Bedingt durch den demographischen Wandel steigt der Anteil älterer Menschen in der heutigen Gesellschaft stetig an. Zusammen mit weiteren gesellschaftlichen Veränderungen wie der Entwicklung zur Wissensgesellschaft und Veränderungen in den Lebensformen führt dies dazu, dass älteren Menschen eine immer größere Bedeutung in der Erwachsenenbildung zukommt. Auch nach dem Austritt aus dem Erwerbsleben besteht ein wachsender Bedarf an Bildungsangeboten für ältere Menschen (vgl. Hasselhorn/Gold 2006, S. 200). Denn zum einen braucht die Gesellschaft die Produktivität und das Erfahrungswissen älterer Menschen, zum anderen wollen diese ihre Autonomie, ihre soziale Integration sowie ihre kulturelle und politische Partizipation aufrechterhalten (vgl. Wolter et al. 2010, S. 37). Weiterbildung älterer Menschen in der nachberuflichen Lebensphase stellt daher einen aktuellen und besonders auch in der Zukunft sehr wichtigen Bereich der Erwachsenenbildung dar.
Nur auf der Grundlage einer genauen Zielgruppenanalye können sowohl im Bezug auf die Rahmenbedingungen, als auch auf die inhaltliche Gestaltung geeignete Weiterbildungsangebote geschaffen werden, weswegen eine solche Analyse im Verlauf der Arbeit erfolgt.
Bei der Beschäftigung mit der didaktischen Gestaltung von Bildungsangeboten fällt eine Thematik besonders durch ihre Aktualität auf: die Neurodidaktik. Allerdings führt eine nähere Betrachtung der Literatur zum Thema Neurodidaktik zu der Erkenntnis, dass diese überwiegend Bezug zum Lernen im Schulunterricht nimmt. Der Bereich der Weiterbildung älterer Menschen scheint in diesem Zusammenhang keine große Beachtung zu finden. Dies scheint nachlässig zu sein, denn besonders die Beschäftigung mit didaktischen Möglichkeiten einer effektiven Gestaltung von Bildungsangeboten für ältere Menschen ist in der heutigen, alternden Gesellschaft sehr wichtig und zukunftsweisend. Deswegen ist in diesem Zusammenhang der Frage nachzugehen, welchen Beitrag die Neurodidaktik für die Gestaltung von Weiterbildungsangeboten für ältere Menschen leisten kann.
Aus diesen einzelnen Fest- und Fragestellungen ergibt sich das gesamte Ziel dieser Arbeit: Es sollen Gestaltungsmöglichkeiten von Weiterbildungsangeboten für ältere Menschen in der nachberuflichen Lebensphase unter Berücksichtigung von neurodidaktischen Erkenntnissen herausgestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die gesellschaftliche Ausgangssituation
2.1 Der demographische Wandel
2.2 Die Wissensgesellschaft und lebenslanges Lernen
2.3 Der Strukturwandel der Lebensformen älterer Menschen
3. Die Zielgruppe älterer Menschen in der nachberuflichen Lebensphase
3.1 Definitionen von Alter und Altern
3.2 Das Bildungsverhalten älterer Menschen in der nachberuflichen Lebensphase
3.2.1 Die Bildungsbeteiligung
3.2.2 Die Bedeutung von Computer und Internet
3.2.3 Die Teilnahmebarrieren
3.2.4 Die Teilnahmemotive
3.2.5 Die bevorzugten Themenbereiche
3.2.6 Die bevorzugten Bildungsinstitutionen und Angebotsformen
4. Lerntheorien und -modelle als Basis für die Weiterbildung
4.1 Die Bedeutung des Lernbegriffs
4.2 Drei zentrale Lernparadigmen
4.2.1 Der Behaviorismus
4.2.2 Die Entwicklung des Kognitivismus
4.2.3 Der Konstruktivismus
4.3 Modelle des Lernens im Alter
5. Lernen auf der Grundlage neurologischer Erkenntnisse
5.1 Lernen und Gehirn
5.2 Lernen und Gedächtnis
5.2.1 Das sensorische Gedächtnis
5.2.2 Das Arbeitsgedächtnis
5.2.3 Das Langzeitgedächtnis
5.2.4 Das Vergessen
5.3 Neurologische Grundlagen des Lernens älterer Menschen
6. Grundlegende Aspekte der Neurodidaktik
6.1 Die allgemeine Bedeutung der Neurodidaktik
6.2 Die Bedeutung der Neurodidaktik für die Gestaltung von Bildungsangeboten
7. Gestaltungsmöglichkeiten von gehirngerechten Weiterbildungsangeboten für ältere Menschen in der nachberuflichen Lebensphase
7.1 Die Rahmenbedingungen der Bildungsangebote
7.1.1 Das Kursangebot
7.1.2 Der Ankündigungstext
7.1.3 Die Veranstaltungszeit und -dauer
7.1.4 Der Veranstaltungsort und die Raumgestaltung
7.2 Lernförderliche Aspekte der Gestaltung der Bildungsveranstaltung
7.2.1 Der Lehrende
7.2.2 Die Seminargestaltung
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Diplomarbeit untersucht, wie Weiterbildungsangebote für ältere Menschen in der nachberuflichen Lebensphase so gestaltet werden können, dass sie sowohl zielgruppengerecht als auch gehirngerecht sind. Dabei wird erforscht, welchen Beitrag neurodidaktische Erkenntnisse zur effektiven Gestaltung solcher Bildungsangebote leisten können, um den wachsenden Bildungsbedarf dieser Generation zu decken.
