Die Einkommensverteilung in West- und Ostdeutschland: Ist die Angleichung schon erfolgt?


Bachelorarbeit, 2011

41 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Entwicklung des Einkommensniveaus seit dem Mauerfall bis heute
2.1 Definition der unterschiedlichen Einkommensarten
2.2 Entwicklung des Einkommensniveaus im Vergleich zwischen West- und Ostdeutschland
2.3 Vergleich und Entwicklung auf Bundesländerebene
2.4 Erklärungsansätze für die Unterschiede der Einkommensniveaus zwischen West- und Ostdeutschland

3 Die Analyse der Einkommensverteilung
3.1 Maße für Einkommensungleichverteilungen
3.2 Entwicklung der Einkommensverteilung im Vergleich zwischen West- und Ostdeutschland
3.3 Gründe für die Einkommensungleichverteilung zwischen den alten und den neuen Bundesländern

4 Fazit und Ausblick

Literatur

Erklärung

Abbildungsverzeichnis

1 Zeitliche Entwicklung der Bruttojahreslöhne pro Arbeitnehmer von 1991 bis 2010; in Euro

2 Tarifbindung von Beschäftigten und Betrieben im Vergleich zwischen Ost- und Westdeutschland im Zeitraum von 1998-2009; in %

3 Relative Entwicklung der durchschnittlichen Markt- und Haushaltsnetto- einkommen in Ostdeutschland1 )

4 Gesamteinkommen nach Einkommensarten und Dezilen in West- und Ost- deutschland im Jahr

Tabellenverzeichnis

1 Lohnzuwachsraten der Bruttojahreslöhne im Vergleich zum Vorjahr pro Arbeitnehmer im Zeitraum von 1992 bis 2010; in %

2 Entwicklung und Angleichungsprozess des durchschnittlichen Bruttostun- denlohnes in West- und Ostdeutschland; in Euro

3 Effektivlöhne und Tariflöhne - ein Vergleich zwischen West- und Ost- deutschland im Zeitverlauf von 1991-2010

4 Durchschnittliches Marktäquivalenzeinkommen sowie äquivalenzgewichte- tes Haushaltsnettoeinkommen von 1991-2007; real in Euro2 )

5 Angleichungsprozess von Ost- und Westdeutschland anhand verschiedener Einkommensmaße im Zeitverlauf

6 Durchschnittliche Bruttojahreslöhne in den jeweils einkommensstärksten/- schwächsten ost- und westdeutschen Bundesländern; in Euro

7 Anteil Vollzeitbeschäftigter in % und Höhe des Bruttomonatsentgelts nach verschiedenen Leistungsgruppen

8 Anteil Vollzeit-/ bzw. sozialversicherungspflichtig Beschäftigter und durch- schnittliches Bruttomonatseinkommen nach Betriebsgrößenklassen

