In der Arbeit dreht sich alles um die interpersonelle Kommunikation am Pokertisch. Bei kaum einem anderen Spiel ist die nonverbale Kommunikation, in diesem Fall die Beherrschung der eigenen Körpersprache bzw. die Fähigkeit die Körpersprache der Gegenspieler richtig zu "lesen", von größerer Bedeutung als beim Poker. Diese "Kommunikations-Notwendigkeit" bzw. "Kommunikations-Präsenz" wird im ersten Teil der Magisterarbeit (Auseinandersetzung mit nonverbaler Kommunikation, Semiotik, Pokergrundlagen) aufgezeigt und mithilfe der Analyse eines Pokerturniers (anhand eines zuvor angefertigten Kategorienschemas) und Experteninterviews im zweiten Teil empirisch untermauert. Die Ergebnisse können als durchaus überraschend angesehen werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
1.1 Einleitung
1.2 Aufbau der Arbeit
1.3 Forschungsfragen
2 Definitionen von Kommunikation
3 Nonverbale Kommunikation
3.1 Körpersprache
3.2 Nonverbal vs. Verbal
3.3 Dimensionen der nonverbalen Kommunikation
3.4 Systematisierung
3.5 Wirkung und Manipulation
3.6 Nonverbale Kommunikation in der Tierwelt
4 Körpersignale des Menschen
4.1 Wahrnehmungen
4.2 Gesicht, Emotionen und Mimik
4.2.1 Stirnbereich
4.2.2 Mittelgesicht
4.2.2.1 Die Augen
4.2.2.2 Die Nase
4.2.3 Mund- und Kinnpartie
4.3 Der Hals
4.4 Hände und Finger
4.5 Körperbewegungen
4.6 Nonverbale Vokalisierungen
5 Semiotik
5.1 Einführung
5.2 Historische Entwicklung
5.3 Peirce und de Saussure
5.4 Semiosphäre
6 Geschichte
6.1 Vorläufer und Verbreitung
6.2 Europa und der Rest der Welt
6.3 Online-Poker
7 Basiswissen
7.1 Regelkunde
7.2 Fachbegriffe
7.3 Verschiedene Pokervarianten
7.3.1 (No) Limit Texas Hold’em
7.3.2 Omaha Hold’em
7.3.3 Seven Card Stud
7.3.4 Five Card Draw
7.4 Kartenkombinationen
8 Kommunikation am Pokertisch
8.1 Der „Psychologie“-Faktor
8.2 Bluffs
8.3 Tells
8.3.1 Top-Tells
8.3.2 Allgemeine Tells
8.3.3 Noncombat Tells
8.3.4 Online-Tells
8.4 Betting Patterns
9 TV Total Pokernacht
9.1 Teilnehmer
9.2 Künstlerische und technische Faktoren
10 Methode
10.1 Beobachtung
10.1.1 Elemente der Beobachtung
10.1.2 Formen der Beobachtung
10.2 Filmanalyse
10.3 Interview
10.4 Abschließende Anmerkungen zur Analyse
11 Analyse „TV Total Pokernacht“
11.1 Wiederkehrende nonverbale Signale
11.2 Paraphrasierung und Kategorienbildung
12 Auswertung und Interpretation
13 Beantwortung der Forschungsfragen
14 Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Massenphänomen Poker hinsichtlich seiner interpersonellen Kommunikationsaspekte, insbesondere der nonverbalen Signale ("Tells"), um aufzuzeigen, wie viel Kommunikation tatsächlich in dem als "Glücksspiel" bekannten Kartenspiel steckt.
