Kunst ist vielfältig, sei es bei den Möglichkeiten ihrer Wirkung auf den Menschen oder bei ihrer eigenen Gliederung in Kunstformen. Neben den Jahrtausende alten Kunstformen der Literatur, Musik und Bildenden Künste, hat sich im Laufe des 20. Jh. auch der Film als eigenständiges Medium etabliert. So wie jede andere Kunstform, vermag auch der Film unterschiedlichste Auswirkungen auf den Menschen und die Gesellschaft zu erzielen, heftige Kontroversen eingeschlossen. Ein Werk, das solche heftigen Kontroversen und Proteste hervorrief, war der 1951 erschienene Spielfilm „Die Sünderin“.
Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie die Proteste im Kontext der gesellschaftlichen Situation der Bundesrepublik1 zu bewerten sind. Am Beginn dieser Hausarbeit steht eine kurze Inhaltsangabe des Films sowie eine Darlegung seines wirtschaftlichen Erfolges. Im zweiten Kapitel werden die gesellschaftlichen Verhältnisse in der Bundesrepublik untersucht, wobei die Schwerpunkte auf dem Zeitgeist, dem Film allgemein, der Situation der Katholischen Kirche und der gesellschaftlichen Haltung zur Zensur liegt. Ohne Erkenntnisse zum Zeitgeist und zum damaligen Stellenwert des Films sowie der Zensur ist eine historische Einordnung der Ereignisse kaum möglich. Die Katholische Kirche wird ausführlicher behandelt, da sie bei den Protesten eine besondere Stellung inne hatte. Mit dem Wissen über das historische Umfeld, werden im dritten Kapitel die Proteste untersucht. Dabei soll dargelegt werden, welche Aspekte des Films dessen Gegner am meisten kritisierten, welche Ausmaße die Proteste erreichten und welche Auswirkungen sie hatten.
Die für diese Hausarbeit verwendete Literatur lässt sich grob in zwei Kategorien einteilen.
Zum einen wurde auf Werke zurückgegriffen, welche die frühe Geschichte der Bundesrepublik aus politisch – gesellschaftlichem Blickwinkel schildern.2
[...]
1 Der Begriff „Bundesrepublik“ steht im weiteren Verlauf stets für die Bundesrepublik Deutschland.
2 bspw. Schildt, Axel: „Modernisierung im Wiederaufbau. Die westdeutsche Gesellschaft der fünfziger Jahre“, in: Faulstisch, Werner (Hg.): Die Kultur der fünfziger Jahre, (Kulturgeschichte des zwanzigsten Jahrhunderts), München ²2007, S. 11 – 22. oder Hollenstein, Günter: „Die Katholische Kirche“, in: Benz, Wolfgang (Hg.): Die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland, Bd. 3: Gesellschaft, Frankfurt a. M. 1989, S. 124 - 161.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Film „Die Sünderin“
2.1 Kurzinhalt
2.2 Wirtschaftlicher Erfolg
3. Die gesellschaftlichen Verhältnisse in der Bundesrepublik
3.1 Zeitgeist
3.2 Film
3.3 Die Katholische Kirche
3.4 Zensur
4. Die Proteste gegen „Die Sünderin“
4.1 Ursachen
4.2 Ausmaß
4.3 Auswirkungen
5. Fazit
6. Quellen
7. Literatur
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Hintergründe und Auswirkungen der massiven Proteste gegen den 1951 erschienenen Film „Die Sünderin“ im Kontext der gesellschaftlichen Situation der frühen Bundesrepublik Deutschland. Dabei wird insbesondere analysiert, inwiefern diese Proteste als Spiegelbild der damaligen politischen und moralischen Verhältnisse sowie der Rolle einflussreicher Institutionen wie der Katholischen Kirche verstanden werden können.
- Analyse des Films „Die Sünderin“ und seines zeitgenössischen wirtschaftlichen Erfolgs.
- Untersuchung des gesellschaftlichen Klimas und des Zeitgeistes in der jungen Bundesrepublik.
- Bewertung der Rolle der Katholischen Kirche und staatlicher Zensurmechanismen (bzw. FSK).
- Aufarbeitung der Ursachen, Formen und Folgen der Protestbewegungen gegen den Film.
