Das Dogma der Unfehlbarkeit in Peter Hünermanns "Dogmatischer Prinzipienlehre" und im Film "Dogma"


Hausarbeit, 2012
22 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmung nach Peter Hünermann

3. Quellen des verbindlichen Verständnisses christlichen Glaubens

4. Die Aufgabe der dogmatischen Prinzipienlehre
4.1. Prinzipielle Anfragen an die Dogmatik
4.2. Leitende Perspektiven der dogmatischen Prinzipienlehre

5. Die Unfehlbarkeitsfrage bei Peter Hünermann
5.1. Definition der päpstlichen Unfehlbarkeit
5.2. Kritikpunkte an der Definition der Unfehlbarkeit des Papstes

6. Dogma von Kevin Smith

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Unfehlbarkeit des Papstes ist ein Dogma ebenso wie die unbefleckte Empfängnis Mariens. Peter Hünermann beschäftigte sich mit dieser Unfehlbarkeitsfrage eingehend in seinem Buch „Dogmatische Prinzipienlehre. Glaube - Überlieferung – Theologie als Sprach- und Wahrheitsgeschehen“. In der vorliegenden Hausarbeit sollen nun Peter Hünermanns Ausführungen zur Unfehlbarkeit des Papstes hinsichtlich des I. und II. Vatikanums erläutert werden. Wie ist Unfehlbarkeit zu definieren? Welche Kritikpunkte nennt Peter Hünermann? Als Basis muss vorweg geklärt werden, was unter Dogmatik und Dogma jeweils zu verstehen ist, wobei sich hier nur auf katholische Auffassungen begrenzt wird. Dies soll mit Peter Hünermanns Ausführungen erläutert werden, wobei diesbezüglich auch auf die Quellen des Verständnisses christlichen Glaubens eingegangen werden soll. Des Weiteren soll ebenfalls vorab die Aufgabe einer dogmatischen Prinzipienlehre hinsichtlich prinzipieller Anfragen an die Dogmatik und der leitenden Perspektiven der dogmatischen Prinzipienlehre erläutert werden. In einem weiteren Punkt wird der Film Dogma vorgestellt und es wird versucht, ihn mit Peter Hünermanns Dogmatischen Prinzipienlehre in Zusammenhang zu bringen. Diesbezüglich stellen sich die Fragen: Inwiefern werden das Thema Dogma und speziell das Dogma der Unfehlbarkeit aufgegriffen? Ist der Titel des Films gerechtfertigt? Im Folgenden wird sich hauptsächlich auf die Passagen „A. Die Aufgabe einer dogmatischen Prinzipienlehre“ und „C. Kirchliche Lehrstrukturen als Sprach- und Wahrheitsinstanzen“ aus Peter Hünermanns Dogmatischen Prinzipienlehre bezogen.

2. Begriffsbestimmung nach Peter Hünermann

Peter Hünermann versteht unter dem Begriff Dogma Folgendes: „Das Wort Dogma bezeichnet in der klassischen griechischen Philosophie wie im Hellenismus die philosophische Lehrmeinung, den veröffentlichten Beschluss der öffentlichen Autorität und die religiöse Lehre“.[1] Im Gegensatz dazu steht die Bezeichnung des Wortes Dogma im Neuen Testament, wo es ein kaiserliches Edikt oder die Beschlüsse des Apostelkonzils darstellt.[2] Bei der Patristik „wird von den göttlichen Dogmata gesprochen (Ign Magn 13,1), von menschlichen Lehren, von kirchlichen oder irrgläubigen Dogmen. Daneben werden öffentliche Edikte als Dogmen charakterisiert.“[3] Erst im 18. Jahrhundert kommt es dazu, dass der Begriff Dogma zu einem gebräuchlichen Terminus der Theologen wird, was mit der theologischen Disziplin theologia dogmatica zusammenhängt.

