Zunahme atypischer bzw. prekärer Beschäftigung?

Diagnose und politische Folgerungen


Hausarbeit, 2009

22 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Atypische Beschäftigungsverhältnisse
2.1 Gründe für die Inanspruchnahme atypischer Beschäftigungsverhält- nisse aus Sicht der Arbeitnehmer
2.2 Gründe für die Inanspruchnahme atypischer Beschäftigungsverhält- nisse aus Sicht der Unternehmen
2.2.1 Befristete Arbeitsverträge
2.2.2 Leiharbeit
2.2.3 Geringfügige Beschäftigung
2.2.4 Teilzeitbeschäftigung
2.2.5 Praktika und geförderte Ein-Euro-Jobs
2.3 Gründe für die Zunahme atypischer Beschäftigungsverhältnisse

3 Prekäre Beschäftigung

4 Kann man atypische Beschäftigungsverhältnisse als prekär bezeichnen?
4.1 Einkommen
4.2 Beschäftigungsstabilität
4.3 Beschäftigungsfähigkeit

5 Politische Folgerungen

Literatur

Anhang

1 Einleitung

Der Arbeitsmarkt von heute ist gekennzeichnet durch eine Reihe von Beschäfti- gungsformen. War der Anteil der Normalarbeitsverhältnisse, darunter sind solche Arbeitsverhältnisse zu verstehen, die durch eine unbefristete Vollzeitbeschäftigung mit Integration in die sozialen Sicherungssysteme gekennzeichnet sind (Statistisches Bundesamt 2009: S. 5), gemessen an allen Erwerbstätigen im Jahr 1998 noch bei 72,6%, so liegt dieser Anteil im Jahr 2008 nur noch bei 66% (Statistisches Bundes- amt 2009: S. 26). Gleichzeitig aber steigt die Zahl der atypisch Beschäftigten an. Worauf diese Zunahme begründet ist und ob atypische Beschäftigung den Aufbau eines „Prekariats“ begünstigt, soll nachfolgend in dieser Arbeit erläutert werden.

2 Atypische Beschäftigungsverhältnisse

Zu atypischen Beschäftigungsverhältnissen kann man in der Regel alle Formen der Beschäftigung zählen, die nicht die Charakteristika eines Normalarbeitsverhältnis- ses aufweisen. Das heißt, es handelt sich hierbei um Beschäftigungen, die entweder nicht der Sozialversicherungspflicht unterliegen, die keine Vollzeittätigkeit ausma- chen und weiterhin nicht unbefristet sind, oder wenn es sich um eine Kombination dieser drei Kennzeichen handelt (Brehmer, Wolfram / Seifert, Hartmut 2008: S. 503). Arbeitsverhältnisse die diesen Kriterien entsprechen sind befristete Arbeitsverhält- nisse, geringfügige Beschäftigungen, auch Minijobs genannt, Teilzeitarbeit und Leih- arbeit. Ebenfalls zu den atypischen Beschäftigungsverhältnissen können Praktika so- wie Ein-Euro-Jobs gezählt werden (Bellmann, Lutz/Fischer, Gabriele/Hohendanner, Christina 2009: S. 379). Allerdings existieren auch Mischformen aus den einzelnen atypischen Beschäftigungsverhältnissen. So ist es zum Beispiel häufig der Fall, dass geringfügige Beschäftigung und Teilzeitarbeit einhergehen. Dies wiederum erschwert die Abgrenzung der verschiedenen Formen atypischer Beschäftigung und macht eine Aufsummierung der Werte der einzelnen Arten zu einer Gesamtzahl atypisch Be- schäftigter unmöglich (Statistisches Bundesamt 2009: S. 7). Das Statistische Bun- desamt beziffert nach Ergebnissen des Mikrozensus eine Gesamtzahl atypisch Be- schäftigter im Jahr 2008 von 7,7 Millionen Erwerbstätigen. Dies entspricht 22,2% aller erwerbstätigen Personen in Deutschland1. In der Literatur gibt es aber deut- liche Unterschiede in der Höhe der Zahlen atypisch Beschäftigter. So errechneten Brehmer, Wolfram / Seifert, Hartmut (2008: S. 509) einen Anteilswert von 37% atypisch Beschäftigter an allen Erwerbstätigen im Jahr 2007 (vgl. Abbildung 1). Dies ist allerdings darauf zurückzuführen, dass Bremer/Seifert Teilzeitbeschäftigte, mit einer wöchentlchen Arbeitszeit von 21 - 34 Stunden, ebenfalls zu den atypisch Beschäftigten dazuzählen2. Der gemeinsame Nenner aller Berechnungen ist, dass atypische Beschäftigungsverhältnisse, verglichen mit Normalarbeitsverhältnissen, in der Vergangenheit, sowie aktuell deutlich an Bedeutung gewonnen haben. Während der Anteil der Personen, die sich in Normalarbeitsverhältnissen befinden, seit 1998 von 72,6% um 6,6 Prozentpunkte gefallen ist, stieg der Anteil der Personen in aty- pischen Beschäftigungsverhätnissen von 16,6% um 6,0 Prozentpunkte (Statistisches Bundesamt 2009: S. 7). Um diesen Prozess nachvollziehen und verstehen zu kön- nen, muss verdeutlicht werden, welche Vorteile die verschiedenen Formen atypischer Beschäftigung sowohl für Erwerbstätige als auch für Unternehmen haben.

