Martial und die Spiele

Liber spectaculorum


Hausarbeit, 2009

22 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Einleitung

2.Die römischen Spiele

3.Einführung in das Buch der Schauspiele

4.Aufbau des liber spectaculorum

5.Ausgewählte Epigramme
5.1.Epigramm 1
5.2.Epigramm 2
5.3.Epigramm 3
5.4.Epigramm 7
5.5.Epigramm 18
5.6.Epigramm 29

6. Martials literarisches Vorgehen im Buch der Schauspiele

7.Literaturverzeichnis:
7.1.Kommentare und Übersetzungen
7.2.Sekundärliteratur
7.3.Filme

1. Einleitung

Die Spiele zur Einweihung des Kolosseums sind für uns heute unter anderem dank Martials liber spectaculorum nachvollziehbar. Um in die Thematik einzuführen, werde ich zunächst einen kurzen historischen Überblick über die römischen Spiele geben. Dann zeige ich die Gesamtstruktur des liber spectaculorum auf und nenne verschiedene Aspekte von Martials literarischem Vorgehen anhand von sechs ausgewählten Epigrammen. Außerdem beschäftige ich mich mit der Frage, an welchen Adressaten Martial sein Buch richtet und mit welcher Intention er sein Werk geschrieben hat. In diesem Kontext werde ich Hubert Canciks Meinung diskutieren, dass das Buch der Schauspiele „…das Erschreckendste, was antike Literatur hervorgebracht haben dürfte, eine Art KZ-Lyrik“[1] sei.

2. Die römischen Spiele

Laut Thomas Wiedemann spielten die Spiele im antiken Rom als Bestandteil der römischen Kultur eine wichtige Rolle im Leben eines Römers. Bereits im 6 Jh. v. Chr. entstand der erste Vorläufer: die ludi. Mit diesem Begriff wurden zeremonielle Prozessionen auf dem Campus Martius bezeichnet, mit denen Wagenrennen und schauspielerische Aktivitäten verbunden waren. Aus diesen sollen sich laut römischen Schriftstellern die traditionellen Schauspiele der römischen Gesellschaft entwickelt haben. Man bezeichnete sie als Staatsangelegenheit, weshalb sie teilweise aus dem aerarium, der Staatskasse des römischen Volkes, finanziert wurden.

Die Gladiatorenkämpfe und Tierhetzen kamen in Rom erst später in Verbindung mit den ludi auf. Bis ins 3. Jh. n. Chr. unterschieden die Römer beide Arten der Aufführung mit den Begriffen ludi und munera. Die Ludi publici bezeichneten Wagenrennen und schauspielerische Darstellungen, die auch weiterhin öffentlich finanziell unterstützt wurden und regelmäßig stattfanden. Die Gladiatorenkämpfe (munera) hingegen wurden zu bestimmten Anlässen von einflussreichen Privatpersonen (editores) ausgerichtet und finanziert, so zum Beispiel zu Totenfeiern von verstorbenen Verwandten. Der Begriff munera verdeutlicht bereits, dass Gladiatorenkämpfe als Gaben und nicht als staatliche Verpflichtung wie die ludi angesehen wurden. Die munera dienten jedoch nicht nur der Totenehrung, sondern steigerten auch das Ansehen des Veranstalters in der Öffentlichkeit. Dies bedeutete, dass Gladiatorenkämpfe trotz ihrer privaten Finanzierung einen öffentlichen Charakter besaßen. Die Sponsoren versuchten die vorhergehenden Spiele möglichst zu übertreffen, wofür sie noch mehr exotische Tiere und Gladiatorenpaare auftreten ließen als ihre Vorgänger.

Die Finanzierung war sehr teuer, da der Besuch der Spiele für die Zuschauer umsonst und das Transportieren der exotischen Tiere sehr aufwendig war. Die Spiele waren also für den editor eine Möglichkeit, sein Geld und seine Macht zur Geltung zu bringen.[2] Gladiatorenkämpfe wurden zunächst nur wie oben bereits erwähnt zu bestimmten Anlässen ausgerichtet, bis Kaiser Augustus (31 v. Chr. - 14 n. Chr.) sie als regelmäßige Einrichtungen etablierte. Doch auch so fanden sie nur zweimal pro Jahr statt (zum Quinquatrus im März und an den

Saturnalien am Ende des Jahres) und waren dementsprechend festlichen Inszenierungen unterworfen. Diese Feste dauerten mehrere Tage und folgten einem bestimmten Ablauf. Morgens fanden die Präsentation und der Kampf gegen wilde Tiere statt (venationes), woraufhin es mittags zur öffentlichen Hinrichtung von Verbrechern mit niederem Status (noxii, cruciarii) kam. Diese verschiedenen Arten der Aufführung hatten vor Augustus´ Herrschaft miteinander nichts zu tun. Von seiner Zeit an wurden sie jedoch mit dem Gladiatorenkampf verbunden, der am Nachmittag folgte.[3]