Peter Hünermann definiert in einem aus dem Text hervorgehobenen Satz 1 Dogmatik als „die theologische Wissenschaft, welche das verbindliche Verständnis des christlichen Glaubens aus den primären und sekundären Quellen entsprechend den theologischen Kriterien erhebt und darstellt.“[4] Dogmatik bezieht sich auf Glaubenssätze und hängt von kirchlichen Kundgebungen ab, daher ist der christliche Glaube folglich Gegenstand der Dogmatik.[5] In ihr geht es um die Glaubenseinsicht - den „ intellectus fidei, und darin ist eingeschlossen, dass der christliche Glaube im Blick auf das Verstehen der Menschen, d.h. im Blick auf eine gegebene, geschichtliche Lage, die kulturelle und soziale Großsituation [,] entfaltet wird.“[6] Aufgrund dessen ist zu erwähnen, dass Dogmatik einen Zeitbezug innehat und mit der Glaubensauslegung in die Öffentlichkeit hinein zu tun hat.[7] Die Bezeichnung „vom verbindlichen Verständnis christlichen Glaubens“[8] kennzeichnet laut Peter Hünermann Dogmatik näher, da sie dieses Verständnis zu erheben hat. Verbindlich ist der christliche Glaube insofern, dass dieser von Anfang an eine frohe Botschaft für den Menschen darstellt, da sie den „Menschen befreit und Gottes Heil zusagt, zugleich aber die Menschen einfordert und beansprucht. Diese Verbindlichkeit resultiert daraus, dass die Sache des Evangeliums Gottes Offenbarung ist.“[9] Da sich Gott selbst und seinen Heilswillen geoffenbart hat, setzt der Glaube auf das Wirken Gottes. Christlichem Glauben kommt daher ein spezifischer Anspruch zu: „Christlicher Glaube wendet sich an die Freiheit und Verantwortlichkeit der Menschen, er fordert die freie Anerkennung seiner Geltung.“[10] Aufgrund dessen hat der christliche Glaube einen verbindlichen Charakter, weshalb wiederum die Kirche „den Glauben gar nicht anders denn als verbindlichen und in verbindlicher Form verkünden.“[11] Diesbezüglich ist anzumerken, dass der Glaube nicht durch die kirchliche Autorität oder den Papst verbindlich gemacht wird. Denn Glaube besitzt von sich selbst her schon Geltungs- und Verbindlichkeitscharakter, weshalb auch die Kirche den Glauben verbindlich darbieten muss.[12] So reicht es nicht aus zu sagen, dass Dogmatik die „vorgelegte Glaubensverkündigung der Kirche wissenschaftlich zu bearbeiten und zu reflektieren“[13] hat, da dieser Gedanke stark verkürzt ist und zu Missverständnissen führen kann. Bei Dogmatik geht es schließlich um das Verständnis christlichen Glaubens. Dieses Verstehen, welches mithilfe der Dogmatik erarbeitet werden soll, impliziert zwar Vergangenheit, bezieht sich aber auf die Gegenwart und ist für Zukünftiges offen und erhält dadurch ihre Verbindlichkeit.[14] „Dogmatik muss so […] die Zeugnisse des Glaubens befragen und untersuchen“.[15] Dies ist nicht nur eine zukunftsorientierte und zugleich kreative Leistung, sondern auch „eine auf die Heilsgeschichte zurückgreifende, gleichwohl nach vorne gewandte und zukunftsorientierte hermeneutische Tätigkeit.“[16] Umgekehrt lässt sich nach Peter Hünermann ebenfalls sagen, „dass das theologisch erarbeitete Verständnis des christlichen Glaubens die Identität des Glaubens in der Zeit und so den Fortbestand der Glaubensgemeinschaft erst vermittelt und bekräftigt“.[17] Woher erhebt die Dogmatik dieses verbindliche Verständnis des christlichen Glaubens?

3. Quellen des verbindlichen Verständnisses christlichen Glaubens

Peter Hünermann gibt zwei Quellen als Zeugnisse für das verbindliche Verständnis christlichen Glaubens an: primäre und sekundäre Quellen. Zu den primären Quellen, welche als das maßgebliche und normierende Glaubenszeugnis zu verstehen sind, „gehören die Schrift und die apostolische Tradition, wie sie […] in den ältesten Bekenntnisformeln und Glaubensregeln“[18] zu finden sind. Mit Schrift meint Peter Hünermann kanonische, alttestamentliche und neutestamentliche Schriften, die sich auf das Ereignis um Christus einschließlich der darauf bezogenen Prophezeiung und Ankündigung beziehen. Die primären Quellen haben folglich eine normative Gestalt inne und werden auch als norma normans bezeichnet. Hinzu kommen nun die sekundären beziehungsweise nachgeordneten Quellen – die normierten Normen, die norma normata. Zu dieser Art von Glaubensüberlieferung zählen „die unterschiedlichen Gestalten und Formen des universalen Bekenntnis- und Überlieferungsprozesses des Glaubens durch die Gesamtkirche.“[19] An dieser Stelle führt Peter Hünermann speziell die ersten beiden Gestalten auf: der Glaubenssinn der Gläubigen (sensus fidelium) und „die übereinstimmende amtliche Verkündigung des Glaubens“[20] (magisterium ordinarium). Neben diesem ordentlichen Lehramt der Bischöfe, das beispielsweise in Predigten und Katechesen vollzogen wird, existiert noch das außerordentliche Lehramt (magisterium extraordinarium), welches folgende Organe beinhaltet: Konzilien, „Synoden bzw. das Bischofskollegium mit dem Papst sowie das päpstliche Lehramt in seinen außerordentlichen Formen.“[21] Da die sekundären Quellen an die primären rückgebunden sind, entspricht die übereinstimmende Lehre der Kirchenväter und Theologen (unanimis consensus patrum et theologorum) einer norma normata.[22]

