„G´Day, Mate!“ - Eine Schwäbin in Australien

Ein Sprachtagebuch


Projektarbeit, 2011

28 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1) ...lassen wir die Reise beginnen

2) „Ich weiß, dass ich nichts weiß“, oder doch nicht? Von Sprachlosigkeit, Hilflosigkeit und verminderter Intelligenz

3) Über die Bedeutung von Sprache, verhassten Small-Talks und unvermeidbaren Blamagen

4) Von positivem Stress, erwünschtem Druck und konstruktiver Resignation wie ich begann, Äußerungen endlich ganzheitlich zu erfassen

5) „ Ai kän schpik inglisch so gud, thät makes me no one so quickly after“ von Sprachverbesserungen und anderen Übeln

6) “ Reden kann se nich´, also kann se auch nicht spielen“-

Wie Sprache unser soziales Umfeld und unseren sozialen Status beeinflusst

6 b) ein besseres Verständnis für Ausländer in Deutschland

7) “Tausende vernichtetete Gehirnzellen!” Von Fehlerkorrekturen und Bedeutungsverfälschungen im akademischen Essay

8) Mein akademisches Englisch versus meinem Alltagsenglisch

9) “Zufriedenheit trotz unerfüllter Erwartungen? ” Meine Erwartungen versus meine entwickelten Fähigkeiten

10) „ Oh you bloody Irish“ Wie aus Beleidigungen Komplimente werden können

11) „ Wer hat an der Uhr gedreht? Heute ist nicht alle Tage, ich komm wieder, keine Frage!“ Von Abschiedsschmerz und rückläufigen Tendenzen

12) ...und die Reise geht weiter

1) ...lassen wir die Reise beginnen

Sprachtagebuch- Was ist das eigentlich?

Als ich vor die Aufgabe gestellt wurde, ein „Sprachtagebuch“ während meines Auslandaufenthaltes in Melbourne, Australien, zu verfassen, war ich erst einmal ratlos. Ich konnte diesen Begriff nicht wirklich fassen. Sollte es ein rein linguistischer Bericht über die Entwicklung meiner englischen Fremdsprachenkompetenz während des Auslandssemesters sein? Oder sollte ich auch die soziokulturelle Dimension berücksichtigen? Und wie sollte ich das Tagebuch sprachlich und inhaltlich verfassen? Sollte es sehr persönlich und intim geschrieben sein, was ja der Begriff „Tagebuch“ für mich impliziert, oder sollte ich doch versuchen, mein Sprachtagebuch möglichst formell und neutral zu halten, da es sich ja immerhin um einen Bericht im Rahmen meiner akademischen Leistungen im Kontext der Hochschule Fulda handelte? Und wo lag die Grenze meiner persönlichen Entblößung?

In meinem nun folgenden Sprachtagebuch möchte ich all diese Fragen berücksichtigen und die verschiedenen Aspekte einfließen lassen. Ich werde auf linguistischer Ebene die Erweiterung meiner Kenntnisse in der englischen Sprache beschreiben und dies mit verschiedenen Anekdoten, die mir in den unterschiedlichsten Situationen widerfahren sind, untermalen. Dadurch möchte ich die Entwicklung meiner Fremdsprachenkompetenz in den soziokulturellen Kontext einbetten, der durch meine Sprachfähigkeit bzw. Unfähigkeit so sehr beeinflusst wurde und der auch selbst reziprok meine Sprachkompetenz prägte. Dabei versuche ich, mein Sprachtagebuch sprachlich nicht zu intim und persönlich zu verfassen, möchte aber auch ein Abgleiten in eine zu formelle Sprache verhindern, da es in einem Tagebuch ja - wie oben schon festgestellt - um die Schilderung persönlicher Erfahrungen und Selbstreflexionen geht.

Mein Sprachtagebuch basiert dabei auf Tagebucheinträgen und Gedankengängen, die ich mir während meines Aufenthaltes in Melbourne notiert habe. Hatte ich damals schon versucht, die einzelnen Situationen zu reflektieren, so musste ich jedoch feststellen, dass eine „Haupt“- Reflexion erst im Zuge der Ausarbeitung dieses Sprachtagebuchs statt fand, da ich nun fähig war, ganzheitlich auf die einzelnen Geschehnisse und Elemente zurückzublicken und diese wie in einem Puzzle zusammenzufügen und zu interpretieren. Ich bin sehr dankbar dafür, dass das Sprachtagebuch uns solch eine Möglichkeit bietet, denn ohne diese Aufgabe hätte ich meine Erinnerungen verstauben lassen und niemals so intensiv auf meine Zeit in Melbourne zurückgeblickt und diese gleichsam ein zweites Mal durchlebt.