- Theoretische Fundierung nonverbaler Kommunikation und Semiotik
- Grundlagen des Pokerspiels und dessen historische Entwicklung
- Empirische Analyse der "TV Total Pokernacht" mittels Filmanalyse
- Identifikation und Kategorisierung nonverbaler Signale am Pokertisch
- Abgleich von Körpersprache und Spielverhalten zur Identifizierung von Tells
Auszug aus dem Buch
3.6 Nonverbale Kommunikation in der Tierwelt
Den Abschluss des ersten einführenden Themenblocks in die Grundzüge der nonverbalen Kommunikation bildet ein kurzer Exkurs in die Kommunikation der Tierwelt. In dieser findet der aufmerksame Beobachter die Körpersprache in ihrer ursprünglichsten und am wenigsten verfälschten Form. In der Form, aus der sich laut Argyle (2005: 27) die menschliche Kommunikation, die verbale wie die nonverbale, entwickelte. Aus den Verständigungssystemen der Tierwelt lassen sich viele Prinzipien der Kommunikation erschließen, ein großer Teil unseres Wissens über Kommunikationsvorgänge entstammt der aufmerksamen Beobachtung tierischen Verhaltens. Ihr gesamtes soziales Leben wird durch nonverbale Signale geregelt: Tiere kommunizieren durch Haltungen, Bewegungen, Berührungen und Geruchssignalen. Allseits bekannte Ausdrucksformen sind Balztänze bzw. -gesänge der Vögel, der Schwänzeltanz der Bienen, der Artgenossen über Futterquellen unterrichtet, oder Reviermarkierungen bei Hunden. (Vgl. Argyle 2005: 32f)
Bei Tierarten gelten, laut dem Zoologen Frans de Waal (1997: 8f), immer die gleichen Voraussetzungen bei der Kommunikation. Zwei oder mehr Individuen derselben Art müssen ein Arrangement vereinbaren. Dieses betrifft das Sexualverhalten, die Paarung, die Nestbewachung, oder die Festlegung der Rangordnung. Die Tiere müssen, so de Waal weiter, jedes Mal einem anderen ihre Absichten mitteilen und aufs Neue zeigen, wie stark, gutwillig oder begehrenswert sie sind. Ohne erfolgreiche Verständigung wäre jedes Tier von den Artgenossen abgesondert. Kommunikation befähigt sie miteinander zu leben und dieses Miteinanderleben gemeinsam aufzubauen. (Vgl. de Waal 1997: 9) Laut Argyle (2005: 29) können die Strukturmerkmale der tierischen Kommunikation, die zur Verständigung in sozialen Beziehungen genutzt werden, mit der Sprache und der menschlichen nonverbalen Kommunikation verglichen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Kommunikation beim Poker ein und stellt die leitende Forschungsfrage sowie den Aufbau der Magisterarbeit dar.
2 Definitionen von Kommunikation: Dieses Kapitel diskutiert verschiedene theoretische Begriffsdefinitionen, um ein tieferes Verständnis des Kommunikationsprozesses zu vermitteln.
3 Nonverbale Kommunikation: Hier werden die theoretischen Grundlagen der nonverbalen Kommunikation, deren Dimensionen und ihre Bedeutung systematisch dargelegt.
4 Körpersignale des Menschen: Dieses Kapitel analysiert detailliert spezifische Ausdrucksfelder des menschlichen Körpers, wie Gesicht, Mimik, Hände und Körperhaltung.
5 Semiotik: Hier erfolgt ein Exkurs in die Lehre von den Zeichen, um die theoretische Basis für die "Entschlüsselung" nonverbaler Zeichen beim Poker zu schaffen.
6 Geschichte: Das Kapitel bietet einen historischen Abriss über die Entwicklung von Kartenspielen und den Aufstieg des Pokers zum Massenphänomen.
7 Basiswissen: Dieser Abschnitt erläutert die Spielregeln und die wichtigsten Fachbegriffe der populärsten Pokervarianten, insbesondere Texas Hold'em.
8 Kommunikation am Pokertisch: Hier wird der Kern der Arbeit behandelt: die Verknüpfung von Poker mit psychologischen Faktoren und spezifischen nonverbalen Signalen, den "Tells".
