Gibt es ein unbewusstes Bewusstsein - Franz Brentano zur Frage der Existenz unbewusster psychischer Akte

Überlegungen zu Brentanos "Psychologie vom empirischen Standpunkt", Kap.2


Seminararbeit, 2011

22 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

INHALT

1. Vorwort

2. Einleitung

3. Brentanos Definition der Begriffe „Bewusstsein“ und „Inneres Bewusstsein“

4. Sind alle psychischen Phänomene bewusst, oder gibt es auch un- bewusste psychische Akte ?

5. Vertreter der letzteren Position

6. Vier potentiell erfolgreiche Klassen von Versuchen der mittelbaren Ableitung der Existenz unbewusster psychischer Phänomene aus Erfahrungstatsachen

7. Erste Klasse dieser Versuche, drei Bedingungen ihrer Anwendung

8. Zweite Klasse dieser Versuche, Bedingungen ihrer Anwendung

9. Dritte Klasse dieser Versuche und ihre Vertreter

10. Vierte Klasse dieser Versuche und deren Vertreter

11. Brentanos Einstieg in die Darlegung der eigenen Position

12. Fortsetzung der Argumentation

13. Fazit

ANMERKUNGEN

LITERATUR

1.Vorwort

Der Umfang einer Hausarbeit im Zusammenhang eines Hochschuleminars ist durch die Vorgabe einer gewissen Seitenzahl begrenzt („ca. 15 Seiten“). Die Befassung mit einer so komplexen Thematik wie der der vorliegenden Untersuchung muss sich daher strikt auf den vorgegebenen Text und die in ihm behandelte Problematik konzentrieren.

Ein Eingehen auf die neuere (spärliche) Sekundärliteratur speziell zum Thema der Frage der Existenz eines unbewussten Bewusstseins im Ansatz Brentanos wird daher lediglich kurz in der Einleitung stattfinden. Brentano selbst setzt sich in dem zu untersuchenden Text jedoch mit den Argumenten einer Vielzahl weiterer Autoren auseinander, verbunden jeweils mit den zugehörigen Quellenangaben. Diese werden vom Verfasser der vorliegenden Arbeit übernommen, sodass sich insgesamt doch zahlreiche Verweise auf sekundäre Schriften ergeben.

Auch die Stellung des zu bearbeitenden Kapitels im Gesamtzusammen- hang der Brentano´schen Abhandlung kann lediglich in aller Kürze be- gehandelt werden, damit noch genügend Raum für die Befassung mit der sehr dichten und den Argumenten der Gegner bis ins Detail nach- folgenden Argumentation Brentanos im eigentlichen Text verbleibt. Eine mögliche Erklärung für die Akribik und Detailliertheit der Arbeit Brentanos mag darin liegen, dass die „Psychologie vom empirischen Standpunkt“ ursprünglich auf sechs Bände angelegt war(1) und ausser- dem „nicht nur einen Kern allgemein anerkannter Wahrheit ent- halten, sondern vor allem auch die Einheit der Psychologie begründen“ sollte.(2)

2. Einleitung

Die Überschrift des Kapitels „Vom inneren Bewusstsein“ könnte, für sich Betrachtet, leicht zu Fehlschlüssen über den Inhalt führen. Die Tatsache der Existenz dieses inneren Bewusstsein wird hier bereits vorausgesetzt, ebenso hat eine Klärung des Unterschiedes zwischen physischen und psychischen Phänomenen bereits im vorhergehenden Kapitel stattgefunden. Das Vorhandensein verschiedener Arten oder Klassen psychischer Tä- tigkeit , insbesondere der Urteile, wird zwar am Schluss kurz angespro- chen(3), jedoch erst im folgenden Kapitel genauer bearbeitet.