Doch genau dies ist der Grund, wieso ich so lange gezögert habe, meine Notizen hervorzuholen und damit zu arbeiten. Ich hatte Angst vor den Emotionen , die wieder aufkeimen würden: Angst davor, vor Sehnsucht und Fernweh zu zergehen; Angst davor, akzeptieren zu müssen, dass diese wunderbare Zeit endgültig vorbei ist und in dieser Art nie wiederkehren würde, und Angst davor, den verdrängten Schmerz negativer Situationen ein zweites Mal erfahren zu müssen.

Natürlich hat sich meine Befürchtung bestätigt, doch das Sprachtagebuch übernahm dabei in meiner Auseinandersetzung mit der Vergangenheit eher eine „therapeutische Funktion“. Das Wichtigste dabei aber: nun kann ich ein Tagebuch in Händen halten, dass auch in Zukunft meine Erinnerungen von Staub befreien und vergangene Situationen wieder aufleben lassen wird. Ein äußerst beruhigendes Gefühl, wie ich finde.

Aber lassen wir die Zeitreise nun beginnen…

2) „Ich weiß, dass ich nichts weiß“, oder doch nicht? Von Sprachlosigkeit, Hilflosigkeit und verminderter Intelligenz

Die Frage, wo ich mein Auslandsemester absolvieren wollte, war für mich relativ schnell geklärt. Ich wollte auf jeden Fall in ein englischsprachiges Land. Dabei spielte natürlich die Tatsache, dass Englisch als Weltsprache eigentlich schon fast überall, sei es in Studium oder Beruf, vorausgesetzt wird, eine Rolle. Doch was für mich viel ausschlaggebender war: ich liebe die englische Sprache. Schon seit der 5. Klasse gehörte Englischunterricht zu meinen Lieblingsfächern und ich wollte diese Sprache unbedingt perfekt beherrschen. Aber in welches englischsprachige Land sollte ich denn nun reisen? In Irland sowie England gab es keine passenden Studiengänge,mit der amerikanischen Oberflächlichkeit kam ich nicht zurecht, und Canada war im Winter schlichtweg zu kalt. Aber vor allem wollte ich so weit weg wie möglich, um alles hinter mir zu lassen. Die erdrückende Enge des gewohnten Alltags überwinden, endlich völlig allein auf eigenen Beinen stehen, mich in das Unbekannte stürzen! Und was liegt da nicht näher, als an das andere Ende der Welt zu fliegen? - Beschlossene Sache: Goodbye Deutschland! Down Under, ich komme!

Schon wochenlang vor Abreise war ich freudig erregt. Ich zählte die Stunden, quatsch, die Sekunden! Ich konnte einfach nicht mehr abwarten, bis es endlich los ging. Meine Gedanken kreisten nur noch um Australien. Meine Vorfreude schien nahezu grenzenlos. Doch so schnell ich Deutschland verlassen wollte, so schnell wollte ich auch wieder zurück, als meine freudige Erregung bei Ankunft in Australien ein jähes Ende fand. Denn die erste Gefühlslage, die mich dort ergriff und die sich mir bis heute ins Gehirn gebrannt hat, als wäre ich gestern erst dort angekommen, könnte man mit purer Hilflosigkeit beschreiben. Nun stand ich also da, allein am Melbourner Flughafen, nachts um 2.35 Uhr Ortszeit, nach 25h Flug, völlig übermüdet, umringt von kichernden Asiaten, bewaffneten und mich argwöhnisch anstarrenden Zollbeamten, und Familien, die ihre Kinder herzlich in die Arme schlossen. Und wer empfing mich? Ein schlecht gelaunter Chauffeur meiner künftigen Universität, der mich, gemessen an seinem rasanten Fahrstil, wohl so schnell wie möglich wieder los haben wollte und mich an einem Hostel aussetzte, das jeden Moment einzustürzen drohte.

Hello Australia- Wie komme ich auf dem schnellsten Weg zurück nach Deutschland bitte???

Die nächsten Wochen sollten nicht besser werden. Zwar konnte ich mich schnell an den niedrigen Lebensstandard im Hostel gewöhnen, doch es war ein Schock, feststellen zu müssen, wie unfähig ich war, auf Englisch zu kommunizieren und ich meine sprachlichen Fähigkeiten bei Weitem überschätzt hatte! Ich war ja völlig überfordert! Auch heute noch mache ich gerne den langen und anstrengenden Flug dafür verantwortlich, auch wenn meine sprachliche Unfähigkeit natürlich noch wochenlang nach dem Flug anhielt- mein „sprachlicher Jetlag“ quasi. Ich konnte es einfach nicht akzeptieren, dass ich nach ungefähr 10 Jahren Englischunterricht,bei dem ich mich gut und gerne zu den Besten zählen durfte, feststellen musste, dass ich an der Bewährungsprobe, mit meinem Englisch auch im angelsächsischen Raum zu glänzen, kläglich gescheitert bin. Ich begann, an mir selbst zu zweifeln und fragte mich zu diesem Zeitpunkt so manches Mal, ob die Entscheidung, ein Auslandsemester zu absolvieren, die richtige gewesen war.