4. Die Aufgabe der dogmatischen Prinzipienlehre

In Satz 2 umreißt Peter Hünermann die Aufgabe der Dogmatik folgendermaßen: „Die prinzipiellen Anfragen an die Dogmatik und ihre Vollzüge fordern eine dogmatische Prinzipienlehre heraus, die das Verhältnis von christlichem Glauben und maßgeblichen Glaubenszeugnissen, wesentlichen Überlieferungsformen und –instanzen sowie der Dogmatik in ihrer Wissenschaftlichkeit als Sprach- und Wahrheitsgeschehen reflektiert. Eine solche Aufgabe setzt eine transzendental-sprachliche Methode voraus.“[23] Welches sind nun die prinzipiellen Anfragen an die Dogmatik?

4.1. Prinzipielle Anfragen an die Dogmatik

Mit den prinzipiellen Anfragen meint Peter Hünermann folgende drei: die Triftigkeit der Glaubenssprache (also das Glaubensverständnis), die Überlieferungsformen und Instanzen des Glaubens und inwiefern Dogmatik einen Wissenschaftscharakter aufweist.[24] Triftigkeit bedeutet, dass diese Sprache des Glaubens auch wirklich etwas besagt. Gerade hier manifestiert sich heutzutage eine Problematik, wenn davon die Sprache ist, dass Glaube einem nichts sagt und behauptet wird, dass Glaube keine Relevanz für das Leben habe.[25] Wissenschaftlich gesehen wurde diesbezüglich eine These aufgestellt: „Sätze, in denen von Gott, von seinem Wirken und vom Verhältnis Gottes zum Menschen die Rede ist, sind nicht wahr oder falsch, sondern sinnlos, weil sie sich nicht auf irgendeine ,Sache‘ beziehen.“[26] Thesen wie diese erfüllen laut Peter Hünermann nicht die strukturellen Bedingungen, die nötig wären, um sinnvoll zu sprechen. Dennoch werden mit solchen Aussagen der christliche Glaube und seine Wissenschaft in Frage gestellt. Daher stellt die Unterstellung, „die Glaubenssprache sei kein triftiges Sprechen“,[27] die radikalste Problematisierung christlichen Glaubens und der Dogmatik dar. Auf diese Problematik lässt sich aber nicht mit einem Beweis, dass Gott existiere, antworten. Denn dies würde „die gemeinsame Annahme der streitenden Parteien, dass es ein Absolutum, etwas Unbedingtes gibt, von dem her die Wirklichkeit, das menschliche Dasein, der Sinn der Geschichte zu verstehen sind“,[28] voraussetzen. Der Beweis Gottes hat dann die Funktion inne, eine angemessene Interpretation dieses Absoluten näher zu definieren. Wenn aber die Glaubenssprache in Bezug auf die Sprachstrukturen grundsätzlich als sinnlos eingestuft wird, kann der Gottesbeweis auch nicht weiterhelfen, da dieser eine Phantomargumentation ist. Wenn nun aber die Dogmatik auf diese Problematik antworten soll, muss zunächst die Triftigkeit beziehungsweise die Aussagekraft der Glaubenssprache thematisiert werden. Dies ist die Grundlage für das Aufweisen der Beschaffenheit des Erkenntnisweges (aber auch der Weg des Glaubens und der des Denkens) zu Gott. Dies schließt nach Peter Hünermann die Frage nach dem Wahrheitsgeschehen in der Dogmatik ein.[29] Der Sinn von Wahrheit wird mit folgender auf der aristotelischen Philosophie begründeten Formel umschrieben: „Veritas est adaequatio intellectus et rei, Wahrheit besteht in der Angleichung von Intellekt und Sache.“[30] Diese Aussage setzt nun aber nicht voraus (und kann auch nicht voraussetzen), „dass Menschen irgendwo in sprachloser Weise den Sachverhalten begegnen.