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Von der Unglaubwürdigkeit der Offenbarung - Die Kritik Karl Jaspers am christlichen Verständnis der Offenbarung und ihrer Vermittlung

Titre: Von der Unglaubwürdigkeit der Offenbarung - Die Kritik Karl Jaspers  am christlichen Verständnis der Offenbarung und ihrer Vermittlung

Dossier / Travail de Séminaire , 2001 , 56 Pages , Note: 1,0 (100%)

Autor:in: Georg Bergner (Auteur)

Théologie - Théologie systématique
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Einleitung

Nach einer Vorlesung über Metaphysik kam am Semesterschluß ein katholischer Pfarrer zu mir, sich als mein Hörer zu bedanken, sein Einverständnis auszusprechen: „Ich habe nur den einen Einwand, daß das meiste von dem, was sie vorgetragen haben, nach unserer Auffassung Theologie ist.(1)

So beschreibt Karl Jaspers in seiner Autobiographie den ersten Moment, an dem ihm bewußt wurde, daß er in seinen Vorlesungen wie selbstverständlich über von den Theologen für sich beanspruchte Themen sprach. Nicht, daß er sich auf theologisches Gebiet hätte begeben wollen, aber der Grundansatz seiner Philosophie verlangte nicht nur eine Beschäftigung mit dem Gottesgedanken, sondern auch mit dem Glauben, den Jaspers nicht nur als Phänomen, sondern als notwendige Kategorie jeden menschlichen Daseins ansieht, ohne die der Mensch auch in Zukunft nicht leben können wird.(2)
Was Jaspers an scheinbar theologischen Inhalten lehrte, lehrte er allerdings immer bewußt als Philosoph, unabhängig von jedem Bekenntnis zu irgendeinem religiösen Glauben, wenn auch vom jüdisch-christlichen Kontext geprägt. Diese Unabhängigkeit des Philosophen machte Jaspers in der Folgezeit zum Fundament eines „philosophischen Glaubens“, welcher in der individuellen, existentiellen Ausrichtung des Menschen auf die Gottheit gründet. Dieser Glaube bewahrt sich die Offenheit, unabhängig von geschichtlichen Ereignissen, Glaubensformen und Institutionen zu sein. Obwohl dem philosophisch Glaubenden die verschiedenen geschichtlichen Weisen, durch die Menschen in Kontakt mit Gott gekommen sind, bewußt sind und er sich diese aneignet, schließt er sich nicht einer bestimmten, für sich Ausschließlichkeit beanspruchenden Form des Glaubens an.
Mit einer solchen Auffassung von Glauben gerät Jaspers unweigerlich in Widerspruch zu einem Offenbarungsglauben, wie er in den biblischen Religionen, am ausgeprägtesten im Christentum zu finden ist. Einen solchen Glauben meint er ablehnen zu müssen, da er in der Offenbarung die Gefahr einer Einschränkung der Freiheit des Menschen sieht.(3)
[...]
______
1 Jaspers, K., Philosophische Autobiographie (PA), in: Schilpp (Hg.), Karl Jaspers, Stuttgart 1957, 1-79, 63.
2 Vgl. Jaspers, Vom Ursprung und Ziel der Geschichten (UZG), München 1949, 266ff.
3 Jaspers, Der philosophische Glaube angesichts der Offenbarung (Off), München 1963, 37f.: „Wäre Offenbarung Realität, so wäre sie das Unheil für die geschaffene Freiheit des Menschen.“

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Karl Jaspers und die Frage nach der Offenbarung

2.1 Grundlagen der Philosophie Karl Jaspers'

2.1.1 Das Umgreifende

2.1.2 Existenz und Transzendenz

2.1.3 Chiffer

2.1.4 Zusammenfassung

2.2 Jaspers' Kritik an der Offenbarung

2.2.1 Vorausgehende Betrachtungen: Der Gottesbegriff und das Verhältnis zwischen Philosophie und Religion

2.2.1.1 Gott

2.2.1.2 Religion und Philosophie

2.2.1.3 Zusammenfassung

2.2.2 Jaspers' Haupteinwand

2.2.3 Felder der Offenbarung

2.2.3.1 Jesus und Christus

2.2.3.2 Bibel und Kanon

2.2.3.3 Autorität und Kirche

2.2.3.4 Zusammenfassung

3 Kritik

3.1 Argumente gegen Jaspers' Offenbarungskritik

3.2 Schlußbemerkung

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen der Philosophie von Karl Jaspers und dem christlichen Offenbarungsglauben. Das zentrale Ziel ist es, die philosophischen Grundlagen bei Jaspers zu analysieren, um von dort aus seine radikale Kritik am Offenbarungsanspruch nachzuvollziehen und kritisch zu hinterfragen, ob diese Kritik der theologischen Realität gerecht wird.

  • Grundlagen des jasperschen Denkens: Das Umgreifende, Existenz und Transzendenz.
  • Die Funktion und Bedeutung von Chiffern als menschlicher Zugang zum Transzendenten.
  • Jaspers’ Haupteinwand gegen die Verwechslung von Chiffer und Realität in der Offenbarung.
  • Kritische Analyse der Felder der Offenbarung: Jesus, Bibel und kirchliche Autorität.
  • Auseinandersetzung mit der Kritik von Religionsphilosophen und Theologen am jasperschen Entwurf.

