederlage wird in der Litera- tur desöfteren als antiker „Holocaust“ tituliert; wenngleich der Terminus aufgrund der hinsichtlich eines staatlich geplanten, organisierten und durchgeführten Genozids kaum vergleichbaren deut- schen Historie unangebracht sein mag, so lässt sich aber dennoch ableiten, welche Bedeutung bzw. Folgen die vernichtende Niederlage für die Juden Nordafrikas, Cyperns, Vorderasiens und des Na- hen Ostens hatte. Keines der hoch gesteckten Ziele konnte verwirklicht werden, Jerusalem und Ju- daea war mehr denn je in römischer Besatzungshand, der Tempel blieb verwüstet und die messiani- schen Hoffnungen waren einer neuerlichen niederschmetternden Enttäuschung gewichen. Die römi- sche Besatzung war manifestiert, einhergehend mit dem Erkenntnisgewinn seitens der Römer, wo- nach sie spätestens von diesem Zeitpunkt an angesichts der messianischen Auswüchse und der leichten Entflammbarkeit der jüdischen Volksmassen vor weiteren Unruhen auf der Hut sein muss- ten. Zu einem undatierten Zeitpunkt, jedoch im Anschluss an den Partherkrieg der ersten Hälfte des 2. nachchristlichen Jahrhunderts und damit auch nach dem Diasporaaufstand wurde mit der legio II Traiana eine zweite komplette Legion nach Judaea versetzt.63

2. Kritische Reflexion möglicher Ursachen der Bar Kochba-Erhebung

2.1 Die Neugründung Jerusalems als römische Garnisonsstadt Aelia Capitolina

Die Frage nach den Ursachen des Bar Kochba-Aufstands, der nach 60 Jahren relativer Ruhe zwi- schen den Jahren 132 bis 135 das Kernland Judaea erschütterte, hat in der Vergangenheit von Seiten der Forschung sowohl bei Historikern als auch Religionswissenschaftlern für Diskussionsstoff und Meinungsverschiedenheiten gesorgt. An dieser Stelle sei die Einordnung der Historiker genannt, die ihre Annahmen insbesondere aus historiographischen Quellen beziehen. Eine Vermutung nimmt Be- zug auf den Gründungsbeschluss Hadrians, anstelle Jerusalems eine römische Militärkolonie mit dem Namen Aelia Capitolina zu errichten, wobei sich Aelia auf seinen Gentilnamen P. Aelius Ha- drianus bzw. Capitolina auf den Tempel bzw. die Statue des Jupiter Capitolinus bezog.

Cassius Dio berichtet in seinen Historia Romana darüber:

„Als er (= Hadrian) in Jerusalem anstelle der zerstörten [Stadt] eine [neue] Stadt gründete, die er Aelia Capitolina nannte und als er an der Stelle des Tempelgottes einen anderen, dem Jupiter [ge- weihten] Tempel erbaute, brach ein bedeutender und langwieriger Krieg aus. Die Juden, die es nämlich für etwas Unerträgliches hielten, dass Fremde in ihrer Stadt angesiedelt und fremde Hei- ligtümer in ihr installiert würden, verhielten sich ruhig, solange Hadrian sich in Ägypten und wie- derum in Syrien befand [...]; als er sich aber fern [von Palaestina] befand, erhoben sie sich in offe- ner Revolte.“ (HR LXIX, 12)64

Cassius Dio interpretierte die Neubaupläne anstelle Jerusalems als Hauptursache der nachfolgenden Aufstände, was sich wiederum angesichts der Benennung der Reise Hadrians in den Osten des Im- periums zumindest in chronologischer Hinsicht als glaubwürdig erweist. Nachdem der Kaiser den Winter 129/130 in Antiochia zugebracht hatte, führte ihn sein weiterer Itinerariumsweg 130 zu- nächst nach Ägypten; nach seiner Rückkehr nach Syrien, welche wohl in den Spätsommer des Jah- res 131 zu datieren ist, wandte er sich westwärts über Kleinasien nach Griechenland, wo er persön- lich 131/132 in Athen die Weihe des Olympeions vornahm. Aufgrund der historisch-chronologisch belegten Reiseroute Hadrians, hinsichtlich derer es unklar bleibt, ob er in dieser Zeit Jerusalem auf- gesucht hat, um möglicherweise vor Ort den Befehl zur Neuaufbau der Stadt zu verkünden, müssten die Aufstände im unmittelbaren zeitlichen Kontext zur Abreise des Kaisers erfolgt sein, also wahr- scheinlich bereits im Jahr 132.

