Problemlösen und Motivation

Theorie und Empirie eines ungleichen Paars


Essay, 2012
18 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Zielstellung

2. Vorüberlegungen zum Verhältnis von Problemlösen und Motivation

3. Kompensationsmodell der Motivation und Volition nach Kehr
3.1. Implizite und Explizite Motive
3.2. Subjektiv wahrgenommene Fähigkeiten
3.3. Funktionale Mechanismen
3.3.1. Volition
3.3.2. Problemlösen
3.4. Implikationen des Kompensationsmodells für die Untersuchung des Problemlösens

4. Empirische Befunde
4.1. Hypothese 1: Problemlöseaktivität und Selbstwirksamkeitserwartung
4.1.1. Studie von Hesse et al., 1983
4.1.2. Interpretation der Befunde
4.2. Hypothese 2: Bewältigungsstrategien von Volition und Problemlösen
4.2.1. Studie von Kehr & Wieland, 1999
4.2.2. Interpretation der Befunde
4.3. Hypothese 3: Problemlösen und Flow-Erleben
4.3.1. Studie von Schiefele & Roussakis, 2006
4.3.2. Interpretation der Befunde

5. Diskussion und Fazit

1 Zielstellung

Im vorliegenden Essay sollen zwei Forschungsfelder der Allgemeinen Psychologie aufeinander bezogen werden, die Motivationspsychologie und das Problemlösen. Es soll diskutiert werden, welche Bereicherungen und mögliche Konflikte sich bei einer Zusammenführung ergeben: inwiefern es sich bei Problemlösen und Motivation um ein ungleiches Paar handelt. Dazu soll sich auf eine bestimmte Theorie der Motivationspsychologie, das Kompensationsmodell von Hugo Kehr, beschränkt und aus dieser Theorie Implikationen für die Erforschung problemlösenden Denkens und Handelns abgeleitet werden[1]. Diese Implikationen sollen in empirische Hypothesen gefasst werden, die im zweiten Teil des Essays mit den Befunden aus ausgewählten Studien mit Problemlösehintergrund überprüft werden.

2 Vorüberlegungen zum Verhältnis von Problemlösen und Motivation

Das Verhältnis von Problemlösen zur Motivation lässt unter zwei verschiedenen Akzentsetzungen betrachten:

a) Bedeutung der Motivation für problemlösendes Denken u. Handeln
b) Bedeutung von Problemlösen für motivationale Prozesse

Zu a): Die Motivation ist, wie in Betsch, Funke & Plessner (2011) ausgeführt, ein konstitutives Element für die wissenschaftliche Definition von Problemen[2]. Ein Problem, d.h. eine Barriere, für die es keine routinisierten Bewältigungsstrategien gibt, kann sich nur demjenigen in den Weg stellen, der motiviert ist, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Des Weiteren sind motivationale Selbstregulationsmechanismen für die Aufrechterhaltung und Fokussierung des Problemlöseprozesses notwendig (siehe Dörner, 1986). Problemlösestudien, die sich mit motivationalen Fragestellungen befassen, haben meist einen Forschungsschwerpunkt auf diesen Prozessen und der Wirkung von Motivation auf die Problemlöseleistung (z.B. Vollmeyer & Rheinberg, 1998).

Zu b): Umgekehrt ist, wie noch zu erörtern sein wird, die Problemlöseaktivität häufig wichtig für die Aufrechterhaltung von motivationalen Prozessen. Zwar kann es auch motiviertes Handeln ohne die Notwendigkeit von Problemlösen geben (überall dort, wo routinisierte Verhaltensskripte abrufbar sind). Doch ist in einer widerständigen und komplexen Welt überall dort, wo Motivation und Zielsetzungen vorliegen, das Problem niemals fern. Das Kompensationsmodell fokussiert das Verhältnis von Problemlöse- und Motivationsforschung vor allem aus dieser Perspektive, der Notwendigkeit von Problemlösen für die Aufrechterhaltung motivierten Handelns – weshalb der Akzent dieses Essays auch auf dieser Betrachtungsweise liegen soll.

Die beiden Betrachtungsebenen sind nicht unvereinbar, bedürfen aber einer gegenseitigen Rückübersetzung und müssen auseinander gehalten werden.