“[31] Denn alle die Menschen betreffenden Sachverhalte begegnen einem im Raum des Denkens, wo sie - sprachlich gesehen - verstanden und ausgedrückt werden können. Dies ist aber gleichzeitig aufklärungsbedürftig. Der Intellekt und die Sache stehen sich daher nicht abstrakt gegenüber.[32] Die Sache geht „immer im intellectus und in der Sprache auf, und Sprache und intellectus ihrerseits sind leer, wo sie sich nicht auf irgendeine Sachhaltigkeit, einen Sachverhalt beziehen.“[33] Daraus lassen sich zwei Konsequenzen ziehen – zum einen geht es beim Denken darum, auch wirklich etwas zu denken. Das Etwas ist nichts Ausgedachtes. Vielmehr ist die Sache beziehungsweise das Gegenüber des Denkens interessant. Daher zielt „sinnvolle“ Sprache darauf ab „das, was ist, zur Sprache zu bringen und sich nicht an Worten zu berauschen.“[34] Denken und Sprache sind von einem Referenzbezug, der grundlegend ist, gekennzeichnet und in ihnen zeigt sich eine ebenfalls elementare Differenz und Bezüglichkeit. Auch wenn es beim Denken um das Denken und bei der Sprache um die Sprache geht, erhalten Denken und Sprache die Stellung dessen, was ist – also des Sachverhaltes, „an dem sich das Denken, die Sprache jeweils zu orientieren hat.“[35] Auch dort hält sich die Beziehung der Angleichung von Intellekt und Sache durch. Die zweite Konsequenz ist folgende: Sowohl im Denken als auch durch das Denken und auch in und durch die Sprache wird geklärt, ob in dem jeweils vorliegenden Fall ein sachhaltiger Bezug vorliegt und wenn ja, wie dieser dann beschaffen ist.[36] Ein solches Verhältnis kann jedoch nicht von außen untersucht werden, weil das Denken und die Sprache durch eine grundlegende „Selbstbezüglichkeit und der rationalen Offenheit für anderes geprägt“[37] sind. Wahrheit als Angleichung von Intellekt und Sache – als Vergewisserung – ergibt sich nicht nur im Intellekt, sondern auch in der Sprache und im Denken. Um zu klären, ob eine angemessene Beziehung von intellectus et rei (aber auch von Sprache und Sache) vorliegt, sind einerseits verschiedene Begründungen heranzuziehen. Begründungen können beispielsweise Gesetze, Erfahrungen, Beobachtungen oder Übereinstimmungen mit anderen sein, da diese Beispiele ebenfalls Sachverhalte innehaben, auf die zurückgegriffen werden kann, die aber auch gedanklich erfasst und sprachlich benannt werden können. Andererseits ist allgemein zu einer solchen Aufklärung von der Beziehung zwischen Denken und Sprache die Anwendung unterschiedlichster Kriterien möglich. So stellen beispielsweise der Zusammenhang mit anderen Sachverhalten und die Übereinstimmung mit anderen Menschen, die denken und sprechen, wichtige Kriterien dar.[38] Daher ist die Triftigkeit der Glaubenssprache in Hinsicht auf „ihre Sachbezogenheit durch eine Reflexion auf die Glaubenssprache aufzuklären“.[39] Das Denken muss sich mit der Problematisierung der Glaubenssprache und ihrer Sachbezogenheit auseinandersetzen, damit beurteilt werden kann, ob diesbezüglich Sprachformen ohne Sachbezug vorhanden sind. Solche Sprachformen, die sinnlos sind und der Glaubenssprache jegliche Bedeutung aberkennen.[40] Bei einer dementsprechenden Überprüfung wird sich zum einen zeigen, ob die Glaubenssprache eher eine sogenannte Regelsprache ist, und zum anderen, wie „der Mensch möglicherweise den Weg zu Gott, den Weg zu solchem sachhaltigen Sprechen von Gott finden kann.“[41]

