Die vorliegende Seminararbeit widmet sich einer ökonomischen und ethischen Untersuchung des Microfinance, wobei das von Reinhardt Schmidt untersuchte Spannungsverhältnis zwischen ethischen Standards und dem sogenannten „Commercial Approach“ den Schwerpunkt dieser Arbeit bildet. Der Finanzprofessor führt in seinem Paper mit dem Titel „Microfinance, Commercialisation and Ethics“ das besagte Spannungsverhältnis auf den Konflikt zweier philosophischer Positionen zurück - und zwar dem Konflikt zwischen Gesinnungs- und Verantwortungsethik. Zur Verständlichkeit dieser Debatte wird dem Leser zunächst erklärt, worum es sich überhaupt bei Microfinance und Microcredit handelt, um anschließend die ethische Dimension des Microfinance darzustellen. Hierauf aufbauend folgt eine Gegenüberstellung von Gesinnungs- und Verantwortungsethik im Bezug auf die ethische Vertretbarkeit des Commercial Approach. Eine abschließende Betrachtung bildet den letzten Gliederungspunkt der vorliegenden Seminararbeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Worum handelt es sich bei Microfinance und Microcredit
3. Die ethische Dimension des Microfinance
4. Gesinnungsethik vs. Verantwortungsethik
5. Abschließende Betrachtung
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht das ethische Spannungsfeld zwischen der Kommerzialisierung von Mikrofinanzinstituten (dem sogenannten „Commercial Approach“) und moralischen Standards, wobei der Konflikt zwischen gesinnungsethischen und verantwortungsethischen Positionen im Zentrum steht.
- Grundlagen und Definitionen von Microfinance und Mikrokrediten
- Die ethische Problematik der Kommerzialisierung von Mikrofinanzdienstleistungen
- Gegenüberstellung von Gesinnungsethik (nach Kant) und Verantwortungsethik (nach Weber)
- Analyse der Nachhaltigkeit und Wirksamkeit verschiedener Geschäftsmodelle von Mikrofinanzinstituten
- Diskussion über Risiken wie Mission Drift und deren Auswirkungen auf Kreditnehmer
Auszug aus dem Buch
4. Gesinnungsethik vs. Verantwortungsethik
Die ernüchternde Historie weltweiter Entwicklungshilfeanstrengungen zeigt, dass allein der Gute Wille oftmals nicht ausreicht, um Gutes zu bewirken. Deshalb stellt die Gesinnungsethik im Bezug auf Armutsbekämpfung eine fragwürdige Position dar, was die folgenden Ereignisse vor Augen führen:
Schon vor Entstehung der modernen Mikrofinanzierung war die Förderung von Finanzsystemen fester Bestandteil der internationalen Entwicklungspolitik, da man sich in von der Verbesserung der Finanzsysteme wirtschaftliches Wachstums bzw. Armutsreduktion erhoffte. Bis Mitte der 70er erhielten die staatlichen Entwicklungsbanken der „Dritte-Welt Länder“ immense Kapitaltransfers von westlichen Institutionen wie Deutschlands Kreditanstalt für Wiederaufbau. Die Entwicklungsbanken sollten das erhaltene Kapital in Form günstiger Kredite an staatliche Behörden und Großunternehmen weiterleiten, damit diese Großprojekte wie beispielsweise den Bau eines Staudamms initiieren konnte. Durch Finanzierung solcher Wachstumspole sollte die Arbeitslosigkeit bekämpft, die Wirtschaft belebt und Armut reduziert.
In den meisten Fällen brachte die Entwicklungsfinanzierung jedoch kein Wirtschaftswachstum hervor oder begünstigte lediglich die Ungleichverteilung von wirtschaftlichen Chancen sowie Einkommen und Vermögen. Wegen dieses Misserfolges rief der damalige Präsident der Weltbank, Robert Mc Namara, eine neue Welle von Projekten ins Leben, bei denen die Entwicklungskredite über staatliche „Small-Enterprise Banken“ oder gemeinnützige Organisationen wie Grameen Bank an die Zielgruppe (Arme, Mikro- und Kleinunternehmen) weitergeben werden sollte. Das Ergebnis dieses Versuchs war verheerend: Die Kredite der „Small-Enterprise-Banken“ waren zu große für die jeweilige Zielgruppe oder erreichten diese gar nicht erst. Ähnliches galt für die gemeinnützigen Organisation, die lediglich westliche Fördergelder verschlangen ohne nennenswerte Erfolge zu erzielen. Immerhin gab es ein paar positive Ausnahmefälle, zu denen die Grameen Bank gehört. Insofern bestätigen vergangene Ereignisse die Webersche Position, da blindes Vertrauen in wenig erprobte Konzepte kaum Erfolg verspricht.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die ökonomische und ethische Untersuchung des Microfinance ein und skizziert das Spannungsverhältnis zwischen moralischen Standards und dem sogenannten „Commercial Approach“.
