Neros Außenpolitik im Osten des Reiches


Seminararbeit, 2009

14 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Hauptteil
2.1 Die Chronologie der neronischen Orientpolitik
2.1.1 Die römisch-parthischen Beziehungen
2.1.2 Die Situation in Armenien beim Regierungsantritt Neros
2.1.3 Der Verlauf des Armenienkrieges
2.1.4 Neros weitere ostpolitische Pläne
2.2.Die Armenienfrage und ihre Auswirkungen auf Neros Herrschaft
2.3 Der Einfluss von Neros Politik auf die Machtverhältnisse im Osten des Reiches

3. Schluss

Literaturverzeichnis

Erklärung

1. Einleitung

„Das Reich zu vergrößern und weiter auszudehnen lag völlig außerhalb seiner Wünsche und Vorstellungen“1

Nero ist weder als großer Kriegsherr noch als Diplomat in die Geschichte eingegangen. Er bleibt im Gedenken als wahnsinniger Tyrann, der Rom in Brand steckte. Doch ist dieses Bild des schlechten Kaisers auch auf seine Politik im Osten des Reiches zu beziehen? Von den wenigen außenpolitischen Aktivitäten des Princeps ist der Armenienkrieg am besten dokumentiert und prägt somit das Bild, das Nero als Staatsmann hinterlässt. Und was charakterisiert einen guten Kaiser im Hinblick auf seine außenpolitischen Aktivitäten? Hat Nero die Politik im Osten nachhaltig beeinflusst? Zudem: Haben Neros Aktivitäten im Osten überhaupt Einfluss auf seinen Werdegang gehabt?

In diesen Fragen klaffen die Forschungsmeinungen weit auseinander und es stehen zwei Deutungsansätze zur Diskussion. Bernard W. Henderson und an ihn anschließend Gerhard H. Waldherr haben in ihren Arbeiten ein Bild entworfen, das die Politik Neros eher als Reaktion auf die Politik der Parther zeigt. Werner Schur hingegen sieht in Neros Bestrebungen die Ansätze für eine weitgreifende, revolutionäre Orientpolitik. Grundlage dieser Arbeit werden somit die Werke der bereits erwähnten Autoren, sowie Matthäus Heil „Die orientalische Außenpolitik des Kaisers Nero“ sein, der die Forschungsmeinungen Henderson und Schurs einander gegenüber stellt und die Diskussion um die Frage der virtus erweitert, d.h. die Frage stellt, ob die neronische Orientpolitik eventuell lediglich propagandistischen Zwecken diente.

Um einen Überblick über die Begebenheiten zu schaffen wird zunächst versucht die Chronologie der neronischen Ostpolitik darzustellen, um dann näher auf die Fragen nach den Auswirkungen dieser Ereignisse sowohl auf den Kaiser selbst, als auch auf die römische Orientpolitik im Gesamten einzugehen.

2. Hauptteil

2.1 Die Chronologie der neronischen Orientpolitik

2.1.1 Die römisch-parthischen Beziehungen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die römischen Provinzen

http://www.hdg.de/eurovisionen/html/popup/ku2_1a.html

Im Osten des Reiches war zur Zeit Neros der größte politische Brennpunkt Armenien. Dies lässt sich vor allem auf seine geographische Lage zurück führen. Der Euphrat war seit den Eroberungen Pompeius die Ostgrenze des Reiches, zugleich bildete er jedoch auch die Westgrenze Armeniens. Als Pufferstaat zwischen dem Römischen und dem Parthischen Reich war es für beide Mächte strategisch äußerst wertvoll.2

Die Herrscherdynastie Armeniens wurde im 2. Jahrhundert v. Chr. begründet. Der armenische König Tigranes II (95-55 v. Chr.) breitete seine Macht auf weite Teile Vorderasiens aus. Im Jahre 66 v. Chr. verlor er jedoch einen Großteil, maßgeblich den Westen, an Rom. Seither war der verbliebene östliche Teil, Armenia maior, römisches Klientelköngtum. Dieses war zwar von Rom abhängig und der jeweilige Herrscher wurde von Rom eingesetzt, doch wurde stets darauf geachtet, dass er auch von den Parthern akzeptiert wurde.3

2.1.2 Die Situation in Armenien beim Regierungsantritt Neros

Im Jahre 51 n. Chr., am Ende der Regierungszeit Claudius, bestieg Vologaeses4 den parthischen Thron und brachte, als im gleichen Jahr der römische Klientelkönig Mithridates von seinem Neffen Rhadamistos ermordet wurde, seinen Bruder Tiridates auf den armenischen Thron. Die wenigen vor Ort stationierten römischen Truppen konnten dem nichts entgegensetzen.5

Als im Jahr 54 n. Chr. der von Rom favorisierte Rhadamistos starb, war durch den Wegfall seines Rivalen Tiridates Herrschaft über Armenien weitgehend gesichert und die neue römische Regierung sah sich der Aufgabe gegenüber, Armenien wieder in ihren Herrschaftsbereich zu integrieren oder zumindest aus dem der Parther zu reißen.6

2.1.3 Der Verlauf des Armenienkrieges

Der genaue Ablauf des armenischen Krieges ist nicht überliefert. Weder Sueton noch Tacitus oder Cassius Dio geben hinreichende Hinweise, um heute die genaue Chronologie festlegen zu können. Somit kann hier nur auf den groben Handlungsverlauf eingegangen werden.