9 Verteilung des Marktäquivalenzeinkommens anhand ausgewählter Vertei- lungsmaße

10 Verteilung der Marktäquivalenzeinkommen auf die einzelnen Dezile . . .

11 Verteilung des äquivalenzgewichteten Haushaltsnettoeinkommens anhand ausgewählter Verteilungsmaße

12 Verteilung der äquivalenzgewichteten Haushaltsnettoeinkommen auf die einzelnen Dezile

1 Einleitung

Mit dem Fall der innerdeutschen Mauer am 09. November 1989 erfolgte eine Vereinigung von der BRD und der DDR auf Bundesebene. Gleichzeitig war die territoriale Wieder- vereinigung Deutschlands der Grundbaustein für eine wirtschaftliche Wiedervereinigung zwischen West- und Ostdeutschland. Mit dem Vertrag über die Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion, unterzeichnet am 18. Mai 1990 und in Kraft getreten am 01. Juli 1990 (Smolny, W. 2004; S. 6), ist somit eine Grundlage geschaffen worden, die wirtschaftliche Vereinigung zwischen West- und Ostdeutschland in Gang zu setzen. In diesem Vertrag wurde unter anderem eine einheitliche bundesdeutsche Währung, die Deutsche Mark, festgelegt. Bedingt durch die Währungsumstellung brach die deutsche Wirtschaft, ins- besondere in Ostdeutschland, fast völlig zusammen (Wagner, J. 2007; S. 31). Den Grund für diesen Zusammenbruch sieht Wagner, J. (2007; S. 31) in dem, zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung, schlechten Zustand der ostdeutschen Wirtschaft, sowie in der 1:1 Währungsumstellung. Diese Umstellung hatte zur Folge, dass die Wettbewerbsfähigkeit der ostdeutschen Industrie zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung fast nicht mehr vor- handen war (Smolny, W. 2004; S. 6f) und sowohl die Nachfrage, als auch die Produktion ostdeutscher Produkte stark zurückging. Nach Smolny, W. (2004; S. 8) waren allerdings die besten Voraussetzungen für einen schnellen wirtschaftlichen Aufholprozess gegeben. Die Grundlage für diesen Aufholprozess stellte neben soliden politischen Rahmenbedin- gungen, eine nach der Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion einheitliche Währung dar. Desweiteren wurde Ostdeutschland durch die Wiedervereinigung mit Westdeutsch- land stärker in die internationale Wirtschaft eingebunden als vor der Vereinigung. Diese günstigen Rahmenbedingungen bildeten die Grundlage für enorme Investitionen in die ostdeutsche Wirtschaft. Die Investitionsquote Ostdeutschlands überstieg damit Anfang der 90er Jahre die Investitionsquote Westdeutschlands um mehr als das Doppelte. Neben dem Ausbau der öffentlichen Infrastruktur wurden auch fortschrittlichere Technologien importiert (Smolny, W. 2004; S. 8f). Außerdem wurde der wirtschaftliche Wiederaufbau Ostdeutschlands durch staatliche Zuschüsse zusätzlich vorangetrieben.

Auch aus politischer Sicht ist die Wiedervereinigung ein großer Erfolg gewesen. So ver- ging ab dem Zeitpunkt der Öffnung der Grenzen am 09. November 1989, bis zum Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland am 03. Oktober 1990 noch nicht einmal ein Jahr (Smolny, W. 2004; S.5f). Ein politisches Ziel der Bundesrepublik Deutschland nach der Wiedervereinigung war zum einen die Angleichung ostdeutscher Lebensverhältnis- se und zum Anderen die Angleichung der Einkommenshöhe an das westdeutsche Niveau (Gernandt, J. / Pfeiffer, F. 2007; S. 1). Mehr als 20 Jahre später lässt sich erkennen, dass dieser Angleichungsprozess zwar schon Erfolge zu Gunsten des Ostens erzielen konnte, die Höhe des Einkommens der ostdeutschen Bevölkerung aber weiterhin deutlich unter der Höhe des Einkommens der westdeutschen Bevölkerung liegt. Diese Tatsache bedingt eine nähere wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dieser Problematik. Die Zielsetzung dieser Arbeit besteht daher aus der Analyse der unterschiedlichen Einkommensniveaus und der Einkommensverteilungen im Vergleich zwischen West- und Ostdeutschland, der Entwicklung bzw. Angleichung der Löhne und die für die Entwicklung verantwortlichen Ursachen und Gründe der Lohndispersion. Am Ende dieser Arbeit soll ein Fazit gezogen und ein Ausblick für die Zukunft aufgezeigt werden, welcher insbesondere auch politische Handlungsbedarfe thematisiert.

