Das Gerechtigkeitsprinzip unter Berücksichtigung des Aufbaus des Staates bei Platon


Hausarbeit, 2010
22 Seiten, Note: 1,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1)Einleitung

2)Historischer Hintergrund

3)Die Ständegliederung

4)Die Philosophenherrschaft
4.1. Wer ist ein Philosoph?

5)Relevanz der Wächter
5.1. Die Aufgaben des Wächters
5.2. Die Erziehung des Wächters
5.3. Die Besitzlosigkeit des Wächters

6)Frauen- und Kindergemeinschaft

7)Platons Begriff der Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit beim Staat
7.1. Platons Begriff der Gerechtigkeit beim Einzelnen
7.2. Die Rolle der Tugenden

8)Kritik des Aristoteles an Platons Staatstheorie

9)Fazit

10)Literaturverzeichnis

1) Platon ist einer der bekanntesten Philosophen der Antike und sein Werk gilt als Meilenstein der Philosophie. Er wurde 427 v. Chr. geboren und starb 347 v. Chr. .1 Platon entstammt einer alten Athener Adelsfamilie. Wie es seiner adligen Herkunft entsprach, ging er schon früh politischen Interessen nach, wendete sich aber später von ihnen ab und widmete sich ganz der Philosophie.2 Er war Schüler des Sokrates, nahm viele seiner Denkweisen auf und schrieb sie nieder. Man sagt, dass Sokrates Platon erst zur Philosophie gebracht haben soll. Später unterrichtete er Aristoteles, der ebenfalls als einer der wichtigsten Philosophen angesehen wird. In seinen Theorien befasste sich Platon mit verschiedenen Bereichen, wie zum Beispiel mit der Erkenntnislehre, der Naturphilosophie, der Ethik und der Kunst und Ästhetik. „Besonders seine Schrift über den Staat, die Politeia, ist nach ihrem Inhalt, ihrer Form und ihrer Wirkungsgeschichte ein ungewöhnlich vielschichtiges und komplexes Buch, an dem sich bis in die jüngste Zeit die bedeutendsten Köpfe aller Denkrichtungen geschult haben.“3 Seine Schrift wird in zehn Bücher gegliedert und ist in Dialogform geschrieben, in denen Platon selbst nicht als Sprecher auftritt. In ihr legt Platon die Idee eines dreigliedrigen Stadtstaates vor, welcher von Philosophen regiert wird. Er bezeichnet diesen Staat als Idealstaat. Ich werde mich in dieser Hausarbeit mit dieser Schrift beschäftigen und dabei den Aufbau des Idealstaates nach Platon untersuchen. Die Frage, die ich mir dabei grundlegend stelle ist, ob dieser Aufbau gerecht ist. Um dies herauszufinden, werde ich die verschiedenen Individuen des Staates bezüglich ihrer Aufgaben genauer betrachten. Da wäre die Rolle des Wächters im Staat. Wie kann man Wächter werden und welche Aufgaben haben sie? Außerdem beschäftige ich mich mit der Frauen- und Kindergemeinschaft sowie der Philosophenherrschaft. Was zeichnet einen Philosophen aus?

Um meine Frage, ob der Aufbau des Staates und die damit verbundenen Bestimmungen Platons, gerecht sind zu beantworten, kläre ich auch den Gerechtigkeitsbegriff nach Platon und werde ihn kritisch betrachten. Ist es gerecht, wenn jeder das Seine tut, beziehungsweise tun muss.

2) Platon wurde in der Zeit des Peloponnesischen Krieges geboren. Dieser wurde von dem von Athen geführten Attischen Seebund und dem Peloponnesischen Bund unter Sparta von 431-404 v. Chr. ausgetragen.4 Der Krieg endete mit einem Sieg der Spartaner und dem langsamen Verkommen der Athener Demokratie. Zu diesem Zeitpunkt war Platon ca. 24. Des Weiteren war die Unabhängigkeit Griechenlands von Persien für einen langen Zeitraum eingeschränkt, Grund war die persische Hilfe, welche zum Sieg des Krieges beitrug. „Wieder andere Folgen ergaben sich dadurch, daß während des Kriegs viele Handlungsweisen unter dem Gesichtspunkt militärischer Effizienz gerieten und oft sogar allein nach diesem Kriterium beurteilt wurden.“5 Die überlieferten Wertvorstellungen wurden dadurch untergraben und man qualifizierte zum Beispiel die Besonnenheit als Feigheit ab. Durch den Krieg veränderten sich somit die Prinzipien der Menschen, nach denen sie ihr Handeln bestimmten. Aufgrund dieses Hintergrundes beschäftigte man sich vermehrt mit grundsätzlichen Fragen und verfolgte Diskussionen über die Gerechtigkeit und das menschliche Zusammenleben. Dabei traten Fragen auf wie: „Weshalb haben wir ein Gemeinwesen; wie ist es seinem Zweck entsprechen zu organisieren, und wann ist es demnach gerecht?“6

Daher kam es dazu, dass sich verschiedene Philosophen dieser Fragen annahmen und versuchten Antworten zu finden. Unter ihnen auch Platon in seiner Staatstheorie, der Politeia.

