Eine Bewertung der Polemik „Bescheidener Vorschlag zum Schutze der Jugend vor den Erzeugnissen der Poesie“ von Hans Magnus Enzensberger nach Dieter Lamping und Peter von Matt


Hausarbeit, 2010
16 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Definition, Normen und Ethos der Polemik nach
a) Peter von Matt - Grandeur und Elend literarischer Gewalt. Die Regeln der Polemik
b) Dieter Lamping - Das „Sogenannte Persönliche“ und die „Geistigen Erscheinungen“. Zur Problematik der literarischen Kontroverse und Personen am Beispiel der Streits zwischen Börne und Herne

3. Analyse von Hans Magnus Enzensbergers „Bescheidener Vorschlag zum Schutz der deutschen Jugend vor den Erzeugnissen der Poesie“

4. Bewertung nach
a) Peter von Matt
b) Dieter Lamping

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Hans Magnus Enzensberger wurde 1929 in Kaufbeuren geboren und zählt neben Günther Grass zu den renomiertesten deutschsprachigen Autoren der Gegenwart. Besonders bekannt ist er für seine Lyrik in polemischer Manier.1 Als bedeutender Essayist hat er auch diese vierte Gattung aufgewertet.

Die hier zu behandelnde Polemik „Bescheidener Vorschlag zum Schutz der Jugend vor den Erzeugnissen der Poesie“ wurde erstmals in der FAZ und damit am zentralen Ort des Bürgertums veröffentlicht. In dieser Arbeit wird zunächst die Frage behandelt, wie man eine Polemik definieren könnte und welche Merkmale sie außerdem aufweisen sollte, um als literarische Kontroverse ernst genommen zu werden. Diesbezüglich betrachten wir die Texte „Grandeur und Elend literarischer Gewalt. Die Regeln der Polemik“ von Peter Matt und „Das sogenannte Persönliche und die geistigen Erscheinungen“ von Dieter Lamping.

Dem folgt eine ausführliche Analyse von Enzensbergers Essay und eine detaillierte Betrachtung seiner Herangehensweise. Schließlich wird untersucht inwieweit von Matts und Lampings Thesen, in diesem speziellen Fall, verifiziert bzw. eingehalten werden.

Eine inhaltliche Auseinandersetzung mit den Kritikpunkten und den Thesen, die Enzensberger anspricht, wird, so interessant dies auch gewesen wäre, nicht erfolgen, da dies den Rahmen meiner Arbeit sprengen würde.

2. Definition, Normen und Ethos der Polemik nach

a) Peter von Matt - Grandeur und Elend literarischer Gewalt. Die Regeln der Polemik

In „Grandeur und Elend literarischer Gewalt. Die Regeln der Polemik“ definiert Peter von Matt die Polemik als eine Gewaltanwendung, die ebenso real ist wie ein physischer Angriff und dementsprechend auch genauso erfolgversprechend. Das Ziel der Polemik ist es, den Leser dazu zu bringen die betreffende Person zu verachten und seinen Teil dazu beizutragen, dass er aus der Gesellschaft verstoßen wird. Diese Absicht gilt es jedoch vor dem Leser geheimzuhalten.1

Die literarische Polemik im engeren Sinne ist bestimmt vom Wechsel verschiedener Tonarten, die er beherrscht und mit denen er spielt. Der Polemiker springt von der Ironie zum Ernst, dann wiederum zum Witz. Er wird sentimental und spricht sogleich wieder offen Todesdrohungen aus.2 Die Tabugrenzen sind - verglichen mit sonst gebräuchlicher Rede - verschoben. Betrachtet man einzelne Zitate kann das oft plump wirken. Aber in ihrem durchdachten Gefüge entfalten selbst drastische Beschimpfungen und reine Lästereien ihren literarischen Wert.3 Es ist ein zudem ein beliebtes Verfahren, den Gegner selbst auftreten zu lassen und somit einen fiktionalen Dialog aufzubauen, dessen „Gewinner“ von vornherein feststeht. In dieser polemischen Szene werden dem Gegner Worte in den Mund gelegt, die er höchstwahrscheinlich nie gesagt hat. Daraus ergeben sich für den Leser die zwei wichtigsten Beweismittel Dokument und Augenzeugenschaft.4

Es ist für den Autor von zentraler Bedeutung, dem Leser gegenüber den Eindruck zu erwecken, die Polemik sei an den Gegner gerichtet. Wenn dies vollbracht wird, ist das Ziel so gut wie erreicht. Das Publikum verfolgt die schrittweise erfolgende Vernichtung des Gegners, der in Wahrheit nie eine Chance hatte. Der wahre Adressat allerdings ist der Leser, welcher den Triumph des Polemikers erst möglich macht. Dadurch wird eine künstliche Kommunkationssituation geschaffen.1

b) Dieter Lamping - Das „Sogenannte Persönliche“ und die „Geistigen Erscheinungen“. Zur Problematik der literarischen Kontroverse um Personen am Beispiel der Streits zwischen Börne und Heine