Auszug aus dem Buch
4.1 Ursachen
Im konservativen Milieu der Ära Adenauer herrschte eine strenge Sexualmoral. Erotik und Nacktheit hatte es im westdeutschen Film bis in die 60er Jahre hinein kaum gegeben. Da Hildegard Knef in einer Szene für einige Sekunden, wenn auch schwer erkennbar, nackt zu sehen ist, könnte man annehmen, dass die Proteste sich primär gegen die Nacktszene im Film richten. Dieser Eindruck wird verstärkt, wenn man sich heutige Bewertungen des Films ansieht:
„Stein des Anstoßes ist vor allem eine nur wenige Sekunden dauernde Sequenz, in der Hildegard Knef, die die Hauptrolle der Prostituierten Martina spielt, nackt zu sehen ist“
Laut Wolfgang Kraushaar bildete eine Nacktszene den alleinigen Anlass für die Proteste. Dies ist jedoch falsch. So kritisierte die FSK nicht die Nacktszene mit Hildegard Knef, sondern die Darstellung der Prostitution sowie den Selbstmord Marinas am Ende des Films und gab den Film erst nach heftigen inneren Debatten ohne Schnitte frei. Auch in der Bevölkerung war die Nacktszene nie Hauptkritikpunkt am Film. Deutlich wird dies, wenn man die zeitgenössischen Flugblätter, welche gegen den Film gerichtet waren, heranzieht, wie dieses aus Pirmasens:
„Achtung Giftmord! Der Film ‚DIE SÜNDERIN‘ [sic] verherrlicht das Leben einer Prostituierten! Er ist ein Faustschlag in das Gesicht jeder anständigen deutschen Frau! Hurerei und Selbstmord – sollen das Ideale unseres Volkes sein? Gift für unser Volk! Gift für unsere Jugend!“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hier wird das Ziel der Arbeit definiert, die Proteste gegen „Die Sünderin“ in den historischen Kontext der Bundesrepublik einzubetten und die verwendete methodische Vorgehensweise zu erläutern.
2. Der Film „Die Sünderin“: Dieses Kapitel bietet einen inhaltlichen Überblick über den Film sowie eine Analyse seines überraschend hohen wirtschaftlichen Erfolgs in den frühen 1950er Jahren.
3. Die gesellschaftlichen Verhältnisse in der Bundesrepublik: Es erfolgt eine detaillierte Untersuchung des Zeitgeistes, der Situation in der Filmbranche, der Haltung der Katholischen Kirche sowie der damals vorherrschenden Zensurpraxis.
4. Die Proteste gegen „Die Sünderin“: Das Hauptkapitel analysiert die eigentlichen Beweggründe für den Widerstand, das Ausmaß der Kampagnen und die konkreten gesellschaftlichen sowie politischen Auswirkungen der Proteste.
5. Fazit: Die Arbeit fasst die Ergebnisse zusammen und zeigt auf, dass der Skandal weniger durch die Nacktszene als durch ein Bündel gesellschaftlicher Tabubrüche ausgelöst wurde.
6. Quellen: Auflistung der im Text verwendeten zeitgenössischen Flugblätter und Dokumente.
7. Literatur: Verzeichnis der herangezogenen wissenschaftlichen Fachliteratur und Quellenwerke.
Schlüsselwörter
Die Sünderin, Hildegard Knef, Bundesrepublik Deutschland, Adenauer-Ära, Filmgeschichte, Proteste, Katholische Kirche, Zensur, FSK, Sexualmoral, Tabubruch, 1950er Jahre, Gesellschaftspolitik, Antikommunismus, Medienwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die gesellschaftlichen Hintergründe der massiven Proteste gegen den westdeutschen Film „Die Sünderin“ aus dem Jahr 1951 und ordnet diese historisch ein.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Moralvorstellungen der 1950er Jahre, der Einfluss der Katholischen Kirche, die Rolle der staatlichen Zensur sowie die filmhistorische Einordnung des Werkes.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit fragt, inwiefern die Proteste gegen den Film als Spiegelbild der damaligen gesellschaftlichen Spannungen und moralischen Wertvorstellungen in der Bundesrepublik zu bewerten sind.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine historische Untersuchung, die auf der Analyse zeitgenössischer Quellen (Flugblätter, Presse) und fachwissenschaftlicher Literatur zur Film- und Zeitgeschichte basiert.
Was umfasst der inhaltliche Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Vorstellung des Films, eine Analyse des zeitgenössischen gesellschaftlichen Umfelds und eine detaillierte Untersuchung der Ursachen und Folgen der Protestbewegungen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Untersuchung?
Die wichtigsten Begriffe sind das konservative Klima der Adenauer-Ära, die Rolle der FSK, die Bedeutung der „Tabubrüche“ (Prostitution, Suizid, Sterbehilfe) sowie die öffentliche Wahrnehmung des Films.
Welche Rolle spielte die Nacktszene tatsächlich bei den Protesten?
Entgegen populärer Mythen war die Nacktszene nicht der primäre Grund für die Proteste; diese richteten sich vielmehr gegen eine empfundene moralische Verwahrlosung, die Darstellung der Prostitution und Sterbehilfe.
Warum war die Katholische Kirche eine zentrale Akteurin in diesem Konflikt?
Die Kirche nutzte die Proteste gegen den Film, um ihren gesellschaftlichen Führungsanspruch in der jungen Bundesrepublik zu demonstrieren und konservative Werte im Zuge der „Wiederaufbau-Moral“ zu verteidigen.
- Arbeit zitieren
- B.A. Christian Rödig (Autor:in), 2010, Gift für unser Volk! , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192396