3) Der wohl wichtigste Gesichtspunkt des Platonschen Idealstaates ist der der Arbeitsteilung. Er empfiehlt eine sogenannte „Kastenordnung“7 und verlangt dabei, dass keiner seine Kaste verlassen darf. Dabei gibt es drei Kasten. Zunächst stehen die Herrscher ganz oben, die entscheiden, was im Idealstaat geschieht. Danach kommt der Wehrstand, also das Militär, welches den Staat schützen soll. Als dritter Stand zählt der Nährstand, in dem das Volk die materielle Versorgung gewährleistet. Somit muss sich jeder mit seiner Kaste abfinden, auch wenn er zu niedrigen Tätigkeiten befähigt ist. Jeder Bürger darf nur eine Tätigkeit ausüben und keine Nebenbeschäftigung haben. Dies soll dazu führen, dass sich jeder wirklich nur auf seine Arbeit konzentriert und dadurch die Stadt zur richtigen Größe anwachsen kann und das leisten kann, wozu sie geschaffen werden soll.8 Daher kann man davon ausgehen, dass Platon in der heutigen Zeit gegen lebenslanges Lernen, mehrere Verdienstmöglichkeiten oder offene Universitäten eingestellt wäre. Die Fragen, die bei der Arbeitsteilung aufkommen, sind was genau als eine Tätigkeit zählt. Es wird sicherlich davon ausgegangen, dass damit ein Job gemeint ist. Außerdem stellt sich die Frage, wieso es nicht einen Tätigkeit gibt, der alle Bürger nachgehen könnten.9 Oder ob es für die Verwirklichung des Idealstaates reicht, dass jeder nur einer Tätigkeit nachgeht. Wäre es nicht effizienter, wenn das Volk mehreren Tätigkeiten nachgehen würde und dann auch mehr erreicht werden würde? Platons Idee der Arbeitsteilung lässt also noch einige Fragen offen. Heutzutage werden Kastenordnungen sowieso abgelehnt und jeder sollte das Recht haben, individuell und frei sein zu dürfen.10 Aufgrund dessen erscheint uns Platons Arbeitsteilung als unmenschlich und „totalitär“.11 Dieser Vorwurf des Totalitarismus ließe sich damit entkräften, dass durch die Unterordnung das Seelenleben gekräftigt werde. Denn nach Platon müssen sich manche Teile des Seelenlebens anderen unterordnen, zum Beispiel heftiges Verlangen.12 Also wäre die Unterordnung positiv für den Menschen, um ein geordnetes und gutes Seelenleben zu erreichen. Sollte dies die Intention Platons sein, würde der Vorwurf des Totalitarismus nicht mehr begründet werden können.13 Trotzdem fällt es einem schwer zu glauben, dass man Triebe und Leidenschaften unterdrücken kann. Doch wahrscheinlich geht es Platon genau darum, dass die Leidenschaften ansonsten seinen Besitzer beherrschen.14

Sicherlich findet man auch heute noch Berufe, die höher angesehen werden als andere und somit auch mehr Entscheidungsfreiheiten besitzen. Dies wäre zum Beispiel der Fall zwischen jemanden, der Politiker ist und jemandem, der Gebäude reinigt. Trotzdem hat man im Unterschied zu Platon in dieser Zeit das Recht sich hochzuarbeiten oder auch ohne weiteres andere Berufe anzunehmen. Man muss also nicht das ganze Leben in seiner Kaste verweilen, sondern kann sich weiterentwickeln. Diesen Gedanken finde ich sehr wichtig und empfinde Platons Prinzip der Arbeitsteilung als denkwürdig und einschränkend.

4) Um seinen Idealstaat verwirklichen zu können, müsste dieser nach Platon von Philosophen beherrscht werden. Denn der Regierende sollte das Militär und Volk steuern und dabei wissen, was er zu tun hat.15 Entweder sollten die Philosophen Herrscher werden oder die Herrscher zu Philosophen. Solange man die Philosophie und die politische Herrschaft nicht zusammenlege, wird es für immer Unheil auf der Welt geben.16 Trotzdem ist Platon bewusst, dass er mit dieser Philosophenherrschaft viele verärgern wird und es nicht alle verstehen werden. Daher führt er an, dass man beweisen muss, dass die Natur bestimmt, dass sich manche mit der Philosophie und mit der Führung der Stadt beschäftigen sollen und manche einfach den Führenden zu folgen haben.17 Es wird hier sozusagen die Macht mit der Vernunft verbunden.18 Daran muss man zunächst keine Kritik äußern, weil es vielen Führungspersonen in der heutigen Zeit oft an Vernunft fehlt. Trotzdem ist es ein Wagnis, manchen Menschen Vernunft zuzusprechen und anderen nicht. Wieso kann ein Zimmermann keine Vernunft besitzen? Selbst wenn er sie besitzen würde, könnte er trotzdem nicht zum Regierenden aufsteigen, weil er in einem anderen Stand angehört .Um etwas mehr Klarheit zu schaffen, möchte Platon zunächst den Begriff des Philosophen klären, um seine These weiter zu begründen.

