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Ideengeschichtliche Aspekte zur Technikgenese der sozialen Robotik unter weltanschaulicher Perspektive

Title: Ideengeschichtliche Aspekte zur Technikgenese der sozialen Robotik unter weltanschaulicher Perspektive

Scientific Study , 2012 , 16 Pages

Autor:in: Mag. Roland K. Kobald (Author)

Sociology - Culture, Technology, Nations
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Humanoide Roboter zeichnen sich durch menschenähnliche „Sensorik“ sowie „Aktorik“ und handlungsbezogener „Künstlicher Intelligenz“ aus. Anthropomorphe Roboter sind jene Klasse von Robotern, die beispielsweise als Spielzeug in Haushalten oder der Alten- und Krankenpflege als maschinelle Helfer Verwendung finden. Zwar sind sie derzeit noch kein soziotechnisches Massenphänomen in unseren Gesellschaften, jedoch aber bereits auf bestem Weg dazu, in die demographisch rasant alternden Industriegesellschaften als artifizielle Handlungspartner zu migrieren. Diesbezüglich sieht die „Europäische Akademie zur Erforschung von Folgen wissenschaftlich-technischer Entwicklungen“ die Sozialrobotik als eine Schlüsseltechnologie des 21. Jahrhunderts an, die unser alltägliches Leben stark verändern wird und daher besonderer Kontrollmacht bedarf. Evidenz dafür liefern nicht zuletzt eine ganze Reihe an EU-Projekten, die in diesem Bereich am Laufen sind. Hierbei kreisen die Forschungsfragen zu Servicerobotern nicht nur mehr allein um technische oder ökonomische Aspekte, sondern es werden verstärkt die soziologisch-gesellschaftlichen Perspektivfragen integriert. Dazu gehören beispielsweise ethische, soziologische, sozialphilosophische, oder rechtliche Fragestellungen. In den Geschichtswissenschaften allerdings führt dieses Thema noch ein Schattendasein. Diese Marginalisierung des Themas in der Historiographie sollte baldigst beendet werden, denn eine wesentliche Funktion der Geschichtswissenschaften ist ihr Nachzeichnen von „geschichtlich-sozialem Gewordensein“ historischer Entitäten (hier Technikobjekten), um sie einer Erklärung für das Hier und Jetzt zuführen. Gerade die sich historisch „verändernde soziale Wirklichkeit“ muss kulturhistorisch argumentiert werden, damit wir daraus für die Zukunft lernen können.

Irgendwie scheint das technische Objekt Sozialrobotik auf den ersten Blick tatsächlich etwas sperrig für eine geschichtliche Darstellung und eigentlich auch nur geringe technikhistorische Relevanz zu besitzen sowie zeitlich ausschließlich in der Moderne bzw. Postmoderne verortet zu sein. Wie die hier vorgestellte Studie exemplifiziert, ist der Androide als Figur des artifiziellen Helfers in der europäischen Kulturgeschichte allerdings schon lange Zeit im Kollektivgedächtnis verankert. Der Mensch als Schöpfer seines artifiziellen (mechanischen) Alter Ego ist bereits in den frühen griechischen Mythen durchgehend als tiefenpsychologisches Motiv enthalten. [...]

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Methodologische Grundlegung und Darstellung des zu untersuchenden Forschungsfeldes

III. Technikmythen als epochenübergreifende plurifunktionale Führungssysteme

IV. Die Sozialobotergeschichte skizziert entlang dreier Technikepochen

Kinetische Figuren in der Antike

Die Androiden des Mittelalter (medium aevum)

Die neuzeitliche Androidenentwicklung von der Renaissance bis ins 20. Jahrhundert

Übergang von der Mechanik zur Künstlichen Intelligenz

V. Zusammenfassung: Aus mythologisch-literarischer Fiktion wird technische Wirklichkeit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die ideengeschichtliche Entwicklung von Sozialrobotern, indem sie deren Ursprung in Mythen und die anschließende Transformation in technische Realität durch verschiedene Epochen hindurch analysiert. Im Zentrum steht dabei die wissenssoziologische Perspektive auf das Mensch-Maschine-Verhältnis und die Rolle technischer Artefakte als Ausdruck menschlicher Sehnsüchte.

  • Wissenssoziologische Analyse der Technikgenese sozialer Robotik
  • Einfluss von Technikmythen als plurifunktionale Führungssysteme
  • Epochenübergreifende Darstellung der Androidenentwicklung (Antike bis Neuzeit)
  • Die Rolle des mechanistischen Menschenbildes bei der Entwicklung künstlicher Akteure
  • Transformation des Androiden-Erschaffungsmythos in die moderne Künstliche Intelligenz