Neben der Triftigkeit der Glaubenssprache gilt es nun – wie bereits oben erwähnt - die Überlieferungsformen und Instanzen als weitere Problematik des Glaubens näher zu betrachten. Schrift und Kanon – die sogenannten regulae fidei –stellen die wesentlichen Überlieferungsformen und Instanzen des Glaubens dar, welche sich geschichtlich entfalten. Die heutige Wissenschaft macht es möglich, solche normativen Instanzen beziehungsweise geschichtlich entwickelte Institutionen, die aus mehreren Bündeln von Ursachen hervorgehen, aufzuklären. Zur Klärung der Entstehung von Institutionen können viele Gründe ermittelt werden, die mit der Entstehung etwas zu tun haben.[42] Dazu gehören beispielsweise „soziologische Gründe, psychologische Motive, politische Umstände, Machtkonstellationen“,[43] aber auch Analogien im öffentlichen Bereich. Instanzen, die sich geschichtlich entwickeln, haben gleichzeitig und aufgrund der Geschichtlichkeit das Merkmal der Endlichkeit inne. Des Weiteren sind sie bedingt und daher auch kontingent. Peter Hünermann fragt sich nun - die oben angesprochene Problematik betreffend - ob diese Instanzen und Überlieferungsformen Normen eines Wahrheitsgeschehens darstellen beziehungsweise Wahrheitsinstanzen sind und ob sie Strukturen aufweisen, welche sie erst zu Wahrheitsinstanzen machen. Dies soll aber nicht heißen, dass damit die Wahrheit des Glaubens, welcher durch Instanzen vermittelt ist, in Frage gestellt wird. Auch wenn der Heilige Geist die Kirche in alle Wahrheiten einführt, hilft es nicht, sich auf ihn zu berufen, um diese Problematik bearbeiten zu können.[44] Zusätzlich anzumerken ist, dass die Instanzen nicht nur „,innertheologisch‘ aus den Prinzipien des Christentums und aus der Verfassung der Kirche“[45] abzuleiten sind, da die Herleitung kein gradliniger Vorgang ist. Daher werden neben den innertheologischen beziehungsweise innerkirchlichen Prinzipien noch die philosophischen gebraucht.

Die dritte Problematik bezieht sich auf den Wissenschaftscharakter der Dogmatik. Wie oben bereits erwähnt, ist dieser umstritten und besteht „in der Erarbeitung des Glaubensverständnisses vornehmlich in der Beachtung der eigentümlichen Kriterien“.[46] In Hinsicht auf diese Kriterien und Arbeitsweisen der Dogmatik haben sich geschichtliche Wandlungen ergeben. Diesbezüglich stellt sich Peter Hünermann die Frage, ob bei der Auflistung der Kriterien und der Herausbildung der Arbeitsweisen „nicht externe Faktoren eine enorme Rolle gespielt haben“.[47] Solche Anfragen an die Kriteriologie und Methodologie, die von außen kommen, lassen kritische Stimmen aus der Kirche und der Theologie laut werden. Es werden immer wieder Fragen aufgeworfen wie: Verdecken Methodologien, „wie sie in Bezug auf biblische Texte heutzutage eingeführt sind, nicht den Sinn und die eigene Aussageintention der neutestamentlichen Schriften eher“[48] als sie aufzudecken? Oder: Müsse „man nicht die patristische bzw. mittelalterliche Arbeitsweise in der Erhebung des Glaubensverständnisses neu zum Leben erwecken“[49] ? Ebenfalls werden Anfragen an hermeneutische Kriterien bezüglich der Dogmen- und Konzilstextauslegung gestellt. Solche gravierenden Fragen führen laut Peter Hünermann direkt „hinein in die Diskussion um die Theologie im Kontext der heutigen Glaubensverkündigung und die Auseinandersetzung um die Theologie als Wissenschaft an den heutigen Universitäten.“[50] Für die Problematik, inwiefern die Dogmatik einen wissenschaftlichen Charakter innehat, verweist Peter Hünermann auf Aristoteles. Dieser meint, Methoden (einschließlich Kriterien, Bearbeitungsweisen und jeweiligem Sachgehalt) müssten angemessen sein, um ihrer Funktion zu entsprechen. Die Rechtfertigung der Kriterien und Arbeitsweisen ergibt sich von der jeweiligen res – Sache.[51] Sie stellen folglich „Momente und Instanzen auf der Seite des intellectus, die von der Seite der res her legitimiert werden müssen“,[52] dar und müssen unter dem Aspekt der Wahrheitsfrage betrachtet werden. So gehören sie „mit hinein in das Sprachgeschehen als Wahrheitsgeschehen“.[53] Daher muss auch die Theologie in ihrer Methode und ihrem Vorgehen ihrer Sache - nämlich „dem Glauben, Gott als objectum fidei[54] - angemessen sein. Da Glaube historisiert wird und Gott durch die „Theologie als Wissenschaft vergegenständlicht“[55] wird, erfordert die Dogmatik als Wissenschaft eine Charakterisierung der Relation von der Glaubenssprache und der Sprache der Wissenschaft.

