Wenn auch schon der Begriff der Heremeneutik in
der Antike vieldeutig war, so ging es doch immer darum,
etwas verständlich zu machen. Daran hat sich auch in der Neuzeit
nichts geändert. Schleiermacher bezeichnet die Hermeneutik als „Kunst
des Verstehens“ und entwickelt ein methodisches Verfahren für den Verstehensprozess. Für Gadamer hingegen, hat das Verstehen nichts mit einer Kunstlehre zu tun. Hier deutet sich bereits die unterschiedliche Auffassung Gadamers bezüglich der romantischen Hermeneutik an, die ihn veranlasst, von einer „Fragwürdigkeit der romantischen Hermeneutik“ zu sprechen.
Diese Kritik an der Schleiermacherschen Hermeneutik soll in der vorliegenden Arbeit behandelt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Schleiermachers Hermeneutik
2.1 Die Universalhermeneutik
2.2 Die „Universalisierung des Missverständnisses“
2.3 Schleiermachers hermeneutische Methode
2.3.1 Grammatische und psychologische Momente des Verstehens
2.3.2 Komparatives und divinatorisches Verfahren
2.4 „... einen Autor besser zu verstehen, als er selbst...“
2.5 Der hermeneutische Zirkel
3 Gadamers Kritik
3.1 Relevanz der Individualität
3.2 Die psychologische Auslegung als wahrheitsunabhängige, ästhetische Metaphysik
3.3 Der hermeneutische Zirkel Schleiermachers in der Interpretation Gadamers
3.4 Hermeneutische Überwindung des Zeitabstandes
3.5 Den Autor besser verstehen als er selbst - eine unwissenschaftliche Selbstverständlichkeit
3.6 Schleiermachers Motivation aus der Sicht Gadamers
4 Diskussion
4.1 Wird die „Psychologisierung“ der Hermeneutik Schleiermachers der Absicht Schleiermachers gerecht?
4.2 Führt die Kunst des Verstehens zu einer nicht-sachbezogenen Hermeneutik?
5 Schlussbetrachtungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Kritik Hans-Georg Gadamers an der Hermeneutik Friedrich Schleiermachers, insbesondere im Hinblick auf dessen Verständnis der hermeneutischen Methode und die damit verbundene Aufwertung der Individualität. Ziel ist es, Gadamers Vorwurf der „Psychologisierung“ zu hinterfragen und zu prüfen, ob Schleiermachers Ansatz tatsächlich in eine subjektiv-ästhetische, inhaltslose Methode mündet oder ob er eine sachbezogene Dimension beibehält.
- Grundlagen von Schleiermachers Universalhermeneutik
- Die Rolle der grammatischen und psychologischen Methode
- Analyse der Gadamerschen Kritikpunkte (Individualität, Ästhetizismus, Wahrheitsanspruch)
- Diskussion über die Gerechtigkeit der „Psychologisierung“ im Gadamer-Schleiermacher-Vergleich
- Untersuchung des Vorwurfs einer nicht-sachbezogenen Hermeneutik
Auszug aus dem Buch
2.3 Schleiermachers hermeneutische Methode
Schleiermacher schreibt: „Die hermeneutischen Regeln müssen mehr Methode sein, wie Schwierigkeiten zuvorzukommen, als Observationen, um solche aufzulösen.“ Wie sehen diese Regeln aus und was sind ihre Voraussetzungen? „Alles Vorauszusetzende in der Hermeneutik ist nur Sprache und alles zu findende, wohin auch die anderen objektiven und subjektiven Voraussetzungen gehören muss aus der Sprache gefunden werden.“ Sprache stellt also die Grundlage für die Hermeneutik dar. Jede Rede und jeder Text wird in Sprache formuliert.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in den Begriff der Hermeneutik und die grundlegende Differenz zwischen Schleiermachers „Kunst des Verstehens“ und Gadamers kritischem Verständnis.
2 Schleiermachers Hermeneutik: Darstellung von Schleiermachers Universalhermeneutik, seiner methodischen Ansätze (grammatisch/psychologisch, komparativ/divinatorisch) und des hermeneutischen Zirkels.
3 Gadamers Kritik: Detaillierte Analyse der sechs Kritikpunkte Gadamers, die sich insbesondere gegen die Individualisierung und Ästhetisierung bei Schleiermacher richten.
4 Diskussion: Auseinandersetzung mit der Gegenkritik an Gadamer, insbesondere ob seine „Psychologisierung“ der Absicht Schleiermachers historisch und inhaltlich gerecht wird.
5 Schlussbetrachtungen: Fazit zur Diskrepanz zwischen beiden Denkern und Ausblick auf die Notwendigkeit, Schleiermachers Hermeneutik im breiteren Kontext seiner weiteren Disziplinen zu betrachten.
Schlüsselwörter
Hermeneutik, Schleiermacher, Gadamer, Verstehen, Psychologische Methode, Grammatische Methode, Individualität, Universalhermeneutik, Wahrheit, Ästhetik, Wirkungsgeschichte, Divination, Kunst des Verstehens, Textauslegung, Philosophie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch die Auseinandersetzung von Hans-Georg Gadamer mit der hermeneutischen Lehre von Friedrich Schleiermacher.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen Schleiermachers Methode des Verstehens sowie die von Gadamer formulierten Einwände gegen die romantische Hermeneutik.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu untersuchen, ob Gadamers Vorwurf, Schleiermachers Hermeneutik sei eine wahrheitsunabhängige „Psychologisierung“, gerechtfertigt ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine philosophische Textanalyse, die Schleiermachers Primärquellen mit Gadamers „Wahrheit und Methode“ und einschlägiger Forschungsliteratur abgleicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil erörtert die methodischen Komponenten bei Schleiermacher, die Kritik Gadamers an diesen und führt eine anschließende fachliche Diskussion.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Hermeneutik, Verstehen, Wahrheit, Individualität, Schleiermacher, Gadamer und die psychologische bzw. grammatische Interpretation.
Wie bewertet der Autor Gadamers Interpretation von Schleiermacher?
Der Autor deutet an, dass Gadamers Sichtweise möglicherweise einseitig ist und Schleiermachers methodisches Anliegen unterschätzt.
Welche Rolle spielt der hermeneutische Zirkel in der Arbeit?
Der Zirkel wird sowohl als Instrument Schleiermachers für ein kontinuierliches Verständnis als auch als Gegenstand von Gadamers Kritik (als potenzielle Gefahr der reinen Form) diskutiert.
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- Dr. Martin Henneke (Author), 2012, Gadamers Kritik an Schleiermachers Hermeneutik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192409