In der Weltgeschichte hat es bisher zahlreiche tragische Ereignisse gegeben,
durch die Menschen in einer besonderen Weise berührt und ihre persönlichen
und politischen Lebenswelten mehr oder weniger drastisch und dramatisch
verändert wurden. Auch der 11. September 2001, an dem sich der bisher
perfideste Terroranschlag aller Zeiten ereignete, war ein solches Ereignis,
das sich trotzdem von anderen unterscheidet. Es reiht sich nicht nur in
menschliche Tragödien wie z.B. den der Untergang der Titanic im Jahre 1912
oder die Ermordung John F. Kennedys am 22. November 1963 ein, sondern ist
gleichzeitig auch mit solchen Begebenheiten vergleichbar, die den politischen
Lauf der Welt veränderten, wie beispielsweise das Attentat auf das österreichisch-
ungarische Thronfolgerpaar im Sommer 1914 in Sarajevo, das Europa
in den Ersten Weltkrieg stürzte oder der „niederträchtige Überfall“ (so der
damalige US-Präsident Roosevelt) auf Pearl Habour 1941, der die zögernden
USA in den Zweiten Weltkrieg zog, dessen Verlauf veränderte und Deutschland
von der Naziherrschaft befreite.
Welches Ausmaß die Zerstörung der Zwillingstürme des World Trade Centers
und der Angriff auf das Pentagon in Washington tatsächlich auf die politische
Entwicklung des 21. Jahrhunderts haben wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt noch
nicht auszumachen. Über eine veränderte Weltmachtpolitik der USA und der
sich daraus ergebenden Neuordnung der Weltlage darf und kann allerdings
jetzt schon spekuliert werden, und das nicht erst seit dem letzten Irak-Krieg.
Diese Arbeit will beleuchten, welche unmittelbaren politischen Auswirkungen
den Terroranschläge vom 11. September nachfolgten und die Frage beantworten,
warum sie in gewisser Weise als Instrument für das Hegemoniestreben
der US-Administration und ihrem Präsidenten George W. Bush gedient
haben könnten.
Kam das schreckliche Ereignis der US-Außenpolitik gerade recht, um die eigentlichen
Ziele der US-Außenpolitik intensiver verfolgen zu können? War zu
diesem Zeitpunkt eine Irak-Invasion schon längst beschlossene Sache? [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die terroristischen Anschläge vom 11. September 2001
3. Die unmittelbaren Folgen der Terroranschläge: Neue Kriege
4. Fazit
5. Literaturliste
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die direkten politischen Auswirkungen der Terroranschläge vom 11. September 2001 und analysiert, inwieweit diese Ereignisse als Instrument zur Umsetzung hegemonialer Ziele der US-Administration unter George W. Bush instrumentalisiert wurden.
- Analyse der Terroranschläge als Zäsur in der Weltpolitik
- Untersuchung des Paradigmenwechsels in der US-Außen- und Sicherheitspolitik
- Bewertung der Legitimation militärischer Interventionen im Kontext der Terrorbekämpfung
- Kritische Betrachtung des Alleingangs der USA gegenüber internationalen Gremien
Auszug aus dem Buch
Die unmittelbaren Folgen der Terroranschläge: Neue Kriege
Für die weitere Betrachtung war es wichtig, noch einmal detaillierter auf die Geschehnisse des 11. September 2001 ein zu gehen um zu verdeutlichen, welche Bedeutung der terroristische Akt für das Selbstverständnis der Supermacht USA einerseits hatte und wie „einfach“ es für 19 islamische Extremisten war, die Attentate zu planen und durchführen zu können. Durch den gewonnenen Irak-Krieg im Jahre 1991 hatten die USA gerade das Vietnam-Trauma überwunden und glaubten wieder an die eigene Unverletzbarkeit und Unverwundbarkeit. Durch das Attentat wurde diese Überzeugung unvermittelt revidiert. Spätere Ermittlungen haben ergeben, dass sich die Drahtzieher der Anschläge über 15 Monate lang in den USA aufgehalten, ihre Fluglizenz erworben und die Attentate minutiös vorbereitet haben, ohne dass die CIA oder das FBI oder eine andere Institution von diesen Vorbereitungen im eigenen Land Kenntnis bekommen hatten. Diese Bedrohung „von innen heraus“ war Grundlage der politischen und später auch militärischen Entschlossenheit, mit der die US-Administration in der Folgezeit auf die Anschläge reagierte und den Terrorismus zu bekämpfen suchte.