3 Kompensationsmodell der Motivation und Volition nach Kehr

Das Modell befasst sich mit den Voraussetzungen und der Initiation motivierter Handlungen und will erklären, wann diese die größte Aussicht auf erfolgreichen Abschluss haben (Kehr, 2004c). Hierzu unterscheidet Kehr einerseits zwischen drei strukturellen Komponenten, die beim Zustandekommen motivierten Handelns aktiviert sein können: den impliziten Motiven, den expliziten Motiven und den subjektiv wahrgenommene Fähigkeiten. Im Idealfall sind alle drei Faktoren präsent und kongruent auf eine Handlung gerichtet – es kommt zum Flow-Erleben während der Tätigkeit. Fällt ein Faktor aus oder entstehen Handlungskonflikte zwischen impliziten und expliziten Motiven, müssen kompensatorische Mechanismen und Strategien aktiviert werden, damit die Handlung erfolgen und aufrechterhalten werden kann. Dies bezeichnen die funktionalen Komponenten des Modells, Volition und Problemlösen. Kernaussage des Modells ist, dass volitionale oder Problemlöse-Strategien ungenügende oder inkongruente Strukturen kompensieren können.

Ehe der funktionale Kompensationsmechanismus des Problemlösens in Abgrenzung zur Volition genauer erörtert wird, sollen die strukturellen Komponenten des Modells im Einzelnen dargelegt werden.

3.1 Implizite und Explizite Motive

Das Kehrsche Motivationsmodell geht, in der Tradition vieler Motivationstheorien wie der Wundts oder Lewins, von einem dualen Schema der Motivstruktur aus, in diesem Fall der Unterscheidung von impliziten und expliziten Motiven (d.h. latenten Verhaltensbereitschaften, die durch situationale Anreize aktiviert werden können):

- Implizite Motive bezeichnen Motive, die dem Bewusstsein nicht unmittelbar zugänglich sind und folglich unwillkürlich aktiviert werden. Sie speisen sich aus dem Lusterleben motivierten Handelns und operieren im Modus „Ich will“; Einer Person erscheinen sie als spontane, expressive und zur Verwirklichung drängende Wünsche, deren Herkunft ihr nicht klar zu Tage liegen.
- Explizite Motive stellen die andere Seite der dualen Motivstruktur dar und bezeichnen Motive, die sich eine Person als Begründung für eine Handlung selbst zuschreibt, von McClelland als „Selbstzugeschriebenen Motivationssystem“ bezeichnet (1995). Sie sind dem Bewusstsein zugänglich und äußern sich als explizite und begründbare Handlungstendenzen („Das halte ich aus diesen Gründen für wichtig, deshalb will ich es machen.“). Einer Person erscheinen sie in Form von Zielen oder Pflichten, die sie sich selbst zuschreibt.

Wenn sich implizite und explizite Motive widersprechen oder ein Mangel an einer Motivkomponente besteht, entsteht ein internaler Handlungskonflikt. Eine Person muss, um widerstrebenden Handlungstendenzen auf eine einzige zu vereinen, von einer „motivationalen“ in eine „volitionale Steuerungslage“ wechseln (vgl. Sokolowski, 1993). Nur, wenn die beiden Motivkomponenten kongruent sind, kann eine Person, entsprechend ihrer subjektiv wahrgenommenen Fähigkeiten, ohne volitionalen Aufwand eine Handlung initiieren und durchhalten..

3.2 Subjektiv wahrgenommene Fähigkeiten

Dieser Part des Kehrschen Modells ist im Hinblick auf die Zielstellung des Essays von besonderer Bedeutung, da ein Mangel der subjektiv wahrgenommenen Fähigkeiten die Aktivierung von Problemlösetätigkeit überhaupt erst notwendig macht. Der Begriff bezeichnet die individuelle Perzeption des vorhandenen skriptgestützt Verhaltensrepertoires bzw. der Routinen, auf die bei einer Handlung zurückgegriffen werden kann, und entspricht somit in weiten Teilen dem Konzept der „Selbstwirksamkeitserwartung“ von Bandura (1977; siehe hierzu: Kehr, 2004a). Die subjektiven Fähigkeiten sind im Kompensationsmodell situationsspezifisch konzipiert, es geht weniger um eine globale Einschätzung der eigenen Fähigkeit, als um die jeweilige Wahrnehmung der Verhaltensroutinen für eine bestimmte Handlung (Kehr, 2004c). Zudem beziehen sich diese skriptgestützten Verhaltensroutinen ausschließlich auf Handlungsoptionen, die äußere Umwelt zu manipulieren. Skriptgestützte Verhaltensroutinen bezeichnen häufig geübte, automatisierte Handlungsabläufe, die keiner zusätzlichen Problemlöseaktivität bedürfen. Der Begriff „subjektive Wahrnehmung“ akzentuiert die Tatsache, dass sich Personen auch über ihre tatsächlichen Verhaltensskripte täuschen können und z.B. von Problemlösetätigkeit absehen, obwohl diese notwendig wäre[3].