2 Die Entwicklung des Einkommensniveaus seit dem Mauerfall bis heute

Vor dem Hintergrund der unterschiedlichen wirtschaftlichen Voraussetzungen zum Zeit- punkt der Wiedervereinigung von West- und Ostdeutschland, soll in diesem Kapitel die Entwicklung des Einkommensniveaus im Vergleich zwischen West- und Ostdeutschland seit dem Mauerfall bis heute analysiert werden. Hierbei ist insbesondere interessant zu beobachten, wie sich das Einkommensniveau in Westdeutschland auf der einen Seite und das Einkommensniveau in Ostdeutschland auf der anderen Seite entwickelt hat. Unter dem Begriff „Einkommensniveau“ soll die in Geldeinheiten ausgedrückte Höhe des Ar- beitsentgelts bzw. des Lohnes verstanden werden. Auf den Begriff „Einkommen“ sowie auf die Betrachtung der unterschiedlichen Einkommensarten wird im nächsten Kapitel näher eingegangen.

2.1 Definition der unterschiedlichen Einkommensarten

Eine Abgrenzung des Begriffs „Einkommen“, sowie die Festlegung unterschiedlicher Ma- ße mit denen die Höhe des Einkommens ausgedrückt werden kann, ist insofern relevant, als dass in der Literatur unterschiedliche Einkommensmaße zur Analyse und Entwick- lung des Einkommensniveaus herangezogen werden. Der Begriff „Einkommen“ wird in dieser Arbeit als Lohn bzw. Gehalt verstanden, das eine natürliche Person aufgrund der geleisteten abhängigen oder selbständigen Arbeit bezieht1. Das so definierte Einkommen ist also mit dem Begriff des Lohnes bzw. des Gehaltes gleichzusetzen und wird in dieser Arbeit auch synonym verwendet. Weiterhin sollen die nachfolgend genannten Einkom- mensmaße eine Abgrenzung des Begriffs Einkommen, wie er in dieser Arbeit verwendet wird, liefern. In der Literatur werden häufig folgende Einkommensmaße unterschieden:

- Bruttolohn
- Marktäquivalenzeinkommen
- äquivalenzgewichtetes Haushaltsnettoeinkommen
- Tarif- und Effektivlohn

Das am häufigsten verwendete Maß zur Analyse des Einkommensniveaus stellt der Bruttolohn, insbesondere der Bruttojahreslohn dar. Der Bruttojahreslohn bezeichnet das Einkommen, das ein Angestellter vor Abzug von Steuern und Sozialabgaben im ganzen Jahr erhält. Der Bruttolohn bzw. Bruttojahreslohn wird insbesondere von Bäcker, G. / Jansen, A. (2009) als Maß zur Analyse der Entwicklung des Einkommensniveaus herangezogen.

Ein weiteres Maß ist das so genannte Marktäquivalenzeinkommen. Das Marktäqui- valenzeinkommen berechnet sich aus dem Markteinkommen der Haushalte, sowie einer Äquivalenzgewichtung. Das Markteinkommen der Haushalte berücksichtigt Einkommen aus abhängiger, sowie selbständiger Erwerbstätigkeit, als auch Vermögen, sowie priva- ter Transfers aller Haushaltsmitglieder. Die Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung werden allerdings nicht zu den Einkommen aus nichtselbständiger Tätigkeit dazugerech- net. Da das Markteinkommen der Haushalte das Einkommen eines gesamten Haushal- tes darstellt, wird dieses noch mit Hilfe einer Äquivalenzgewichtung auf die einzelnen Haushaltsmitglieder herunter gerechnet. Die Äquivalenzgewichtung erfolgt mit Hilfe der neuen OECD-Skala. Dabei erhält der Hauptbezieher des Einkommens einen Gewich- tungsfaktor von 1. Alle weiteren Personen im Haushalt, die 15 Jahre oder älter sind, bekommen einen Gewichtungsfaktor von 0,5 und Kinder unter 15 Jahren erhalten einen Gewichtungsfaktor von 0,3. Das Markteinkommen der Haushalte wird also nicht durch die Anzahl der Haushaltsmitglieder geteilt, sondern durch einen gewichteten Anteil der einzelnen Haushaltsmitglieder. Durch diese Gewichtung können Mehrpersonenhaushalte mit Einpersonenhaushalten verglichen werden, da die Gewichtung unter anderem die unterschiedlichen Bedürfnisse von Erwachsenen und Kindern berücksichtigt (Sachver- ständigenrat 2009; S. 310f).