Denn die ersten Wochen in Australien waren der Horror. Ich wollte doch so gerne kommunizieren, mich integrieren, Land und Leute kennenlernen, doch immer wieder holte mich meine sprachliche Unfähigkeit auf den Boden der Tatsachen zurück. Ich konnte mich einfach nicht verständigen. Jede begonnene Konversation endete mit 3 Fragezeichen, die über mir hingen wie das Schwert des Damokles. So war es sehr schwer für mich, tiefgründige Kontakte aufzubauen, und irgendwann wandte ich mich sogar gezielt nur Deutschen zu, obwohl ich mir vor meinem Auslandsemester felsenfest vorgenommen hatte, Deutsche zu meiden. Doch allein will keiner sein, vor allem nicht in einem Auslandsemester, auf das man so viele Hoffnungen gesetzt hatte.

Vielleicht gehe ich nun zu hart mit mir ins Gericht. Aber meine Erwartungen an mich und das bevorstehende Auslandssemester waren nun mal sehr hoch, und die Verständigungsprobleme, die ich in den ersten Wochen hatte, stürzten mich in heftige Selbstzweifel. Ich wurde zwar oft genug von Australiern für mein gutes Englisch gelobt, doch jedes Lob prallte an mir ab- nicht zuletzt, weil ich den Eindruck hatte, dass der Australischen Freundlichkeit keine Grenzen gesetzt sind und mit falschen Schmeicheleien doch gar zu arglos um sich geworfen wird. Der Hauptgrund für mein Nichtverstehen lag, wie könnte es anders sein, vor allem am australischen Akzent. Mein Hörverstehen wurde im Englischunterricht intensiv auf British English gepolt, doch dieses australische Kauderwelsch mit seinen nasalen Betonungen, dem Verschmelzen von Vokalen, dem Verschlucken von Silben und Konsonanten sowie der eingeschränkten Intonation war anfangs völlig unverständlich für mich. Generell war es extrem anstrengend, Englischsprachlern zuzuhören und zu versuchen, sie zu verstehen. Ich musste ja immer versuchen, die einzelnen Wörter oder Ausdrücke zu identifizieren und zu segmentieren. Schon die kleinsten Nebengeräusche, ein bisschen zu starker Akzent oder eine schnellere Sprechgeschwindigkeit stellten sich als immense Störungen für meinen Verstehensprozess heraus.

Aber nicht nur solche Faktoren erschwerten eine Verständigung, sondern auch die mangelnde Bereitschaft so manchen Australiers, etwas zu meinem Verstehensprozess beizutragen. Manchmal hatte ich wirklich das Gefühl, dass Englischsprachler ein doch sehr selbstbewusstes, wenn nicht gar ethnozentrisches Verhalten gegenüber anderen Sprachen pflegen. “Wieso Rücksicht nehmen? Englisch ist schließlich Weltsprache und wer es nicht kann, der ist selbst schuld!” Und so wurde die Tatsache, dass Englisch nur meine Zweitsprache war, so manches Mal efolgreich ignoriert. Auch nach mehrmaligem Nachfragen meinerseits wurde dann nichts an der Sprechgeschwindigkeit oder dem Akzent verändert. Manche reagierten sogar total genervt und fingen an, irgendetwas daher zu maulen. Aber was sollte ich denn machen, wenn sie Sätze zwar wiederholten, aber entweder genau gleich wie vorher ohne jegliche Verständnishilfe, oder sie formulierten die Sätze zwar um, aber mit nicht unbedingt leichter zu verstehender Grammatik und Vokabular, sodass mir die Reformulierung auch nichts nutzte. Ein sehr intolerantes Verhalten, wie ich fand. Denn woher sollte ich perfekt Englisch sprechen können? Eigentlich erwartete ich, dass Englisch-sprachler mir entgegen kommen sollten.