Den subjektiv wahrgenommenen Fähigkeiten kommt als solches keine motivationale Wirkung zu: etwas prinzipiell zu können ist noch kein Grund, es auch tun zu wollen. Aber sobald implizite und/oder explizite Motive aktiv sind, müssen sie für ihre Verwirklichung auf skriptbasierte Handlungen – oder Problemlösen – zurückgreifen.

3.3 Funktionale Mechanismen

3.3.1 Volition

Volition (umgangsprachlich: Willenskraft) bezeichnet im Kehrschen Modell bewusste Strategien oder unbewusste Mechanismen der Selbstregulation. Diese helfen durch Handlungskonflikte verursachte interne Handlungsbarrieren während der Entscheidungsfindung (prädezisional) und bei der Entscheidungsdurchsetzung (postdezisional) zu überwinden (Kehr, 1999). Dies geschieht durch Förderung gewünschter Handlungstendenzen (z.B. durch „Selbstanfeuerung“) oder Unterdrückung konkurrierender Handlungsimpulse, z.B. in Form von Emotions-, oder Entscheidungskontrolle. Strategien und Mechanismen der Volition bedürfen zusätzlichen Aufwands an kognitiven Ressourcen (Muraven & Baumeister, 2000) und können bei dauerhaftem Einsatz zur volitionalen Erschöpfung, d.h. der Aufgabe des Handlungsziels, führen (siehe z.B.: Kehr, 2004a).

3.3.2 Problemlösen

Im Gegensatz zur Volition bezeichnet die zweite funktionale Komponente des Modells, das Problemlösen, nach außen gerichtete Verhaltensweisen, die auf die Überwindung externaler Barrieren gerichtet sind. Die Funktion des Problemlösens besteht in der Kompensation eines Mangels an (z.B. fehlendes Wissen) oder Unterbrechung von (z.B. persönliche Fehler) routinisierten Verhaltensskripte, wobei es sich, da an die subjektive Wahrnehmung dieses Mangels gebunden, immer um einen bewussten Prozess handelt. Problemlösen ist in diesem Sinne eine bewusste Kompensationsstrategie für mangelnde Selbstwirksamkeitserwartungen im Hinblick auf die Manipulation der Umwelt. Dabei ist Problemlösen im Kompensationsmodell weit gefasst und kann einfaches Nachfragen, Recherche, Lesen in einer Anleitung, aber auch Herumexperimentieren oder systematisches Erschließen von unbekannten Situationen bedeuten. In der Metapher des Paares ist Problemlösen also der findige Diener, der gefragt ist, wenn die Fähigkeiten des Hausmannes (subjektive Fähigkeiten) versagen, wobei die Hausfrau (Motive) bestimmt, was überhaupt zu tun ist - oder einen Coach (Volition) zurate zieht, wenn sie sich nicht entscheiden kann (Mann und Frau sind in diesem Bild natürlich austauschbar).

Die Wahrscheinlichkeit für das Scheitern einer Handlung ist am höchsten, wenn sowohl Problemlösen als auch Volition aktiviert werden müssen, da beide Ressourcen verschleißen.

Wichtig für diesen Essay ist zudem, dass in der Konzeption Kehrs Problemlösen nie mit Flow-Erleben assoziiert sein kann. Flow-Erleben kann im Sinne des Kompensationsmodells nur zustande kommen, wenn alle drei strukturellen Komponenten kongruent sind, es also weder der Volition noch des Problemlösens bedarf (diese Kongruenz ist, im Gegensatz zur Konzeption Csikszentmihalyis, wichtiger als das Passungsniveau der Aufgabe; vgl. Kehr, 2004c).

3.4 Implikationen des Kompensationsmodells für die Untersuchung des Problemlösens

Bevor einige Leitgesichtspunkte zur Analyse empirischer Problemlösestudien aus dem Modell extrahiert werden, soll die Zusammenführung des Kehrschen Modells mit der Problemlöseforschung reflektiert werden: Der theoretische Fokus des Kompensationsmodells liegt nicht auf der Untersuchung des Problemlösens, sondern auf den basalen Konstituenten jeglichen motivierten Handelns. Problemlösen ist vielmehr als eine Art „Ergänzungsstrategie“ oder „Spezialfall“ motivierten Handelns konzipiert, der nur unter bestimmten Bedingungen auftritt bzw. relevant wird, ohne aber über dessen eigene Struktur genauere Aussagen zu machen. So finden sich in der Konzeption Kehrs kaum Aussagen über Qualität und Quantität problemlösenden Denkens und Handelns.

