“Red China goes GREEN”

Strategische Bedeutung von Klimaschutz für China. Analyse der Position Chinas zum Kyoto-Mechanismus CDM (clean development mechanism), sowie der Haltung Chinas gegenüber Erneuerbaren Energien.


Seminararbeit, 2011

25 Seiten, Note: 2


Leseprobe

INHALTSVERZEICHNIS

1. Die Volksrepublik China
Die Ausgangslage. Zahlen, Daten, Fakten
China in Zeiten des Klimawandels
Forschungsleitende Fragestellungen
Arbeitshypothese
Vorgehensweise

2. Theoretische Einbettung: Ronald Inglehart (1987)
Value Change in Industrial Societies
Begriffsbestimmungen

3. Von Kyoto bis Cancún
Internationale Verhandlungspositionen Chinas
Strategische Bedeutung der Verhandlungspositionen
Schwerpunkt CDM (clean development mechanism)
Strategische Bedeutung des Einstellungswandels

4. Erneuerbare Energien
Bedeutung Erneuerbarer Energien für China
Wind - Wasser - Sonne
Strategische Bedeutung des Erneuerbaren Energieweges

5. Resümee

6. Literatur- und Quellenverzeichnis

1. DIE VOLKSREPUBLIK CHINA

DIE AUSGANGSLAGE. ZAHLEN, DATEN, FAKTEN.

GEOGRAFIE. Mit seiner Landfläche von 9,6 Millionen km² ist die Volksrepublik China der viertgrößte Staat auf der Welt (nach Russland: 17,1; Kanada: 9,9; USA: 9,8 Mio. km²) und bedeckt gesamt zirka 7% der Erdoberfläche. Sein Staatsgebiet streckt sich von Ost nach West über 5.200 km und über 5.500 km von Nord nach Süd. China teilt seine Grenzen mit 14 Nachbarstaaten1 und hat rund 15.000 km Küstengebiet im Osten. Aufgrund seiner enormen Größe und komplexen Topografie, ist das Klima in China extrem vielfältig. Es reicht von tropisch im Süden bis sub-arktisch im Norden. BEVÖLKERUNG. Mit einer Bevölkerungszahl von 1,3 Milliarden Menschen ist China das bevölkerungsreichste Land der Erde (Platz 3 USA: 300 Mio.).2

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: CIA - The World Factbook: China3

WIRTSCHAFT. Seit dem Wandel der chinesischen Wirtschaft in den 1970er Jahren hin zu einer stärkeren Marktorientierung und einer damit einhergehenden stärkeren globalen Position, ist die chinesische Wirtschaft ständig im Wachsen begriffen. Seine Wirtschaftsentwicklung war und ist bemerkenswert. Mit einem jährlichen Wirtschaftswachstum von zirka 10% und einem BIP im Jahr 2010 von über $ 9,8 Billionen ist China die drittgrößte Wirtschaft der Welt (nach der Europäischen Union [$14,9 Billionen] und den Vereinigten Staaten [$14,7 Billionen]). Trotz dieser enormen Wirtschaftsleistung hinkt das Pro-Kopf Einkommen der chinesischen Bevölkerung im weltweiten Vergleich weit hinterher. Mit einem durchschnittlichen Pro-Kopf Einkommen von $ 7.400,- pro Jahr nimmt China auf der Weltrangliste den 128. Platz ein.4

ENERGIESITUATION CHINA. Der Energiemix Chinas setzt sich heute aus rund 66% Kohle, 20% Erdöl, 6% Erdgas, 1% Kernenergie und 7% Erneuerbarer Energien (incl. Wasserkraft) zusammen.5 Durch den prognostizierten auch künftig enorm steigenden Energiebedarf des Landes, werden sich in Zukunft große Herausforderungen hinsichtlich der Energieversorgung und Energiesicherheit Chinas ergeben. Die größten Schwierigkeiten für die chinesische Bevölkerung in der derzeitigen Lage, sowie der zukünftigen weltweiten Situation, stellen jedoch die lokale Umweltverschmutzung und die großen Mengen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene.