Ähnlich dem Marktäquivalenzeinkommen setzt sich das äquivalenzgewichtete Haus- haltsnettoeinkommen aus dem Haushaltsnettoeinkommen und der im vorherigen Absatz beschriebenen Äquivalenzgewichtung zusammen. Will man das Haushaltsnettoeinkom- men berechnen, dann zieht man vom Markteinkommen der Haushalte die Einkommens- steuer, sowie die Pflichtbeiträge zur Sozialversicherung der Arbeitnehmer ab und addiert die Renten aus der gesetzlichen Rentenversicherung und vorhandene staatliche Transfer- leistungen dazu. Anschließend wird das Haushaltsnettoeinkommen wieder mit der Äqui- valenzgewichtung der neuen OECD-Skala gewichtet (Sachverständigenrat 2009; S. 310f).

Das Marktäquivalenzeinkommen, sowie das äquivalenzgewichtete Haushaltsnettoeinkommen, dienen zum Beispiel dem Sachverständigenrat (2009) als Maß für die Entwicklung der Höhe des Einkommens und seiner Verteilung in West- und Ostdeutschland.

Zuletzt soll noch der Tariflohn und der damit verbundene Effektivlohn betrachtet wer- den. Laut Schnabel, C. (1997; S. 63f) ist der Prozess der Lohnfindung in Deutschland rechtlich im Prinzip der Tarifautonomie verankert. Das bedeutet, das Zusammenschlüsse von Arbeitgebern, auch Arbeitgeberverbände genannt, sowie unabhängige Gewerkschaf- ten, welche sich aus abhängig Beschäftigten zusammensetzen, selbständig diverse Ar- beitsbedingungen regeln, ohne das der Staat sich in diese Angelegenheit einmischen muss. Ein Hauptbestandteil dieser Verhandlungen beschäftigt sich mit der Festlegung der Hö- he der Löhne bzw. Gehälter. Können sich die beiden Parteien, also Arbeitgeberverbände auf der einen Seite und Gewerkschaften auf der anderen Seite, einigen, so schließen diese einen Tarifvertrag ab. Da dieser Vertrag schriftlich geschlossen wird, verpflichtet er beide Parteien dazu, sich an seine Inhalte zu halten. Der in einem Tarifvertrag festgeschriebene (mindest-)Lohn wird somit als Tariflohn bezeichnet2. Unter dem Begriff „Effektivlohn“ wird der Lohn verstanden, der zusätzlich zu dem, durch den Tarifvertrag geregelten, Tariflohn gezahlt wird und entspricht in seiner Höhe eigentlich dem Bruttolohn. In der Literatur wird der Effektivlohn häufig auch als übertarifliche Bezahlung bezeichnet (vgl. Schnabel, C. (1997; S. 131)). Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut in der Hans-Böckler-Stiftung (WSI) ist im Folgenden die Grundlage für die Analyse der Entwicklung der Tariflöhne und der Tarifbindung in West- und Ostdeutschland.

