Die Klaviersonate h-Moll von Franz Liszt ist ein Stück Musik, dass vor allem durch seine Bezeichnung "Sonate", die Fachwelt bis heute vor ein Rätsel zu stellen scheint. Wollte Liszt hier wirklich eine Sonate schreiben? Erlaubte er sich bloß einen Scherz oder aber lieferte er hier sogar einen Entwurf dessen, was ihm persönlich als Zukunft der Sonatenform vorschwebte?
Auf diese Fragen, aber vor allem auf die Frage, ob Liszts "Sonate" ein Stück "Moderne Musik" ist, gibt die Arbeit eine Antwort.
Inhaltsverzeichnis
1. Der Begriff der »Absoluten Musik«
1.1 Am Anfang war Richard Wagner. Oder doch nicht?
1.2 Aspekte der musikwissenschaftlichen Begriffsrezeption
2. »Musikalische Selbstreflexion«. Ein Vergleich ausgewählter Schriften von Hermann Danuser, Matthias Schmidt und Werner Wolf
2.1 Hermann Danuser
2.2 Matthias Schmidt
2.3 Werner Wolf
2.4 Zwischenfazit
3. Franz Liszts h-Moll-Sonate im Spiegel der Moderne
3.1 Kurze Bestimmung zum Terminus »moderne Musik«
3.2 Kontexte und Betrachtungen zu Franz Liszts h-Moll-Sonate
3.3 Ist Franz Liszts h-Moll-Sonate »moderne Musik«? Eine mögliche Antwort
4. Kritisches Resümee
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Wechselspiel zwischen dem musikwissenschaftlichen Begriff der »Absoluten Musik«, dem Konzept der »musikalischen Selbstreflexion« und deren Anwendung auf Franz Liszts h-Moll-Sonate, um zu ergründen, inwiefern dieses Werk als »moderne Musik« klassifiziert werden kann.
- Historische und musikwissenschaftliche Analyse des Begriffs »Absolute Musik«.
- Vergleichende Untersuchung der Theorien zu »musikalischer Selbstreflexion« (Danuser, Schmidt, Wolf).
- Kontextualisierung von Franz Liszts h-Moll-Sonate innerhalb musikästhetischer Diskurse.
- Methodische Auseinandersetzung mit der Frage nach der »Modernität« eines Musikstücks.
Auszug aus dem Buch
1.1 Am Anfang war Richard Wagner. Oder doch nicht?
Roger Scruton verweist in seinem Artikel Absolute Music im New Grove Dictionary of Music and Musicians von 2001 darauf, dass ein der Absoluten Musik entsprechendes Ideal schon bei Boethius und Tinctoris zu finden sei, aber erst die Instrumentalmusik in ihrem Ansehen aufsteigen musste um so im 19. Jahrhundert schließlich eine größere Debatte um entsprechende Ideen zu ermöglichen.
Auch bei J. Beattie und Adam Smith lassen sich bereits in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts Ansätze finden, die als Vorläufer für die Idee der Absoluten Musik im 19. Jahrhundert betrachtet werden können. Nach Mark Evan Bonds gab es in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts eine weitere Veränderung, die für die spätere Idee der Absoluten Musik wegbereitend war. Dies äußerte sich darin, dass „direct musical imitations fo the external world“ schon zu dieser Zeit in der Musikkritik skeptisch betrachtet.
Walter Wiora verweist auf einen Bezug zur gesammtgesellschaftlichen Entwicklung zu Beginn des 19. Jahrhunderts: „Der musikalische A b s o l u t i s m u s entstand mit der allgemeinen antiromantischen Ernüchterung und mit der Verinselung und Autonomisierung der Sachgebiete.“
Auch Wilhelm Seidel sieht die Voraussetzungen der Idee der Absoluten Musik außerhalb der Musik in einem „Gedanken Schellings“ nach dem „Selbstbewußtsein und Freiheit, die Prinzipien der theoretischen und praktischen Vernunft […] im Absoluten ihre Einheit [fänden], einem Absoluten, das das Objekt der intellektualen Anschauung ist und nur durch die Kunst zur Erscheinung gebracht werden kann“ angelegt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Der Begriff der »Absoluten Musik«: Dieses Kapitel beleuchtet die historische Entstehung des Begriffs sowie dessen musikwissenschaftliche Rezeption vom 18. Jahrhundert bis zur Gegenwart.