[...]


[1] Hünermann, P., Dogmatische Prinzipienlehre, S. 3

[2] Vgl. ebd. sowie Lk 2,1 und Apg 16,4

[3] Hünermann, P., Dogmatische Prinzipienlehre, S. 3

[4] Hünermann, P., Dogmatische Prinzipienlehre, S. 2

[5] Vgl. Hünermann, P., Dogmatische Prinzipienlehre, S. 2 f.

[6] Hünermann, P., Dogmatische Prinzipienlehre, S. 3

[7] Vgl. ebd.

[8] Ebd.

[9] Hünermann, P., Dogmatische Prinzipienlehre, S. 4

[10] Ebd.

[11] Ebd.

[12] Vgl. Hünermann, P., Dogmatische Prinzipienlehre, S. 4

[13] Ebd.

[14] Vgl. Hünermann, P., Dogmatische Prinzipienlehre, S. 5

[15] Ebd.

[16] Ebd.

[17] Ebd.

[18] Hünermann, P., Dogmatische Prinzipienlehre, S. 6

[19] Hünermann, P., Dogmatische Prinzipienlehre, S. 6

[20] Ebd.

[21] Ebd.

[22] Vgl. ebd.

[23] Hünermann, P., Dogmatische Prinzipienlehre, S. 17

[24] Vgl. Hünermann, P., Dogmatische Prinzipienlehre, S. 1

[25] Vgl. Hünermann, P., Dogmatische Prinzipienlehre, S. 10

[26] Hünermann, P., Dogmatische Prinzipienlehre, S. 10 f.

[27] Hünermann, P., Dogmatische Prinzipienlehre, S. 11

[28] Hünermann, P., Dogmatische Prinzipienlehre, S. 12

[29] Vgl. ebd.

[30] Ebd.

[31] Ebd.

[32] Vgl. Hünermann, P., Dogmatische Prinzipienlehre, S. 12

[33] Ebd.

[34] Ebd.

[35] Hünermann, P., Dogmatische Prinzipienlehre, S. 13

[36] Vgl.ebd.

[37] Ebd.

[38] Vgl. Hünermann, P., Dogmatische Prinzipienlehre, S. 13

[39] Ebd.

[40] Vgl. ebd.

[41] Ebd.

[42] Vgl. ebd.

[43] Hünermann, P., Dogmatische Prinzipienlehre, S. 13 f.

[44] Vgl. Hünermann, P., Dogmatische Prinzipienlehre, S. 14 f.

[45] Hünermann, P., Dogmatische Prinzipienlehre, S. 15

[46] Ebd.

[47] Hünermann, P., Dogmatische Prinzipienlehre, S. 15 f.

[48] Hünermann, P., Dogmatische Prinzipienlehre, S. 16

[49] Ebd.

[50] Ebd.

[51] Vgl. Hünermann, P., Dogmatische Prinzipienlehre, S. 16

[52] Hünermann, P., Dogmatische Prinzipienlehre, S. 17

[53] Ebd.

[54] Ebd.

[55] Ebd.

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Das Dogma der Unfehlbarkeit in Peter Hünermanns "Dogmatischer Prinzipienlehre" und im Film "Dogma"
Hochschule
Justus-Liebig-Universität Gießen
Note
1,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
22
Katalognummer
V192626
ISBN (eBook)
9783656176930
ISBN (Buch)
9783656177715
Dateigröße
513 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Unfehlbarkeitsfrage, Unfehlbarkeit des Papstes, Unfehlbarkeit, Peter Hünermann, Systematische Theologie, Dogmatische Prinzipienlehre, Kevin Smith, Dogma, Dogma (Film), Kritik an dem Dogma der Unfehlbarkeit, Definition von Unfehlbarkeit
Arbeit zitieren
Antonia Zentgraf (Autor), 2012, Das Dogma der Unfehlbarkeit in Peter Hünermanns "Dogmatischer Prinzipienlehre" und im Film "Dogma", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192626

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