2.1 Gründe für die Inanspruchnahme atypischer

Beschäftigungsverhältnisse aus Sicht der Arbeitnehmer Die Inanspruchnahme atypischer Beschäftigungsverhältnisse kann aus Sicht der Ar- beitnehmer durchaus wünschenswert und mit diversen Vorteilen verbunden sein. Häufig werden kürzere Arbeitszeiten, in Form einer Teilzeitbeschäftigung, gegen- über Vollzeitbeschäftigungen präferiert. Dies ist damit zu begründen, dass kürzere Arbeitszeiten den familiären Alltag begünstigen und insbesondere dann erwünscht sind, wenn noch andere Einkommensquellen von anderen Familienmitgliedern ei- ne Mehrarbeit der betroffenen Person(en) reduzieren könnte (Sachverständigenrat 2008: S. 304).

Ein weiterer Grund, warum es lohnenswert sein kann eine atypische Beschäftigungs- form zu wählen, sind einerseits steuerliche Erleichterungen sowie niedrigere Sozial- abgaben. Demnach könnten besonders geringfügige Beschäftigungsverhältnisse Nor- malarbeitsverhältnissen vorgezogen werden (Sachverständigenrat 2008: S. 305). Andererseits werden Minijobs, als Nebentätigkeit, häufig auch dafür verwendet, die Haushaltskasse aufzubessern (Bellmann, Lutz/Fischer, Gabriele/Hohendanner, Christina 2009: S. 379).

Ein Motiv könnte auch die etwas freiere Arbeitsplatzgestaltung sein. In Bezug auf Leiharbeit ist dies gegeben, sofern es sich von den Erwerbstätigen um den Wunsch handelt, ihr Arbeitsleben abwechslungsreich, durch verschiedene berufliche Tätigkeiten, zu gestalten (Sachverständigenrat 2008: S. 305).

Häufig ist es für Studierende eine gute Gelegenheit, sich in den Semesterferien eine Nebentätigkeit, beispielsweise unbezahlte Praktika oder geringfügig entlohnte Tätig- keiten, zu suchen (Bellmann, Lutz/Fischer, Gabriele/Hohendanner, Christina 2009: S. 379).

Oft ist es vielen Erwerbstätigen aber auch gar nicht möglich ein Normalarbeitsverhältnis einzugehen, weil die Voraussetzungen auf dem Arbeitsmarkt, in Form von freien Stellen, nicht gegeben sind. Das heißt, sie müssen ungewollt weniger präferierte Arbeitsverhältnisse eingehen und bilden somit die „Randbelegschaft“ des Arbeitsmarktes (Sachverständigenrat 2008: S. 305).