9 TV Total Pokernacht: Dieses Kapitel stellt den konkreten Untersuchungsgegenstand, die "TV Total Pokernacht", sowie die Teilnehmer und Rahmenbedingungen vor.
10 Methode: Hier wird das methodische Vorgehen beschrieben, das sich aus einer Kombination von qualitativer Beobachtung und Filmanalyse zusammensetzt.
11 Analyse „TV Total Pokernacht“: Dieser Abschnitt widmet sich der praktischen Untersuchung des Pokerduells und der Identifikation wiederkehrender nonverbaler Signale.
12 Auswertung und Interpretation: Hier werden die Ergebnisse der Analyse interpretiert und statistisch ausgewertet, um allgemeingültige Rückschlüsse zu ziehen.
13 Beantwortung der Forschungsfragen: Die in der Einleitung aufgeworfenen Forschungsfragen werden hier auf Basis der empirischen Ergebnisse abschließend beantwortet.
14 Zusammenfassung: Dieses Kapitel bietet einen konzisen Überblick über die wesentlichen Erkenntnisse und Ergebnisse der gesamten Arbeit.
Schlüsselwörter
Poker, Kommunikation, Nonverbale Kommunikation, Tells, Körpersprache, Semiotik, Filmanalyse, Bluff, Gesichtsausdruck, Gestik, Psychologie, TV Total Pokernacht, Sozialpsychologie, Zeichen, Interaktion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Bedeutung interpersoneller Kommunikation beim Pokerspiel. Sie setzt sich kritisch mit der Bezeichnung Poker als reines "Glücksspiel" auseinander und beleuchtet die Rolle nonverbaler Signale, die Spieler unbewusst am Tisch aussenden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die kommunikationswissenschaftliche Theorie der nonverbalen Kommunikation, die Semiotik als Zeichentheorie, die Geschichte und Regelkunde des Pokerspiels sowie die empirische Analyse von Poker-Duellen hinsichtlich spezifischer Verhaltensmuster.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die leitende Forschungsfrage lautet: "Wie viel Kommunikation verbirgt sich hinter dem ‚Glücksspiel‘ Poker?"
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin verwendet eine Hybridmethode, bestehend aus qualitativer Beobachtung und systematischer Filmanalyse, um das Verhalten der Teilnehmer bei der "TV Total Pokernacht" zu untersuchen und nonverbale Signale zu kategorisieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen umfassenden Theorieteil, der Grundlagen der Kommunikation und Semiotik sowie Poker-Basiswissen vermittelt, und einen empirischen Teil, der das Pokerduell in der "TV Total Pokernacht" detailliert analysiert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind "Tells" (unbewusste Signale beim Poker), "Pokerface", "Körpersprache", "Semiotik" und die psychologischen Aspekte des Bluffens.
Warum wurde die "TV Total Pokernacht" als Untersuchungsgegenstand gewählt?
Das Format ist repräsentativ für den Pokerboom, bietet durch die "Hole-Cam" Einsicht in die Karten der Spieler und ermöglicht durch die Teilnahme von Prominenten (Amateuren) eine leichter durchführbare Analyse der nonverbalen Signale im Vergleich zu Profi-Turnieren.
Welche Erkenntnis lässt sich aus der Analyse des Pokerduells ziehen?
Die Analyse zeigt, dass Poker zu einem essentiellen Teil aus Kommunikation besteht. Pro 1,5 Hände konnte ein neues nonverbales Signal registriert werden, was belegt, dass der aufmerksame Beobachter bei fast jeder Hand verdächtige Zeichen "entschlüsseln" kann.
Was bedeutet die "Zeltbildung" der Hände bei einem Spieler?
Die "Zeltbildung" der Fingerkuppen über den Karten ist einer der stärksten Indikatoren für ein starkes Blatt, da der Spieler versucht, seine Karten physisch zu schützen.
- Arbeit zitieren
- Stefan Schiehauer (Autor:in), 2011, Der Körper kann nicht lügen: Kommunikation am Pokertisch, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192818