Kurz nach dem Tode Claudius erreichte Rom die Nachricht, dass Tiridates Armenien eingenommen habe. Der damit einhergehende parthische Einfluss auf Armenien konnte von Rom nicht toleriert werden. Im Jahre 557 wurde Cn. Domitius Corbulo8, ein bewährter Militär, als Statthalter von Kappadokien und Galatien eingesetzt. Er zog aus Syrien und anderen östlichen Provinzen Streitkräfte zusammen und bereitete sich auf den Krieg gegen die Parther vor.9 Zu diesem Zeitpunkt ergab sich jedoch unerwartet die Chance auf eine schnelle, friedliche Lösung, denn der Partherkönig Vologaeses war aufgrund eines Aufstandes im Inneren seines Reiches dazu gezwungen, seine Truppen aus Armenien abzuziehen und ließ seinen Bruder Tiridates schutzlos auf dem armenischen Thron zurück. Umgehend wurden Boten geschickt, um die „Rückkehr zu der herkömmlichen Achtung vor der römischen Macht zu fordern“10 und die Verhandlungen über die Anerkennung des Tiridates auf dem armenischen Thron einzuleiten. Vologaeses nahm das Angebot an und der Partherfriede kam zustande. Dieser wurde in Rom mit großen Ehrenbeschlüssen für den Kaiser quittiert.11

Im Laufe des Jahres 56, während der fortlaufenden Friedensverhandlungen, stellte sich jedoch heraus, dass Römer und Parther von völlig unterschiedlichen Voraussetzungen für den Friedensschluss ausgegangen waren. Rom bestand auf die Rückkehr zum status quo ante und somit darauf, dass Tiridates dem römischen Kaiser huldigte und sich unter seine Oberhoheit stellte. Die Parther hingegen plädierten auf die Anerkennung des status quo und somit auf den stillschweigenden Verzicht Roms auf die Oberhoheit über Armenien.12 Ein Übereinkommen war nicht möglich und Corbulo eröffnete den Krieg im Frühjahr 57. Corbulo hatte während der römisch-parthischen Verhandlungen an Armenien angrenzende Klientelfürstentümer durch materielle Vergünstigungen an Rom gebunden und sich deren Wohlwollen und militärische Unterstützung versichert.13 Im Zuge der Kampfhandlungen nahm Corbulo zuerst die alte armenische Hauptstadt Artaxata und 58 auch Tigranokerta, den Königssitz, ein. Tiridates floh zu seinem Bruder Vologaeses.14

Rom setzte nun den in Rom aufgewachsenen, nicht aus dem parthischen Herrscherhaus stammenden, Tigranes V als „Marionettenherrscher“15 ein und stellte ihm zur Sicherung des Throns ein großes militärisches Kontingent zur Verfügung. Nachdem er Tigranes nach Armenien gebracht hatte, zog sich Corbulo nach Syrien zurück, um das Kommando über die dort stationierten Legionen zu übernehmen und L. Caesennius Paetus wurde neuer Statthalter von Kappadokien und Galatien.16

[...]


1 Suet. Nero 18,1.

2 Vgl. Schur, W., Die Orientpolitik des Kaisers Nero. (Klio, Beiheft XV, Aalen 1963), S.1f.

3 Vgl. Waldherr, G.H., Nero. Eine Biographie (Regensburg 2005), S. 148. 2

4 Vologaeses I :parthischer König, der von 51 bis 76/80 regierte.

5 Vgl. Schur, Orientpolitik S. 3.

6 Vgl. Henderson, B.W., The life and principate of the emperor Nero (Studia Historica 55, Rom 1968), S.162.

7 Die Jahresangaben variieren, z.B. gibt Malitz hier das Jahr 54 an. Ich richte mich nach den Angaben in Schur, Orientpolitik.

8 Gnaeus Domitius Corbulo (* um 7; † 67) römischer Politiker, Senator und bedeutendster Feldherr seiner Zeit. Unter Claudius 47 Armeebefehlshaber in Germania Inferior und 52 Statthalter der Provinz Asia.

9 Vgl. Waldherr, Nero S. 149.

10 Schur, Orientpolitik, S.8.

11 Vgl. Schur, Orientpolitik, S.8.

12 Vgl. Schur, Orientpolitik S. 8f.

13 Vgl. Malitz, J., Nero (Beck’sche Reihe, München 1999) S. 149.

14 Vgl. Waldherr Nero, S.150.

15 Waldherr, Nero, S.150.

16 Vgl. Waldherr, Nero S.151.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Neros Außenpolitik im Osten des Reiches
Hochschule
Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Proseminar: Nero – Der schlechte Kaiser?
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
14
Katalognummer
V192798
ISBN (eBook)
9783668017924
ISBN (Buch)
9783668017931
Dateigröße
570 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Nero, Parther, Armenien, Außenpolitik, Rom
Arbeit zitieren
Jule Ebbing (Autor), 2009, Neros Außenpolitik im Osten des Reiches, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192798

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Neros Außenpolitik im Osten des Reiches



Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden