Laboratory Spaces - die Räumlichkeit des Labors


Hausarbeit, 2011
13 Seiten, Note: 11

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Laboratory Design and the Aim of Science
2.1 Tycho Brahe
2.2 Alexander Libavius

3. Der Raum im Kontext gegenwärtiger Laboratory Sciences
3.1 Place and Practice in Field Biology
3.2 Wissenskulturen

4. Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Labore sind in unserer heutigen Zeit ein allgegenwärtiger Raum wissenschaftlicher Arbeit und Erkenntnis geworden und haben einen äußerst hohen epistemologischen Stellenwert eingenommen. Bei ihnen handelt es sich um Räume, in denen Objekte und Phänomene untersucht und erforscht werden. Es gibt viele verschiedene Arten von Laboratorien. Sie unterscheiden sich zum Beispiel in der Art ihrer Ausstattung, den zu Verfügung stehenden Ressourcen (etwa in Form von Arbeitsgeräten, Materialien oder dem zu Verfügung stehenden Personal), aber auch anhand ihres architektonischen Designs und der Ausrichtung nach der wissenschaftlichen Disziplin, die sich des Labors als Ort der Forschung bedient. Dabei zeichnen sich Labore dadurch aus, dass sie einen Ort darstellen, der durch eine starke Künstlichkeit geprägt ist, welche diese spezielle Art wissenschaftlicher Arbeit erst möglich macht. Aus gezielten Beobachtungen und Deutungen, die durch die im Labor arbeitenden Wissenschaftler gemacht werden, können neue Erkenntnisse, neues Wissen, entstehen. „Another issue is the artificial „nature“ that resides in labs and that by some epistemic sleight of hand is made to seem more natural than extramural („mother“) nature”[1]. Fraglich dabei könnte jedoch sein, in wie Fern der Raum des Labors von diesem Wissen trennbar ist oder ob es vielleicht sogar nur dieser Ort selbst ist, in dem bzw. durch den dieses neugeschaffene Wissen überhaupt Bestand haben kann. Einen Schritt weiter gegangen, ob diese im Labor untersuchten Phänomene, die es zu untersuchen gilt, eigentlich erst im Labor unter künstlichen Bedingungen geschaffen werden. „Exaggerating a little, I say that phenomena under study are created in the laboratory“[2].

Ein weiterer Aspekt bei der Beschreibung von Laboratorien ist der, dass man den Fehler einer etwas einseitigen Betrachtung einer Forschungsstätte begehen könnte, wenn man diese rein technisch - aus ihrem individuellen Kontext herausgelöst - beschreibt. Das Labor ist eine Forschungseinrichtung, die bestimmte technische Standards zu erfüllen hat und sich mit der Untersuchung von Forschungsobjekten befasst. Innerhalb dieser Einrichtung arbeiten jedoch viele unterschiedliche Menschen, sie nutzen die zur Verfügung stehenden Ressourcen, im Labor selbst entstehen so Kontexte. Darüber hinaus steht auch das Labor selbst nicht für sich allein. Es ist ebenfalls im Kontext institutioneller, sozialer und kultureller Aspekte zu betrachten. „Because laboratories are so integrally a part of their times and places, lab history is of necessity also social history. A history of the modern lab […] would also have to take into account the other essential, defining elements of the modernist package.”[3]

Wie können Labore aussehen und beschaffen sein? Welchen Stellenwert nehmen die Architektur und das Design, die Charakteristika und Merkmale des Labors bzw. die Konzeption dessen bei der Entwicklung neuer Erkenntnisse ein? Allgemeiner gefragt, welche Relevanz lässt sich dem Schauplatz des Labors bei der „Fabrikation von Erkenntnis“[4] zuschreiben? Dies sollen die Fragestellungen dieser Arbeit auf dem Feld der Laboratory Sciences sein . Im ersten Schritt werde ich eine historische Beschreibung zweier Laborräume zugrunde legen, um auf Grundlage dessen auf Labordefinitionen, -beschreibungen bzw. -konzeptionen und –ansätze einzugehen, die in einem aktuelleren Kontext stehen. Im Fazit werde ich im letzten Schritt ein Resümee ziehen den Versuch einiger Überlegungen darüber anstellen, welche Räume aus unserem aktuellen Kontext – auch ab von unseren klassischen Vorstellungen vom Labor - als ein solches gelten könnten.

