"Schwarze" Pädagogik gestern und heute


Hausarbeit, 2010

13 Seiten, Note: 2,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung
Mechanismen
Auswirkungen
Auswege

Schlußbemerkung

Anhang:

Literaturverzeichnis

„Unter der ‚Schwarzen Pädagogik‘ verstehe ich eine Erziehung, die darauf ausgerichtet ist, den Willen des Kindes zu brechen, es mit Hilfe der offenen oder verborgenen Machtausübung, Manipulation und Erpressung zum gehorsamen Untertan zu machen.“ (Alice Miller: Evas Erwachen, 2001)

Einleitung:

Der Begriff „Schwarze Pädagogik“ klingt wie ein Titel eines düsteren Filmes und mutet altväterlich und vorsintflutlich an. Doch mitnichten ist die Schwarze Pädagogik aus unserem Kulturkreis verschwunden, sie wurde nur etwas „abgemildert“:

Während mein Vater in seiner Schulzeit noch Schläge mit Stock und Lederriemen bekam, erlebte ich selber in meiner Schulzeit (bei anderen Kindern, es waren immer Jungen) „nur“ Ohrfeigen und Kopfnüsse. Als Mädchen blieben mir körperliche Strafen in der Schule erspart, ich erlebte „nur“ verbale Demütigungen und Anschreien (was mich auch ohne Schläge jedesmal zu Tode ängstigte).

Wer glaubt, dass „Schwarze Pädagogik“ ein Relikt aus längst vergangengen Tagen sei, der begebe sich in Institutionen, die sich der Erziehung von Kindern und Jugendlichen verschrieben haben, und er wird dort zuhauf fündig werden. Sei es in Kindergärten oder in der Internatserziehung: Das Menschenbild vom Kind als boshaften und starrsinnigen Wesen, das es zu bändigen, zu zähmen und zu unterdrücken gilt, dem „gezeigt werden muss, wer das Sagen hat“, diese Einstellung ist bis zum heutigen Tage gang und gäbe. Dies trotz aller sorgsam ausgearbeiteten Curriculae wie dem Bayerischen Erziehungs- und Bildungsplan, trotz aller Bewegungen wie der antiautoritären und partner-schaftlichen Erziehung, dies auch trotz aller Erkenntnisse, die uns über kindliches Werden und Entwickeln heute vorliegen.

Die in den letzten Wochen an die Öffentlichkeit gedrungenen Gewalttaten an Schutzbefohlenen in klösterlichen Internaten sprechen darüberhinaus ihre eigene Sprache.

So haben Aspekte der „Schwarzen Pädagogik“ beklemmende Aktualität.

In dieser Arbeit werde ich mich vor allem mit dem Buch „Am Anfang war Erziehung“ von Alice Miller auseinandersetzen. Ich werde darstellen, was der Begriff der „Schwarzen Pädagogik“ bedeutet sowie die möglichen Auswirkungen auf Individuen und Gesellschaft. Auch möchte ich aufzeigen, worin die Lösungen bestehen.

Seit die Erde existiert, wurden und werden Menschen gefoltert und mißhandelt, von staatlichen Institutionen, von klerikalen und kriminellen Organisationen (beides ist nicht immer voneinander zu trennen), von religiösen Fanatikern (und Fanatikerinnen). Das Mißhandeln und Foltern von Kindern durch Eltern und Erzieherinnen war jahrhundertelang gängige Praxis. Zwar sind aus dem Mittelalter Hinweise vorhanden, dass Kinder durchaus von einigen Menschen als empfindsame Wesen gesehen wurden, so ist von Walther von der Vogelweide ein Vers überliefert: „ Niemand kann mit Ruten Kindererziehung erzwingen: Den man zur Ehre erziehen kann, dem ist ein Wort so gut wie ein Schlag. (…) Dann entehrt ihr euer Herz, laßt ihr böse Worte ein.“

(de Mause, Lloyd, Hört ihr die Kinder weinen, Frankfurt 1977, S. 199).