Das Kapitel 12 stellt de facto eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Frage nach dem Vorhandensein eines „unbewussten Bewusstsein“(s)(4) dar, arbeitet Wege heraus, die potentiell zu der Annahme eines solchen Vorhandenseins führen könnten und stellt die Bedingungen für die Anwen- dung des jeweiligen Weges fest, nennt die Repräsentanten der verschie- denen Vorgehensweisen und untersucht kritisch deren Argumentation, um dann anschliessend seine eigene Position vorzustellen. Mit alldem setzt sich die vorliegende Arbeit konzentriert auseinander, ein Eingehen auf weitere Kapitel in Brentanos Werk ist in diesem Zusammen- hang nicht möglich.

Gerade hinsichtlich der Frage nach der Möglichkeit des Vorhandenseins unbewusster psychischer Akte, also hinsichtlich des hier bearbeiteten Ka- pitels, ist die neuere Sekundärliteratur spärlich. In Frankes Sammelband zu den Selbstbewusstseinstheorien von Fichte bis Sartre(5) findet sich zwar ein Abdruck des Kapitels, allerdings nur der Paragraphen 1 – 9(6).

Die eigentliche (Selbst-)Darstellung der Position Brentanos kommt auf diese Weise im Grunde zu kurz. Auch das ausführliche Nachwort Frankes befasst sich im Zusammenhang mit Brentano(7) im Wesentlichen kritisch mit dessen Kategorienlehre(8) auseinander und bezieht sich hinsichtlich „Psychologie vom empirischen Standpunkt“ nicht auf den abgedruckten Text, sondern überwiegend auf Kapitel 4 des ersten Buches.

Auch Dieter Münch setzt in „Intention und Zeichen“(9) andere Schwerpunkte hinsichtlich seiner Befassung mit Brentano. Hier geht es ihm vor allem um die Frage der Intentionalen Inexistenz, wobei er zwar in diesem Zusammenhang verschiedentlich auf Brentanos Klassifikation psychischer Phänomene zu sprechen kommt(10), die ja im hier behandel- ten Kapitel wie erwähnt zwar kurz angesprochen, aber eben erst im folgenden Kapitel entwickelt wird, auf Kapitel 2 selbst aber nicht eingeht.

3. Brentanos Definition der Begriffe „Bewusstsein“ und „Inneres Bewusstsein“

Nach kurzer Betrachtung verschiedener Arten der Anwendung des „Namens“(11) Bewusstsein kommt Brentano schnell zu dem Schluss: „Für irgendeinen bestimmten Gebrauch des Wortes werden wir uns entscheiden müssen, wenn es uns nicht, statt guter, schlechte Dienste leisten soll“(12) , um dann zu konstatieren: „So gebrauche ich ihn (den Namen,Verf.) denn am liebsten (Hervorhebung d.Verf.) als gleichbedeutend mit psychischem Phänomen oder p s y c h i s c h e m A k t e“(13), wobei dann sofort der Hinweis folgt, dass der Gebrauch des Begriffs „Bewusstsein“ in diesem (von ihm nun grundsätzlich festgelegten und im Folgenden konsequent durchgehaltenen) Sinne den Vorteil hat, dass „er auf ein Objekt hinweist, von welchem das Bewußtsein Be- wußtsein ist, die psychischen Phänomene gerade nach der sie un- terscheidenden Eigentümlichkeit der intentionalen Inexistenz eines Objektes zu charakterisieren“(14). (Hier sei angemerkt, dass die Wie- dereinführung des Intentionsbegriffes in die neuere Philosophie, wie Münch aufzeigt(15), nicht ohne Weiteres Brentano zugeordnet werden kann, da er das Attribut „intentional“ stets nur wie in obigem Zitat verwendet und nirgends von „Intentionalität“ oder „Intention“ spricht.)

