Altersvorsorge - Was die Schweiz von Schweden lernen kann


Seminararbeit, 2012
24 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Schweiz
2.1 Demografische Entwicklungen
2.2 Historische Entwicklungen der Altersvorsorge
2.3 Aufbau des schweizerischen Altersvorsorgesystems

3. Schweden
3.1 Demografische Entwicklungen
3.2 Historische Entwicklungen der Altersvorsorge
3.3 Aufbau des „schwedischen Modells“

4. Gegenüberstellung der beiden Altersvorsorgesysteme

5. Übertragbarkeit ausgewählter Elemente für die Schweiz
5.1 Das NDC-System
5.2 Skandinavische Charakteristika

6. Abschliessende Gedanken

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abstract

In dieser Arbeit werden die beiden Altersvorsorgesysteme von Schweden und der Schweiz miteinander verglichen und anhand des „schwedischen Altersvorsorgemodells“ potenzielle Verbesserungs- und Integrationsmöglichkeiten für das „schweizerische Altersvorsorgemodell“ gesucht. Bei diesem Vergleich stellte sich heraus, dass sich insbesondere zwei grosse Unterschiede hervorheben. Einerseits das in der ersten Säule des Vorsorgesystems von Schweden vorhandene innovative Berechnungssystem (NDC- System) und andererseits die skandinavische Charakteristika, welche die schwedische Gesellschaft sowie das Drei-Säulen-Modell prägen. Durch die Untersuchung der Übertragbarkeit der genannten Unterschiede wurde festgestellt, dass ein modifiziertes NDC-System durchaus in das schweizerische Altersvorsorgesystem integriert werden könnte. Ebenfalls zeigt die Untersuchung, dass die Implementierung der skandinavischen Charakteristika in der Schweizer Bevölkerung ein aufwändiger und langfristiger Prozess wäre.

1. Einleitung

Die Altersvorsorge erweckt weltweit den Anschein einer schier endlosen Debatte. Aufgrund der sich global ständig verändernden wirtschaftlichen, sozialen und politischen Bedingungen, müssen sich die Altersvorsorgesysteme immer wieder neu anpassen. Bis anhin, hatte sich das schweizerische Altersvorsorgesystem über eine lange Zeit bewährt. Neuste Umfragen zeigen aber, dass das Vertrauen der Bevölkerung in eine zukünftig gesicherte Rente und somit in das Altersvorsorgesystem der Schweiz, langsam abnimmt (vgl. Vimentis, 2012, S. 30). Man steht zwischen „Wunschdenken und Realität - dem Wunschdenken der während langer Zeit versprochenen hohen Rentenniveaus und der Realität einer nicht gewährleisteten Finanzierbarkeit“ (Burkhard, 2005, S. 7).

In einem Interview vom 16. Dezember 2011 meinte Altbundesrat Pascal Couchepin, dass die Schweizer AHV bald, voraussichtlich 2025, zum Problem wird. Die Krise sei noch nicht da, lasse sich aber nicht vermeiden. Es ist unumgänglich bis zu diesem Zeitpunkt, mögliche Lösungsansätze zu entwickeln. (Schweizer Fernsehen [SF] online, 2012)

Ziel der Arbeit ist es zu prüfen, welche Elemente des schwedischen Altersvorsorgesystems auf die Schweiz übertragbar sind. Damit bewegt sich die Arbeit in einem interdisziplinären Feld zwischen Volkswirtschaft, Sozialwissenschaft und Politikwissenschaft. Um den Reformbedarf zu prüfen, wird zuerst die Schweiz, deren demografische Begebenheiten, Geschichte und Aufbau des Altersvorsorgesystems aufgezeigt. Nachdem die Ansätze und Mechanismen des Schwedischen Systems ebenfalls dargestellt wurden, sind in einem zweiten Schritt die grössten Unterschiede auf gesellschaftlicher und vorsorgesystematischer Ebene aufzuzeigen. Schlussendlich wird in einem dritten Schritt geprüft und normativ gewertet, ob die herausgefilterten Unterschiede vorstellbare, ins schweizerische Altersvorsorgemodell zu integrierende Elemente sind.

Die Arbeit schränkt sich dadurch ein, dass sie nur eine ansatzweise Betrachtung der Grundzüge zulässt und weder einen umfassenden Vergleich der beiden Altersvorsorgesysteme, noch eine Entwicklung eines neuen schweizerischen Altersvorsorgesystems umfasst.

