Seit Beginn des Fernsehens steht dieses in Konkurrenz zum Kino. Dabei handelte es sich aber besonders zu Beginn um ungleiche Konkurrenten. Schließlich hat das Fernsehen eine wesentlich kürzere Tradition und zum Anderen hatte das Kino lange Zeit die besseren Produktionsbedingungen. So stellte Nelson (2007: 39) fest, dass es sowohl in Großbritannien als auch in den USA schon immer die Tendenz gegeben habe, den Film im Vergleich zum Fernsehen als hochwertiger einzustufen. Besonders zu Beginn seiner Geschichte stand das Fernsehen im Fokus der Qualitätskritik. In diesem Zusammenhang erlangte Theodor W. Adorno Berühmtheit, als er in seinem Aufsatz Prolog des Fernsehens seine Abneigung gegenüber dem Fernsehen betonte:
"Jene fatale 'Nähe' des Fernsehens [...] befriedigt nicht nur eine Begierde, vor der nichts Geistiges bestehen darf, wenn es nicht in Besitz verwandelt, sondern vernebelt obendrein die reale Entfremdung zwischen Menschen und zwischen Menschen und Dingen." (Adorno 1963: 74, 75)
In den vergangenen Jahrzehnten hat sich das Fernsehen besonders in den USA kontinuierlich weiterentwickelt. Insbesondere die Umstrukturierung des USFernsehmarktes seit Anfang der 70er Jahre, als die Networks zunehmend Konkurrenz durch die neuen Kabelsender bekamen, bewirkte mittel- bzw. langfristig eine Verbesserung des Fernsehprogramms. So bezeichnet Dunne (2007: 106) die Etablierung der Kabelsender als einen wichtigen Schritt für die amerikanische Fernsehlandschaft, wobei es zu langanhaltenden Veränderungen kam: "It was a quality victory." (Dunne 2007: 107) Hinsichtlich der Qualität näherte sich das Fernsehen schrittweise dem Film an, sodass sich dessen Ansehen in der Kinobranche deutlich erhöhte (vgl. Nelson 2007: 43).
Inhaltsverzeichnis
Kapitel 1: Einleitung
Kapitel 2: Die Fernsehgeschichte der USA und das Phänomen Quality TV
Kapitel 3: Die Fernsehserie The Sopranos (Erste Episode)
3.1 Komplexe Erzählstrukturen
3.2 The Sopranos zwischen Familienserie und Mafia-Drama
3.3 Die Komplexität des Protagonisten Anthony Soprano
3.4 Intertextualität
3.5 Kameraarbeit
Kapitel 4: Die Fernsehserie KDD – Kriminaldauerdienst (Pilotfolge)
4.1 Komplexe Erzählstrukturen
4.2 Die Komplexität der Charaktere
4.3 Kameraarbeit
Kapitel 5: Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des "Quality TV" und analysiert, inwiefern spezifische Merkmale dieses Genres in US-amerikanischen Produktionen sowie in aktuellen deutschen Krimiserien wie "KDD – Kriminaldauerdienst" zu finden sind, wobei die Forschungsfrage nach der Übertragbarkeit dieses Konzepts auf den deutschen Fernsehmarkt im Zentrum steht.
- Geschichte und Definition von Quality TV
- Analyse der Erzählstrukturen und Charakterkomplexität
- Vergleichende Untersuchung von The Sopranos und KDD
- Bedeutung von Kameraarbeit und visueller Ästhetik
- Kritische Reflexion über Qualität im deutschen Fernsehen
Auszug aus dem Buch
3.1 Komplexe Erzählstrukturen
Die erste Episode beginnt mit der ersten Therapiesitzung des Mafia-Bosses Anthony Soprano bei der Psychiaterin Dr. Melfi. Sein Charakter bleibt dabei zunächst noch unklar, da der Zuschauer keine aussagekräftigen Informationen erhält. Im Anschluss daran werden durch Rückblenden Anthonys Erlebnisse der vergangenen Tage dargestellt, wobei seine zahlreichen privaten und beruflichen Konflikte zunehmend transparent werden. Dadurch ist eine Exposition gegeben, die in die zentrale Thematik einführt. Die Rückblenden werden gelegentlich durch eine Voice-Over von Anthony unterstützt, wobei die Bilder der Rückblenden immer wieder von Bildern der Therapiesitzungen unterbrochen werden. Der ständige Wechsel zwischen Therapiesitzungen und Bildern, die das Alltagsleben von Anthony zeigen, der einerseits Mafia-Boss ist und andererseits ein gehobenes vorstädtisches Leben führt, bedeutete eine komplett neue Erzählstruktur im Gangster-Genre (vgl. Plourde 2006: 72).