2. Laboratory Design and the Aim of Science

In dem von Owen Hannaway verfassten Text „Laboratory Design and the Aim of Science – Andreas Libavius versus Tycho Brahe“[5] werden zwei historische Laborkonzeptionen - die eines Astronomen und die eines Chemikers - einander gegenübergestellt. Die Darstellungen entstammen dem Ende des 16. sowie dem Anfang des 17. Jahrhunderts. In beiden Fällen handelt es sich um Räume wissenschaftlicher Praxis, jedoch sind sie nicht auf diesen Aspekt beschränkt. „[…]not simply laboratories, but whole dwelling places within which certain areas are designated for the practice of science, thus we are afforded a broader social context[...]. Darüber hinaus sollte erwähnt werden, dass lediglich die eine Laborkonzeption, die des Tycho Brahe, in die Tat umgesetzt wurde, wobei die des Libavius möglicherweise sogar nie dafür vorgesehen gewesen sei.[6]

2.1 Tycho Brahe

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei dem Astronom Brahe handelt es sich um einen dänischen Adligen, der seine Laborpläne mit königlicher Erlaubnis zu Ende des 16. Jahrhunderts auf der Insel Hven verwirklicht habe.[7] Dort habe er sein Laboratorium errichtet mit dem Name Uraniborg, welches im Gegensatz zur Erscheinung von Libavius Labor sehr prunkvoll daher kam.[8] Die Insel habe eine Größe von ca. zweitausend Acre (entspricht etwa 800km²; „Flächenmaß in den anglo-amerikanischen Ländern (1A.).[9] ) umfasst, sie stellte den Ort der Abgeschiedenheit dar, den sich Brahe für seine Arbeit wünschte. Diese geographischen Gegebenheiten sind bereits ein erstes Anzeichen dafür, dass es sich bei Brahes Labordesign um eines handelt, welches eine verschlossene bzw. geheime und von der Gesellschaft abgesonderte wissenschaftliche Arbeit anstrebte. Seine Uraniborg verfügte zunächst über das Hauptgebäude, in dem sich ein Observatorium befunden habe. [10] Hier habe die Hauptarbeit stattgefunden und es gab dort Laborräume und Arbeitszimmer sowie zahlreiche Öfen.[11] Darüber hinaus seien auf dem Grundstück noch weitere Gebäude gewesen: eine Werkstatt, in der von Handwerkern Instrumente hergestellt wurden, als auch das „printing house“, in dem die Publikationen der Uraniborg erstellt wurden. Bedienstete wie Brahe selbst haben auch in der Uraniborg gelebt[12]. Außerdem noch die etwas später gebaute und von der Uraniborg baulich getrennte „Stellaeburg“, ein Untergrundobservatorium. „The reasons for constructing this subterrean observatory were twofold: it kept the larger instruments from vibrating in the wind […] and it gave Brahe the opportunity to split up teams of his student observers, so that they could make independent sightings of the same phenomena non without comparing notes.”[13] Durch dieses Design konnte Brahe bereits gewissermaßen das Untersuchungsobjekt duplizieren und beide „Proben“ unabhängig voneinander untersuchen. Darüber hinaus kann man sagen, dass es sich bei seiner Forschungseinrichtung um eine handelte, die als autarke und isolierte beschrieben werden kann, da alle für die die Arbeit nötigen Ressourcen vor Ort zur Verfügung standen. Die Residenz Brahes habe unter Anderem einen „winter dining room“ besessen, darüber hinaus gab es Schlafräume für Studenten.[14] Dies illustriert die soziale Facette des Laboratoriums, Lebensraum sowie Ort der Ausübung wissenschaftlicher Arbeit. Des Weiteren habe es noch den „great mural quadrant“ gegeben, ein Instrument, mit dessen Hilfe es Möglich gewesen sein soll, die Höhe sowie die Bewegung von Sternen zu messen.[15] Die Beschaffenheit der Arbeitstechniken Brahes im chemischen Bereich würden jedoch etwas schleierhaft bleiben[16]. Für ihn habe jedenfalls ein Zusammenhang zwischen astronomischer und chemischer Arbeit bestanden, sodass er sie sogar als „terrestrial astronomy“ bezeichnete. Das Chemielabor im Untergrund der Uraniborg sei mit dem Untergrundobservatorium der Stellaeburg verbunden gewesen, was diese Verbindung zweier Wissenschaften veranschaulicht. Die Themen bzw. Ergebnisse seiner Forschungen seien für Brahe welche gewesen, die nicht für die Allgemeinheit bestimmt waren. Ferner noch seien es für ihn Informationen gewesen, die Geheim gehalten werden sollten.[17] Hier manifestiert sich nochmals der Aspekt der Abgeschiedenheit, Separation bzw. Isolation, welcher sich nicht nur in Brahes Anschauungen, sondern ebenso in der architektonischen Gestaltung und der geographischen Lage seines Labors wiederspiegelt. Hier sollte Wissen gefördert werden, welches einen privilegierten Status haben und nicht für die Masse zugänglich sein sollte. Seine Forschungsräume zeichneten sich dadurch aus, dass der Wissenschaftler dort ab von gesellschaftlicher Realität forschen können sollte. Möglicherweise ist die abgesonderte Unterbringung der Bediensteten und Arbeiter ein weiteres Indiz für diese übergeordnete Stellung des Forschungsraums. Es ist jedenfalls sicher, dass Brahe sein Labor „beschützen“ wollte, nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass er sein Grundstück von Hunden bewachen gelassen habe, die Alarm schlugen, wenn sich Fremde der Forschungsstätte näherten.[18] Innerhalb der Mauern dieser Einrichtung jedoch fanden soziale Interaktionen statt. Darüber hinaus bewegte sich diese jedoch in einem stark limitierten Kontext privilegiertem gesellschaftlichen Austausches.

