Für G.W.F. Hegel und G. Lukács besteht eine Aufgabe der Philosophie, wenn nicht ihre Hauptaufgabe, in einer reflexiven Vergegenwärtigung bestehender gesellschaftlicher Praxen. Zweck dieser Kritik ist die Möglichkeit der Änderung dieser Praxen im gegebenen Fall. Wie diese Kritik in ihren Gemeinsamkeiten und Unterschieden jeweils zu verstehen ist, wird hier anhand charakteristischer Texte beider entwickelt.
Inhaltsverzeichnis
0 Einleitung
1 Hegel: Praxis und Reflexion
2 Kritik, Philosophie, Wissenschaft
3 Spekulation
4 Lukács: Epistemologie der Praxis
5 Teilpraxis und Gesamtpraxis
6 Verdinglichung
7 Zusammenfassung
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den Begriff der Kritik bei G.W.F. Hegel und G. Lukács, indem sie deren theoretische Ansätze zur reflexiven Vergegenwärtigung gesellschaftlicher Praxen vergleicht und deren Möglichkeiten zur Herbeiführung von Veränderungen analysiert.
- Die reflexive Struktur philosophischer Kritik bei Hegel
- Die methodischen Grundlagen des Marxismus bei Lukács
- Die Rolle der Verdinglichung in kapitalistischen Gesellschaften
- Das Verhältnis von Theorie, Praxis und revolutionärer Erkenntnis
Auszug aus dem Buch
3 Spekulation
Nun ist die Schematisierung in den Einzelwissenschaften offenkundig zweckdienlich; ihre Absolutsetzung bringt aber freie Alternativentwürfe und speziell die angeblich bloß subjektiven Versuche, einen Gesamtüberblick zu behalten, in Verruf und trifft damit die Redeformen der Spekulation bzw. der Totalität. Zwar kann das Ganze nie wie Einzelthemen beredet werden Auch kann Spekulation keine exakte Beschreibung des Ganzen liefern. Fraglich ist aber, ob auf diese titelartigen Redeformen verzichtet werden kann, sofern Begreifen immer über ein Vorbegreifen läuft, durch das Grobeinordnungen artikuliert werden, die Abgrenzen und Begreifen von Teilbereichen wesentlich mitbestimmen. Solche Grobeinordnungen nimmt spekulative Rede etwa unter dem Titel des „Geistes“ vor. Es geht also um die Frage des bloßen Anerkennens oder des kritischen Untersuchens von Rahmenbedingungen. Beispielsweise zeigen dies die „grundsätzlichen Revisionen in den Darstellungsformen der Physik in Relativitätstheorie und Quantenmechanik (…), wenn man begreift, was in ihnen eigentlich passiert ist.“
Zusammenfassung der Kapitel
0 Einleitung: Die Einleitung umreißt die Aufgabe der Philosophie als reflexive Vergegenwärtigung gesellschaftlicher Praxen bei Hegel und Lukács.
1 Hegel: Praxis und Reflexion: Dieses Kapitel erläutert Hegels Verständnis der Philosophie als rückblickende Reflexion auf bestehende gesellschaftliche Praxis.
2 Kritik, Philosophie, Wissenschaft: Hier wird die Abgrenzung der Philosophie zu den Einzelwissenschaften sowie die Rolle der Reflexion bei der Begriffsbestimmung von Praxis untersucht.
3 Spekulation: Dieses Kapitel definiert Hegels Begriff der Spekulation als höherstufige Betrachtungsweise zur Klärung und Erläuterung gesellschaftlicher Praxen.
4 Lukács: Epistemologie der Praxis: Der Fokus liegt auf Lukács' marxistischem Ansatz, bei dem die Dialektik als revolutionäres Instrument zur Erkenntnis der gesellschaftlichen Entwicklung dient.
5 Teilpraxis und Gesamtpraxis: Hier wird die Verschränkung von Erkenntnis und Praxis sowie die Notwendigkeit der Totalitätsbetrachtung im dialektischen Materialismus analysiert.
6 Verdinglichung: Dieses Kapitel behandelt die Analyse des Warenfetischismus und wie dieser als Teilpraxis auf das gesamte gesellschaftliche Bewusstsein übergreift.
7 Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer vergleichenden Synthese von Hegels idealistischer Ideologiekritik und Lukács’ dialektisch-materialistischer Konzeption.
Schlüsselwörter
Philosophie, Kritik, G.W.F. Hegel, G. Lukács, Dialektik, Praxis, Reflexion, Spekulation, Verdinglichung, Idealismus, Materialismus, Ideologiekritik, Totalität, Erkenntnistheorie, gesellschaftlicher Wandel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Kritikbegriff bei G.W.F. Hegel und G. Lukács und untersucht, wie beide Denker das Verhältnis von Philosophie, gesellschaftlicher Praxis und Reflexion konzeptualisieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die Rolle der Reflexion in der Philosophie, die dialektische Methode zur Erfassung gesellschaftlicher Gesamtzusammenhänge sowie die Kritik an der Verdinglichung im Kapitalismus.
Welches ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen Hegels idealistischem Ansatz und Lukács’ marxistischer Dialektik in Bezug auf die reflexive Vergegenwärtigung und mögliche Änderung gesellschaftlicher Praxen herauszuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Der Autor nutzt eine hermeneutisch-textanalytische Methode, um die theoretischen Konzepte anhand charakteristischer Texte beider Philosophen zu rekonstruieren und zu vergleichen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden Hegels Begriffe der Reflexion und Spekulation, Lukács' Epistemologie der Praxis sowie die kritische Auseinandersetzung mit der Verdinglichung der gesellschaftlichen Lebensverhältnisse detailliert ausgeführt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Dialektik, Ideologiekritik, Praxis, Verdinglichung und den Anspruch der Philosophie auf eine reflexive Durchdringung der Wirklichkeit charakterisiert.
Wie unterscheidet sich Hegels Spekulation von bloßem Denken?
Für Hegel ist Spekulation keine beliebige Mutmaßung, sondern eine erfahrungsmäßige, höhere Betrachtungsweise, die darauf abzielt, die Grundlagen bestehender Praxen explizit zu machen.
Warum spielt das Proletariat bei Lukács eine zentrale Rolle für die Dialektik?
Lukács sieht im Klassenstandpunkt des Proletariats eine notwendige Voraussetzung für die Erkenntnis der gesellschaftlichen Wirklichkeit, da die Arbeiterklasse am stärksten unter den Entfremdungs- und Verdinglichungseffekten des kapitalistischen Systems leidet.
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- Jan Leichsenring (Author), 2006, Zum Kritikbegriff bei G.W.F. Hegel und G. Lukács, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192700