Die Rückblenden beginnen am Morgen des Geburtstages seines Sohnes und enden mit dessen Geburtstagsfeier, wodurch einerseits ein äußerer Rahmen vorhanden ist. Andererseits werden aber die genauen Hintergründe bezüglich Anthonys Konflikten mit der Mutter oder dem Onkel angedeutet, aber nicht aufgelöst. Zudem wird nicht klar, in welchem Zeitraum die Handlung stattfindet. So erscheint es zwar zunächst logisch, dass der Rahmen (die Geburtstagsfeier) an einem Tag stattfindet. Denn Anthonys Frau erwähnt am Morgen ihrem Mann gegenüber, dass er am Abend rechtzeitig zu der Geburtstagsfeier seines Sohnes erscheinen möge (06.45 - 06.57). Da allerdings aufgrund des ersten Zusammenbruchs von Anthony von einer nicht genau terminierten Verschiebung der Feier geredet wird (19.50 - 20.01), bleibt der zeitliche Rahmen letztlich unklar. Außerdem finden zwischen dem Morgen des Geburtstages und der Geburtstagsfeier an einem nicht näher bestimmten Abend drei verschiedene Therapiesitzungen statt, zudem erleidet Anthony zwei Zusammenbrüche.
Somit ist keine chronologische, sondern eine assoziative Erzählstruktur vorhanden. Hierbei ergeben sich Analogien zur assoziativen Erzähltechnik von Jane Austen. In einer Rezension zu ihrem Roman Emma heißt es: "Während der Wortschwall aber nur die Sprecherin selbst zu karikieren scheint, vergegenwärtigt Jane Austen in ihm zugleich die veränderte Einstellung der Sprecherin zum Erdbeerenpflücken und damit das Vergehen der Zeit." (Graue in Austen 1980: 430)
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1: Einleitung: Diese Einleitung führt in die Debatte um Quality TV ein und stellt die Relevanz des Themas im Kontext internationaler Serienproduktionen dar.
Kapitel 2: Die Fernsehgeschichte der USA und das Phänomen Quality TV: Das Kapitel beleuchtet die historische Entwicklung des US-Fernsehens in drei Epochen und definiert zentrale Merkmale des Quality TV.
Kapitel 3: Die Fernsehserie The Sopranos (Erste Episode): Es erfolgt eine detaillierte Analyse der Erzählweise, der Charakterzeichnung und der visuellen Stilmittel der Serie The Sopranos.
Kapitel 4: Die Fernsehserie KDD – Kriminaldauerdienst (Pilotfolge): Dieses Kapitel untersucht, ob die deutsche Serie KDD Elemente des Quality TV aufgreift und wie sie sich vom klassischen Krimigenre abhebt.
Kapitel 5: Fazit und Ausblick: Hier werden die Ergebnisse der Analyse zusammengeführt und die Übertragbarkeit des Konzepts Quality TV auf den deutschen Fernsehmarkt kritisch bewertet.
Schlüsselwörter
Quality TV, The Sopranos, KDD, Fernsehgeschichte, Erzählstruktur, Charakterkomplexität, Mafia-Drama, Kameraarbeit, deutsche Fernsehserie, Intertextualität, Serienästhetik, US-Fernsehen, Medienwissenschaft, Bildästhetik, Plot
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das US-amerikanische Phänomen "Quality TV" und analysiert, inwiefern dessen charakteristische Merkmale in aktuellen Krimiproduktionen wie der deutschen Serie "KDD – Kriminaldauerdienst" zu finden sind.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?
Die Schwerpunkte liegen auf der narrativen Komplexität, der Charakterentwicklung, dem Einsatz intertextueller Verweise sowie der visuellen Gestaltung durch innovative Kameraführung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die spezifischen Merkmale des Quality TV zu definieren und kritisch zu prüfen, ob und wie diese auf den deutschen Fernsehmarkt übertragbar sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Die Arbeit nutzt eine medienwissenschaftliche Analyse, bei der ausgewählte Episoden der Serien "The Sopranos" und "KDD" detailliert anhand narratologischer und bildästhetischer Kriterien untersucht werden.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil ist in eine theoretische Einführung zur Fernsehgeschichte und zwei detaillierte Fallstudien gegliedert, die die strukturellen und inhaltlichen Besonderheiten beider Serien vergleichen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Quality TV, Erzählstruktur, Serienästhetik, Charakterkomplexität und Intertextualität.
Warum wird die Serie "The Sopranos" als Paradebeispiel herangezogen?
Die Serie gilt in der medienwissenschaftlichen Debatte als eines der wegweisenden Beispiele für die Verbindung von anspruchsvoller Erzählkunst, komplexen Charakteren und filmischer Ästhetik.
Welche besondere Schlussfolgerung zieht der Autor bezüglich des deutschen Fernsehens?
Der Autor kommt zu dem Ergebnis, dass das US-amerikanische Konzept des Quality TV nicht eins zu eins auf deutsche Produktionen übertragbar ist, da hier andere Erwartungshaltungen des Publikums und organisatorische Rahmenbedingungen dominieren.
- Quote paper
- Daniel Seehuber (Author), 2009, "It´s not TV" - auch in Deutschland?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192057