Gladiatoren waren aufgrund ihrer Ausbildung eine kostspielige Investition. Deshalb ging es in der Arena nicht darum, sie wie die damnati umzubringen. Gladiatorenkämpfe wurden also als Übergang vom Tod zum Leben und Wiedereintritt in die Gesellschaft angesehen. Die Hinrichtungen am Mittag hingegen symbolisierten den Weg vom Leben zum Tod und den Austritt aus der Gesellschaft. Sadistische Freude als Grund für den Besuch der Spiele halte ich deshalb für falsch. Die Menschen kamen in die Arena, um zu beobachten, wie andere der Notwendigkeit des Sterbens gegenübertraten. Auf diese Weise wurden die Zuschauer an ihre eigene Sterblichkeit erinnert. Überdies war die Arena ein Ort, an dem die Grenzen von Wildheit und Kultur aneinanderstießen und wo dem Publikum durch die öffentliche Hinrichtung von Verbrechern und die Vernichtung von wilden Tieren das Gefühl von Sicherheit vermittelt wurde.[4]

Kaiser Domitian (81 - 96 v. Chr.) machte die Gladiatorenspiele in Rom zu einem Privileg des Kaisers, der sich wie die editores der vergangenen Zeit der Spiele bediente, um seine Macht zur Schau zu stellen. Das Töten von wilden Tieren aus exotischen Ländern zum Beispiel symbolisierte die Weite seines Reiches.[5] Da der Kaiser auf diese Weise durch sein persönliches Erscheinen mit dem Volk in Kontakt trat, wurde den Spielen außerdem eine gesellschaftliche Bedeutung zugeordnet. Wie Martial in Epigramm 29 beschreibt, besaß das Publikum die Macht, über das Schicksal der Gladiatoren mit zu entscheiden.

Schlussendlich traf jedoch der Kaiser die Entscheidung, sodass die Spiele in der Arena zum Symbol für die dauerhafte Auseinandersetzung beider Parteien um die Verteilung der Macht wurden. Um den symbolischen Gehalt der Spiele aufrechtzuerhalten, wurde vom Kaiser

gefordert, häufig bei den Spielen anwesend zu sein. Es warf ein schlechtes Licht auf seine Person, wenn er zu den Spielen nicht erschien. Positiv dagegen wurden Bekanntmachungen bewertet, die er dem versammelten Publikum durch Aushänge in der Arena statt durch Boten kundtat. Umgekehrt konnte der Kaiser im Rahmen der Spiele das Verhalten der Menschen beobachten, wodurch er einen Einblick in die Stimmung des Volkes erhielt.[6]

3. Einführung in das Buch der Schauspiele

Martials liber spectaculorum ist im Jahre 80 zur Einweihung des Kolosseums erschienen und besteht aus 32 Epigrammen, die zum Teil unvollständig und unterschiedlich überliefert sind. Anders als Statius, der für seine Darstellung des Verlaufs der Spiele die Form eines kontinuierlichen Gedichtes gewählt hat (silv. 1.6), beschreibt Martial das Geschehen mithilfe von einzelnen, in sich geschlossenen Gedichteinheiten, die zu einem loseren, größeren Ganzen zusammengefügt sind. Diese Art der Darstellung wird der Thematik insofern gerecht, als dass sich die Gesamtvorführung aus einzelnen Vorführungen zusammensetzte. Ihr Verlauf während der Einweihung des Kolosseums ähnelt der Reihenfolge von Martials Epigrammen in seinem Buch der Schauspiele.[7]

[...]


[1] Fuhrmann (1974) 269.

[2] Vgl. Wiedemann (2001) 11-22.

[3] Vgl. Wiedemann (2001) 64.

[4] Vgl. Wiedemann (2001) 99-101.

[5] Vgl. Wiedemann (2001) 11-22.

[6] Vgl. Wiedemann (2001) 169-178.

[7] Vgl. Lausberg (1982) 370-372.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Martial und die Spiele
Untertitel
Liber spectaculorum
Hochschule
Universität Konstanz
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
22
Katalognummer
V192026
ISBN (eBook)
9783656168645
ISBN (Buch)
9783656168744
Dateigröße
528 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Martial, Gladiatorenkämpfe, Epigramm, liber spectaculorum, römische Spiele, Kolosseum, Schauspiel, Kampf, wilde Tiere, Kaiser, Wagenrennen, ludi, munera, Gladiator, Sklave, Hinrichtung, Inszenierung
Arbeit zitieren
Elisabeth Yorck (Autor), 2009, Martial und die Spiele, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192026

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