Was ist ein „homo novus“? - Die Kritik des Marius an den alten Adelsfamilien am Beispiel seiner Antrittsrede auf dem Marsfeld


Seminararbeit, 2000

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Historischer Kontext der Rede

3. Warum greift Marius die alten Adelsgeschlechter an?

4. Marius – ein homo novus

5. Die Rede des Marius bei Sallust

6. Die Rede des Marius - Wie kritisiert er die Aristokratie?

7. Ergebnis und Ausblick

8. Quellen und Literatur
8.1. Quellen
8.2. Literatur (Auswahlbibliographie)

1. Einleitung

Plutarch eröffnet das Kapitel über Marius in seinem Werk „Große Griechen und Römer“ mit der Beschreibung einer Marmorbüste des Marius, „...aus deren Zügen eindrücklich der mürrische, herbe Charakter spricht, welchen man ihm zuschreibt.“[1]. Sallust jedoch portraitiert in der Rede des Marius [2] einen selbstbewussten, vielleicht auch etwas selbstherrlichen jungen Mann, der sich von alten Ahnentafeln und berühmten Vorfahren nicht beeindrucken lässt und ihnen Soldatentugenden entgegensetzt. Liegt das an der auf positive Wirkung im Volk zielenden Selbstdarstellung eines neuen Politikers, oder spricht hier doch eher Sallust selbst, der meint, hinter Marius’ Verurteilung der nobilitas einen integren Politiker zu erkennen?

Marius hat seine berühmte Antrittsrede einerseits dazu genutzt, die Rekruten für den bevorstehenden Feldzug in Afrika zu motivieren und andererseits, um bei der Gelegenheit den Adel scharf anzugreifen. Dieser letztere Teil nimmt dabei jedoch mit 43 Paragraphen erheblich mehr Raum ein als der eigentlich wichtigere erste.

Die Rede des Marius fand auf dem Marsfeld vor den Toren Roms statt, weil es für Soldaten verboten war, sich bewaffnet in Rom aufzuhalten. Marius zeigt als frisch gewählter Mann ohne berühmte Vorfahren ein großes Selbstvertrauen und bringt ohne Scheu seine Kritik an. Plutarchs Meinung, er sei erst von der Menge zu der Hetzrede angestachelt worden,[3] ist mit Skepsis zu begegnen.

Die vorliegende Arbeit wird sich am Beispiel der Rede des Marius bei Sallust mit der Haltung eines typischen homo novus gegenüber der alten nobilitas beschäftigen.

2. Historischer Kontext der Rede

In Rom, das im ersten Jahrhundert vor Christi in einer sozialen Krise steckte, wurde ein Machtkampf zwischen Aristokratie und Popularen ausgetragen. In Roms Adelskreisen herrschte Korruption, was auch

Jugurtha zu nutzen wusste. Nach seiner Rückkehr nach Numidien, die er durch Bestechungen erreicht hatte, bemerkte er höhnisch: „In Rom ist alles käuflich.“[4] Das Volk war darüber empört.

Diese Stimmung nutzte Marius, um sich 107 v. Chr. von ritterständischen Kreisen zum Konsul wählen zu lassen und auch in seiner Rede die Aristokraten zu schmähen. Unter Marius wurde Jugurtha, mit dem vorher weder die römische Diplomatie, noch die Militärführung fertig geworden waren, mit Geschick, aber auch Glück, verhaftet, im Triumphzug durch Rom geschleppt und anschließend umgebracht.[5] Marius’ Sieg stand nun im krassen Gegensatz zu den blamablen militärischen Unzulänglichkeiten seiner Vorgänger und vor allem zu den im Krieg mit Jugurtha zutage getretenen charakterlichen Schwächen, wie eben Bestechlichkeit und Grausamkeit.