Auszug aus dem Buch

2.1.1 Das Umgreifende

Philosophieren ist für Jaspers ein Denken, das auf die Einheit und Ganzheit zielt. Alles, was im Laufe der Geschichte der Philosophie auf die Frage nach dem alles Umfassenden, also nach dem Sein, an bestimmbaren Größen, sei es Materie, Geist, oder Leben, zur Grundlage genommen worden ist, hat keine befriedigende Antwort hervorbringen können, sondern im Gegenteil nur zu einem Streit verschiedener Schulen geführt. Dies hängt seiner Meinung nach damit zusammen, daß hier eine Weise des bestimmten Seins „zum Sein selbst verabsolutiert“ wurde. Jaspers wendet sich somit gegen jede Ontologie. Das Problem, welches sich bei der Betrachtung des Seins stellt, ist, daß der Mensch nicht aus dem Horizont dessen, was er erkennen kann, ausbrechen kann. Es ist dem Menschen weder möglich, einen übergeordneten Standpunkt, von dem aus er alles überblicken kann, einzunehmen, noch, durch eine Vielzahl von Standpunkten, das geschlossene Sein rekonstruieren zu können:

Das Sein bleibt für uns ungeschlossen; Es zieht uns nach allen Seiten ins Unbegrenzte. Es läßt immer wieder Neues als jeweils bestimmtes Sein uns entgegenkommen.

Das Sein selbst scheint geradezu vor dem, was uns als neue Erscheinung entgegenkommt, zurückzuweichen. Dieses Sein bezeichnet Jaspers als das Umgreifende. Das Umgreifende selbst kann nie Gegenstand sein, es ist nicht die Welt, das Dasein oder das Bewußtsein. Daher kann es auch nicht abgeleitet werden. Das Umgreifende kommt nicht von etwas Ursprünglicherem her, sondern ist das Unüberschreitbare, über das hinaus nichts mehr ist. Aus dem Umgreifenden kann auch nichts abgeleitet werden, da es nicht einem Gegenständlichen entspricht. Es kündigt sich vielmehr nur im Gegenständlichen an. Wird das Umgreifende aber gedacht, wird es automatisch gegenständlich gedacht. Somit ist (und das scheint paradox) eigentlich jeder Satz über das Umgreifende widersinnig, oder zumindest mißverständlich, schon allein, da er sich in der Gestalt einer Wörtlichkeit ausdrücken muß. So ist es nun die Aufgabe der Philosophie, das sich uns erschließende Gegenständliche (so wie ja auch der Mensch zum Bereich des Gegenständlichen gehört) in seiner Transparenz auf das Umgreifende hin zu sehen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema ein, indem sie Jaspers' autobiografische Begegnung mit Theologen thematisiert und das zentrale Spannungsfeld zwischen seiner Philosophie und dem Offenbarungsglauben absteckt.

2 Karl Jaspers und die Frage nach der Offenbarung: Dieses Kapitel erläutert die zentralen philosophischen Grundbegriffe wie das Umgreifende, Existenz, Transzendenz und die Chiffer, um darauf aufbauend den Haupteinwand gegen den Offenbarungsglauben zu formulieren.

3 Kritik: Der Abschlussteil gibt einen Überblick über die philosophische und theologische Kritik am Ansatz von Jaspers, insbesondere durch Denker wie Paul Ricoeur oder Heinrich Fries, und reflektiert den bleibenden Wert seines Entwurfs.

Schlüsselwörter

Karl Jaspers, Philosophie, Offenbarung, Existenzphilosophie, Transzendenz, Chiffer, Gott, Offenbarungsglaube, Christentum, Existenz, Glauben, Autorität, Scheitern, Religion, Vernunft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das kritische Spannungsverhältnis zwischen der existenzphilosophischen Konzeption von Karl Jaspers und dem christlichen Offenbarungsglauben.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zu den Schwerpunkten gehören Jaspers' philosophische Grundbegriffe, die Funktion von Chiffern, die Kritik am Offenbarungsbegriff und die Analyse spezifischer Felder wie Jesus, Bibel und Kirche.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist die Darstellung der jasperschen Offenbarungskritik sowie deren kritische Überprüfung anhand der Einwände von Religionsphilosophen und Theologen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine systematische philosophische und theologische Analyse, die auf Jaspers' Hauptwerken und der kritischen Sekundärliteratur basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der philosophischen Voraussetzungen (Umgreifendes, Existenz, Transzendenz, Chiffer) und die Anwendung dieser Prinzipien auf konkrete religiöse Inhalte wie Jesus, Bibel und kirchliche Autorität.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Transzendenz, Chiffer, Offenbarung, Existenz und philosophischer Glaube charakterisieren.

Warum lehnt Jaspers den Begriff der Offenbarung als Realität ab?

Jaspers lehnt dies ab, weil er darin eine Verwechslung von Chiffer und Realität sieht, die letztlich zur "Verweltlichung" des Transzendenten führt und die Freiheit des Menschen einschränkt.

Wie bewerten Kritiker Jaspers' Kirchenbild?

Viele Kritiker, wie beispielsweise Herbert Vorgrimler, halten das von Jaspers gezeichnete Kirchenbild für einseitig und als "maßlos überzogen", da es der theologischen Realität nicht gerecht werde.

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Résumé des informations

Titre
Von der Unglaubwürdigkeit der Offenbarung - Die Kritik Karl Jaspers am christlichen Verständnis der Offenbarung und ihrer Vermittlung
Université
Pontifical Gregorian University  (Fachbereich Theologie)
Note
1,0 (100%)
Auteur
Georg Bergner (Auteur)
Année de publication
2001
Pages
56
N° de catalogue
V1918
ISBN (ebook)
9783638111775
Langue
allemand
mots-clé
Karl Jaspers Offenbarung Religionskritik
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Georg Bergner (Auteur), 2001, Von der Unglaubwürdigkeit der Offenbarung - Die Kritik Karl Jaspers am christlichen Verständnis der Offenbarung und ihrer Vermittlung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1918
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Extrait de  56  pages
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