2.2 Entwicklung des Einkommensniveaus im Vergleich zwischen West- und Ostdeutschland

Nach der Festlegung der verschiedenen Maße mit denen das Einkommensniveau gemessen und analysiert werden kann, soll nun in diesem Kapitel die Entwicklung des Einkommens- niveaus im Vordergrund stehen. Anhand Abbildung 1 soll die Entwicklung der Bruttojah- reslöhne nun näher betrachtet werden. An dieser Stelle ist anzumerken, dass sowohl bei der Entwicklung der durchschnittlichen Bruttojahreslöhne und der durchschnittlichen Bruttostundenlöhne jeweils Berlin zu den alten Bundesländern dazugerechnet wurde. Aufgrund der vergleichsweise hohen durchschnittlichen Löhne innerhalb Berlins, fällt es kaum merklich ins Gewicht Berlin zu den alten Bundesländern dazu zu zählen. Allerdings würde es die Daten erheblich verändern, würde man Berlin zu den neuen Bundesländern hinzurechnen.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Zeitliche Entwicklung der Bruttojahreslöhne pro Arbeitnehmer von 1991 bis 2010; in Euro

Quelle: Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder (2010); Eigene Darstellung nach der Vorlage von Bäcker, G. / Jansen, A. (2009; S. 20)

Schon auf den ersten Blick wird deutlich, dass die durchschnittlichen Bruttojahreslöh- ne der Ostdeutschen erheblich unter denen der Westdeutschen liegen. Betrachtet man diese Abbildung genauer, kann man allerdings erkennen, dass sich die durchschnittli- chen Bruttojahreslöhne der Ostdeutschen seit 1991 bis 2010 mehr als verdoppelt haben. So betrug 1991 der Bruttojahreslohn der Ostdeutschen im Durchschnitt lediglich 11.097 Euro, während er im Jahr 2010 schon auf 23.211 Euro angestiegen war. Auf der anderen Seite stiegen die durchschnittlichen Bruttojahreslöhne der Westdeutschen im gleichen Beobachtungszeitraum lediglich um knapp 35 % an. Im Jahr 1991 lagen die Bruttojah- reslöhne der Westdeutschen bei 21.626 Euro, knapp 20 Jahre später dann durchschnitt- lich bei 29.142 Euro. Bedingt durch den wirtschaftlichen Aufschwung stiegen vor allem bis Mitte der 90er Jahre die durchschnittlichen Bruttojahreslöhne, insbesondere in Ost- deutschland, stark an. So lagen sie dort im Jahr 1995 bei 18.523 Euro, was eine absolute Lohnniveausteigerung im Vergleich zum Jahr 1991 von ca. 67 % ausmacht. Im gleichen Zeitraum stiegen die durchschnittlichen Bruttojahreslöhne der Westdeutschen absolut nur um ca. 15 % an.

Vergleicht man jetzt Ost- und Westdeutschland miteinander so zeigt sich, dass die durchschnittlichen Bruttojahreslöhne der Ostdeutschen im Jahr 1991 lediglich 51,3 % der durchschnittlichen Bruttojahreslöhne der Westdeutschen ausmachten. Dieser ver- gleichsweise geringe Prozentsatz stieg dann im Zeitverlauf bis zum Jahr 1995 auf 74,5 % des Westniveaus an und erreichte im Jahr 2010 einen Wert von 79,6 %. Man kann also feststellen, dass insbesondere bis Mitte der 90er Jahre ein starker Angleichungsprozess der durchschnittlichen Bruttojahreslöhne der Ostdeutschen an das westdeutsche Niveau stattgefunden hat. Dieser Prozess der Angleichung ist jedoch nach 1995 nahezu zum Stillstand gekommen.

Tabelle 1: Lohnzuwachsraten der Bruttojahreslöhne im Vergleich zum Vorjahr pro Ar- beitnehmer im Zeitraum von 1992 bis 2010; in %

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder (2010); Eigene Darstellung und Berechnung