3. Warum greift Marius die alten Adelsgeschlechter an?

Gaius Marius war von Kopf bis Fuß Soldat. Er war durch seine politische Laufbahn gegen den Willen der Aristokratie zur gebildeten Gesellschaftsschicht Roms aufgestiegen. Dort war er Sticheleien und Schmähungen ausgesetzt, da die Aristokraten keinen Reformer unter sich wollten und in ihm immer den Bauernsohn sahen, obwohl er durch die Heirat mit einem Mädchen aus dem Geschlecht der Julier, der Tante des Cäsar, Eingang in eine alte und vornehme Familie der

Nobilität gefunden hatte.[6] Marius war durch seine Wahl zum Konsul zwar gesellschaftlich aufgestiegen, aber als „Eindringling“ in den oberen Gesellschaftskreisen nicht akzeptiert, vor allem da er öffentlich deren Laster anprangerte.

Marius war ein Praktiker, dem jegliche feinere Bildung abging. Er sprach kein griechisch[7] und konnte auch kein Interesse für das Theater aufbringen. Die Aristokraten waren ihm darin überlegen.

Marius hatte dafür die Qualitäten eines ausgezeichneten Soldaten, nicht nur als ein guter Stratege, sondern auch als ein Feldherr, der ein offenes Ohr für die Sorgen und Nöte der einfachen Soldaten hatte.[8] Politisch geschickt war er dafür nicht. In Zeiten seiner Machtfülle verhielt er sich zügellos, undiplomatisch, habgierig und herrschsüchtig. Durch sein robustes Auftreten verscherzte er es sich auch mit vielen seiner politischen Gönner.

Der Adel sah auf ihn herab, aber genauso war die Aristokratie für Marius nicht nur ein politischer Gegner. Als er mit der Unterstützung der Volksmassen und der Popularen 107 v. Chr. Konsul geworden war,[9] bedeutete dies für ihn ein Zeichen seines Sieges über die superbia des Adels.

Warum greift er den Adel an? Marius war natürlich als gerade gewählter Konsul daran interessiert, seine Wahl zu legitimieren, gerade da er aus bäuerlichen Verhältnissen kam und keinen Mann der nobilitas unter seinen Vorfahren aufzuweisen hatte. Außerdem sah er sich als Politiker einer neuen Linie, die keinen Platz für die Eskapaden des Adels einräumte. Man darf nicht vergessen, dass die Nobilität seinen stärksten politischen Gegner darstellte.

[...]


[1] Plutarch: Große Griechen und Römer. Kapitel 2, § 1, Übers. von Ziegler, Bd.6, Zürich 1954, S. 57.

[2] Sallust: Bellum Iugurthinum. Kapitel 85, in: Schöne, Wilhelm (Hrsg.): Sallust. 4. Auflage, Stuttgart 1969.

[3] Koestermann, Erich: C. Sallustius Crispus, Bellum Jugurthinum. Heidelberg 1971, S. 297.

[4] Zit. nach Hadas, Moses: Römisches Reich. Das lateinische Jahrtausend, New York 1972, S. 35.

[5] Bleicken, Jochen: Geschichte der römischen Republik. München 1988, S. 68.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Was ist ein „homo novus“? - Die Kritik des Marius an den alten Adelsfamilien am Beispiel seiner Antrittsrede auf dem Marsfeld
Hochschule
Universität Rostock  (Historisches Institut)
Veranstaltung
Marius, der „neue Mann“. Kimbern, Teutonen und Heeresreform
Note
1,0
Autor
Jahr
2000
Seiten
15
Katalognummer
V192942
ISBN (eBook)
9783656187042
ISBN (Buch)
9783656187295
Dateigröße
503 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Sallust, Plutarch, homo novus, nobilitas, Marius, Rom
Arbeit zitieren
Anne Grabinsky (Autor), 2000, Was ist ein „homo novus“? - Die Kritik des Marius an den alten Adelsfamilien am Beispiel seiner Antrittsrede auf dem Marsfeld, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192942

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