2. Schweiz

Die schweizerische Eidgenossenschaft zeichnet sich durch eine spezielle Regierungsform aus, welche vor allem durch den stark betonten Föderalismus und der Ausprägung der direkten Demokratie gekennzeichnet ist.

In der Schweiz leben rund 7,8 Mio. Menschen auf ca. 41‘285 km2. Dies sind pro Quadratkilometer rund 189 Einwohner. Im Vergleich zu den umliegenden Ländern ist die Schweiz eher klein und gut besiedelt. Die Arbeitslosenquote pendelt sich aktuell bei 4.1 % ein und hält sich seit Jahren relativ stabil. Die rund 4.766 Mio. Erwerbstätigen in der Schweiz verdienen durchschnittlich Brutto CHF 5‘979.- pro Monat. (Bundesamt für Statistik [BFS], 2012)

Die angegebenen Zahlen sollen als Indikatoren dazu beitragen, eventuelle landesspezifische Unterschiede zwischen Schweden und der Schweiz zu entdecken. Darum werden die Zahlen auch im Kapitel 3 für Schweden aufgeführt.

2.1 Demografische Entwicklungen

Die nachfolgende Abbildung zeigt die Bevölkerungsentwicklung der Schweiz 2010-2060. Dabei stützt sich BFS (2010) auf ein Referenzszenario, welches auf der Fortsetzung der Entwicklungen der letzten Jahre beruht (S. 5).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Alterspyramide Schweiz 2010 - 2060 (BFS, 2010).

Die Form des aktuellen Altersaufbaus der Schweizer Bevölkerung repräsentiert das Ergebnis langjähriger demografischer Prozesse. Darunter sind vor allem Fertilität, Sterblichkeit und Migration zu verstehen. Die Lebenserwartung bei der Geburt beträgt im Jahr 2011 für Männer 80.2 Jahre und für Frauen 84.6 Jahre. Ein Blick auf die Zahlen des BFS zeigt, dass die Lebenserwartung auch in Zukunft noch ansteigen wird, im Jahr 2060 soll die Lebenserwartung bei der Geburt für Männer bereits 86.1 Jahre und für Frauen 90.2 Jahre betragen. Eine gesunkene Alterssterblichkeit lässt die Menschen immer älterer werden. Dies ist grundsätzlich etwas Positives, bedeutet sie doch, dass wir ein längeres Leben bei besserer Gesundheit führen können. In der Fachsprache wird diese Verbreiterung der Spitze der Alterspyramide als „Alterung von oben“ bezeichnet. Ein Problem entsteht dann, wenn keine Kontinuität zwischen den Generationen mehr herrscht. Die nächste Generation wird durch die Geburtenziffer errechnet. Diese liegt bei 1.49 Kindern pro Frau im Jahr 2011, was auf eine leichte Abnahme der Fruchtbarkeit in der Schweiz hinweist. „Die demografische Alterung der Schweiz geht schon allein aus der Tatsache hervor, dass eine durchschnittliche Zahl von 2.1 Kinder je Frau (das so genannte „Bestandeserhaltungsniveau“) notwendig wäre, um die Bevölkerung längerfristig zu stabilisieren“ (BFS, 2008, S. 8). Aktuell liegt der Anteil an Personen ab 65 Jahren bei 17.1 %. Bereits im Jahr 2060 wird dieser Anteil auf ungefähr 28.3 % angestiegen sein. Währenddessen sinkt die Zahl, der sich im erwerbsfähigen Alter zwischen 20-64 Jahre befindenden Personen leicht, von 62.1 % auf 53.3 %. Einen Rückgang wird sich ebenfalls bei den 0-19 Jährigen verzeichnen lassen, ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung sinkt von 20.8 % im Jahr 2010 auf 18.4 % im Jahr 2060. (BFS, 2010) Diese Fakten lassen darauf schliessen, dass die Zukunft einen immer zahlenmässig, grösseren Unterschied zwischen jüngeren und älteren Generationen bringt und somit die nachhaltige Finanzierung der Altersrenten nicht mehr gewährleistet sein wird.

Im Folgenden Kapitel wird die AHV genauer betrachtet, diese stellt gemäss Degen (2006) das zentrale Institut im Schweizer Sozialstaat dar (S. 54).

