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Von „Demian“ über „Siddhartha“ bis „Das Glasperlenspiel“ – Hermann Hesses geistiger Weg nach China

Title: Von „Demian“ über „Siddhartha“ bis  „Das Glasperlenspiel“  – Hermann Hesses geistiger Weg nach China

Term Paper (Advanced seminar) , 2008 , 25 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Monika Müller-Karpe (Author)

German Studies - Modern German Literature
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„Diese Wurzel der chinesischen Kultur ist unseren aktuellen Kulturidealen so entgegengesetzt, daß wir uns freuen sollten, auf der anderen Hälfte der Erdhalbkugel einen so festen und respektablen Gegenpol zu besitzen. Es wäre töricht, zu wünschen, die ganze Welt möchte mit der Zeit europäisch oder chinesisch kultiviert werden; wir sollten aber vor diesem fremden Geist lernen und den fernsten Osten ebenso zu unseren Lehrern rechnen, wie wir es seit Jahrhunderten mit dem westasiatischen Orient getan haben.“

Dieses Zitat zeigt Hermann Hesses besonderes Verhältnis zu China und verdeutlicht die Wichtigkeit, die Hesse in der chinesischen Kultur als Bereicherung seiner eigenen europäischen sah. Aus diesem Grund soll im Folgenden gezeigt werden, inwiefern Hesses geistiger Weg nach China einen entscheidenden Faktor für sein Schaffen darstellte und in seinem literarischen Lebenswerk einen zunehmend bestimmenden Einfluss erhielt. Zunächst wird hierfür anhand der intellektuellen Stimmung zur Schaffenszeit Hesses sowie seiner persönlichen Auseinandersetzungen mit dem Land der Mitte die tragende Bedeutung chinesischer Denkweisen für die geistige Entwicklung Hesses dargelegt werden. Anschließend erfolgt eine Erläuterung der wesentlichen Merkmale der chinesischen Denkschulen Daoismus und Konfuzianismus sowie der Religion des Zen-Buddhismus. Diese werden als Grundlage für den fokussierten Hauptteil dieser Arbeit gelten: die Interpretation der Werke „Demian“, aber vor allem „Siddhartha“ und „Das Glasperlenspiel“, in welchen die Beschäftigung Hesses mit dem chinesischen Gedankengut nicht nur am markantesten hervortritt, sondern geradezu als beherrschendes Element dient und ihren Höhepunkt findet. Grundlage dieser Arbeit sind neben genannten Werken von Hesse unter anderem Adrian Hsias „Hermann Hesse und China – Darstellungen, Materialien und Interpretationen“ sowie „Hermann Hesse Blick nach dem Fernen Osten – Erzählungen, Legenden, Gedichte und Betrachtungen“ herausgegeben von Volker Michels .

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

I. Einleitung

II. Hermann Hesses Verhältnis zu China

1. Politische und geistige Situation zur Lebenszeit Hesses

2. Persönliche Begegnungen

III. Auseinandersetzung mit chinesischen Denkschulen

1. Daoismus

a) Dao und Yin und Yang

b) Daoistische Sprachkritik

c) Wu Wei

2. Konfuzianismus

3. Zen-Buddhismus

IV. Chinesische Elemente als Interpretationsgrundlage in den Werken Hesses

1. Demian

a) Anima und Animus oder Yin und Yang?

b) Der Wappenvogel als Vogel Pöng?

c) Christliche Mystik oder Meditation?

2. Siddhartha

a) Das Einheitsstreben von Yin und Yang in Siddharthas Leben

b) Der Fluss – das unpersönliche Dao

c) Der Fährmann – das personifizierte Dao

d) Daoistischer oder christlicher Begriff von „Liebe“?