Die Art und Weise, wie das Attentat verübt wurde und welche politischen Auswirkungen sich bis heute daraus ergeben haben, stellt ein Novum in der Geschichte dar. Ein Krieg zwischen Staaten bzw. den größten Mächten der Welt war nach Auflösung des Ost-West-Konflikts in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts auf absehbare Zeit sehr unwahrscheinlich geworden. Ein neue Form des Terrors geht jetzt von gesellschaftlichen Akteuren aus, die auch ohne den Einsatz von Massenvernichtungswaffen erhebliche Schäden in einer Industriegesellschaft anrichten können. Erstmalig gelang es am 11. September 2001 einer Gruppierung gesellschaftlicher Akteure nicht unter Einsatz von herkömmlicher Waffen, sondern durch die Umfunktionierung einfacher Transportmittel zu fliegenden Bomben einem Staat direktes Unheil zuzufügen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung ordnet die Anschläge des 11. September 2001 in den historischen Kontext bedeutender Weltereignisse ein und formuliert die Forschungsfrage zur strategischen Nutzung des Ereignisses durch die USA.
2. Die terroristischen Anschläge vom 11. September 2001: Dieses Kapitel schildert den Ablauf der Anschläge und den damit verbundenen Schockzustand der US-Regierung sowie die unmittelbaren Auswirkungen auf das Sicherheitsverständnis der amerikanischen Öffentlichkeit.
3. Die unmittelbaren Folgen der Terroranschläge: Neue Kriege: Das Kapitel analysiert den Paradigmenwechsel hin zur aktiven Terrorbekämpfung und den Übergang zu einer einseitigen, militärisch geprägten Außenpolitik der USA bis hin zum Irak-Krieg.
4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die Anschläge zur Destabilisierung der internationalen Ordnung beitrugen und die USA ihre Macht zunehmend unilateral und unter Vernachlässigung internationaler Abstimmung durchsetzten.
5. Literaturliste: Die Literaturliste verzeichnet die für die Ausarbeitung herangezogenen wissenschaftlichen Werke und Quellen.
Schlüsselwörter
11. September 2001, US-Außenpolitik, George W. Bush, Terrorismus, Irak-Krieg, Hegemonie, Sicherheitsstrategie, World Trade Center, Militärintervention, transatlantische Beziehungen, Gerechter Krieg, Al-Kaida, Schurkenstaaten, UN-Sicherheitsrat, Weltmachtpolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die politischen Veränderungen, die durch die Terroranschläge vom 11. September 2001 in der US-Außenpolitik ausgelöst wurden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der amerikanischen Sicherheitsstrategie, der Rolle der NATO, der Definition von „Schurkenstaaten“ und der Legitimität des Irak-Kriegs.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist zu beleuchten, inwiefern die Anschläge als Instrument für das Hegemoniestreben der US-Administration unter George W. Bush dienten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine politikwissenschaftliche Analyse aktueller Geschehnisse auf Basis von Fachliteratur und Zeitungsquellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden der Ablauf der Anschläge, die Reaktion der USA, der Paradigmenwechsel in der Sicherheitsdoktrin und der Weg in den Irak-Krieg detailliert dargelegt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind 11. September 2001, US-Hegemonie, Terrorismusbekämpfung, Irak-Krieg und internationale Weltordnung.
Warum konnte die US-Administration den Irak-Krieg ohne UN-Mandat führen?
Die USA argumentierten mit dem Recht auf Selbstverteidigung und der Bedrohung durch Massenvernichtungswaffen, wobei sie sich über die skeptische Haltung vieler Verbündeter und des UN-Sicherheitsrates hinwegsetzten.
Wie bewertet der Autor die Rolle Deutschlands in diesem Kontext?
Der Autor hebt hervor, dass Deutschland als führende Kraft in Europa eine kritische Haltung gegenüber dem Hegemoniedrängen der USA einnahm und damit die europäische Position stärkte.
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- Matthias Eichler (Author), 2003, Vom 11. September 2001 zum Irak-Krieg 2003, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19276