2.2 Historische Entwicklungen der Altersvorsorge

Wie in vielen Ländern weckte die Industrialisierung gegen Ende des 19. Jahrhunderts auch in der Schweiz den Drang zu Fragen bezüglich der sozialen Sicherheit, resp. der Altersvorsorge. Zu dieser Zeit standen die Vorzeichen für die Einführung einer staatlichen Altersvorsorge ungünstig, da vor allem Hürden in der direkten Demokratie und dem Föderalismus ausgemacht wurden. Gleichzeitig entwickelte sich aber ein schnell florierender Markt für private Anbieter einer Altersvorsorge. In diesen Altersvorsorgesystemen waren einerseits private Versicherungsunternehmen und andererseits Pensionsleistungen von Unternehmen involviert. Die Unternehmen versuchten durch die angebotenen Pensionsleistungen die Motivation und Loyalität von Mitarbeiter zu steigern und gleichzeitig Forderungen von Gewerkschaften zu begrenzen. Im Volksmund wurden die privaten Altersvorsorgesysteme lange Zeit stark fragmentiert, da die garantierte Altersvorsorge trotzdem noch ein Privileg einer Minderheit war. (Patry, 2010, S. 240)

Die Kantone hatten wegen der fehlenden eidgenössischen Regelung zur Alters- und Invalidenversicherung freie Hand, trauten sich aber nicht an die schwierige Aufgabe der Schaffung einer Versicherung. Nach einem Generalstreik 1918, dessen Hauptforderung die Einführung der AHV war, wurden endlich richtungsweisende Zeichen vom Bund gesetzt. (Lauener, 2011, S. 40-43)

1925 erhielt der Bund durch eine Verfassungsänderung die Kompetenz zur Einführung einer AHV (Patry, 2010, S. 241). Die Durchsetzung einer staatlichen Altersvorsorge konnte aber erst 23 Jahre danach, am 1. Januar 1948 realisiert werden. „Ein Quantensprung in der Geschichte des schweizerischen Sozialstaates“ (Lauener, 2011, S.43). Im Jahre 1972 wurde dann die berufliche Vorsorge, als Ergänzung zur ersten Säule, ebenfalls in der Verfassung verankert (Bundesamt für Sozialversicherungen [BSV], 2012).

Die AHV wurde seither durch 11. AHV-Revisionen weiterentwickelt. Erwähnenswert sind dabei die Herabsetzung des Renteneintrittsalters für Frauen von 65 auf 63 und Verankerung eines Drei-Säulen-Systems in der Verfassung samt dessen Definition. Dabei soll die erste Säule (AHV) den Existenzbedarf sichern, die zweite (berufliche Vorsorge) und die dritte Säule (Selbstvorsorge) zusammen die Fortführung des gewohnten Lebensstandards gewährleisten. (Patry, 2010, S. 249-250)

Dieses Drei-Säulen-System ist das Fundament auf welches die Schweizer Altersvorsorge basiert. Beobachter bezeichnen das Vorsorgesystem oft auch als Vorbild im internationalen Vergleich (Poelchau, 2007, S. 236).

2.3 Aufbau des schweizerischen Altersvorsorgesystems

Die erste Säule besteht aus der staatlichen Vorsorge und hat wie schon erwähnt das Ziel, den Pensionierten den Existenzbedarf zu decken. Unter die erste Säule fallen die Alters- und Hinterbliebenenversicherung, die Invaliditätsversicherung und die Ergänzungsleistung. Bestandteile sind nicht abschliessend die Altersrente, Kinderrente, Invalidenrente, Invaliden-Kinderrente, Witwen-/Witwerrente und die Waisenrente. Obligatorisch versichert sind alle Personen mit Wohnsitz in der Schweiz und Personen die in der Schweiz erwerbstätig sind. Zusätzliche Versicherungsszenarien sind möglich. Die Finanzierung der ersten Säule erfolgt zu je 50 % durch den Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Die Beitragspflicht beginnt für Erwerbstätige ab dem 1. Januar nach dem 17. Geburtstag und für nicht Erwerbstätige ab dem 1. Januar nach dem 20. Geburtstag. Aktuell liegt der AHV Beitrag bei 5.15 % vom Bruttolohn. (AXA Winterthur, 2012)

Personen mit höherem Einkommen leisten höhere Beiträge und erhalten vergleichsweise niedrige AHV-Renten. Dieser Ausgleich zwischen Arm und Reich nähert sich dem Prinzip der absoluten Gleichheit an (Patry, 2010, S. 264) und zeigt den Solidaritätsgedanken der ersten Säule (AXA Winterthur, 2012).