In Problemlösestudien hingegen ist die experimentelle Herstellung dieses Spezialfalls oft Voraussetzung und durch die Untersuchungssituation/Problemlöseaufgabe gegeben. Im Normalfall gibt es keine Studiendesigns, in denen Problemlöseaktivität in einer Gruppe induziert wird, während eine Kontrollgruppe eine vergleichbare Tätigkeit unter Routineaktivität vollzieht (und noch weniger Studien, die dann noch die Wirkung von Motivation untersuchen).

Es handelt sich also einmal, im Falle des Kompensationsmodells, um eine Bedingungsanalyse, hingegen es bei den Problemlösestudien es meistens um eine Struktur- oder Funktionsanalyse (z.B. der Leistung) des Problemlösens zu tun ist[4]. Um die Implikationen des Kompensationsmodells empirisch zu überprüfen, was die Zielstellung dieser Arbeit ist, bedarf es Studiendesigns, in denen Problemlösen eine quantifizierbare Handlungsoption darstellt (oder nur in einer Gruppe induziert wird), aber nicht vom Versuchsdesign zwingend hergestellt wird.

Für folgende Hypothesen, die sich aus dem Kompensationsmodell ableiten lassen, sind empirische Studien im dargelegten Sinn herangezogen worden:

1. Problemlösen ist der Kompensationsmechanismus für mangelnde Selbstwirksamkeitserwartungen bzw. fehlende Verhaltensskripte und wird nur nötig, wenn diese nicht oder in unzureichendem Ausmaß vorhanden sind. An sich hat dieser Satz tautologischen Gehalt und entzieht sich deshalb der empirischen Prüfbarkeit: Es tritt nur Problemlösen auf, wenn keine routinisierten Verhaltensskripte vorhanden sind. Problemlösen aber selbst ist bei Kehr definiert durch die Abwesenheit dieser Skripte (Kehr, 2004c). Der Satz muss in einer relationale Zusammenhangshypothese transformiert werden, um empirisch zugänglich zu sein:

Hypothese 1: Je größer der Mangel an Selbstwirksamkeitserwartung, desto größer die Aktivierung von Problemlöseaktivitäten.

2. Volition und Problemlösen erfüllen unterschiedliche Funktionen. Volition wird notwendig, wenn internale Barrieren, Problemlösen, wenn externale Barrieren zu überwinden sind.

Hypothese 2: Volitionsstrategien werden zur Bewältigung internaler Barrieren, Problemlösestrategien zur Bewältigung externaler Barrieren aktiviert.

3. Problemlöseaktivität ist gleichbedeutend mit dem Mangel an subjektiven Fähigkeiten und kann deshalb nicht mit Flow-Erleben assoziiert sein, da für dieses alle drei strukturellen Komponenten motivierten Handelns aktiviert sein müssen.

Hypothese 3: Während der Problemlösetätigkeit kann kein Flow-Erleben auftreten.

Eine weitere mögliche Hypothese über den negativen Zusammenhang von Problemlöseaktivität und der Erschöpfung von kognitiven Ressourcen soll hier nur erwähnt werden (Hinweise für einen solchen Zusammenhang liefert eine Studie von Vollmeyer & Rheinberg, 1998, in welcher u.a. die Konzentration bei einer Problemlöseaufgabe in Abhängigkeit von Erfolgs-/Misserfolgserwartung gemessen wurde).

4 Empirische Befunde

Bei der Analyse der folgenden Studien soll sich vor allem auf die für die aufgestellten Hypothesen relevanten Aspekte beschränkt und von einer eingehenden methodischen Kritik abgesehen werden.

4.1 Hypothese 1: Je größer der Mangel an Selbstwirksamkeitserwartung, desto größer die Aktivierung von Problemlöseaktivitäten.

Die erste Hypothese thematisiert die Selbstwirksamkeitserwartung (SWE) in ihrer relationalen Beziehung zur Häufigkeit von Problemlöseaktivitäten. Zwar gibt es Befunde, die (wenig überraschend) dafür sprechen, dass eine höhere SWE die Problemlöse leistung verbessert (z.B. beim Lösen mathematischer Probleme bei Pajares & Miller, 1994). Für die Frage aber, in welchem Maß sich Selbstwirksamkeit auf die Häufigkeit der Aktivierung von Problemlösetätigkeiten auswirkt, bedarf es eines Settings, in dem die Quantität von Problemlöseaktionen mit der SWE in Beziehung gesetzt wird.