Den Begriff des „Inneren Bewusstseins“ klärt Brentano gleich zu Anfang des Kapitels: „Ähnlich wie man die Wahr- Nehmung einer gegenwärtig in uns bestehenden psychischen Tätigkeit „innere“ Wahrnehmung nennt, nennen wir hier (Hervorhebung d.Verf.) das darauf gerichtete Bewusstsein „inneres“ Bewusstsein.“(16)

4. Sind alle psychischen Phänomene bewusst, oder gibt es auch unbewusste psychische Akte ?

In Annäherung auf das eigentliche Thema des Kapitels 2 stellt Brentano zunächst noch einmal rückblickend dezidiert fest: „Daß kein psychisches Phänomen bestehe, welches nicht in dem angegebenen Sinne Bewußtsein von einem Objekte ist, haben wir gesehen“(17), um dann sofort zur entscheidenden Fragestellung zu kommen „Eine andere Frage aber ist die, ob kein psychisches Phänomen besteht, welches nicht Objekt eines Be- wußtseins ist. Alle psychischen Phänomene sind Bewusstsein: sind aber auch alle psychischen Phänomene bewusst, oder gibt es vielleicht auch unbewusste psychische Akte ?“(18), also ein „unbewußtes Bewußtsein“(19).

5. Vertreter der letzteren Position

Locke, Mill und die meisten Laien, so Brentano, sehen hier einen un- mittelbaren Widerspruch, der allerdings auf einem Nichtbeachten der „vorangehenden Bestimmungen“(19) beruht. Als einen der ersten Philosophen, die „ein unbewußtes Bewußtsein gelehrt haben“,(20) sieht Brentano Thomas von Aquin (mit dem er sich dann im Zusammenhang mit § 7 eingehender auseinander setzt(21)), später Leibniz(22) und Kant.(23) Zeitgenössische Vertreter, „und zwar ... Männer(n), die sonst nicht gerade verwandten Richtungen angehören“,(24) findet er (vorläufig) im älteren Mill, Hamilton mit seiner Vorstellung von unbewussten Zwischengliedern in unseren Ideenketten, Lewes, Maudsley , Herbart , Beneke, der das später (§ 6)von Brentano behandelte Problem der verschiedenen Intensität von Vorstellungen anspricht, Fechner, dem frühen Wundt, Helmholtz, Zöllner, Ulrici bis hin zu Hartmann und seiner „Philosophie des Unbewussten“.(25)

Allerdings weist Brentano darauf hin, dass trotz dieser Liste bekannter Namen die Existenz unbewusster psychischer Phänomene bei weitem nicht zu allgemeiner Anerkennung gelangt sei und dass etliche Befürworter (insbesondere Fechner und Hartmann und Ulrici) nur deshalb dazuzählbar seien, „weil sie mit den Worten einen anderen Sinn verbinden“(26) und „also der Sache nach...Gegner der neueren Anschauung“(27) darstellten. (Nicht wenige der oben angeführten Namen tauchen dann im Fortgang der Ausführungen Brentanos im Kapitel 2 in den verschiedensten Zusammenhängen immer wieder auf.)

[...]


(1) Münch, 36

(2) Münch, 37

(3) Brentano, Psychologie... (B), 192f

(4) B, 143

(5) s.Literaturverzeichnis

(6) Franke, 133 – 160

(7) Franke, 568 – 576

(8) s.Literaturverzeichnis

(9) s.Literaturverzeichnis

(10) Münch, 59, 64ff u.a.

(11) B, 141

(12) B, 142

(13) ebd.

(14) B, 143

(15) Münch, 77, 139

(16) B, 141

(17) B, 143

(18) ebd.

(19) ebd.

(20) ebd.

(21) b, 176ff, FN

(22) Leibniz, §4

(23) B, 144

(24) ebd.

(25) B, 144f

(26) B, 145

(27) ebd.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Gibt es ein unbewusstes Bewusstsein - Franz Brentano zur Frage der Existenz unbewusster psychischer Akte
Untertitel
Überlegungen zu Brentanos "Psychologie vom empirischen Standpunkt", Kap.2
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum  (Fakultät für Philosophie)
Veranstaltung
Seminar: Wer ist das Ich ?
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
22
Katalognummer
V191849
ISBN (eBook)
9783656166955
ISBN (Buch)
9783656167365
Dateigröße
484 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gibt, bewusstsein, franz, brentano, frage, existenz, akte, überlegungen, brentanos, psychologie, standpunkt
Arbeit zitieren
Michael Veit (Autor), 2011, Gibt es ein unbewusstes Bewusstsein - Franz Brentano zur Frage der Existenz unbewusster psychischer Akte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191849

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