Tabelle 1 soll darüber hinaus verdeutlichen, wie sich die durchschnittlichen Brutto- jahreslöhne in West- und in Ostdeutschland im Zeitverlauf prozentual entwickelt haben. Hier zeigt sich, dass vor allem bis 1995 die durchschnittlichen Bruttojahreslöhne der Ost- deutschen verglichen mit denen der Westdeutschen sehr stark angestiegen sind. Allein im Jahr 1992 stiegen die Bruttojahreslöhne der Ostdeutschen um 29,2 % im Vergleich zum Vorjahr an. Diese Steigerung ist sehr viel deutlicher ausgeprägt als in Westdeutsch- land, wo dieser Wert nur bei 7 % lag. Auch in den Jahren nach 1991 war die prozentuale Steigerung der Bruttojahreslöhne in Ostdeutschland, bedingt durch den wirtschaftlichen Aufschwung, sehr viel höher als in Westdeutschland. Betrachtet man die durchschnittli- che jährliche Wachstumsrate zwischen 1991 und 1995, so lag diese in Ostdeutschland bei 13,7 % und in Westdeutschland bei 3,5 %3. Nach dem Jahr 1995, in dem die prozentua- le Lohnzuwachsrate Ostdeutschlands noch 3,7 Prozentpunkte oberhalb der prozentualen Lohnzuwachsrate von Westdeutschland lag, kann man sagen, dass diese Differenz im wei- teren Zeitverlauf stetig abgenommen hat. Nach einem kurzen Anstieg der Differenz der

Lohnzuwachsraten im Jahr 2009 verglichen mit dem Jahr 2008 von 1,6 Prozentpunkten, war sie jedoch im Jahr 2010 verglichen mit dem Jahr 2009 mit -0,1 Prozentpunkten so- gar leicht negativ. Wie auch schon bei der absoluten Entwicklung der Bruttojahreslöhne, kann man auch bei den prozentualen Zuwachsraten der Bruttojahreslöhne im Vergleich zum Vorjahr erkennen, dass eine gewisse Annäherung an das westdeutsche Niveau statt- gefunden hat, jedoch im Zeitverlauf immer langsamer vorangeschritten und im Jahr 2010 sogar leicht rückläufig war.

An dieser Stelle soll noch kurz auf die Entwicklung der durchschnittlichen Bruttostundenlöhne eingegangen werden, da sich die Höhe des Anpassungsgrades von Ost- zu Westdeutschland gegenüber den Bruttojahreslöhnen unterscheidet. Die Entwicklung der durchschnittlichen Bruttostundenlöhne kann man der Tabelle 2 entnehmen4.

Tabelle 2: Entwicklung und Angleichungsprozess des durchschnittlichen Bruttostunden- lohnes in West- und Ostdeutschland; in Euro

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder (2010); Eigene Darstellung und Berechnung