[...]


[1] (Kohler, Lab History Reflections, 2008), S.767

[2] (Hacking, 1992), S.33

[3] (Kohler, Lab History Reflections, 2008), S.765

[4] (Cetina, Die Fabrikation von Erkenntnis, 2002)

[5] (Hannaway)

[6] (Hannaway), S.586

[7] (Hannaway), S.589

[8] (Hannaway), S.590

[9] (Der große Brockhaus in einem Band, 2003), S.13

[10] (Hannaway), S.591

[11] (Hannaway), S.594

[12] (Hannaway), S.591

[13] (Hannaway), S.594

[14] (Hannaway), S.592-593

[15] (Hannaway), S.594-595

[16] (Hannaway), S.597

[17] (Hannaway), S.598

[18] (Hannaway), S.591

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Laboratory Spaces - die Räumlichkeit des Labors
Hochschule
Universität Kassel  (Institut für Philosophie)
Veranstaltung
Laboratory Sciences
Note
11
Autor
Jahr
2011
Seiten
13
Katalognummer
V193072
ISBN (eBook)
9783656182931
ISBN (Buch)
9783656187899
Dateigröße
386 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
labor, laboratory, sciences, tycho, brahe, alexander, libavius, robert, karin, knorr, cetina, kohler, hacking
Arbeit zitieren
Mischa Gillessen (Autor), 2011, Laboratory Spaces - die Räumlichkeit des Labors, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193072

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Laboratory Spaces - die Räumlichkeit des Labors


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden