Das Staatsverständnis von Thomas Hobbes und John Stuart Mill im theoretischen Vergleich


Seminararbeit, 2012

9 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Der Mensch im Staate und seine Freiheit

3. Die Entstehung des Staates - Absolutismus vs. Laisser-faire

4. Rechte und Pflichten von Staat und Gesellschaft

5. Schlussbemerkungen

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Bereits mit der Entstehung der unterschiedlichsten Kulturen beschäftigte sich der Mensch mit der Aufstellung sozialer Gemeinschaften und Kontakte, sowie deren gesellschaftlichen Ord- nungsprinzipien. Dennoch ergaben sich erst im Laufe der geschichtlichen Entwicklung die bis heute so bedeutungsvollen Begriffe wie Freiheit, Volk, Recht und Gesetz, sowie der Begriff des Staates, mit welchen sich das politische Aussehen der sozialen Gemeinschaften zuneh- mend veränderte.

Der Staat als gesellschaftlich, ordnende politische Instanz wurde Grundlage, Gegenstand und Instrument politischer Theorie und Ideengeschichte sowohl in der Antike, im Mittelalter, in der Neuzeit als auch in der Moderne. Diese Vorstellung verdeutlicht den Gegenstand dieser wissenschaftlichen Arbeit, welche sich im Folgenden mit einem Vergleich der staatstheoreti- schen Vorstellungen von Thomas Hobbes und John Stuart Mill befassen wird. Trotz der sehr unterschiedlichen historischen Kontexte beider Theoretiker, wird anhand signifikant gewähl- ter Analysekategorien ein Vergleich im Hinblick auf ihr jeweiliges Staatsverständnis durch- führbar.

Grundlage dieses theoretischen Vergleiches bilden hierbei die Texte „Leviathan“ von Thomas Hobbes sowie „Über die Freiheit“ und „Das Laisser-faire-Prinzip“ von John Stuart Mill. Zu Beginn werden die zugrunde gelegten Menschenbilder und der Freiheitsbegriff der beiden Theoretiker erläutert und verglichen. Im Anschluss daran werden die Entstehung des jeweili- gen Staates und die Prinzipien der Staatsführung betrachtet. Dabei soll auch auf die Souverä- nität und Machtausübung innerhalb des Staates eingegangen werden. Die wichtigsten Rechte und Pflichten der Bürger bzw. der Gesellschaft und selbstverständlich des Staates sind für den theoretischen Vergleich unerlässlich und bilden eine weitere wichtige Kategorie in dieser Se- minararbeit. Den Abschluss bildet eine kurze Zusammenfassung dieser Ausarbeitung mit möglichen weiterführenden Fragen zu dem vorliegenden wissenschaftlichen Gegenstand.

2. Der Mensch im Staate und seine Freiheit

Der Hobbessche Naturzustand des Menschen und das liberal geprägte Menschenbild Mills ha- ben allein von Anfang an gemeinsam, dass beide von dem Individuum ausgehen. Jedoch scheint der Naturzustand des Menschen bei Thomas Hobbes zunächst auf ein paar theatrali- sche Schlagwörter wie, andauernde Unsicherheit, ständige Gefahr und Furcht, Krieg und das egoistische Recht eines jeden einzelnen, hinauszulaufen (vgl. Hobbes, 1980: 114). Dagegen spricht John Stuart Mill nicht von einem Naturzustand des Menschen, sondern von dem Recht eines jeden mündigen Bürgers auf die wahre Freiheit (vgl. Mill 1987: 7), wodurch ein ganz anderes Menschenbild entsteht.

In Hobbes´ „Leviathan“ heißt es, dass „ohne eine einschränkende Macht der Zustand der Menschen ein solcher sei, wie er zuvor beschrieben wurde, nämlich ein Krieg aller gegen alle.“ (Hobbes, 1980: 115). Demnach befindet sich der Mensch im Naturzustand in ständigen Konflikt mit anderen, da beispielsweise der persönliche Besitz ohne eine ordnende Instanz, wie dem Staat, nicht geregelt ist. Weiterhin befinde sich der Mensch stets im egoistischen Wettstreit mit anderen und wird von Gier und Neid gelenkt (vgl. Hobbes, 1980: 153f.). Hob- bes beschreibt, im Gegensatz zu Mill, dass alle Menschen gleichermaßen dieser Natur ent- sprechen, wodurch eine wirkliche Freiheit der Menschen unmöglich wäre, da dieser Umstand nur im Chaos enden könne (vgl. Hobbes, 1980: 112f.). Die Idee des absolutistischen Staates ist nach Hobbes die einzige Möglichkeit „aus dem elenden Zustande eines Krieges aller gegen alle gerettet zu werden“ (Hobbes, 1980: 151) und somit Schutz und Sicherheit, sowie Freiheit zu erlangen. Die Freiheit existiert demnach als die Abwesenheit von ständiger Angst, die Ab- wesenheit von Kampf und Krieg und die Möglichkeit zu Handeln wie man möchte, in jenen Angelegenheiten, welche nicht vom Staat gesetzlich vorgegeben sind (vgl. Hobbes, 1980: 191).

