"Irgendwie fühlt Muguluma sich überfordert. Er ist schließlich kein ausgebildeter Lehrer, sondern hat selber erst vor einigen Wochen mit der Oberschule abgeschlossen und steht nun plötzlich auf der anderen Seite des Klassenraums."
Durch die einleitende Reverse-Geschichte eines Afrikaners, der in Deutschland an einer Oberschule unausgebildet unterrichtet, dafür aber ein fettes Gehalt von seiner Heimat bekommt, wird eine Problematik veranschaulicht, die in ähnlichen Fällen fast täglich in den "Entwicklungsländern" geschieht.
Deutsche Freiwillige gehen durch die Weltwärts Initiative ins Ausland doch nicht immer sind die Ergebnisse positiv zu bewerten. Das hat auch der erste Evaluierungsbericht über Europas größtes Freiwilligenprogramm erkannt.
Im folgenden Text wird eine kritsche Analyse dargestellt und Freiwlligenarbeit auch aus der Sicht der Empfängerstaaten betrachtet, denn vermeintlich gut gemeinte, westliche Ideen können langfristig das Gegenteil ihres definierten Ziels bewirken. Unterschiede zu schätzen und Verbindungen zu sehen bedeutet gegenseitig voneinander und vor allem miteinander zu lernen. Ein wechselseitiger kultureller Austausch würde bedeuten auch Jugendliche aus den südlichen Ländern nach Deutschland einzuladen um in sozialen Einrichtungen und Projekten im Bildungswesen zu arbeiten. Gerade nach der Abschaffung des Zivildienstes könnte ein solcher Austausch sich positiv für alle Beteiligten auswirken und einen wichtigen Beitrag zur friedlichen Völkerverständigung leisten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einen Freiwilligendienst andersrum betrachtet
2. Diskussion über die Initiative Weltwärts
3. Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch das Programm "Weltwärts" des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und hinterfragt die Wirksamkeit sowie die zugrunde liegenden Machtstrukturen dieses Freiwilligendienstes.
- Kritische Analyse des Weltwärts-Programms
- Vergleich der Perspektiven von Geber- und Nehmerländern
- Untersuchung der wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen vor Ort
- Debatte über kulturellen Austausch versus kolonialem Erbe
- Notwendigkeit einer Neuausrichtung in Richtung Reziprozität
Auszug aus dem Buch
Diskussion über die Initiative Weltwärts
Mugulumas Geschichte ist frei erfunden und mag vielleicht absurd und unrealistisch erscheinen doch in umgekehrter Richtung gibt es tausende dieser Szenarien. Sie haben keine afrikanischen Namen sondern heißen Jan, Anna, Julia oder zum Beispiel Daniel. Sie sind deutsche Jugendliche, die mit dem Programm Weltwärts vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unter dem Motto: „Globales lernen durch tatkräftiges Handeln“ in so genannten „Entwicklungsländern“ unterwegs sind um vor Ort zu „helfen“ (BMZ, 2011). 10.000 Freiwilligendienste pro Jahr ist ein angestrebtes Ziel des BMZ. Da die Entsendeorganisationen für jeden Freiwilligen eine Pauschale von 580 Euro pro Monat für entstehende Kosten erhält (VENRO, 2009), steuert das größte Freiwilligenprogramm Europas auf die 70 Millionen Euro jährlich zu.
Das Geld geht als „Entwicklungshilfe“ in die deutsche Bilanz ein und ist ein Teil der über 60% „Entwicklungshilfe“, die als „Phantomgeld“ nicht direkt den Bedürftigen, sondern in erster Linie den Deutschen Interessen zu gute kommt (ActionAid, 2005).
Ein Teil der deutschen Freiwilligen unterrichtet an Schulen und gestalten oft den Englisch- oder Französischunterricht, obwohl ihre Muttersprache Deutsch ist. Daher sehen Kritiker die Flut der Freiwilligen in den südlichen Ländern als eine Art subventionierte Arbeitskräfte, die den einheimischen Arbeitsmarkt zerstören (Deutschlandradio, 2011).
Zusammenfassung der Kapitel
Einen Freiwilligendienst andersrum betrachtet: Dieses einleitende Kapitel skizziert anhand einer hypothetischen Geschichte die Problematik unqualifizierter Freiwilligendienste und die einseitige Übertragung westlicher Werte.
Diskussion über die Initiative Weltwärts: Hier wird das tatsächliche Programm kritisch beleuchtet, wobei ökonomische Interessen und der Mangel an adäquater Qualifikation der Freiwilligen im Vordergrund der Kritik stehen.
Schlussfolgerungen: Das Kapitel plädiert für eine Abkehr von rein wachstumsorientierten Hilfsmodellen hin zu echtem, wechselseitigem Austausch und internationaler Solidarität.
Schlüsselwörter
Weltwärts, Freiwilligendienst, Entwicklungshilfe, Kultureller Austausch, BMZ, Globale Solidarität, Postkolonialismus, Interkulturelles Lernen, Phantomgeld, Entwicklungszusammenarbeit, Bildungspolitik, Migration, Nord-Süd-Beziehungen, Qualitätssicherung, Reziprozität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch das Programm "Weltwärts" des deutschen Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) unter dem Aspekt der Wirksamkeit und der zugrunde liegenden Machtdynamiken.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Kritik an der "Entwicklungshilfe"-Bilanz, das Machtgefälle in Freiwilligendiensten, die Auswirkungen auf lokale Arbeitsmärkte und die Frage nach einem tatsächlichen, gleichberechtigten kulturellen Austausch.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, das Narrativ des "Helfens" durch junge Freiwillige zu hinterfragen und aufzuzeigen, wie einseitige Programme Abhängigkeiten festigen können, anstatt echte Entwicklung zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit nutzt eine kritische Diskursanalyse und stützt sich auf vorhandene Evaluierungsberichte, entwicklungspolitische Fachliteratur sowie Daten von Hilfsorganisationen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Struktur des Weltwärts-Programms, die Finanzierung, das Problem der fehlenden Qualifikation der Entsandten sowie die Wahrnehmung durch Partnerorganisationen im globalen Süden diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Weltwärts, Postkolonialismus, Reziprozität, Entwicklungszusammenarbeit und Interkulturelles Lernen definiert.
Inwiefern spielt der Begriff "Phantomgeld" eine Rolle?
Der Autor nutzt diesen Begriff, um zu verdeutlichen, dass ein erheblicher Teil der als "Entwicklungshilfe" deklarierten Gelder primär deutschen Interessen dient, anstatt direkt den Bedürftigen vor Ort zu Gute zu kommen.
Was schlägt der Autor als Lösung für die aufgezeigten Probleme vor?
Der Autor plädiert für einen echten wechselseitigen Austausch, bei dem Jugendliche aus den sogenannten Entwicklungsländern ebenso nach Deutschland entsandt werden, um ein System der gelebten Völkerverständigung auf Augenhöhe zu schaffen.
- Arbeit zitieren
- Etienne Salborn (Autor:in), 2012, Kulturelle Begegnung im Freiwilligendienst , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192443