Die Nobelpreisträgerin verarbeitet in ihrem Werk Die Kontrakte des Kaufmanns den Skandal um das Meinl-Unternehmen, welches das Geld ihrer Anleger in Offshore-Zertifikaten versi-ckern ließ. Desweiteren thematisiert sie den Skandal um die Gewerkschaftsbank BAWAG, die sich 2007 mit Arbeiterpensionen verspekuliert hatte. Besonders viele Rentner hatten im Vertrauen auf Rendite ihr Erspartes investiert und anschließend verloren. Jelinek reagierte sofort und noch bevor es zur weltweiten Wirtschaftskrise kam, hatte Jelinek schon das erste Drama darüber verfasst, welches sie zynisch als „Wirtschaftskomödie“ tituliert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Theaterästhetik Elfriede Jelineks
2.1 Äußere Form
2.2 Figuren, Kommunikation und Handlung
3 Sprache und Stil
3.1 Die Sprache der Finanzwelt
3.2 Semantische Instabilität
3.3 Bildlichkeit
3.4 Wortschatz
4 Methode der Montage
4.1 Literatur der Klassik und Moderne
4.2 Märchen
4.3 Sprichwörter und Weisheiten
4.4 Griechische Mythologie
4.5 Werbung
4.6 Theater und Film
5 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert den dekonstruktivistischen Dramenstil Elfriede Jelineks in ihrem Werk "Die Kontrakte des Kaufmanns" und untersucht, wie die Autorin Sprache, Montage und intertextuelle Bezüge einsetzt, um die Mechanismen und die moralische Leere der Finanzwelt kritisch zu demaskieren.
- Analyse der spezifischen Theaterästhetik und Formsprache Jelineks
- Untersuchung der "Sprache der Finanzwelt" und ihrer semantischen Instabilität
- Darstellung der Montagetechnik durch Einbeziehung von Klassik, Märchen und Mythologie
- Kritik an kapitalistischen Herrschaftsstrukturen und gesellschaftlichen Auswirkungen
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Sprache der Finanzwelt
Die bewusst intendierte Doppelbödigkeit des Wall-Street-Sprechs dominiert das gesamte Stück und wird durch dieses Spiel der Signifikanten entlarvt. Wittgenstein’sche Sprachspiele wie „der Erlös erlöst den Kunden“, „die Ersparnis wird erspart“ und „mit der Abfindung abfinden“ decken die gemeine Zweideutigkeit der Wirtschaftssprache auf. So tritt der Vertreter seine Kunden und tritt sich seine Füße an ihnen ab. Die Vorgehensweise, mit der sie die unseriösen Geschäfte vor der Öffentlichkeit verschleiern und beschönigen, kommt durch Euphemismen wie „Minuswachstum“, „Gewinnwarnung“ oder „Verluste erwirtschaften“ zur Sprache. So ist beispielsweise mit einer „selektive[n] Fortsetzung der Wachstumsstrategie“ eine Auslagerung der Produktion in Billiglohnländer gemeint. Ein Merkmal von Jelineks Stil ist auch die Ironie mit ihren verschiedenen Ausprägungen wie Zynismus und Sarkasmus. So wird die Naivität der Kleinanleger verhöhnend verdeutlicht: „Sie können Ihr Geld jederzeit bei uns besuchen“ und werden von den Vertretern beschimpft: „Sie Vollkoffer Sie, Sie Idiot, Sie unbelehrbarer Trottel“.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Finanzskandale um die Unternehmen Meinl und BAWAG ein, die Jelineks Drama als thematische Grundlage dienen.
2 Die Theaterästhetik Elfriede Jelineks: Dieses Kapitel erläutert die Abkehr Jelineks von traditionellen Gattungskonventionen und ihren dekonstruktivistischen Umgang mit Form, Figuren und Kommunikation.
3 Sprache und Stil: Hier wird untersucht, wie Jelinek durch musikalisch inspirierten Sprachgebrauch, die Entlarvung der Finanzsprache und semantische Instabilität die Abstraktion des Kapitalismus darstellt.
4 Methode der Montage: Dieses Kapitel analysiert die intertextuelle Arbeitsweise der Autorin, die durch die Verknüpfung von Literaturklassikern, Märchen, Mythen und Werbung eine komplexe Kapitalismuskritik konstruiert.
5 Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, wie Jelinek durch die Montage verschiedenster Fragmente ein pessimistisches Weltbild entwirft, in dem Sprache, Gesellschaft und Ökonomie gleichermaßen kollabieren.
Schlüsselwörter
Elfriede Jelinek, Die Kontrakte des Kaufmanns, Theaterästhetik, Finanzskandal, Dekonstruktivismus, Montage, Intertextualität, Sprachkritik, Kapitalismuskritik, Semantische Instabilität, Wirtschaftskomödie, Finanzwelt, Sprachspiele.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Proseminararbeit?
Die Arbeit analysiert das Theaterstück "Die Kontrakte des Kaufmanns" von Elfriede Jelinek im Kontext der Finanzskandale um die Unternehmen Meinl und BAWAG.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen Jelineks Theaterästhetik, die manipulative Sprache der Finanzwelt, die Methode der textuellen Montage sowie die Verarbeitung von Mythen und Literatur in ihrem Werk.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, Jelineks experimentelles Spiel mit Sprache und Stilebenen zu interpretieren und aufzudecken, wie sie die Mechanismen des Kapitalismus dekonstruiert.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die auf der Untersuchung von Primärtexten, Medienberichten und theaterwissenschaftlicher Sekundärliteratur basiert.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Jelineks formalem Dramenstil, die Analyse ihrer Sprachverwendung (Semantik, Rhetorik) sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit ihren intertextuellen Montagetechniken.
Welche Schlagworte charakterisieren die Untersuchung am besten?
Wichtige Begriffe sind Dekonstruktion, Sprachspiele, Finanzkritik, Montage und Intertextualität.
Wie geht Jelinek mit dem Begriff "Nichts" in ihrem Stück um?
Das "Nichts" wird als zentrales Motiv verwendet, das die Nichtigkeit der menschlichen Existenz gegenüber der unaufhörlichen, aber abstrakten Existenz des Kapitals symbolisiert.
Warum verwendet Jelinek Zitate aus der griechischen Mythologie?
Die Mythen, insbesondere der Herakles-Mythos, dienen als rote Fäden, um die Absurdität und das Ausmaß des menschlichen Leids im Kontrast zum Größenwahn der Finanzwelt zu verdeutlichen.
- Citar trabajo
- Saskia Guckenburg (Autor), 2010, Elfriede Jelineks "Die Kontrakte des Kaufmanns": Ökonomie, Theater und Sprache, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/191990