- Analyse der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen und des Strukturwandels im Alter
- Untersuchung der spezifischen Bildungsbedürfnisse und -barrieren der Generation 60+
- Darstellung lerntheoretischer Paradigmen und neurologischer Grundlagen des Lernens
- Kritische Auseinandersetzung mit der Bedeutung der Neurodidaktik
- Entwicklung von Gestaltungskriterien für ein gehirngerechtes Bildungsangebot
Auszug aus dem Buch
3.2.2 Die Bedeutung von Computer und Internet
Einen besonderen Bereich stellen dabei die Themen Computer und Internet dar. Denn trotz der in Kapitel 2.2 dargestellten zunehmenden Bedeutung von PC und Internet in der Gesellschaft, entziehen sich noch viele ältere Menschen dieser Thematik.
In allen Altersklassen zwischen 10 und 64 Jahren liegt die regelmäßige Computer- und Internetnutzung zwischen 44 und 63%-Punkte höher, als die der über 64-Jährigen (vgl. Statistisches Bundesamt, 02/2011, S. 546). Mit steigendem Alter sinkt auch das Interesse an Weiterbildungsveranstaltungen zum Thema PC und Internet (vgl. Infas 2001, S. 92).
Die geringe Internetnutzung der älteren Menschen und deren dürftige Beteiligung an entsprechenden Bildungsangeboten lassen sich durch verschiedene Faktoren erklären. Eine große Hürde stellt zunächst das Beschaffen und Einrichten des Computers und des Internetzugangs sowie das Erlernen des Umgangs mit deren Systemen und Techniken dar (vgl. Schweiger/Ruppert 2009, S.172). Dies wird häufig zusätzlich durch mangelndes Technikvertrauen der älteren Menschen erschwert. Große Skepsis und die Angst vor einem Missbrauch persönlicher Daten halten viele ältere Menschen von der Internetnutzung ab. Hinzu kommt, dass ältere Menschen es gewohnt sind persönlich zu kommunizieren. E-Mails und Chatrooms sind deswegen für die wenigsten älteren Menschen ein Ersatz für Gespräche beispielsweise beim Einkaufen (vgl. Schweiger/Ruppert 2009, S. 173).
Als Ergänzung zu den traditionellen Kommunikationswegen kann das Internet jedoch durchaus auch für ältere Menschen sinnvoll sein. Trotz großer Entfernung oder eingeschränkter Mobilität können darüber soziale Kontakte aufrechterhalten oder neu geknüpft werden (vgl. Mollenkopf/Doh 2002, S. 389). Auch zur Informationssuche über Waren und Dienstleistungen und zu dessen Bestellung kann das Internet unabhängig von Gesundheits- und Mobilitätszustand genutzt werden (vgl. Statistisches Bundesamt 02/2011, S. 546). Zudem ist eine große Fülle an allgemeinen Informationen zu den verschiedensten (auch seniorenspezifischen) Themen meist kostenlos verfügbar (vgl. Schweiger/Ruppert 2009, S. 173).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung begründet die Relevanz der Weiterbildung älterer Menschen aufgrund des demografischen Wandels und stellt die Zielsetzung der Arbeit sowie das methodische Vorgehen vor.
2. Die gesellschaftliche Ausgangssituation: Das Kapitel beleuchtet den demografischen Wandel, die Entwicklung zur Wissensgesellschaft und den Wandel der Lebensformen älterer Menschen, woraus sich ein gestiegener Bildungsbedarf ableitet.
3. Die Zielgruppe älterer Menschen in der nachberuflichen Lebensphase: Hier wird das heterogene Bildungsverhalten der Zielgruppe analysiert, inklusive Motivationsfaktoren, Barrieren und Präferenzen bei Bildungsinstitutionen sowie dem besonderen Stellenwert von Computern.
4. Lerntheorien und -modelle als Basis für die Weiterbildung: Dieser Abschnitt bietet einen Überblick über zentrale Lernparadigmen (Behaviorismus, Kognitivismus, Konstruktivismus) und stellt Modelle des Lernens im Alter vor.
5. Lernen auf der Grundlage neurologischer Erkenntnisse: Das Kapitel verknüpft Lernprozesse mit Gehirnfunktionen, Gedächtnissystemen und den spezifischen neurobiologischen Voraussetzungen des Lernens bei älteren Menschen.
6. Grundlegende Aspekte der Neurodidaktik: Hier findet eine Auseinandersetzung mit der Neurodidaktik statt, wobei Möglichkeiten und Grenzen dieses Ansatzes für die didaktische Gestaltung kritisch beleuchtet werden.
7. Gestaltungsmöglichkeiten von gehirngerechten Weiterbildungsangeboten für ältere Menschen in der nachberuflichen Lebensphase: Das Kapitel liefert konkrete Gestaltungsempfehlungen für Rahmenbedingungen, das Kursangebot, die methodisch-didaktische Durchführung und die Raumgestaltung.
8. Fazit: Das Fazit resümiert die Ergebnisse der Arbeit und formuliert Empfehlungen für eine zielgruppengerechte Weiterbildungspraxis sowie den künftigen Umgang mit neurodidaktischen Ansätzen.
Schlüsselwörter
Weiterbildung, Ältere Menschen, nachberufliche Lebensphase, demographischer Wandel, Neurodidaktik, gehirngerechtes Lernen, Lernmotivation, Gedächtnis, Erwachsenenbildung, SOK-Modell, Bildungsbeteiligung, Wissensgesellschaft, Bildungsgestaltung, kognitive Alternsforschung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Bildungsangebote für die wachsende Gruppe der älteren Menschen in der nachberuflichen Lebensphase so gestaltet werden können, dass sie deren spezifischen Bedürfnissen und neurologischen Voraussetzungen gerecht werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit befasst sich mit der gesellschaftlichen Situation des Alterns, dem Bildungsverhalten älterer Generationen, grundlegenden Lerntheorien, neurologischen Prozessen des Lernens und Gedächtnisses sowie praktischen Gestaltungsfragen für Bildungsveranstaltungen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, Gestaltungsmöglichkeiten für Weiterbildungsangebote zu identifizieren, die unter Berücksichtigung neurodidaktischer Erkenntnisse eine hohe Lernqualität und Teilhabe für Menschen im Rentenalter ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und der Zusammenführung wissenschaftlicher Erkenntnisse aus der Gerontologie, Neurobiologie, Pädagogik und Psychologie, um darauf aufbauend eine Checkliste für die Bildungspraxis zu entwickeln.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Zielgruppe, lerntheoretische und neurobiologische Grundlagen, hinterfragt kritisch den Begriff der Neurodidaktik und leitet aus diesen theoretischen Erkenntnissen praktische Empfehlungen für die Gestaltung von Bildungsangeboten ab.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Weiterbildung, ältere Menschen, Neurodidaktik, demographischer Wandel, gehirngerechtes Lernen und die Lebensspanne.
Welche Rolle spielt die Neurodidaktik in dieser Arbeit?
Die Arbeit ordnet die Neurodidaktik als interdisziplinäres Feld ein, stellt fest, dass es noch keine fertige "Neurodidaktik" als eigenständige Fachdidaktik gibt, nutzt jedoch deren Erkenntnisse über das Gehirn, um eine "gehirngerechte" Gestaltung von Bildungsangeboten zu begründen.
Wie werden die Erkenntnisse für die Praxis nutzbar gemacht?
Die gewonnenen Erkenntnisse aus Theorie und Neurologie werden im abschließenden Kapitel in Form einer praktischen Checkliste strukturiert, die Kursplanern hilft, Bildungsangebote für Ältere gezielt zu verbessern.
Warum wird zwischen "jungen Alten" und anderen Gruppen differenziert?
Die Arbeit zeigt auf, dass ältere Menschen keine homogene Masse sind; besonders die Gruppe der "Jungen Alten" zeigt anderes Bildungsverhalten als Hochbetagte, was bei der Angebotsplanung zwingend berücksichtigt werden muss.
- Citation du texte
- Sina Zimmermann (Auteur), 2011, Weiterbildung für ältere Menschen in der nachberuflichen Lebensphase, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191973