Eusebius benennt den Aufbau Aelia Capitolinas in seiner Historia Ecclesiastica unter einer anderen Perspektive; dabei datiert er den Bar Kochba-Aufstand eindeutig in die Zeit bevor der Beschluss zur Aelia Capitolina-Gründung gefasst wurde:

„[...] Nachdem auf solche Weise die Stadt vom jüdischen Volke entblößt und der alten Einwohner beraubt worden war und Fremde sie bevölkert hatten, änderte die nun entstandene römische Stadt ihren Namen und nannte sich zu Ehren des Kaisers Aelius Hadrianus Aelia.“ (HE IV, 6. 4)65

Der Umstand, dass sich Eusebius in seinen Ausführungen zu möglichen Kriegsursachen nicht äu- ßert, ist gegebenenfalls darauf zurückzuführen, dass er entweder diese nicht kannte oder sie ihm für seine historiographische Schilderung irrelevant erschienen. Als bedeutsam anzusehen ist die Tatsa- che, dass er die Gründung Aelia Capitolinas eindeutig in die Zeit nach dem Aufstand datiert, also dass er sie quasi als Folge, jedenfalls nicht als den Anlass der Rebellion auffasst. Zunächst wurden nach seinen Schilderungen die überlebenden Juden aus Jerusalem vertrieben, daraufhin die Stadt mit Heiden bevölkert – die Säkularisation bzw. Entweihung der Stadt erfolgte quasi nach deren Ver- treibung als doppelte Bestrafungsmaßnahme gegenüber den Juden - und anschließend wurde die Gründung der römischen Militärkolonie beschlossen.

Die Schilderungen der beiden hinsichtlich der damaligen Ereignisse in Judaea bedeutendsten Histo- riographen lässt hinsichtlich der Eruierung der historischen Wahrheit eine Zwickmühle entstehen, da die Gründung Aelia Capitolinas konträr eingeordnet wird. Die Zuverlässigkeit beider Quellen wird von Historikern grundsätzlich nicht angezweifelt, und im Zweifelsfalle hat sich auch keine Prioritätsverwendung der einen gegenüber der anderen herausgebildet, so dass aufgrund der Quel- lenlage alle möglichen logischen Schlussfolgerungen hinsichtlich der Interpretation bzw. Beurtei- lung offen bleiben. Während u.a. H. Mantel die Überlieferung Eusebius´ vorzieht, interpretiert die Mehrheit der Historiker mittlerweile die Aussage Cassius Dios unter dem Postulat, dass die Grün- dung des neuen römischen Jerusalem (unter dem Namen Aelia Capitolina) zumindest eine Kriegsur- sache dargestellt haben müsste.66 Freilich mag dabei auch der Umstand eine Rolle spielen, dass sich ansonsten nahezu überhaupt kein plausibler bzw. nicht mit erheblichen Zweifeln von wis- senschaftlicher Seite behafteter Erhebungsgrund herauskristallisiert hat.

E.M. Smallwood nimmt eine Kombination der beiden historischen Aussagen vor, indem sie Eusebi- us´ Aussagen dahingehend interpretiert, er würde keinesfalls eine Andeutung machen, die einen vor- herigen Planungsbeschluss unterlaufe, womit Dio quasi die Ausarbeitung des Planes beschreibe und Eusebius demzufolge im Anschluss an den Krieg lediglich dessen Realisierung.67 Cassius Dio trifft zum Zweck der Militärkolonie, gesetzt den Fall, der Beschluss erfolgte tatsächlich vor dem Aufstand, keine Aussage, d.h. es bleibt Raum für Spekulationen, ob etwa die neue Kolonie einen Mittelpunkt geostrategischer Erwägungen im Hinblick auf die Stationierung weiterer Militärverbände und möglicherweise als Vorhut gegen die Unruheregionen im Partherreich, in Nordafrika, aber auch in Judaea, Syrien und Arabien spielen sollte. Eusebius benennt dann die Realisierung des Beschlusses als Strafmaßnahme gegenüber den Juden für deren Vergehen während der Aufstandszeit, was wiederum nicht ausschließt, dass den Römern das Kriegsende ganz gelegen kam, um die Stadt von den Juden zu säubern und fortan mit der endgültigen Zerstörung des bisherigen Mittelpunkts des sozialen bzw. religiösen Lebens der Juden Eigeninteressen in der Region besser durchsetzen zu können, ohne in ständiger Furcht leben zu müssen, dass messianische Volksverirrer oder sonstige machtpolitisch-irdischen Zielen folgenden Aufrührer die Massen unter dem Pamphlet, den 3. Tempel in der Heiligen Stadt zu errichten, aufstachelten. Die Vertreibung der Juden darf wohl auch dahingehend interpretiert werden, dass nun selbst den Messianisten die faktische Unrealisierbarkeit der Wiedererrichtung ihrer religiösen Weihestätten und die gegenüber den römischen Machtansprüchen völlig unterlegene jüdische Volksseele klar werden musste.