Im Allgemeinen jedoch wurden Kinder und ihre Lebensäußérungen als etwas gesehen, das gebändigt und gezüchtigt werden müsse. Mitunter wurden sie gar mit dem Teufel in Verbindung gebracht, so stellen im „Malleus Maleficarum“ , dem „Hexenhammer“ die beiden Dominikanermönche Sprenger und Institoris Kinder, die viel schreien, als „Wechselbälge“ dar, also als Kinder des Teufels: „Und diese Kinder werden gewöhnlich als „campsores“, im Deutschen „Wechselkind“, bezeichnet, und sie sind dreifach verschieden. Einige nämlich sind immer mager und heulen, (...) Gemeinsam ist allen dreien, dass sie sehr schwer und mager sind, nicht wachsen und, wie schon erwähnt wurde, durch keinen Milchreichtum gestillt werden können.“

(Kramer, (Institoris), Heinrich, Malleus Maleficarum, 1487, Neuübersetzung München 2000, S. 594 ff).

Erst in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts begann die westliche Welt, Gewalt als Erziehungsmittel zu ächten, einer der Vorreiter war Schweden. Dort wurde bereits in den 60er Jahren Gewalt in der Erziehung gesetzlich verboten.

In Deutschland wurde im Jahre 2000 durch die Reform des § 1631 Abs 2 im BGB das Recht der Kinder auf eine gewaltfreie Erziehung verankert: "Kinder haben ein Recht auf gewaltfreie Erziehung. Körperliche Bestrafungen, seelische Verletzungen und andere entwürdigende Maßnahmen sind unzulässig".

Immerhin wurde die Prügelstrafe in den Schulen 1973 abgeschafft, in Bayern erklärte allerdings noch 1979 das Bayrische Oberlandesgericht, dass für das Gebiet des

Freistaates Bayern ein „gewohnheitsrechtliches Züchtigungsrecht“ bestünde.

(„Der Spiegel“, 30.04.1979, http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-40351630.html)

Die Prügelstrafe wurde an Bayerns Schulen dann 1980 abgeschafft.

Das heißt aber nicht, dass alle Lehrer sich daran hielten, ich kenne persönlich einige Lehrer, die nach wie vor Ohrfeigen verteilten, Schüler an den Kopf schlugen oder an Ohren und Haaren zogen. Es gibt einige Leute in meinem Bekanntenkreis, die das noch erlebt hatten, ich selber war oft genug entsetzte Augenzeugin.

Meine Schwägerin und mein Bruder berichteten mir, dass sie beim Brautgespräch im Jahre 1992 vom Pfarrer darauf hingewiesen wurden, dass Schläge in der Erziehung nötig seien, solle diese gelingen, allerdings „darf man nur die Buben schlagen, die Mädchen darf man nicht schlagen, außer die Robusten.“

Mechanismen

„Am Anfang war Erziehung“

Das Kapitel über die Schwarze Pädagogik in Alice Millers Buch beginnt mit der Schilderung einer grausamen Strafe, die ein Vater an seiner vierjährigen Tochter vollzieht. Es stockt einem der Atem, wenn man liest:

„Die Strafe folgte auf großem Fuß. Zehn Tage lang, zu lang für jedes Gewissen, segnete mein Vater die ausgestreckten, vier Jahre alten Handflächen seines Kindes mit scharfem Stöckchen. Sieben Tatzen täglich auf jede Hand: macht hundertvierzig Tatzen und etwas mehr: es machte der Unschuld des Kindes ein Ende.“

(Miller, Alice: Am Anfang war Erziehung, S. 17).

„Schwarze Pädagogik“, das bedeutet, in der Erziehung von Kindern und Jugendlichen repressive Mittel anzuwenden wie körperliche und seelische Gewalt, Demütigungen, Beängstigen, Liebesentzug, Isolierung, Verachtung.die Liste könnte noch weitergeführt werden.

[...]

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
"Schwarze" Pädagogik gestern und heute
Hochschule
Katholische Stiftungsfachhochschule München
Note
2,3
Autor
Jahr
2010
Seiten
13
Katalognummer
V191856
ISBN (eBook)
9783656167143
ISBN (Buch)
9783656167525
Dateigröße
456 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
"Schwarze Pädagogik", Pädagogik früher und heute, Erziehung, Erziehungsstile
Arbeit zitieren
Walburga Steiger (Autor), 2010, "Schwarze" Pädagogik gestern und heute, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191856

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