Auszug aus dem Buch

Kinetische Figuren in der Antike

Der Entstehungszusammenhang der antiken „Sozialroboter“ ist in den Mythen der Griechen ca. um 800 bis ca. 150 v. Ch. verortet. Den Prototyp des mechanischen Diener (Humanroboter) schuf Hephaistos, der hinkende Gott der Schmiede. Er ist der älteste Hersteller eines Androiden als Abbild des Menschen in seiner Funktion als körpererweiternde Hilfstechnik. In seiner unterirdischen Schmiede fertigt Hephaistos zahlreiche Werke an, wie etwa zwei mechanischen goldenen Dienerinnen, die eherne Hallen auf dem Olymp als Wohnung der Götter (sie können als Prototyp des Stahlbaus gelten) oder natürlich los, den Bronzeriesen, der die Insel Kreta bewachte. Bezüglich der griechischen Mythen ist in diesem Zusammenhang zwischen dem Streben nach technischer Perfektion und der Nachahmung der göttlichen Erschaffung des Menschen zu differenzieren. Den Prometheusmythos unterscheidet vom Hephaistosmythos, dass Prometheus den Menschen aus Ton schuf, um ein Abbild der Götter zu schaffen, hingegen Hephaistos sich seine goldenen Dienerinnen schuf, um sie für seine persönlichen Dienste nutzbar zu machen, also auf Grund eines zweckrationalen Impetus, da er ja obendrein auch hinkte. Hephaistos ist mit Fug und Recht als Erfinder der Automatenmenschen zu bezeichnen, weil er Talos den bronzenen Wächter des Athener Hafens erzeugte, welcher auf Befehl Steine auf feindliche Schiffe zur Verteidigung seiner Herren warf.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der humanoiden Roboter ein und betont die Notwendigkeit, diese Technikobjekte aus einer geschichtswissenschaftlichen und soziologischen Perspektive zu untersuchen.

II. Methodologische Grundlegung und Darstellung des zu untersuchenden Forschungsfeldes: Hier wird der theoretische Rahmen durch die Wissenssoziologie, insbesondere durch Ansätze von Karl Mannheim, gesteckt, um das historische Wirkungsgefüge zwischen Technik, Mythos und Gesellschaft zu verstehen.

III. Technikmythen als epochenübergreifende plurifunktionale Führungssysteme: Das Kapitel analysiert, wie Mythen und Modelle als "plurifunktionale Führungssysteme" dienen, um menschliches Handeln zu orientieren und die Welt als Mechanismus oder Schöpfung begreifbar zu machen.

IV. Die Sozialobotergeschichte skizziert entlang dreier Technikepochen: Dieser Hauptteil verfolgt die Entwicklung des Androidenmotivs von der griechischen Antike über das Mittelalter bis hin zur Neuzeit und thematisiert den Übergang zur Künstlichen Intelligenz.

V. Zusammenfassung: Aus mythologisch-literarischer Fiktion wird technische Wirklichkeit: Das Fazit fasst den Prozess zusammen, wie der ursprüngliche Schöpfungsmythos im Laufe der Geschichte zu den heutigen realen Ansätzen der Sozialrobotik transformiert wurde.

Schlüsselwörter

Sozialroboter, Technikgenese, Humanoide Roboter, Anthropomorphisierung, Wissenssoziologie, Technikgeschichte, Androiden, Mythologie, Künstliche Intelligenz, Mensch-Maschine-Verhältnis, Technikmythen, Rationalisierung, Soziotechnisches System, Kulturgeschichte, Kinetische Figuren.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die ideengeschichtliche Entstehung und Entwicklung von sozialen Robotern und Androiden von der Antike bis in die Moderne.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themenfelder umfassen die Geschichte der Technik, die Bedeutung von Mythen für die Technikentwicklung, die Rolle von Androiden in der Kulturgeschichte und die soziologische Betrachtung des Mensch-Maschine-Verhältnisses.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, die strukturelle Umwandlung des Androiden-Erschaffungsmythos in eine technische Realität aufzuzeigen und das historische Wirkungsgefüge zwischen Technik und Gesellschaft zu verorten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird ein wissenssoziologischer und ideengeschichtlicher Ansatz gewählt, unter anderem basierend auf der Diskursanalyse und dem Modell der plurifunktionalen Führungssysteme.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Entwicklung über drei Epochen – Antike, Mittelalter und Neuzeit – und zeigt den Übergang von mythischen Vorstellungen zur modernen Mechatronik und Künstlichen Intelligenz.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Sozialroboter, Technikgenese, Androiden, Mythologie, Wissenssoziologie und Mensch-Maschine-Interaktion.

Welche Rolle spielten die griechischen Mythen für moderne Roboter?

Die griechischen Mythen lieferten die ersten fiktiven Vorbilder für künstliche Diener, die das menschliche Wunschdenken nach körperlicher Erweiterung und Unterstützung widerspiegeln und somit das Motiv der späteren Technikentwicklung prägten.

Warum wird im Mittelalter von einer "spirituellen" Ausrichtung der Technik gesprochen?

Im Unterschied zur Antike war die Suche nach künstlichen Menschen im Mittelalter stark alchemistisch und religiös geprägt, wobei die Erzeugung eines Wesens als Teil einer inneren spirituellen Verwandlung und als Beweis der göttlichen Schöpfungskraft verstanden wurde.

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Details

Title
Ideengeschichtliche Aspekte zur Technikgenese der sozialen Robotik unter weltanschaulicher Perspektive
Author
Mag. Roland K. Kobald (Author)
Publication Year
2012
Pages
16
Catalog Number
V192312
ISBN (eBook)
9783656183235
ISBN (Book)
9783656183969
Language
German
Tags
ideengeschichtliche aspekte technikgenese robotik perspektive
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Mag. Roland K. Kobald (Author), 2012, Ideengeschichtliche Aspekte zur Technikgenese der sozialen Robotik unter weltanschaulicher Perspektive, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192312
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