4.1. Der Begriff der Philosophie wird etymologisch betrachtet und somit ist ein Philosoph ein Weisheitsliebender. Einen Weisheitsliebenden kann man als jemanden ansehen, der in Bezug auf Gegenstände des Wissens lernbegierig ist.19 Jedoch muss man da noch zwischen zwei Kategorien unterscheiden. Es gibt einmal die Philosophen, die wissbegierig sind, weil sie gerne die Wahrheit sehen. Anderseits gibt es Leute, die den Philosophen nur ähnlich sind und diese Lust nicht besitzen.20 Um es genauer zu erklären, führt er ein Beispiel an. Der Philosoph sei nicht nur ein Theaterbesucher, der verschiedenen Klänge und Eindrücke sammeln möchte, sondern er verstehe das, was er sieht. Damit gemeint ist, er könne hinter die Fassade blicken und erkennen, was die besonders schönen Dinge in ihrem Wesen ausmacht. Die Nicht- Philosophen, in diesem Fall die Theaterbesucher, blieben an der Oberfläche und könnten nicht tief genug erfassen. Somit seien die Theaterbesucher in einer Traumwelt, besäßen lediglich den Glauben und nur die Philosophen lebten in der Realität und verfügten über Wissen.21 Diese Trennung von Glauben und Wissen hat viele Kritiker, unter anderem auch Aristoteles.22 Wer sich also um das Schöne, Gerechte und Gute selbst geht, der ist ein Philosoph. Außerdem beschäftigt sich der Philosoph mit der Wahrheit und somit mit den wahren Gegenständen. Im Gegensatz dazu ist man kein Philosoph, wenn man sich mit vielen Dingen beschäftigt und den Unterschied von Schönem, Guten und Gerechten nicht kennt, der ist kein Philosoph.23 Somit wurde die Bestimmung des Begriffes des Philosophen geklärt.

[...]


1 Oberndörfer, Dieter: Klassische Staatsphilosophie, Texte und Einführungen, Von Platon bis Rousseau. Hrsg. von Dieter Oberndörfer und Beate Rosenzweig. 1365. C. H. Beck München 2000. S. 17

2 Hülser, Karlheinz: Platon für Anfänger, der Staat. Deutscher Taschenbuch Verlag München 2005. S. 11

3 Hülser, Karlheinz. S. 9

4 Hülser, Karlheinz. S. 12

5 Hülser, Karlheinz. S. 15

6 Hülser, Karlheinz. S. 15 Kommentar: Daher, dass in den meisten Büchern der geschichtliche Hintergrund nicht betrachtet wird oder zu kurz ausfällt, habe ich mich alleine auf das eine Buch beschränkt und dazu im Internet nachgelesen.

7 Blackburn, Simon. S.80

8 Hülser, Karlheinz. S. 36-37

9 Hülser, Karlheinz. S. 38

10 Blackburn, Simon. S. 80

11 Blackburn, Simon. S. 80

12 Platon: Der Staat. 442b. S. 168

13 Blackburn, Simon. S. 81

14 Platon: Der Staat. 442b. S. 168

15 Blackburn, Simon. S. 87

16 Platon: Der Staat. 473d-474. S. 213

17 Platon: Der Staat. 474 b-d. S. 214

18 Hülser, Karlheinz. S. 109

19 Schubert, Andreas: Platon <Der Staat>. S. 86

20 Hülser Karlheinz. S. 94

21 Platon: Der Staat. 475d-477b. 216-218

22 Blackburn, Simon. S.89

23 Hülser, Karlheinz. S. 95-96

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Das Gerechtigkeitsprinzip unter Berücksichtigung des Aufbaus des Staates bei Platon
Hochschule
Universität Hildesheim (Stiftung)
Veranstaltung
Politische Philosophie
Note
1,7
Autor
Jahr
2010
Seiten
22
Katalognummer
V192496
ISBN (eBook)
9783668314757
ISBN (Buch)
9783668314764
Dateigröße
533 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Platon, Der Staat, Politeia, Das Gerechtigkeitsprinzip
Arbeit zitieren
Lisa Julius (Autor), 2010, Das Gerechtigkeitsprinzip unter Berücksichtigung des Aufbaus des Staates bei Platon, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192496

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