4.1.1 Studie von Hesse et al. (1983)

Diese Kriterien erfüllt zumindest teilweise die Studie von Hesse, Spies und Lüer zum „Einfluß motivationaler Faktoren auf das Problemlöseverhalten im Umgang mit komplexen Problemen“ (Hesse et al., 1983). Untersucht werden sollte, wie sich einerseits eine Variation in der Motivation, andererseits die Erfolgsmotivation und Misserfolgsmotivation[5] (E / M) auf die Problemlöseleistung, -aktivität und –qualität auswirken. Im Kontext dieser Arbeit soll sich allein auf den letzteren Aspekt, die Wirkung von E / M konzentriert werden. 60 Versuchspersonen wurden mit einem Taschenrechnerszenario konfrontiert, in dem sie eine Epidemie durch unterschiedliche Maßnahmen eindämmen sollten. Neben der Induktion von verschiedenen Betroffenheitsgraden (hier zu vernachlässigende Motivationsinduktion) wurde die E / M anhand des „Achievement Motivation Scale“ von Nygard & Gjesme (1973) zu Beginn des Versuches erfasst. Die Versuchspersonen hatten nach jedem der 20 Versuchsdurchgänge die Möglichkeit, vom Versuchsleiter eine oder mehrere Systemvariablen neu zu erfragen und sich Notizen zu machen, mussten dies aber nicht tun. Als abhängige Variablen wurden u.a. die Quantität und Qualität der gestellten Fragen erhoben. Post Hoc wurden die Versuchspersonen in Erfolgs- und Misserfolgsmotivierte eingeteilt. Dabei verzeichneten die Autoren u.a. folgende Befunde:

- Die Gesamtzahl der gestellten Nachfragen ist in der Gruppe der Erfolgsmotivierten deutlich höher als in der Gruppe der Misserfolgsmotivierten
- Die Häufigkeit der Fragen nimmt für Misserfolgsmotivierte im Verlauf des Versuches ab, während bei Erfolgsmotivierten eine leichte Zunahme zu verzeichnen ist.

Über den Zusammenhang von Qualität und Quantität der Notizen und E / M ist leider keine Aussage gemacht worden.

[...]


[1] Das Kompensationsmodell scheint für die Verbindung von Motivationsforschung und Problemlösen besonders geeignet, weil es die einzige dem Autor bekannte Motivationstheorie ist, in der das Problemlösen explizit verortet und Bestandteil der Modellkonzeption ist.

[2] Eine weitere Differenzierung zwischen einfachen und komplexen Problemen soll zunächst nicht erfolgen

[3] allerdings sind die wahrgenommenen und tatsächlichen Fähigkeiten grundsätzlich hoch korreliert (vgl. hierzu: Lord&Kernan, 1987).

[4] Das heißt natürlich nicht, dass das Kompensationsmodell nicht motiviertes Handeln in seiner Struktur untersucht. Nur Problemlösen ist hier eben ein spezielles, funktionales Element der Struktur jeglichen motivierten Handelns. Zwar ließe sich einwenden, man könne das Problemlösen selbst auch als Fall motivierten Handelns betrachten, für den es wiederum explizite, implizite Motive und subjektiv wahrgenommene Fähigkeiten braucht. Man könnte dann untersuchen, wie sich die Motivkongruenz oder -differenz auf die Problemlöseleistung auswirkt o.ä. (auch hierfür lassen sich im Übrigen keine Studien finden). Einer solchen Konzeption aber entginge die Spezifik der Aussagen, die das Modell über das Problemlösen trifft (das Problemlösen wiche vielmehr „eine Ebene zurück“ als eine Art „Problemlösen im Problemlösen“ usf.). Die gewonnenen Erkenntnisse bezögen sich auf jede Art motivierten Handelns und es wäre nicht erklärbar, warum gerade das Problemlösen mit dem Kompensationsmodell in Zusammenhang gebracht werden sollte.

[5] Erfolgsmotivation bezeichnet das Überwiegen der Hoffnung auf Erfolg im Gegensatz zur Furcht auf Misserfolg, während Misserfolgsmotivation das Umgekehrte bezeichnet (vgl. Fries, 2002).

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Problemlösen und Motivation
Untertitel
Theorie und Empirie eines ungleichen Paars
Hochschule
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg  (Psychologisches Institut)
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
18
Katalognummer
V192501
ISBN (eBook)
9783656174677
ISBN (Buch)
9783656175018
Dateigröße
574 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
In Zusammenarbeit mit Cécile Loetz
Schlagworte
problemlösen, motivation, theorie, empirie, paars
Arbeit zitieren
Jakob Müller (Autor), 2012, Problemlösen und Motivation, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192501

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