Yoram Tsafrir gelangt in seiner leicht abweichenden Theorie zu anderen Schlüssen, indem er Ha- drians Wiederaufbauplänen Jerusalems ursprünglich positivere Intentionen unterstellt. Die Textstel- le Cassius Dios besage, dass die Rebellion wegen dem Bau eines neuen römisch geprägten Jerusa- lems unter dem Namen Aelia Capitolina ausgebrochen sei und zudem anstelle des Zweiten Tempels ein Zeustempel errichtet worden sei. Um den Standort jenes Zeustempels gab es in der Vergangen- heit wiederholt Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Historikerzunft. Während eine Fraktion die Meinung vertrat, der Tempel sei unmittelbar auf den Grundmauern des jüdischen Heiligtums am Tempelberg entstanden, hängt eine andere Gruppierung der Theorie an, das Zeusheiligtum sei mehr symbolisch anstelle des jüdischen Tempels gebaut worden, allerdings an einem anderen Standort in- nerhalb des römischen Kolonieareals. Benjamin Isaac interpretiert die Aussagen Dios dahingehend, dass Hadrian die Gründung einer neuen römisch geprägten Stadt auf den Grundmauern Jerusalems noch vor dem Aufstand beschlossen hätte, dazu jedoch bereits damit begonnen hatte, die Stadt systematisch mit Nichtjuden zu besiedeln und der Zeustempelbau bereits im Gange war. Wie er- wähnt widersprechen die Aussagen des Eusebius diesen Theorien in den entscheidenden Kernpunkten, indem er suggeriert der Neubau der Stadt sei erst im Anschluss an die Bar Kochba- Revolte, die vollständige Zerstörung der Stadt und die Vertreibung ihrer jüdischen Bewohner er- folgt.

Tsafrir deutet den Widerspruch dahingehend und in diesem Sinne ähnlich wie Smallwood, dass Ha- drian sein Vorhaben bereits um 130 im Zusammenhang mit seiner Reise in den Osten des Imperi- ums öffentlich machte, die Juden daraufhin gegen die Pläne, ihre heilige Stadt in eine griechisch-rö- mische umzuwandeln, revoltierten. Dabei verfolgte Hadrian mit seinem Vorhaben um 130 die Inten- tion, schenkt man den Aussagen Tsafrirs Glauben, seine Reputation in weiten Teilen der Bevölke- rung Judaeas und in gewisser Weise auch bei der jüdischen Volksgemeinschaft zu verbessern, indem er als Erbauer bzw. Restaurator zerstörter bzw. unfertiger Monumente bzw. als finanzieller Mäzen der Stadt auftrat. Tsafrir führt diese Annahme darauf zurück, dass Hadrian um dieselbe Zeit in Gera- sa in der Provinz Arabia in gleicher Weise als Wohltäter agierte, was die dortige Bevölkerung hono- rierte. Hadrian habe, so Tsafrir, ursprünglich also keine machtpolitischen Ansprüche geltend machen wollen, sondern habe eher in imagefördernder Intention den Umbau der Stadt vornehmen wollen. Die endgültige Namensänderung sei laut Tsafrir ebenfalls erst nach der Bar Kochba-Revolte als Strafmaßnahme angeordnet worden und sei somit einzuordnen in die Umbenennung der Provinz Judaea in Syria Palaestina im Anschluss an die Erhebung.