3. Das Glasperlenspiel

a) Josef Knechts Leben – die Suche nach dem Dao in einer „konfuzianistischen“ Welt

b) Das I-Jing als Vorlage des Glasperlenspiels

c) Josef Knechts Tod als Einswerden mit dem Dao

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht den geistigen Weg Hermann Hesses in Richtung chinesischer Philosophie und Lebensweisheit, um aufzuzeigen, wie diese Einflüsse sein literarisches Schaffen, insbesondere in den Romanen Demian, Siddhartha und Das Glasperlenspiel, nachhaltig prägten und als Grundlage für die Lösung westlicher Identitäts- und Lebenskrisen dienten.

  • Analyse der politischen und persönlichen Hintergründe von Hesses Hinwendung zum Fernen Osten.
  • Untersuchung der zentralen chinesischen Denkschulen: Daoismus, Konfuzianismus und Zen-Buddhismus.
  • Interpretation der Anwendung daoistischer Prinzipien wie Yin und Yang sowie Wu Wei auf die Protagonisten.
  • Erörterung der Rolle des I-Jing und der Musik als verbindende Elemente in Hesses Alterswerk.
  • Synthese der Erkenntnis, wie die chinesische Weisheit eine Brücke zwischen Vita activa und Vita contemplativa schlägt.

Auszug aus dem Buch

c) Josef Knechts Tod als Einswerden mit dem Dao

Der Tod Knechts stellt nicht nur sein persönliches Einswerden mit dem Dao dar, sondern gibt gleichzeitig einen Ausblick auf eine mögliche neue Verbindung zwischen den zwei gegensätzlichen Polen in das komplementäre Paar von Yin und Yang: Die Einheit von Geist und Welt soll nicht nur in ihm selbst geschehen, sondern ist seine persönliche Aufgabe in Hinblick auf die Menschheit, die er an Kastalien und seiner Außenwelt verwirklichen möchte, getreu der Forderung seiner Antrittsrede, an der vita contemplativa ebenso wie an der vita activa teilzuhaben. Im Kontrast zu der Szene mit dem Älteren Bruder erhält die Landschaft der Endszene einen symbolbehafteten Gehalt, welcher diese These unterstützt. Zunächst ist Knecht Schüler beim Älteren Bruder, nun ist er selbst Lehrer von Tito. Das Landhaus der Designoris liegt in einer strengen, finsteren Landschaft, die, statt eines plätschernden Brunnens wie beim Älteren Bruder, einen Wasserfall, statt eines gemauerten Goldfischbeckens einen Bergsee und statt Bambusgehölz einen hohen Felsgrat aufweist.

Die Endszenerie erweckt Assoziationen mit dem Bild des „Taiji“, das die Einheit der komplementären Pole darstellt: Der See liegt zur Hälfte im Schatten, die andere Hälfte wird mit dem Licht der aufgehenden Sonne überflutet. Gleichzeitig erhält die Szene einen dynamischen Aspekt, da die Sonne im Aufgehen begriffen ist und Tito ihr, und damit dem hellen Yang, entgegenschwimmt. Knecht bleibt zunächst im Schatten des Yin, entschließt sich dann aber auch zum Schwimmen und wird dadurch eins mit den im Übergang begriffenen dunkeln Yin und hellem Yang. An der Beschreibung seines Todes wird diese Einheit anhand der Bilder des Feuers und des Wassers nochmals verdeutlicht: Das Wasser, welches ihn „mit einer Eiseskälte“ empfängt, umfasst ihn gleichzeitig mit „lodernden Flammen“.

So kann das Leben Knechts als Kreislauf verstanden werden, in dem Yin und Yang aufeinandertreffen und bei seinem Tod schließlich eine harmonische Einheit finden, die durch den natürlichen Lauf der Natur permanent vom Übergang geprägt ist und so die schöpferische Dynamik des Dao bewahrt.

Zusammenfassung der Kapitel

I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Bedeutung der chinesischen Kultur für Hesses persönliches und literarisches Leben ein und definiert den methodischen Rahmen der Untersuchung.

II. Hermann Hesses Verhältnis zu China: Dieses Kapitel erläutert die politische Entfremdung Hesses vom deutschen Idealismus und die persönlichen Erfahrungen, die zu seinem wachsenden Interesse an fernöstlichem Denken führten.