an Treibhausgasemissionen dar. Die geringe Effizienz des chinesischen Energieverbrauchs ist höchst signifikant. So verbrauchte China 2007 pro Einheit BIP beispielsweise um 20% mehr Energie als der OECD Durchschnitt.6 Um die Menschen des Landes vor Umweltverschmutzung durch immense CO2 Emissionen zu schützen, bedarf es der Sicherung einer nachhaltigen Energieversorgung. Eine Aktualisierung und Anpassung alter und stark umweltverschmutzender Technologien ist dazu ein essentieller Schritt in Richtung Nachhaltigkeit und Lebensqualität.7 Der rasante Aufschwung der chinesischen Wirtschaft, sowie die damit einhergehende steigende Emission von Treibhausgasen wie CO2, wurden von Experten bereits im Jahr 1990 als für Bevölkerung und Klima bedenklich bezeichnet. Damals prognostizierte man, dass China aufgrund der dynamischen und steigenden Tendenz seiner Emissionen, die USA als Nummer 1 Emittent von CO2 bereits im Jahr 2020 überholen könnte.8 In der Realität jedoch wächst China viel rasanter als prognostiziert und hat bereits im Jahr 2006 um 8% mehr CO2 ausgestoßen als die USA. 2005 verzeichnete China hingegen noch einen um 2 % geringeren CO2 Ausstoß als die Vereinigten Staaten.9 KRITISCHE NATIONALE UMWELTSITUATION CHINAS. Durch das schnelle wirtschaftliche Wachstum, die Industrialisierung und Verstädterung hat sich der Druck auf die Umwelt stetig erhöht. In China ist die Luftverschmutzung in manchen Städten eine der gravierendsten auf der ganzen Welt.10 Die Bevölkerung leidet unter Smog, Staub, Ruß, Schwefeldioxid (SO2) und Stickoxiden, die sie durch die Atemluft aufnimmt. Von den 20 weltweit größten Städten mit der schlechtesten Luftqualität liegen alleine 16 in China. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass pro Jahr zirka 250.000 Todesfälle auf die Folgen der Umweltverschmutzung, und hier vor allem auf die schlechte Luftqualität, zurückzuführen sind.11 Dieses Bild zeigt sich auch in den Schäden an der menschlichen Gesundheit und führt jährlich zu zirka $13 Millionen Belastungen für das Gesundheitssystem. Auf über 30% der Fläche Chinas fällt saurer Regen und über ein Drittel der chinesischen Wasserläufe sind schwer verunreinigt. Aufgrund der starken Grundwasserverschmutzung leidet der Norden Chinas bereits jetzt unter Trinkwasserknappheit.12

CHINA IN ZEITEN DES KLIMAWANDELS.

GEFAHREN DURCH DEN KLIMAWANDEL. Diese „heimischen“ Probleme werden laut Wissenschaftsexperten durch den Klimawandel noch um ein Vielfaches verstärkt werden.13 Der erwartete Anstieg des Meeresspiegels von 15-95cm bis zum Jahr 2100 könnte Küstengebiete und tiefer gelegene Gebiete gefährden. Dramatische klimatische Veränderungen könnten ebenfalls fatale Auswirkungen haben auf anfällige Ökosysteme, wie Gebirge, oder Sumpfgebiete und das Risiko von Wüstenbildungen und Hungersnöten erhöhen, während anderen Gebieten Überflutungen und eine Zerstörung der Infrastruktur drohen.14 Ein 2007 erstellter offizieller Bericht über den Klimawandel prophezeit China enorme Einbußen bei Ernteerträgen, Abnahme von Niederschlägen, Dürreperioden und auf der anderen Seite Fluten. Bei einem Anstieg des Meeresspiegels von einem Meter könnte ein Gebiet von der Größe Portugals an der Ostküste Chinas überschwemmt werden. Diese Fläche beherbergt jedoch mehr als die Hälfte der Einwohner Chinas und über 60% seiner Wirtschaftsleistung.15

CHINAS HALTUNG ZU UMWELTSCHUTZ. Mit dem heutigen Status Chinas als „Schwellenland“16, ist die Volksrepublik hinsichtlich ihrer modernen, umfangreichen und konkreten Umweltgesetzgebung als fortschrittlich zu bezeichnen. Bereits 1979 wurde das erste nationale Umweltgesetz verabschiedet und eine Vielzahl weiterer Gesetze mit speziellem Fokus auf einzelne Umweltbereiche (Wasser, Luft, Abfall) bzw. zum Ressourcenschutz, sowie rund 400 Umweltstandards und mehr als 900 lokale Umweltrichtlinien, eingeführt.17 Auch der 11. Fünfjahresplan (FJP) (2006-2010) der