Diese Theorie erweist sich wiederum als nachträgliche Konstruktion der Ereignisse, wenn man be- denkt, dass in der Gegend des Mount Hebron mehrere Münzen gefunden wurden – allesamt wurden der Zeit des Aufstands vor 135 zugeordnet -, darunter eine Aelia-Capitolina-Münze und mehrere der Bar Kochba-Erhebung. Im Wadi es-Suweinit nordöstlich von Jerusalem wurden zudem ebenfalls die zwei unterschiedlichen Münzen innerhalb einer Ausgrabungsstelle gefunden. Dies wiederum müsste bedeuten, dass, sofern die Münzen dort zeitgleich deponiert wurden, die Gründung Aelia Capitolinas, explizit auch unter diesem Namen, der Erhebung vorausgegangen sein musste. Aller- dings waren die Umstände der Funde oft zweifelhaft, sowohl was die exakte Herkunft anbelangte als auch hinsichtlich einer eventuell später erfolgten Vermischung durch Antiquitätenhändler. Eine abschließende Klarheit über die Gründung Aelia Capitolinas würde ausschließlich der Fund einer Münze liefern, welche in der neuen römischen Garnisonsstadt geprägt und später von den Bar Kochba-Rebellen umgeprägt wurde. Jener entscheidende Fund ist bislang nicht geglückt.68 Dennoch scheint ein Zusammenhang zwischen der jüdischen Erhebung und zumindest einem Pla- nungsbeschluss Hadrians, was den Wiederaufbau der Stadt unter römischem Namen anbelangt, mittlerweile wahrscheinlich, wie u.a. die Münzfunde belegen, auch wenn der letzte Mosaikstein für den letztlichen Beweis noch fehlt. Diese Annahme wiederum steht den Theorien entgegen, die besa- gen, die Rebellion sei ausschließlich auf Grund messianischer Erweckungstendenzen innerhalb des jüdischen Volkes und damit quasi ohne konkreten irdisch-kausalen Anlass entstanden.

2.2 Das Beschneidungsverbot Hadrians

Die zweite Ursachendiskussion tangiert das Beschneidungsverbot, welches Hadrian in einem De- kret vor Ausbruch des Krieges, wobei die exakte Datierung anhand diesbezüglichen Aussageman- gels in den Quellen im Dunkeln bleibt, gerade auf die Juden abzielend, beschlossen haben soll. Je- doch fehlt in der weiteren römischen Literatur jegliche Untermauerung der in den Historia Augusta vertretenen These, wonach Hadrian die Zirkumzission verbieten ließ. Der Beleg in den Historia Au- gusta ist jedoch in zweifacher Hinsicht problematisch:69 zum einen ist das Werk erst gegen Ende des 4. Jahrhunderts zu datieren, weist also einen gewaltigen zeitlichen Abstand zu den Regierungsjahren Hadrians auf. Zum anderen entpuppt sich deren Verfasser Spartian als Chamäleon antiker Historio- graphie; wer sich genau hinter diesem Pseudonym verbarg, blieb unklar. Die individualrechtliche Sonderstellung hatte den Juden bis dato die Durchführung dieses religiösen Ritus´ erlaubt. Sueton und Cassius Dio berichten allerdings in ähnlichem sinngemäßen Wortlaut, dass Kastrationen bereits unter Domitian bei Strafe verboten waren:

„Das Kastrieren von Personen männlichen Geschlechts verbot er; die Preise der Kastrierten, die bei den Sklavenhändlern noch vorhanden waren, ermäßigte er.“ (Sueton, Vita Domitiani 7,1)70 Hinsichtlich der Handhabung der Kastration während der Zeit Hadrians sind drei juristische Zeug- nisse belegt, von denen zwei Eingang in die justinianischen Digesten, eine Sammlung von Texten römischer Juristen, gefunden haben.71 Ulpian zitiert einen Gesetzesbeschluss Hadrians, der eine Verschärfung der von Domitian geschaffenen Regelung nur darin beinhaltet, dass fortan als Reakti- on von exekutiver Seite die lex Cornelia, gleichbedeutend mit der Todesstrafe, angewendet würde.72 Im von Hadrian geschaffenen Gesetzestext beschränkt sich die Strafanwendung jedoch explizit nur auf die Kastration; einen Kontext zwischen Beschneidung und Kastration hingegen bieten Spartians ansonsten historisch unsichere Äußerungen, indem er einen Terminus verwendet (vetabantur mu- tilare genitalia), der eine Interpretation in beide Richtungen offen lässt. Im Kontext mit dem Ver- weis auf den Bar Kochba-Aufstand, den die Juden u.a. wegen des Verbots führten, macht jedoch nur die Deutung als Beschneidungsverbot Sinn.