Auch hier zeigt sich, dass die durchschnittlichen Bruttostundenlöhne in Ostdeutsch- land im Zeitverlauf schneller angestiegen sind als in Westdeutschland und dass eine gewisse Angleichung an das westliche Bruttostundenlohnniveau stattgefunden hat. Al- lerdings unterscheidet sich die Höhe des prozentualen Verhältnisses von ost- zu west- deutschen Bruttostundenlöhnen im Vergleich zu den Bruttojahreslöhnen. Machten die durchschnittlichen Bruttojahreslöhne der Ostdeutschen im Jahr 2010 ca. 80 % der durch- schnittlichen Bruttojahreslöhne der Westdeutschen aus, so liegt dieses Verhältnis bei den durchschnittlichen Bruttostundenlöhnen im Jahr 2010 bei ca. 76 %. Dieser prozentual höhere Grad der Angleichung der Bruttojahreslöhne im Vergleich zur Angleichung der Bruttostundenlöhne ist über den gesamten Beobachtungszeitraum gegeben. Die Gründe hierfür liegen zum einen in den durchschnittlich längeren Wochen- bzw. Jahresarbeitszei- ten der Ostdeutschen, zum anderen ist die Zahl der Feiertage in Ostdeutschland geringer. Ein weiterer Grund liegt in der durchschnittlich längeren Arbeitszeit der Teilzeitbeschäf- tigten in Ostdeutschland, verglichen mit denen in Westdeutschland (Bundesministerium des Innern 2010; S. 26f). Im Jahr 2010 betrug die durchschnittliche Wochenarbeitszeit der vollzeitbeschäftigten Ostdeutschen 39,5 Stunden, während ein Vollzeitbeschäftigter in Westdeutschland durchschnittlich 38,7 Stunden arbeitete (Bundesministerium des In- nern 2010; S. 27). Berücksichtigt man jetzt noch Beschäftigte die in Teilzeit arbeiten, so lag die Teilzeitquote an allen Beschäftigten im Jahr 2010 in Ostdeutschland um 3 Prozentpunkte unter der Teilzeitquote in Westdeutschland. Allerdings arbeiteten Teil- zeitbeschäftigte in Ostdeutschland im Schnitt 4,1 Stunden pro Woche länger als Teilzeit- beschäftigte in Westdeutschland (Bundesministerium des Innern 2010; S. 27). Bezieht man zusätzlich mit ein, dass es im Jahr 2010 in Ostdeutschland 0,6 Feiertage pro Jahr weniger gab als in Westdeutschland, so arbeitete ein ostdeutscher Beschäftigter im Jahr 2010 ungefähr drei Wochen länger als ein Westdeutscher (Bundesministerium des Innern 2010; S. 27). Andere Komponenten, die Einfluss auf die durchschnittliche wöchentliche oder jährliche Arbeitszeit haben, die hier allerdings nicht näher betrachtet werden sollen, liefert Wanger, S. (2008; S. 30 ff). So zählen noch Überstunden, krankheitsbedingte Fehl- tage oder der Grad der Tarifbindung zu weiteren Einflussfaktoren für die Unterschiede in den Arbeitszeiten. Es hat sich also gezeigt, dass ostdeutsche Beschäftigte im Schnitt ein höheres Arbeitsvolumen pro Jahr aufweisen, als westdeutsche Beschäftigte. Dies er- klärt, warum der Anpassungsgrad der durchschnittlichen Bruttostundenlöhne unter dem Anpassungsgrad der durchschnittlichen Bruttojahreslöhne liegt.

Nach der Analyse der Entwicklung der Bruttojahreslöhne und -gehälter im Vergleich zwischen West- und Ostdeutschland, soll in diesem Abschnitt auf die Entwicklung der Tarif- und Effektivlöhne eingegangen werden. Streng genommen handelt es sich bei der gerade eben schon erläuterten Entwicklung der Bruttolöhne faktisch um die Entwicklung der Effektivlöhne, so dass diese Begriffe synonym verwendet werden können. Deshalb soll in diesem Abschnitt zuerst die relative Entwicklung des Tariflohnniveaus im Vergleich zwischen West- und Ostdeutschland untersucht werden. In einem zweiten Schritt wird dann die relative Entwicklung des Bruttolohnniveaus mit der relativen Entwicklung des Tariflohnniveaus verglichen. Tabelle 3 gibt hierfür einen Überblick.

[...]


1 eigene Definition des Begriffs Einkommen

2 an dieser Stelle wird auf eine nähere Diversifikation von Tarifverträgen verzichtet

3 Zur Berechnung der durchschnittlichen jährlichen Wachstumsraten wurde üblicherweise das geometrische Mittel benutzt

4 Die Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnungen der Länder weisen diese Entwicklung erst ab dem Jahr 1998 aus.

Ende der Leseprobe aus 41 Seiten

Details

Titel
Die Einkommensverteilung in West- und Ostdeutschland: Ist die Angleichung schon erfolgt?
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
41
Katalognummer
V192701
ISBN (eBook)
9783656178545
ISBN (Buch)
9783656180210
Dateigröße
1029 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Schlagworte
vergleich, entwicklung, einkommensverteilung, west-, ostdeutschland
Arbeit zitieren
Daniel Auner (Autor), 2011, Die Einkommensverteilung in West- und Ostdeutschland: Ist die Angleichung schon erfolgt?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192701

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