Doch manch einer, der mir entgegen kam, hätte das lieber bleiben lassen sollen. Meistens hatte ich dabei das Gefühl, dass der Gegenüber meine Unfähigkeit, angemessen zu kommunizieren, auf eine verminderte Intelligenz zurückführte. Sprich: Ich kam mir nicht selten vor wie ein kompletter Vollidiot. Manchmal sprach man mit mir, wie mit einem 3 jährigen Kind- nämlich in einer sehr vereinfachten Sprachweise. Natürlich half das meinem Verstehen. Aber so übertrieben, wie manche mit mir sprachen, musste es auch nicht sein. Nur kurze Sätze mit den einfachsten Basisvokabeln, die dazu noch besonders laut und betont ausgesprochen wurden, und das in einem Tempo, das jeglichem Zeitverständnis trotzte. Oder mir wurden die einfachsten inhaltlichen Zusammenhänge genauestens erklärt, obwohl ich diese natürlich vorher schon verstanden hatte und es der Erklärung eigentlich gar nicht mehr bedurfte. Ich kam mir manchmal wirklich verarscht vor (Entschuldigen Sie bitte mein Vokabular) und war mir dann gar nicht mehr so sicher, ob mein Gegenüber wirklich noch die Absicht hegte, mir helfen zu wollen. Und diejenigen, die dann auch noch pseudo- deutsche Vokabeln einbauten oder mir dreimal den gleichen Scheiß (ich bitte erneut um Entschuldigung) erklärten, in der Hoffnung, dass ich nun auch wirklich alles verstanden hatte, waren mir am allerliebsten…Wenn das so weiterging, brauchte ich gar nicht erst den Versuch zu starten, Englisch auf fortgeschrittenem Niveau zu erlernen. Ein Sprechakt, der nur noch auf die rein funktionale Verständigung zielt, trägt vielleicht zum Verstehen des gerade kommunizierten Themas bei, bringt jedoch einem Sprachlernenden gleichsam gar nichts.

3) Über die Bedeutung von Sprache, verhassten Small-Talks und unvermeidbaren Blamagen

Ich hasste das Gefühl von Sprach- und dadurch entstehender Hilflosigkeit. Erst in diesem Auslandssemester wurde mir so richtig bewusst, wie wichtig Kommunikationsfähigkeit für uns und unsere Interaktion mit dem Umfeld eigentlich ist und wie emotionsgeladen Verständigung per se und der Lernprozess von Sprachen sein kann. Sprache ist für uns ein so vertrautes Mittel, dass es uns gar nicht mehr bewusst ist, was für eine Bedeutung sie für uns und unser Leben eigentlich hat. Schließlich ist Sprache Teil unserer Identität und vor allem im fremdkulturellen Kontext definieren wir unsere Nationalität hauptsächlich über die Sprache. Somit wird diese ja auch Mittel zur Inklusion bzw. Exklusion. Denn obwohl ich mich selbst als offenen und sozialen Menschen beschreiben würde, machte mich meine Unfähigkeit, mich sprachlich angemessen auszudrücken, doch auch so manches Mal zum Außenseiter:

Eigentlich liebe ich es, mich mit unterschiedlichsten Menschen zu unterhalten, denn im Gespräch mit anderen lernt man so viel: neue Denkweisen und Weltansichten, Einblicke in ungewohnte Mentalitäten, und dadurch konnte ich bisher auch meinen eigenen Horizont immer ein Stückweit erweitern und mich selbst besser kennen lernen. Jeder Mensch, mit dem ich ein halbwegs vernünftiges Gespräch führen konnte, brachte mir auf irgendeine Weise etwas bei. Und wenn es nur ein kurzer small-talk in Bus und Bahn war. Aber eben diese small- talks wurden mir ein Gräuel in Australien. Ich habe es gehasst. Jede Fahrt in öffentlichen Verkehrsmitteln war mir zuwider, weil ich genau wusste, dass irgendjemand auf mich zukommen und mich ansprechen würde. Diese Eigenschaft der Australier hätte ich unter anderen Umständen positiv honoriert, doch jetzt saß ich in der Straßenbahn, jeden Nerv angespannt, starr aus dem Fenster blickend und mit Taschen einen Schutzwall um mich herum bauend. Wehe dem, der mich ansprach! Das Schlimmste daran aber: ich habe mich selbst am meisten für dieses Verhalten gehasst. Ich habe mich sprichwörtlich zurückgezogen. Aber ich wollte nicht mehr sprechen. Ich wollte nicht schon wieder mit meiner eigenen sprachlichen Unfähigkeit und - wie es mir schien- meiner eigenen Dummheit konfrontiert werden. Meine Selbstzweifel und meine Verunsicherung nahmen von Tag zu Tag zu und ich zweifelte daran, Englisch jemals perfekt erlernen zu können. In manchen Situationen war ich völlig überfordert und fühlte mich den anderen auch irgendwie „ ausgeliefert“, um es mal so zu nennen.