[...]


1 Aus: Nordau, Max: Max Nordau´s Zionistische Schriften, Zionistisches Aktionskomitee (hg.), Köln/Leipzig 1909, S. 380.

2 Ebd, S. 381.

3 Vgl. Wolffsohn, Michael: Israel. Geschichte, Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Wiesbaden 2007 (7.Aufl.), S. 38.

4 Jahresangaben ohne explizite vor- bzw. nachchristliche Terminierungsangabe verweisen in der Folge immer auf die Zeit nach Christi Geburt. Vorchristliche Terminierungen werden als solche kenntlich gemacht. (Anm. d. Autors).

5 Vgl. Eck, Werner: Rom herausfordern: Bar Kochba im Kampf gegen das Imperium Romanum. Das Bild des Bar Kochba-Aufstandes im Spiegel der neuen epigraphischen Überlieferung, Rom 2007, S. 21f.

6 Aus: ebenda, S. 21.

7 Vgl. Eck, Rom herausfordern, S. 23.

8 Vgl. Eck, Werner, The Bar Kokhba Revolt: The Roman Point of View. In: Journal of Roman Studies 89, London 1999, S. 76ff.

9 Vgl. Ricciotti, Giuseppe: Geschichte Israels (2 Bände), Wien 1955, Bd. 1, S. 567ff.

10 Vgl. Noethlichs, Karl Leo: Das Judentum und der römische Staat. Minderheitenpolitik im antiken Rom, Darmstadt 1996, S. 20.

11 Vgl. Bringmann, Klaus: Geschichte der Juden im Altertum. Vom babylonischen Exil bis zur arabischen Eroberung, Stuttgart 2005, S. 262.

12 Vgl. Eck, Werner: Eine weitere Kopie der domitianischen Bürgerrechtskonstitution für die Truppen Syriens vom 7.

13 Vgl. Bringmann, Geschichte der Juden, S. 262f.

14 Vgl. Noethlichs, Das Judentum und der römische Staat, S. 20.

15 Vgl. Ricciotti, Geschichte Israels, S. 571.

16 Vgl. Schall, Ute: Die Juden im Römischen Reich, Regensburg, 2002, S. 255.

17 Vgl. Bringmann, Geschichte der Juden, S. 263.

18 Vgl. Schall, Die Juden, S. 256f.

19 Vgl. Bringmann, Geschichte der Juden, S. 265.

20 Vgl. Noethlichs, Das Judentum und der Römische Staat, S. 20. und Anmerkungen zur Tempelzerstörung.

21 Vgl. Ricciotti, Geschichte Israels, S. 569.

22 Vgl. Bringmann, Geschichte der Juden , S. 265.

23 Vgl. Noethlichs, Das Judentum und der Römische Staat, S. 20, Anmerkung 164.

24 Eine Karte zu den jüdischen Diasporagemeinden jener Zeit findet sich im Anhang auf S. 104.

25 Vgl. Schall, Die Juden, S.270.

26 Vgl. Noethlichs, Das Judentum und der Römische Staat, S. 21.

27 Vgl. Ricciotti, Geschichte Israels, S. 574.

28 Aus: Eusebius von Caesarea, Kirchengeschichte, hg. und eingel. von Heinrich Kraft, übers. von Philipp Haeuser, Darmstadt 1967.

29 Vgl. Hengel, Martin: Judaica et Hellenistica. Kleine Schriften I, Tübingen 1996, S. 317.

30 Vgl. Cassius Dio, Historiae, LXVIII, 32.1-3.

31 Aus: Paulus Orosius, Die antike Weltgeschichte in christlicher Sicht, 2 Bd., übers. u. erl. von Adolf Lippold, Zürich/München 1985/86.