Volksrepublik China, für nationale Wirtschaft und soziale Entwicklung, hat das Ziel der besseren Vereinbarkeit von wirtschaftlicher, sozialer und ökologischer Entwicklung des Landes. Dies soll vor allem durch das Erreichen einer „ harmonious society “ ermöglicht werden, welche sehr stark soziale Wohlfahrt, gerechtere Einkommensverteilung und Rechtsstaatlichkeit betont, sowie über diese Vereinbarkeit von wirtschaftlicher Entwicklung bei gleichzeitiger wohlhabender Gesellschaft hinaus nicht auf die Balance zwischen ökonomischer Entwicklung und Schutz der Umwelt vergisst. Diese Qualität wirtschaftlichen Wachstums, bezugnehmend auf die soziale und ökologische Dimension, ist charakteristisch für den 11. FJP Chinas. Nicht Wachstum auf dem Rücken steigender Ressourcenverwendung, sondern Wachstum in Verbindung mit dem Bewahren von Ressourcen. Ein weiterer, umfassenderer Teil dieses 11. FJP ist das Konzept des „ scientific development “. Dieses Konzept ist nicht nur auf das Wachstum des BIP zentriert, sondern fokussiert darüber hinaus eine umfassende, koordinierte und nachhaltige bevölkerungszentrierte Entwicklung. Weiters betont es die koordinierte Entwicklung von ländlichen und städtischen Gebieten, von verschiedenen Regionen, von wirtschaftlichen und sozialen Themen, von Mensch und Natur, sowie von innerstaatlicher Entwicklung und Öffnung hin zur Außenwelt.18 Im Bereich der Wirtschaft will China laut Staatschef Hu Jintao bis 2020 sein Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zum Jahr 2000 vervierfachen.19 Um mit dem geplanten Wachstum einhergehende Schäden an der menschlichen Gesundheit und Umwelt vorbeugen zu können, bedarf es eines Umweltmanagements. Wirtschaftswachstum muss ökologisch nachhaltig werden.20

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Vgl. OECD (2007), 199

CHINAS HALTUNG ZU KLIMASCHUTZ. Der innerstaatliche klimapolitische Prozess in China kann als Top-Down Prozess bezeichnet werden. Initiiert und vorangetrieben wird dieser durch zentrale Autoritäten der kommunistischen Partei Chinas. Trotz weitreichender Anstrengungen hinsichtlich Umweltschutzzielen auf nationaler Ebene, ist jedoch feststellbar, dass die Volksrepublik auf internationaler Ebene eine eher zurückhaltende Position einnimmt. China, das sich selbst als „Entwicklungsland“ bezeichnet, hat es stets abgelehnt, über mengenmäßig festgeschriebene Emissionsbeschränkungen für Entwicklungsländer zu diskutieren.21 Unter dem UNFCCC (United Nations Framework Convention on Climate Change) ist China aufgrund dieses Status auch nicht an Verpflichtungen gebunden. Die Volksrepublik fordert das Prinzip der „differentiated responsibility of countries at different levels of economic development“22 und legt somit konkrete Handlungen auf der Seite der Industrieländer als Grundvoraussetzung für jegliche Handlungen auf Seite der Entwicklungsländer fest. Der chinesische Premier Wen Jiabao hebt hervor, dass die Industriestaaten weltweit für 80% der gesamten Kohlendioxidemissionen seit der Industriellen Revolution verantwortlich sind und diese Staaten deshalb auch zu ihrer historischen Verantwortung stehen sollen.23 Vergessen wird dabei jedoch, dass Umweltverschmutzung keine Grenzen kennt, und klimatische Veränderungen, bedingt durch den weltweiten Ausstoß von Treibhausgasen, auch in China schlagend werden.

Zusammenfassend ergeben sich aus den bisherigen Überlegungen und in Bezug auf den konkreten Fall Chinas folgende, meine Forschung leitende, Fragen:

FORSCHUNGSLEITENDE FRAGESTELLUNGEN.