2. »Musikalische Selbstreflexion«. Ein Vergleich ausgewählter Schriften von Hermann Danuser, Matthias Schmidt und Werner Wolf: Es erfolgt eine detaillierte Gegenüberstellung der Konzepte zur musikalischen Selbstreflexion bei drei einflussreichen Theoretikern, um deren Gemeinsamkeiten und methodische Unterschiede aufzuzeigen.
3. Franz Liszts h-Moll-Sonate im Spiegel der Moderne: Hier wird anhand des theoretischen Vorwissens geprüft, ob Liszts Sonate als Werk der »modernen Musik« eingestuft werden kann, wobei sowohl formale Aspekte als auch der historische Kontext untersucht werden.
4. Kritisches Resümee: Das Kapitel reflektiert die Ergebnisse der Arbeit und mahnt zur Vorsicht beim Umgang mit kategorisierenden Begriffen in der musikwissenschaftlichen Analyse.
Schlüsselwörter
Absolute Musik, musikalische Selbstreflexion, Franz Liszt, h-Moll-Sonate, moderne Musik, Musikästhetik, Metareferenz, Instrumentalmusik, Hermann Danuser, Matthias Schmidt, Werner Wolf, Musiktheorie, Formanalyse, Werkgeschichte, Moderne.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen der »Absoluten Musik« und der »musikalischen Selbstreflexion« und wendet diese Konzepte kritisch auf Franz Liszts bedeutende h-Moll-Sonate an.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentral sind die Begriffsgeschichte der Absoluten Musik, die verschiedenen theoretischen Ansätze zur musikalischen Selbstreflexion und die Frage nach der Modernität von Liszts Kompositionstechnik.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, fundiert zu beantworten, ob und in welcher Weise Franz Liszts h-Moll-Sonate unter Berücksichtigung von Fortschrittsgedanken und Selbstreflexivität als »moderne Musik« bezeichnet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturgestützte, vergleichende Analyse durchgeführt, die theoretische Ansätze (Danuser, Schmidt, Wolf) als methodische Instrumente nutzt, um das spezifische Werk von Liszt einzuordnen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Begriffsanalyse, einen Vergleich musikwissenschaftlicher Positionen zur Selbstreflexion und eine abschließende Anwendung dieser Theorien auf die h-Moll-Sonate.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Absolute Musik, Selbstreflexion, Metareferenz, Moderne, Liszt-Sonate und Musikästhetik charakterisiert.
Welche Rolle spielt der »Parteienstreit« des 19. Jahrhunderts?
Der Streit zwischen Befürwortern der Programmmusik und der instrumentalen Musik wird als Kontext für die Verbreitung und Schärfung des Begriffs »Absolute Musik« angeführt.
Warum ist die Widmung an Robert Schumann laut der Arbeit von Bedeutung?
Sie wird nicht nur als Freundschaftsbeweis, sondern als bewusster Verweis auf Gattungsfragen und die Zukunft musikalischer Formen interpretiert, was die Selbstreflexivität des Werks unterstreicht.
Wie bewertet der Autor die »Mehrsätzigkeit in der Einsätzigkeit« bei Liszt?
Diese Besonderheit wird als schlagendes Argument für Liszts Fortschrittsdenken und seine Fähigkeit, traditionelle Formen innovativ weiterzuentwickeln, gewertet.
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- Moritz Panning (Autor), 2011, Absolute Musik, Selbstreflexion und Franz Liszts h-Moll-Sonate, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/192991