2. Worum handelt es sich bei Microfinance und Microcredit: Dieses Kapitel definiert die Begriffe Mikrokredit und Microfinance und beleuchtet die historische Entwicklung sowie die Rolle von Mikrofinanzinstituten bei der Armutsbekämpfung.
3. Die ethische Dimension des Microfinance: Hier wird die Debatte um die Kommerzialisierung der Mikrofinanzindustrie analysiert und die Notwendigkeit von kostendeckenden Geschäftsmodellen wie dem „Commercial Approach“ diskutiert.
4. Gesinnungsethik vs. Verantwortungsethik: Dieses Kapitel stellt die philosophischen Positionen von Kant und Weber gegenüber und bewertet deren Anwendbarkeit auf die Strategien der Mikrofinanzierung.
5. Abschließende Betrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und argumentiert, dass die Folge einer Handlung für den moralischen Wert ausschlaggebender sein sollte als die bloße Intention.
Schlüsselwörter
Microfinance, Mikrokredit, Kommerzialisierung, Commercial Approach, Ethik, Gesinnungsethik, Verantwortungsethik, Armutsbekämpfung, Grameen Bank, Mission Drift, Mikrofinanzinstitut, MFI, Entwicklungsfinanzierung, soziale Gerechtigkeit, Effizienz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der ethischen und ökonomischen Bewertung von Mikrofinanzinstituten und deren zunehmender Ausrichtung an gewinnorientierten Marktmechanismen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Differenzierung von Mikrokredit und Microfinance, der Rolle der Ethik in der Entwicklungszusammenarbeit und der Analyse der Wirksamkeit von Geschäftsmodellen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, das Spannungsverhältnis zwischen dem „Commercial Approach“ und ethischen Ansprüchen auf Basis philosophischer Ethikmodelle kritisch zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine theoretische Auseinandersetzung anhand einer Literaturanalyse durch, die philosophische Positionen auf reale Entwicklungsprojekte und Mikrofinanzkonzepte anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die Begriffe definiert, die ethische Dimension der Kommerzialisierung erörtert und die Konzepte der Gesinnungs- und Verantwortungsethik auf die Praxis übertragen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Commercial Approach, Mission Drift, Gesinnungsethik, Verantwortungsethik und Armutsreduktion bestimmt.
Was besagt die Webersche Verantwortungsethik in diesem Kontext?
Sie besagt, dass der moralische Wert einer Handlung primär durch deren geplante und erzielte Folgen beurteilt werden sollte, nicht durch die zugrundeliegende Motivation.
Was bedeutet der Begriff „Mission Drift“?
Dieser Begriff beschreibt das Risiko, dass Mikrofinanzinstitute ihr ursprüngliches Ziel, die Armut zu bekämpfen, zugunsten von Profitmaximierungsabsichten vernachlässigen.
Warum wird die Grameen Bank im Text oft erwähnt?
Die Grameen Bank dient als historischer Referenzpunkt für ein wohlfahrtsorientiertes Modell, dessen Geschäftsmodell jedoch für viele moderne Institute als nicht übertragbar gilt.
Welche Rolle spielt die Kostendeckung für Mikrofinanzinstitute?
Kostendeckung wird als notwendige Voraussetzung für die langfristige Überlebensfähigkeit von Instituten angesehen, um die Abhängigkeit von (oft unbeständigen) Spendengeldern zu beenden.
- Citar trabajo
- Dustin Lochead (Autor), 2012, Microfinance - Eine ethische und ökonomische Betrachtung des Commercial Approach, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191892