2004 hat der damalige Bundestagsprӓsident Wolfgang Thierse gefordert, sich wieder stӓrker auf die Muttersprache zu besinnen. Im Jahre 2012 scheint dies leichter gesagt als getan. Nach meinem einjährigen Aufenthalt als Sprachassistentin in Deutschland, habe ich eine für mich riskante Entscheidung getroffen, alle meinen fünfzehnjährigen Schüler im sozialen Netzwerk „Facebook“ als Kontakte zu akzeptieren. Meine Logik war: ich habe ihnen Englisch beigebracht, jetzt bin ich dran! Nun kӧnnte ich ab und an ihren Status und ihre Kommentare lesen und auf diese Weise mein Deutsch auf den aktuellen Stand bringen. Gefolgt von einem bӧsen Lachen und einem hämischen Händereiben, setzte ich mich an meinen Laptop, um ein wenig „echtes“ Deutsch aus erster Quelle zu erfahren. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Die Initiative von Wolfgang Thierse
2. Analyse des Sprachwandels: Beobachtungen einer Sprachassistentin
2.1 Beobachtungen in sozialen Netzwerken
2.2 Der Einfluss der Medien und der Werbung
2.3 Anglizismen in der Wirtschaftswelt
3. Kontroversen um die deutsche Sprache
3.1 Die Rolle der Sprachpuristen und des VDS
3.2 Soziale Differenzierung durch Sprache
3.3 Die Position von Professor Anatol Stefanowitsch
4. Fazit und Ausblick: Deutsch als lebendige Sprache
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss von Anglizismen auf die deutsche Sprache und diskutiert, ob diese Entwicklung als Bedrohung für die Sprachidentität oder als natürlicher Sprachwandel zu betrachten ist.
- Wahrnehmung von Denglisch im Alltag und in sozialen Medien
- Einfluss der Medien und Wirtschaft auf die Verbreitung englischer Begriffe
- Soziale Aspekte und Differenzierung durch Sprachgebrauch
- Positionen von Sprachkritikern gegenüber Sprachwissenschaftlern
- Die zukünftige Rolle des Deutschen als ergänzende Sprache zum Englischen
Auszug aus dem Buch
Die Rolle der Sprachpuristen und des VDS
Die Sprachpuristen hingegen, bemühen sich der denglischen Sprache die Tür zu weisen. Insbesondere der Verein Deutsche Sprache (VDS) treibt dies auf die Spitze. Jedes Jahr verleiht der VDS einen Negativpreis für „Sprachschänder“ an Unternehmen aus der Wirtschaft, die ihrer Ansicht nach einen übermӓssiger Gebrauch englischer Begriffe verwenden. Beispielsweise im Jahr 2011 hat der Deutsche Telekom Chef René Obermann einen Preis, für seine Produkte Complete Call Friends, Extreme Playgrounds, Call & Surf Mobile Friends, and Company Connect erhalten, obwohl die Sprachimporte für den Großteil der jungen Zielgruppe wohl eigentlich klar verständlich waren.
Vielleicht liegt hier eine der Hauptsorgen: Wie der Sprachwandel die Menschen differenziert. Kann es sein, dass Anglizismen die Jüngeren von den Älteren abgrenzen, oder sogar die Reicheren von den Ärmeren? Wenn man beispielsweise einen „Kaffee to go“, anstatt einem „Kaffee zum Mitnehmen“ bestellt, kommuniziert man dann auf diese Weise seine Englischkenntnisse und somit seinen Bildungsstand? Könnte dies eventuell Menschen untereinander abgrenzen, obwohl der durchschnittliche Deutsche unwissentlich vom westafrikanischen Land „Togo“ spricht? Holger Klatter, Repräsentant des VDS, fürchtet, dass zu viele Fremdwӧrter die Menschen in ihrer eigenen Sprache fremd machen können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Initiative von Wolfgang Thierse: Das Kapitel thematisiert die politische Forderung nach Rückbesinnung auf die Muttersprache und ordnet diese historisch ein.
2. Analyse des Sprachwandels: Beobachtungen einer Sprachassistentin: Hier werden persönliche Erfahrungen mit der Nutzung von Anglizismen im Alltag sowie deren Verbreitung durch Medien und Wirtschaftsunternehmen analysiert.
3. Kontroversen um die deutsche Sprache: Dieses Kapitel stellt die gegensätzlichen Positionen von Sprachpuristen, wie dem VDS, und Sprachwissenschaftlern, wie Anatol Stefanowitsch, gegenüber.
4. Fazit und Ausblick: Deutsch als lebendige Sprache: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass Sprache ein stetiger Entwicklungsprozess ist und Deutsch nicht primär vor Anglizismen gerettet werden muss.
Schlüsselwörter
Anglizismen, Denglisch, Sprachwandel, Sprachpurismus, Verein Deutsche Sprache, VDS, Muttersprache, Germanistik, Sprachwissenschaft, Kommunikation, Globalisierung, Lingua Franca, Soziale Akzeptanz, Sprachidentität, Medien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die zunehmende Verwendung englischer Begriffe im Deutschen, bekannt als Denglisch, und hinterfragt deren Einfluss auf die deutsche Sprachkultur.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Einfluss von Medien und Wirtschaft, die soziale Funktion von Sprache sowie der Konflikt zwischen Sprachschützern und Sprachwissenschaftlern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu verstehen, welche Auswirkungen der stetige Anstieg von Anglizismen für die Zukunft der deutschen Sprache hat und wie die Gesellschaft darauf reagiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer qualitativen Analyse von Sprachbeobachtungen, kombiniert mit aktuellen Beispielen aus der Wirtschaft und den Medien sowie der Einbeziehung von Expertenmeinungen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl der Alltagseinfluss durch soziale Netzwerke als auch die Rolle von Unternehmen und Fernsehsitcoms bei der Verbreitung englischer Ausdrücke beleuchtet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Anglizismen, Sprachwandel, Sprachpurismus, Soziale Akzeptanz und Lingua Franca.
Wie bewertet der VDS den Gebrauch von Anglizismen?
Der Verein Deutsche Sprache sieht den übermäßigen Gebrauch englischer Begriffe kritisch und verleiht jährlich Negativpreise, um Unternehmen für die "Sprachschändung" zu kritisieren.
Welche Gegenposition nimmt Professor Anatol Stefanowitsch ein?
Im Gegensatz zu den Sprachpuristen betrachtet Stefanowitsch die Entlehnung englischer Wörter als einen natürlichen Sprachwandelprozess, der den deutschen Wortschatz bereichert.
- Citar trabajo
- Leanne Harper (Autor), 2012, Bitte auf Deutsch!, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192438