Die Finanzierung erfolgt mittels des Umlageverfahrens, welches die aktuell bezahlten Beiträge direkt an Rentenberechtigte auszahlt.

Umlagesysteme funktionieren dadurch, dass das ins System einbezahlte Kapital direkt zur Finanzierung der aktuell laufenden Renten verwendet wird. Umlagesysteme sind gegenüber den Kapitaldeckungsmodellen, stark Demografie anfällig.

Kapitaldeckungsmodelle haben das Ziel, das einbezahlte Kapital für künftige individuelle Renten zu sparen. Dadurch muss das Verhältnis zwischen Erwerbstätigen und Rentenbezügern für die Vorsorge nicht berücksichtigt werden. (Credit Suisse Economic Research [CSER], 2007, S. 4)

Da die beiden Systeme jedoch beide ihre Stärken haben, ist es für Binswanger (2005) naheliegend, „dass nur eine Kombination der Systeme und Ihrer jeweiligen spezifischen Vorteile an das Ideal eines nachhaltigen Rentensystems führt (S. 86).

Die berufliche Vorsorge (zweite Vorsorge) gehört ebenfalls zur obligatorischen Vorsorge und soll zusammen mit den Leistungen der ersten Säule die Fortführung des Lebensstandards garantieren. Versichert sind die ArbeitnehmerInnen, die schon in der ersten Säule versichert und mindestens CHF 20‘880 im Jahr verdienen (Stand 2012). Ab Antritt des Arbeitsverhältnisses, aber frühestens ab dem 1. Januar nach dem 17. Geburtstag ist man gegen Invalidität und Tod versichert und ab dem 1. Januar nach dem 24, Geburtstag wird zusätzlich für die Altersleistungen angespart. (BSV, 2012)

Finanziert wird die berufliche Vorsorge durch die Beiträge der Arbeitgeber und Arbeitnehmer in einem Kapitaldeckungsverfahren (BFS, 2008, S. 24). Dabei muss der Beitrag des Arbeitgebers mindestens so hoch sein, wie derjenige der ArbeitnehmerInnen. Bezogen werden kann die Altersleistung im BVG auch vor dem ordentlichen Renteneintrittsalter. Die Altersleistungen werden damit jedoch reduziert. In der zweiten Säule liefert vor allem der Umwandlungssatz Diskussionsstoff, da dieser aufgrund der sinkenden Zinserträge auf den Altersguthaben immer mehr kleinerer ausfällt. Der Umwandlungssatz ist dabei der Umrechnungsfaktor, mit welchem das angesparte Altersguthaben in eine Altersrente umgewandelt wird. Der Umwandlungssatz wird auf Basis der durchschnittlichen Lebenserwartung vom Bundesrat festgelegt. (BSV, 2012)

Die private Vorsorge (dritte Säule) besteht zentral aus eigenverantwortlichem sparen, welches steuerbegünstigt ist. Bei der Benutzung der dritten Säule steht vielfach ein Sicherheitsgedanken dahinter. Das Ziel kann das Schliessen von Vorsorgelücken, die Absicherung bei Erwerbsunfähigkeit oder die Unterstützung des Altersguthabens sein. Vorsorgekapital in der dritten Säule kann zudem investiert werden und eignet sich speziell für die Finanzierung von Wohneigentum. (AXA Winterthur, 2012)

Die Darstellung des Altersvorsorgesystems der Schweiz soll nur für einen Vergleich mit dem Altersvorsorgesystem von Schweden dienen und ist deshalb nicht im Detail erklärt.

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Ende der Leseprobe aus 24 Seiten

Details

Titel
Altersvorsorge - Was die Schweiz von Schweden lernen kann
Hochschule
Universität St. Gallen
Autor
Jahr
2012
Seiten
24
Katalognummer
V192508
ISBN (eBook)
9783656174653
ISBN (Buch)
9783656175100
Dateigröße
755 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
altersvorsorge, schweiz, schweden
Arbeit zitieren
Dominic Keel (Autor), 2012, Altersvorsorge - Was die Schweiz von Schweden lernen kann, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192508

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