2.2 Gründe für die Inanspruchnahme atypischer

Beschäftigungsverhältnisse aus Sicht der Unternehmen

Nicht nur für Arbeitnehmer kann es günstig sein atypische Beschäftigungsverhält- nisse einzugehen, sondern auch die Unternehmen können in hohem Maße davon profitieren. Der wahrscheinlich wichtigste Grund eines Unternehmens eine solche Beschäftigungsform zu bevorzugen, sind die erheblichen Kosten-/ Lohnvorteile, die am Beispiel der einzelnen Formen atypischer Beschäftigung aufgezeigt werden sollen.

2.2.1 Befristete Arbeitsverträge

Befristete Arbeitsverträge werden häufig eingesetzt, um einen allgemeinen Kündigungsschutz, in Verbindung mit erheblichen Entlassungskosten, zu umgehen. Befristete Arbeitsverträge finden deshalb oft dann Anwendung, wenn es sich um krankheitsbedingte Vertretungen des Stammpersonals oder Saisonarbeit handelt (Bellmann, Lutz/Fischer, Gabriele/Hohendanner, Christina 2009: S. 380). Befristete Arbeitsverträge sind auch dann ein geeignetes Mittel, wenn nach der gesetzlichen Probezeit von sechs Monaten nicht sicher ist, ob der Arbeitnehmer die geeigneten Qualifikationen für die Tätigkeit aufweisen kann (Bellmann, Lutz/Fischer, Gabriele/Hohendanner, Christina 2009: S.380).

2.2.2 Leiharbeit

Leiharbeit spielt hauptsächlich im verarbeitenden Gewerbe, insbesondere in indus- triellen Großbetrieben und den angrenzenden Dienstleistungsbranchen eine Rolle (Bellmann, Lutz/Fischer, Gabriele/Hohendanner, Christina 2009: S. 380). Bei der Leiharbeit können sich Kostenvorteile durch geringere Lohnkosten ergeben, soweit die Entleihkosten unter den Kosten der regulär Beschäftigten liegen. Ein weiterer Kostenvorteil für ein Unternehmen liegt in der Einsparung der betrieblichen Al- tersvorsorge, da sie die Leiharbeitnehmer nicht mit einschließt (Sachverständigenrat 2008: S. 305).

Des weiteren können Anpassungskosten, in Bezug auf Einstellungskosten neuer Mit- arbeiter oder Kosten, die durch den gesetzlichen Kündigungsschutzes verursacht werden, verringert werden. Da Leiharbeit besonders bei temporär erhöhter Produk- tion oder bei Krankheit von Mitarbeitern bevorzugt eingesetzt wird, kann allein deshalb schon eine Kostenersparnis gegeben sein, da sonst die Mehrarbeit auf die regulären Mitarbeiter überwälzt werden müsste und das Unternehmen höhere Lohn- kosten in Form von Überstundenzuschlägen entrichten müsste (Sachverständigenrat 2008: S. 305f).

Eine Auswirkung der Umgehung des gesetzlichen Kündigungsschutz zeigt sich dar- in, dass Unternehmen in konjunkturell unsicheren Zeiten bevorzugt Leiharbeitsver- hältnisse statt Normalarbeitsverhältnisse bevorzugen (Sachverständigenrat 2008: S. 306).

2.2.3 Geringfügige Beschäftigung

Geringfügige Beschäftigungsverhältnisse sind häufig im Handel und Gast- und Rei- nigungsgewerbe angesiedelt. Dies ist dadurch zu erklären, dass so flexibel auf Kun- denströme und sich ändernde Öffnungszeiten eingegangen werden kann (Bellmann, Lutz/Fischer, Gabriele/Hohendanner, Christina 2009: S. 380). Des Weiteren kann es für ein Unternehmen günstig sein geringfügige Beschäftigungsverhältnisse zu be- vorzugen, da so häufig tarifvertragliche Standards unterlaufen werden. Zu diesen tarifvertraglichen Standards zählen zum Beispiel die betriebliche Altersvorsorge, die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall oder die gesetzliche Feiertagsvergütung (Bell- mann, Lutz/Fischer, Gabriele/Hohendanner, Christina 2009: S. 380).

In Bezug auf Steuer- und Abgabenreduzierung kann es für ein Unternehmen durch- aus rentabel sein Vollzeitstellen in geringfügige Beschäftigungsstellen, sogenannte „Minijobs“ zu zerlegen, insbesondere dann, wenn es sich um eine Stelle handelt, die nicht zwingend von qualifizierten Arbeitnehmern besetzt werden muss (Sachverstän- digenrat 2008: S. 306).