32 Übersetzung nach Ph. Haeuser, in: Kraft, Eusebius von Caesarea, Kirchengeschichte. 33 Vgl. Hengel, Judaica et Hellenistica, S. 319.

34 Vgl. Hengel, Judaica et Hellenistica, S. 320.

35 Vgl. Appian, bell. Civ. 2,90.

36 Vgl. Smallwood, E. Mary: The Jews Under Roman Rule: From Pompey to Diocletian. A Study in Political Relati- ons, Leiden 2001, S. 221.

37 Vgl. Siegert, Folker, „Nicht in einem Winkel“: das Judentum und die Öffentlichkeit der griechisch-römischen Welt. In: Müller, Hans-Peter; Siegert, Folker (Hg.), Antike Randgesellschaften und Randgruppen im östlichen Mittel- meerraum (Münsteraner Judaistische Studien 5), Berlin/Hamburg/Münster 2000, S. 99.

38 Vgl. Bringmann, Geschichte der Juden, S. 267.

39 Vgl. Schreiber, Stefan: Gesalbter und König. Titel und Konzeptionen der königlichen Gesalbtenerwartung in frühjü- dischen und urchristlichen Schriften (Beihefte zur Zeitschrift für die neutestamentliche Wissenschaft und die Kunde der älteren Kirche, Wolter, Michael (Hg.), Band 105), Berlin 2000, S. 317.

40 Vgl. Applebaum, Shimon: Jews and Greeks in Ancient Cyrene (Studies in Judaism and Late Antiquity, SJLA 28), Leiden 1979, S. 260ff.

41 Vgl. Hengel, Judaica et Hellenistica, S. 319.

42 Vgl. Eck, Werner: Ein Prokuratorenpaar von Syria Palaestina in P. Berol. 21652. In: Zeitschrift für Papyrologie und Epigraphik (ZPE) 123 (1998), Bonn 1998, S. 253f.

43 Vgl. Smallwood, Jews Under Roman Rule, S. 400ff.

44 Vgl. Ricciotti, Geschichte Israels, S. 574.

45 Vgl. Pucci ben Zeev, Miriam: The Uprising in the Jewish Diaspora 116-117. In: Katz, Steven T. (Hg.), The Cam- bridge History of Judaism, The late Roman-rabbinic Period (Bd.4), Cambridge 2006, S. 94.

46 Vgl. Ricciotti, Geschichte Israels, S. 575.

47 Vgl. Tacitus, Hist. 5,5.3.

48 Vgl. Tacitus, Hist. 5,6.2. „ Praecipuum montium Libanum erigit, mirum dictu, tantos inter ardores opacum fidumque nivibus; idem amnem Iordanen alit funditque. “ = (in sinngemäßem Wortlaut) „als höchstes Gebirge erhebt sich der Libanon, der wunderlich zu sagen warum, immer trotz der glühenden Hitze schattig und schneebedeckt ist; dasselbe [Gebirge] speißt den Jordan und lässt ihn entspringen.“

49 Vgl. Vieweger, Dieter: Wenn Steine reden. Archäologie in Palästina, Göttingen 2004, S.82ff.

50 Vgl. Hengel, Judaica et Hellenistica, S. 321.

51 Vgl. Schall, Die Juden, S. 277.

52 Vgl. Schnabel, Eckhard J.: Urchristliche Mission, Witten 2002, S. 1034.

53 Vgl. Bringmann, Geschichte der Juden, S. 271.

54 Vgl. ILS 9491.

55 Vgl. ILS 9491. S. 414.

56 Übersetzung aus: Cassius Dio, Römische Geschichte, übers. von Otto Veh, 5 Bd., Düsseldorf 2007.

57 Vgl. Münter, Friedrich: Der Jüdische Krieg unter den Kaisern Trajan und Hadrian, Altona/Leipzig 1821, S. 24.

58 Vgl. Schall, Die Juden, S. 280.

59 Vgl. Ricciotti, Geschichte Israels, S. 575f.

60 Vgl. Pucci ben Zeev, Miriam: The Uprising in the Jewish Diaspora 116-117. In: Katz, Steven T. (Hg.), The Cam- bridge History of Judaism, The late Roman-Rabbinic Period (Bd.4), Cambridge 2006, S. 100f.