In den ersten Wochen im Hostel war es besonders schlimm. Wenn alle Hostelbewohner in einer Runde saßen, sich lustige Geschichten erzählten und alberten, saß ich wortlos da oder lachte mit, wenn die anderen lachten, auch wenn ich keinen blassen Dunst davon hatte, um was es eigentlich ging. So lange mich niemand ansprach, war alles in Ordnung, aber sobald irgendjemand auf die Idee kam, mich in den Gesprächsverlauf einzubeziehen und die volle Aufmerksamkeit der Runde auf mich zu lenken, wäre ich am liebsten im Boden versunken. Was sollte ich denn sagen? Selbst wenn ich die Frage verstanden hatte, hatte ich keine Ahnung vom Gesprächskontext, und so manches Mal wurde ich entlarvt, wenn ich dumm mit lachte, aber keine Ahnung hatte, wieso eigentlich. Unfassbar peinlich sind solche Situationen.

Einmal ging es um die Ordentlichkeit und den Fleiß von Deutschen- was ich auch nur im Nachhinein herausbekommen habe, weil mir ein deutscher Hostel-Mitbewohner die Geschichte unter vier Augen nochmal rekonstruierte. Ein Kanadier erzählte wohl, wie er im Schwarzwald im Urlaub war und völlig schockiert feststellen musste, dass in Deutschland sogar die Wälder in Reih und Glied angeordnet seien. Normalerweise hätte ich bei solchen Vorurteilen natürlich lauthals protestiert, doch jetzt lachte ich wie immer mit. Doch das Lachen verging mir bald, als ebendieser Kanadier ein Statement von mir hören wollte, ob ich ihm als Deutsche denn zustimmen könne. Ja, nix da. Ich glotzte ihn nur dumm an und lachte verlegen. Als würde ich mich nicht schon genug schämen, musste er natürlich meine Verunsicherung ausnutzen, und unter den belustigten Blicken der anderen bohrte und bohrte er immer weiter. Ob ich denn nichts verstanden hätte und wieso ich denn immer mit lachen würde, wenn ich doch keine Ahnung hätte. Mir wurde immer unwohler in meiner Haut, und ehrlich gesagt stiegen mir auch die Tränen in die Augen. Er hatte ja Recht, aber musste er mich so bloßstellen? Zum Glück schritt endlich der andere Deutsche ein und antwortete auf die blöden Fragen des Kanadiers. Als dieser aber fortfuhr, mich bloß zustellen, nahm mich der Deutsche bei der Hand und wir verließen die Runde. Er fügte dann das Puzzle aus verstandenen und nicht verstandenen Gesprächsfetzen zusammen und erklärte mir, um was das ganze Gespräch eigentlich gegangen war. Ich habe mich ja so geschämt. Und die Tatsache, dass ein Deutscher in der Runde saß, der sichtlich besser Englisch verstehen konnte als ich und somit als Vergleich diente, machte die ganze Sache auch nicht einfacher für mich. Von nun an ging ich immer sofort in mein Zimmer und meidete die anderen Hostel- Mitbewohner so gut es ging. So eine Blamage musste ich kein zweites Mal erleben.

Natürlich vereinsamte ich und war völlig unglücklich mit meiner Situation. Ich konnte es kaum erwarten, aus dem Hostel auszuziehen und eine eigene Wohnung zu suchen, geschweige denn mit dem Studium zu beginnen. Doch natürlich war meine Vorfreude durch diese ganzen Vorfälle getrübt, denn wie sollte ich mich an der Universität oder in der Wohngemeinschaft zurecht finden, wenn ich nicht einmal im Hostel klar kam? Zum Glück aber hatte ich ja noch meine Freunde aus Fulda, die zwar zu diesem Zeitpunkt noch nicht da waren, deren Ankunft in Australien aber in absehbarer Zukunft sein würde. Fast schon sehnsüchtig erwartete ich die beiden anderen, und als sie endlich da waren, hatte ich es natürlich besonders wichtig mit ihnen.

[...]

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
„G´Day, Mate!“ - Eine Schwäbin in Australien
Untertitel
Ein Sprachtagebuch
Hochschule
Hochschule Fulda
Note
1,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
28
Katalognummer
V192160
ISBN (eBook)
9783656183259
ISBN (Buch)
9783656183426
Dateigröße
555 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
g´day, mate, eine, schwäbin, australien, sprachtagebuch
Arbeit zitieren
Sarah Wiggenhauser (Autor:in), 2011, „G´Day, Mate!“ - Eine Schwäbin in Australien, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192160

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