John Stuart Mill indessen vertritt eine völlig andere Auffassung des Begriffes Freiheit und zwar „die [der] bürgerlichen oder sozialen Freiheit“ (Mill, 1987: 7). Der menschlichen Natur zufolge ist Freiheit das höchste Gut des Individuums, welches alle von Geburt an besitzen und durch optimale Bedingungen innerhalb eines liberalen Staates ausleben, ja sogar ausbauen können (vgl. Mill, 1987: 19). Dabei erwähnt Mill mit keiner einzigen Silbe einen Naturzu- stand der Menschen, welcher von so negativen Aspekten wie bei Hobbes bestimmt wird. Er beschreibt eines jeden mündigen Bürgers Recht auf von Natur aus wahre Freiheit, welche sich durch das Recht auf die eigene Meinung, auf das Recht zur Veröffentlichung und Versamm- lung und auf das Recht der eigenen Bestimmung über das Leben widerspiegelt (vgl. Mill, 1987: 7 u. 19). Mills Definition von Freiheit ist eine sehr moderne und liberale Auffassung des Begriffes, da wahre Freiheit hauptsächlich im Individualismus wieder zu finden sei. Also die Freiheit des Einzelnen, sowie die Freiheit von Zwang und Gehorsam (vgl. Höntzsch, 2010: 76f.). Demnach soll jeder Mensch selbständig und ungezwungen handeln können, wo- bei ein wichtiges Augenmerk darauf gelegt werden sollte, keiner anderen Person einen Scha- den zuzufügen bzw. dies zu verhindern (vgl. Mill, 1987: 16). Diese Ausführung verdeutlicht Mill nochmals indem er schreibt: „die Freiheit, unserem Leben einen unserem eigenen Charakter gemäßen Rahmen zu geben, die Freiheit, so zu Handeln, wie es uns gefällt […] so- lange unser Tun ihnen nicht schadet, selbst wenn sie unser Verhalten als töricht, verkehrt oder unrecht betrachten“ (Mill, 1987: 19).

Im Gegensatz zu Hobbes geht Mill davon aus, dass alle Menschen von Natur aus unterschied- lich sind und ihre verschiedenen geistigen und körperlichen Fähigkeiten der Gesellschaft durchaus zugute kommen können (vgl. Mill, 1987: 125), wodurch die Bedeutung von Erzie- hung und Bildung wahrnehmbar wird, um mit ihrer Hilfe eine liberale Regierung handeln las- sen zu können.

3. Die Entstehung des Staates - Absolutismus vs. Laisser-faire

Hobbes Staatstheorie besteht aus einer fiktiven Vorstellung, einer aus freien Stücken abge- schlossenen vertragsgemäßen Abmachung, die den Ausweg aus dem auf Dauer unerträglichen Naturzustand möglich machen kann (vgl. Hobbes, 1980: 151). Dabei darf dieser Vertrag nicht als eine zwangvolle Vereinigung bzw. ein Notbehelf angesehen werden. Die Menschen, wel- che diesem Vertrag zustimmen, entkommen so der permanenten Angst, dem ständigen Druck des Selbsterhalts und finden in ihm Schutz und Sicherheit (vgl. Hobbes, 1980: 155). Dieser Vertrag wird zwischen den Menschen abgeschlossen und fällt zugunsten des Staates aus. Demnach stellen alle Individuen ihre Rechte, ihre Verantwortung und ihre Gewalt dem Staat zur Verfügung und sich selbst als Untertanen bzw. Bürger unter ihn, welcher damit alle Ge- walt innehat (vgl. Hobbes, 1980: 155). Der entstandene gesellschaftliche Vertrag wird auch als Unterwerfungsvertrag bezeichnet, da er zugunsten eines Souveräns ausfällt, welcher je- doch nicht selbst an diesen Vertrag gebunden ist (vgl. Hobbes, 1980: 158). Somit entsteht laut Hobbes´ Darstellung „der große Leviathan“ (Hobbes, 1980: 155), welcher als Symbol für eine große unüberwindliche Macht angesehen werden kann und sich aus der Macht aller einzelnen Personen des Staates vereinigt. Hobbes beschreibt den entstandenen Staat als lebendigen Or- ganismus, „der sterbende Gott“ (Hobbes, 1980: 155), in dem sich alle Macht der Untertanen wieder findet. Dieser entstandene Souverän wird durch eine menschliche Stellvertretung, den Oberherrn, repräsentiert (vgl. Hobbes, 1980: 155f.).

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Ende der Leseprobe aus 9 Seiten

Details

Titel
Das Staatsverständnis von Thomas Hobbes und John Stuart Mill im theoretischen Vergleich
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Politikwissenschaft)
Veranstaltung
Einführung in die politische Theorie und Ideengeschichte
Note
2,0
Autor
Jahr
2012
Seiten
9
Katalognummer
V192649
ISBN (eBook)
9783656176411
ISBN (Buch)
9783656176541
Dateigröße
987 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Staatsverständnis, Thomas Hobbes, John Stuart Mill
Arbeit zitieren
Julia Struve (Autor), 2012, Das Staatsverständnis von Thomas Hobbes und John Stuart Mill im theoretischen Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192649

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