2.2.4 Teilzeitbeschäftigung

Teilzeitbeschäftigung, als eine Form atypischer Beschäftigung, wird von Unternehmen häufig dann eingesetzt, wenn in einem Unternehmen temporäre Personalengpässe vorhanden sind oder wenn einer Verlängerung der betrieblichen Öffnungszeiten entgegengewirkt werden muss.

2.2.5 Praktika und geförderte Ein-Euro-Jobs

Die Idee, die hinter den Praktika und den geförderten Ein-Euro-Jobs steht, ist die- se Personen schrittweise in den Arbeitsmarkt einzugliedern. Normalerweise ist es auch nicht üblich, den Arbeitnehmern dieser Formen atypischer Beschäftigung eine Aufwandentschädigung zu bezahlen, zumal ihre Arbeit in diesem Betrieb lediglich ergänzend und nicht unbedingt im Vordergrund sein soll. Allerdings bietet dies für einige Betriebe einen Anreiz die Arbeitskraft für die Zwecke des Unternehmens zu missbrauchen (Bellmann, Lutz/Fischer, Gabriele/Hohendanner, Christina 2009: S. 380).

2.3 Gründe für die Zunahme atypischer Beschäftigungsverhältnisse

Die oben genannten Vorteile für Arbeitnehmer und Arbeitgeber eine bestimmte Form atypischer Beschäftigungsverhältnisse zu wählen stellen lediglich dar, warum solche Arbeitsverhältnisse eingegangen werden. Für die Zunahme atypischer Be- schäftigungsverhältnisse im Zeitverlauf sind nach dem Sachverständigenrat (2008: S. 307) hauptsächlich drei Gründe bedeutsam.

1. Der erste Grund ist in den Reformen am Arbeitsmarkt angesiedelt, die haupt- sächlich, in Bezug auf die Zunahme atypischer Beschäftigungsverhältnisse, das „Fordern“ betonen. Dies wird besonders deutlich hinsichtlich der Intensität der Arbeitsplatzsuche und der Akzeptanz von Arbeitsplätzen zweiter Wahl. An- dererseits sind zahlreiche gesetzliche Änderungen, die die Steuer- und Abga- benlast der Minijobs regeln, erneuert worden, sodass es zu einer Ausdehnung dieses Beschäftigungsverhältnisses gekommen ist (Sachverständigenrat 2008: S. 307).

Bedeutsame Änderungen, welche die Steuer- und Abgabenpflicht betreffen sind nachfolgend aufgelistet (Sachverständigenrat 2008: S. 424f):

- Erhöhung der Entgeltgrenze von 325 e auf 400 e
- Aufhebung der Begrenzung der wöchentlichen Arbeitszeit (zuvor weniger als 15 Stunden pro Woche)
- Zahlung eines Pauschalbetrages des Arbeitgebers von 30,1 %, der dann zu 15 Prozentpunkten an die Rentenversicherung, zu 13 Prozentpunkten an die Krankenversicherung und zu zwei Prozentpunkten an den Fiskus abgeführt werden

[...]


1 Analysiert werden sogenannte Kernerwerbstätige, die sich nicht in Bildung oder (Berufs-) Ausbildung befinden und Personen die zwischen 15 und 65 Jahren alt sind. Außerdem wird bei den Analysen im Mikrozensus nur die Haupttätigkeit berücksichtigt

2 Berechnungsgrundlage ist das sozioökonomische Panel (SOEP)

Ende der Leseprobe aus 22 Seiten

Details

Titel
Zunahme atypischer bzw. prekärer Beschäftigung?
Untertitel
Diagnose und politische Folgerungen
Hochschule
Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg  (Rechts- und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät)
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
22
Katalognummer
V192707
ISBN (eBook)
9783656179719
ISBN (Buch)
9783656179924
Dateigröße
713 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
zunahme, beschäftigung, diagnose, folgerungen
Arbeit zitieren
Daniel Auner (Autor), 2009, Zunahme atypischer bzw. prekärer Beschäftigung?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192707

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