In Das „ Sogenannte Pers ö nliche “ und die „ Geistigen Erscheinungen “ entwickelt Dieter Lamping ein mögliches, ideales Streit-Ethos, der Diskretion und ein Absehen von persönlichen Gefühlen und Interessen fordert, da das Ziel der Auseinandersetzung lediglich die Wahrheitsfindung ist. Diese moralischen Kriterien leitet er aus dem Gebot der christlichen Nächstenliebe ab und beruft sich dabei auf den heiligen Augustinus.2

Die zwei wesentlichen Normen literarischer Kontroversen sind zum einen, die Trennung von Person und Sache und zum anderen die Trennung von Öffentlichem und Privatem. In der Polemik allerdings ist es statthaft, unter bestimmten Bedingungen hiervon abzuweichen. Eine mögliche Rechtfertigung für die Einbeziehung der Person an sich, ist die Einheit von Literatur und Leben eines Schriftstellers. Zumindest aber müssen Indiskretionen im Umgang mit den Schwächen des Gegners eine thematische Funktion haben und argumentativ relevant sein.3 Eine literarische Kontroverse um Personen, die sich nicht an diese Normen hält, ist als fragwürdig und problematisch zu betrachten und wirft Fragen darüber auf, wo sich die Grenzen literarischer Kultur befinden. Die Mindestanforderungen, die an eine literarische Kontroverse um Personen gestellt werden können sind, dass der Autor sich wahrheitsgemäß äußert oder zumindest nach bestem Gewissen seine Annahmen vorträgt. Gegenstand einer legitimen Polemik können grundsätzlich lediglich Personen des öffentlichen Lebens sein.1 Spielt die kritisierte Person keine Rolle im literarischen Leben, so bleibt der Streitgegenstand eine persönliche Sache, die in eine öffentliche Polemik nicht hineingehört.

3. Analyse von Hans Magnus Enznsbergers „Bescheidener Vorschlag zum Schutz der deutschen Jugend vor den Erzeugnissen der Poesie“

1976 veröffentlichte Enzensberger erstmals seine satirische Polemik mit dem Titel „Bescheidener Vorschlag zum Schutz der Jugend vor den Erzeugnissen der Poesie“ in der FAZ. Darin äußert er seine Ablehnung gegen den Akt der Interpretation, da diese zu einer Instrumentalisierung der Literatur führe. Enzensberger will Lyrik als etwas ungefährliches beschreiben und spricht ihr dabei eine signifikante gesellschaftliche Resonanz ab. Er schildert zunächst zwei entgegengesetzte Theorien, nach denen Lyrik systemsprengend oder systemerhaltend wirken soll und somit in beiden Fällen gefährlich ist.

Er beschreibt die Vorstellung einer jugendgefährdenden Poesie und spricht sein Unverständnis über die drastischen Konsequenzen aus, die diese in der Vergangenheit nach sich zog. Die Beschreibungen, die er dabei verwendet, sind durchaus überspitzt. Die Jugend würde schließlich nicht „ihre Sport-, Konsum- und Kopulationspflichten gröblich vernachlässigen um sich hemmungslos dem Genuss von Lyrik hingeben“.2

Als genauso lächerlich schildert er die entgegengesetzte These, die Poesie würde missbraucht zur Stabilisierung kapitalistischer Herrschafts- und Eigentumsverhältnissen.

[...]


1 Grimm, Reinhold: Texturen, Essays und anderes zu Hans Magnus Enzensberger, S. 13

1 Vgl. Von Matt, Peter: Grabdeur und Elend literarischer Gewalt, S. 35.

2 Vgl. ebd., S. 37.

3 Vgl. ebd., S. 39.

4 Vgl. ebd., S. 40/41. 2

1 Vgl. ebd., S. 42.

2 Vgl. Lamping, Dieter: Das „Sogenannte Persönliche“ und die „Geistigen Erscheinungen“, S. 203.

3 Vgl. ebd., S. 215

1 Vgl. ebd.

2 Enzensberger, H. M.: Bescheidener Vorschlag zum Schutze der Jugend vor den Erzeugnissen der Poesie, S. 24

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Eine Bewertung der Polemik „Bescheidener Vorschlag zum Schutze der Jugend vor den Erzeugnissen der Poesie“ von Hans Magnus Enzensberger nach Dieter Lamping und Peter von Matt
Hochschule
Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main
Note
2,0
Autor
Jahr
2010
Seiten
16
Katalognummer
V192228
ISBN (eBook)
9783656172840
ISBN (Buch)
9783656173199
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
eine, bewertung, polemik, bescheidener, vorschlag, schutze, jugend, erzeugnissen, poesie, hans, magnus, enzensberger, dieter, lamping, peter, matt
Arbeit zitieren
Günes Atik (Autor), 2010, Eine Bewertung der Polemik „Bescheidener Vorschlag zum Schutze der Jugend vor den Erzeugnissen der Poesie“ von Hans Magnus Enzensberger nach Dieter Lamping und Peter von Matt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192228

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