In dieser Arbeit soll gezeigt werden, dass die historische Seeräuberei auf wirtschaftliche Beweggründe zurückgeführt werden kann. Es stellt sich heraus, dass nicht vor allem, wie man annehmen könnte, Abenteuerlust und Freiheitsdrang, sondern zu einem grossen Teil ökonomische Gründe die Ursache für Piraterie waren. Am konkreten Beispiel der Bukanier, Piraten, welche hauptsächlich in der Karibik agierten, werden die verschiedenen ökonomischen Gründe für Piraterie aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Ökonomische Gründe der Piraterie
2.1 Wirtschaftliche Not und Eigeninteresse
2.2 Marktwirtschaft – Nachfrage und Angebot
2.3 Staatliche Interessen und Arbeitslosigkeit
3 Zeitabschnitte der Piraterie
3.1 Kürzere Zeitabschnitte
3.2 Längere Zeitabschnitte
4 Die Bukanier
4.1 Historischer Abriss
4.2 Ökonomische Gründe der Piraterie bei den Bukaniern
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit untersucht das historische Phänomen der Piraterie unter dem Aspekt ökonomischer Triebkräfte, um aufzuzeigen, dass Seeräuberei weitgehend durch wirtschaftliche Not, staatliche Interessen und Marktdynamiken motiviert war und nicht primär durch individuelle Abenteuerlust.
- Wirtschaftliche Motivationen und Lebensbedingungen von Piraten
- Die Bedeutung von Angebot und Nachfrage bei illegalen Märkten
- Staatlich legitimierte Piraterie durch Kaperbriefe
- Die Auswirkungen von Massenarbeitslosigkeit auf die Piratenaktivität
- Fallbeispiel: Die ökonomischen Hintergründe der Bukanier in der Karibik
Auszug aus dem Buch
2.1 Wirtschaftliche Not und Eigeninteresse
Historische Seeräuberei war für viele Seeräuber eine Form des Broterwerbs, ohne welchen sie nicht überlebt hätten. Leeson (14-19) hält fest, dass eine Arbeit als Matrose auf einem gewöhnlichen Handelsschiff für viele Männer keine Alternative war. Dies bestätigt auch Kindleberger (47). Auf einem Handelsschiff verdiente man bedeutend weniger als in der Piraterie. Zudem waren die Arbeitsbedingungen miserabel und viele Matrosen wurden von den Vorgesetzten misshandelt. Piratenschiffe hingegen waren demokratisch organisiert und es gab viele Regeln, die das Zusammenleben der Piraten prägten. Der Kapitän wurde beispielsweise demokratisch nach dem Mehrheitsprinzip gewählt. Die Beute wurde fair und gleichmässig auf die gesamte Mannschaft verteilt. Bei Verletzungen oder verlorenen Gliedmassen erhielt man eine angemessene Entschädigung (Exquemelin 121-123; Leeson 29-30). Aus heutiger Sicht stellten solche Entschädigungen eine frühe Form einer Rente dar. Ein weiterer Grund sich der Piraterie zu verschreiben war, dass bei einem erfolgreichen Beutezug, eine Menge Geld verdient werden konnte. Somit war Piraterie trotz allen Risiken, die man einging, ein lukratives Geschäft mit guten, zum Teil bereits sozialen Arbeitsbedingungen. Der aus Wales stammende berüchtigte Pirat Bartholomew Roberts sagte einmal, dass alle Seefahrer welche legale Arbeit Piraterie vorziehen, Tölpel seien.
„In an honest service,“ says he, „there is thin commons, low wages, and hard labour; in this, plenty and satiety, pleasure and ease, liberty and power; and who would not balance creditor on this side, when all the hazard that is run for it, at worst, is only a sour Look or two at choking. No, a merry life and a short one, shall be my motto“ (Captain Charles Johnson1 213).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt das Bild der Piraten als "Seemonster" in Kontrast zu ihrer tatsächlichen demokratischen Organisation und skizziert das Ziel, ökonomische Faktoren als Haupttriebkraft zu analysieren.
2 Ökonomische Gründe der Piraterie: Dieses Kapitel beleuchtet Piraterie als "Broterwerb", die Rolle der Marktwirtschaft bei der Absatzförderung von Beutegütern und die staatliche Nutzung von Piraten als kostengünstige Söldner.
3 Zeitabschnitte der Piraterie: Hier werden kurzfristige Erhöhungen der Piratenaktivitäten, die oft auf Kriegsenden und damit verbundene Arbeitslosigkeit folgen, von langfristigen Phasen der Piraterie, wie bei Korsaren und Bukaniern, unterschieden.
4 Die Bukanier: Anhand des historischen Beispiels der Bukanier auf Tortuga wird analysiert, wie die Zerstörung ihrer Lebensgrundlage durch Spanien und die spätere staatliche Protektion ihre piratischen Aktivitäten ökonomisch begründeten.
5 Fazit und Ausblick: Das Fazit bestätigt, dass ökonomische Interessen wie Not, Arbeitslosigkeit und staatliche Nachfrage die primäre Motivation für Piraterie darstellten, wenngleich andere Faktoren wie Religion existieren.
Schlüsselwörter
Piraterie, Ökonomie, Bukanier, Kaperbriefe, Seeräuberei, Marktwirtschaft, Arbeitslosigkeit, Handelsschiffe, Historisches Goldenes Zeitalter, Eigeninteresse, Staatliche Interessen, Beuteverteilung, Tortuga, Arbeitsbedingungen, Söldnerwesen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob die historische Piraterie primär durch ökonomische Beweggründe anstatt durch individuelle Abenteuerlust motiviert war.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die ökonomischen Ursachen der Piraterie, die Bedeutung von Angebot und Nachfrage bei Beutegütern sowie die Rolle staatlicher Akteure.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist der Nachweis, dass das Phänomen Piraterie zu einem grossen Teil durch wirtschaftliche Faktoren entstanden ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse und den historischen Abgleich mit Theorien von David J. Starkey, um ökonomische Triebkräfte zu identifizieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Behandelt werden die wirtschaftlichen Notlagen von Seeleuten, das Kaperwesen, die zeitliche Einordnung von Pirateriewellen und eine Fallstudie zu den Bukaniern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Piraterie, Ökonomie, Kaperbriefe, Bukanier, Marktwirtschaft und Arbeitslosigkeit.
Welche Rolle spielten die Bukanier in der Arbeit?
Die Bukanier dienen als konkretes Fallbeispiel, um den Zusammenhang zwischen dem Verlust der Lebensgrundlage und der Hinwendung zur Piraterie aufzuzeigen.
Warum wurden Piraten von Staaten offiziell angeheuert?
Staaten sahen in Piraten eine kostengünstige Möglichkeit, die Handelsmacht von Konkurrenten zu schwächen, ohne eine eigene teure Flotte in vollem Umfang unterhalten zu müssen.
Was war die Bedeutung der "Kaperbriefe"?
Kaperbriefe legalisierten Piraten als Kaperfahrer, wodurch deren Angriffe auf Handelsschiffe feindlicher Nationen als legitime staatliche Handlung eingestuft wurden.
- Arbeit zitieren
- Dennis Froesch (Autor:in), 2009, Piraterie und Ökonomie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192476