61 Vgl. Hengel, Judaica et Hellenistica, S. 322f.

62 Vgl. Schwartz, Seth: Historiography on the Jews in the `Talmudic Period` in The Oxford Handbook of Jewish Stu- dies (hg. Goodman, Martin; Cohen, Jeremy; Sorkin, David Jan), Oxford 2005, S. 79f.

63 Vgl. Cotton, Hannah M.: Some Aspects of the Roman Administration of Judaea/Syria-Palaestina. In: Eck, Werner (Hrsg.), Lokale Autonomie und römische Ordnungsmacht in den kaiserzeitlichen Provinzen vom 1. bis 3. Jahrhun - dert (Schriften des Historischen Kollegs, Kolloquien 42), München 1999, S. 80.

64 Übersetzung aus Cassius Dio, Römische Geschichte, in: Stern, Menahem: Greek and Latin Authors on Jews and Judaism, 3 Bde., Jerusalem 1976-1984, übers. von Peter Schäfer aus dem Englischen in: S chäfer, Peter: Der Bar.

65 Übersetzung nach Ph. Haeuser, in: Kraft, Eusebius von Caesarea, Kirchengeschichte.

66 Vgl. Schäfer, Peter: Der Bar Kokhba-Aufstand (Texte und Studien zum Antiken Judentum 1), Tübingen 1981, S. 34ff.

67 Vgl. Smallwood, Jews Under Roman Rule, S. 433.

68 Vgl. Tsafrir, Yoram: Numismatics and the Foundation of Aelia Capitolina – A Critical Review. In: Schäfer, Peter, The Bar Kokhba War Reconsidered, Tübingen 2003, S. 31ff.

69 Aus: Historia Augusta, Vita Hadriani 14,2: „Moverunt ea tempestate et Iudaei bellum, quod vetabantur mutilare ge - nitalia.“ = „In jener Zeit führten auch die Juden einen Krieg, weil ihnen verboten war, ihre Genitalien zu verletzen.“ (Übersetzung aus Historia Augusta. Römische Herrschergestalten, 2 Bd., übers. von Ernst Hohl, München 1976/85).

70 Übersetzung aus: Sueton, Kaiserbiographien, Lateinisch und deutsch, hg. von Otto Wittstock, Berlin 1993.

71 Vgl. Noethlichs, Das Judentum und der römische Staat, S. 77.

72 Aus: Ulpian, Dig. 48, 8, 4, 2: „Idem divus hadrianus rescripsit: „Constitutum quidem est, ne spadones fierent, eos autem, qui hoc crimine arguerentur, corneliae legis poena teneri eorumque bona merito fisco meo vindicari debere, sed et in servos, qui spadones fecerint, ultimo supplicio animadvertendum esse: [...] nemo enim liberum servumve invitum sinentemve castrare debet, neve quis se sponte castrandum praebere debet [...]“ (= sinngemäße Übersetzung): „Ebenso verfügte der vergöttlichte Hadrian: es wurde beschlossen, dass keiner zum Eunuchen ge- macht werden darf und dass diejenigen, die dieses Verbrechens bezichtigt werden, die Strafen der lex Cornelia er- halten und ihre Güter mit Recht von meiner Staatskasse eingezogen werden müssen, und dass darüber hinaus gegen Sklaven, die andere zu Eunuchen gemacht haben, mit der Todesstrafe vorgegangen werden muss. [...] Niemand darf einen Freigelassenen oder einen Sklaven, sei es mit oder ohne dessen Einverständnis kastrieren; auch darf sich nie- mand freiwillig für eine Kastration anbieten.“

Ende der Leseprobe aus 116 Seiten

Details

Titel
Der Bar Kochba-Aufstand (132-135/36 n.Chr.)
Untertitel
Ursachen, Verlauf und Folgen unter Einbeziehung aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse
Hochschule
Universität Regensburg
Note
1,00
Autor
Jahr
2008
Seiten
116
Katalognummer
V191793
ISBN (eBook)
9783656167716
ISBN (Buch)
9783656168560
Dateigröße
1817 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
kochba-aufstand, ursachen, verlauf, folgen, einbeziehung, erkenntnisse
Arbeit zitieren
Holger Hufer (Autor:in), 2008, Der Bar Kochba-Aufstand (132-135/36 n.Chr.), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191793

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