III. Auseinandersetzung mit chinesischen Denkschulen: Hier werden die theoretischen Grundlagen von Daoismus, Konfuzianismus und Zen-Buddhismus dargelegt, auf die sich Hesse in seiner Rezeption bezog.

IV. Chinesische Elemente als Interpretationsgrundlage in den Werken Hesses: Dies ist der Hauptteil, der die Anwendung der chinesischen Philosophie auf die drei Kernwerke Demian, Siddhartha und Das Glasperlenspiel analysiert.

Schlüsselwörter

Hermann Hesse, Daoismus, Siddhartha, Das Glasperlenspiel, Demian, Yin und Yang, Wu Wei, I-Jing, Konfuzianismus, Zen-Buddhismus, Individuation, fernöstliche Philosophie, Weltbild, Identität, Harmonie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Einfluss chinesischer Denkschulen, insbesondere des Daoismus, auf das literarische Schaffen von Hermann Hesse.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Untersuchung konzentriert sich auf die Verbindung zwischen östlicher Philosophie und Hesses westlicher Suche nach seelischer Harmonie und Individuation.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das Ziel ist es, nachzuweisen, dass Hesses Beschäftigung mit China keine bloße Randnotiz ist, sondern ein wesentliches Merkmal, das seine Entwicklung vom jungen Individuum bis zum alternden, gesellschaftsverantwortlichen Magister Ludi prägte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine komparative Literaturanalyse, die Hesses Romane im Kontext der daoistischen, konfuzianischen und zen-buddhistischen Lehren sowie seiner persönlichen Briefe und Tagebücher interpretiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden die Werke Demian, Siddhartha und Das Glasperlenspiel chronologisch analysiert, um die zunehmende Integration chinesischer Denkelemente in die Romanstruktur und Charakterentwicklung aufzuzeigen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Yin und Yang, Dao, Wu Wei, Individuation, I-Jing und die Synthese von östlichem und westlichem Denken charakterisiert.

Wie unterscheidet sich die Rolle des Wassers in Siddhartha vom Glasperlenspiel?

In Siddhartha symbolisiert das Wasser den Fluss als unpersönliches Dao und den Weg zur Erkenntnis, während es im Glasperlenspiel in der Endszenerie gemeinsam mit dem Feuer das Einswerden mit dem Dao und die dynamische Vereinigung gegensätzlicher Pole darstellt.

Warum wird Siddhartha als "indische Dichtung" bezeichnet, obwohl die Weisheit daoistisch geprägt ist?

Hesse wählte den indischen Schauplatz als "indisches Gewand", da er zum Zeitpunkt der Entstehung indische Themen bearbeitete, während sein inneres Streben jedoch bereits von der daoistischen Einheitslehre Laotses beeinflusst war.

Welchen Stellenwert nimmt das Glasperlenspiel in der Gesamtbetrachtung ein?

Das Werk wird als Abschluss von Hesses Weg nach China verstanden, in dem die daoistische Weisheit nicht nur auf das eigene Selbst bezogen, sondern als eine notwendige gesellschaftliche Aufgabe zur Harmonisierung von Gegensätzen begriffen wird.

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Details

Title
Von „Demian“ über „Siddhartha“ bis „Das Glasperlenspiel“ – Hermann Hesses geistiger Weg nach China
College
University of Heidelberg  (Germanistisches Seminar)
Course
Hermann Hesse: die Erzählungen und Romane
Grade
1,3
Author
Monika Müller-Karpe (Author)
Publication Year
2008
Pages
25
Catalog Number
V192808
ISBN (eBook)
9783656178453
ISBN (Book)
9783656180005
Language
German
Tags
Hermann Hesse China Demian Siddhartha Glasperlenspiel Konfuzianismus Zen-Buddhismus
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Monika Müller-Karpe (Author), 2008, Von „Demian“ über „Siddhartha“ bis „Das Glasperlenspiel“ – Hermann Hesses geistiger Weg nach China, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192808
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