- Welche Schritte unternimmt China in Richtung Umweltschutz und aus welchen Intentionen heraus will die Volksrepublik China diese erreichen?
- Ist der vorrangige Grund für chinesische Umweltpolitik das Ziel nachhaltigen Umweltschutzes, oder verfolgt die chinesische Führungsriege damit übergeordnete, strategische Ziele?
- Welche Gründe bewegen China dazu, trotz nationalen Umweltgesetzen etc., im Rahmen internationaler Klimaverhandlungen keine verbindlichen Emissionsverpflichtungen eingehen zu wollen?

ARBEITSHYPOTHESE.

- Bevor ein Staat postmaterialistische Werte wie Umweltschutz verfolgt, muss dieser seine materialistischen Ziele verwirklicht sehen.

Der Fokus Chinas bei Umwelt-/ Klimaschutzthemen liegt daher nicht auf Nachhaltigkeit bzw. auf Postmaterialismus, sondern rührt rein aus den materialistischen Zielen des Staates, zu denen ein Streben nach Wirtschaftswachstum, Macht und Wohlstand zählen.

[...]


1 Afghanistan, Bhutan, Myanmar, Indien, Kasachstan, Nordkorea, Kirgistan, Laos, Mongolei, Nepal, Pakistan, Russland, Tadschikistan und Vietnam.

2 Vgl. CIA - The World Factbook: China, abgerufen von der Homepage: https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/ch.html (01.02.2011)

3 https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/ch.html (01.02.2011)

4 Vgl. CIA - The World Factbook: China, abgerufen von der Homepage: https://www.cia.gov/library/publications/the-world-factbook/geos/ch.html (01.02.2011)

5 Vgl. EITEP - Energiemix China, abgerufen von der Homepage: http://www.eitep.de/de/pdf/press_energiemarkt_china.pdf (01.02.2011)

6 Vgl. OECD (2007), 3

7 Vgl. Zheng (2004), 289-290; 296;

8 Vgl. Oberthür/Ott (1999), 27

9 Vgl. Spiegel-online Wissenschaft: Treibhausgas: abgerufen von der Homepage: http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,489612,00.html (02.02.2011)

10 Vgl. OECD (2007), 3f

11 Vgl. Heymann (2006), 5

12 Vgl. Oberndorfer (2005), 10f

13 Vgl. Economy (2007), 30

14 Vgl. Oberthür/Ott (1999), 4f

15 Vgl. Economy (2007), 28

16 „Schwellenländer werden auch als Newly Industrializing Countries (NIC) bezeichnet; Bezeichnung von Ländern auf dem Wege zum Industrieland. Durch hohes Wirtschaftswachstum werden große Industrialisierungsfortschritte beobachtet, jedoch halten viele soziale Indikatoren wie z.B. Alphabetisierungsrate, Lebenserwartung, Säuglingssterblichkeit mit der wirtschaftlichen Entwicklung nicht Schritt.“ Vgl. Definition Schwellenland: abgerufen von der Homepage: http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Archiv/54681/schwellenlaender-v5.html (03.02.2011)

17 Vgl. Heymann (2006), 3

18 Vgl. OECD (2007), 3-4; 49; 177; 183-184;

19 Vgl. Der Tagesspiegel - International: Staatschef Hu entdeckt den Umweltschutz: abgerufen von der Homepage: http://www.tagesspiegel.de/politik/international/staatschef-hu-entdeckt-den- umweltschutz/v_default,1069954.html (03.02.2011)

20 Vgl. OECD (2007), 177

21 Vgl. Tangen/Heggelund/Buen (2001), 237; 245;

22 Vgl. OECD (2007), 260f; 292;

23 Vgl. Ma (2010), 30

Ende der Leseprobe aus 25 Seiten

Details

Titel
“Red China goes GREEN”
Untertitel
Strategische Bedeutung von Klimaschutz für China. Analyse der Position Chinas zum Kyoto-Mechanismus CDM (clean development mechanism), sowie der Haltung Chinas gegenüber Erneuerbaren Energien.
Hochschule
Universität Salzburg
Note
2
Autor
Jahr
2011
Seiten
25
Katalognummer
V192493
ISBN (eBook)
9783656174721
ISBN (Buch)
9783656175179
Dateigröße
775 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
china, green”, strategische, bedeutung, klimaschutz, analyse, position, chinas, kyoto-mechanismus, haltung, erneuerbaren, energien
Arbeit zitieren
Daniela Holzinger (Autor), 2011, “Red China goes GREEN”, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192493

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: “Red China goes GREEN”



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden