Folgende Seminararbeit befasst sich mit den Ideen des Spracherfahrungsansatzes nach Hans Brügelmann und Erika Brinkmann. Hierbei handelt es sich um einen Forschungsansatz zum Schriftspracherwerb. Bevor nun auf Brügelmanns Thesen eingegangen werden soll, ist es sinnvoll zunächst einmal zu klären, was genau unter dem Begriff Schriftspracherwerb zu verstehen ist, damit sich auch der Begriff des Spracherfahrungsansatzes leichter einordnen lässt.
Unter Schriftspracherwerb versteht man den Erwerb der Lese- und Schreibfähigkeiten, wobei auch die spezifischen schriftsprachlichen Kommunikationsformen, die Orthographie und die Schreibmotorik (Graphomotorik) umfasst werden.1 Das Schreiben wird dabei als Umwandlung von Sprache in Schrift und Lesen als Umwandlung von Schrift in Sprache verstanden. Diese Lernprozesse beginnen bereits vor der Einschulung. „Mit dem Verfügen über die Schriftsprache wird der geistige Horizont des Kindes über den unmittelbaren Erfahrungsraum hinaus in entscheidender Weise erweitert.“2 „Um Lesen und Schreiben zu lernen, geht das Kind bewusster mit Sprache um. Es muss sich von einer Ebene der rein intuitiven Anwendung von Sprache auf die Ebene der Metakommunikation begeben, auf der Sprache selbst zum Gegenstand der Betrachtung gemacht wird.“3 Beim Erlernen von Schreiben und Lesen durchläuft das Kind verschiedene Entwicklungsstufen.
Die zentrale Aufgabe für den Lehrer ist es, das Wissen um Schrift und Sprache, das Lesen und Schreiben durch Übung zu automatisieren, also Geläufigkeit, Flüssigkeit, Lesegeschwindigkeit zu fördern.4
Folgende Arbeit wird sich nun im Rahmen des Schriftspracherwerbs mit den Ideen des Spracherfahrungsansatzes, dem Lesen und Schreiben als Denkentwicklung und methodischen Orientierungshilfen auseinandersetzen. Als weiterführender Gedanke wird zuletzt ein Vergleich mit fibelorientierten Lehrgängen angestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorbemerkung zum Schriftspracherwerb
2. Der Spracherfahrungsansatz nach Hans Brügelmann
3. Lesen und Schreiben als Denkentwicklung
4. Methodische Orientierungshilfen
4.1 Die Didaktische Landkarte
4.2 Das Vier-Säulen-Modell
5. Ein Vergleich mit fibelorientierten Lehrgängen
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit setzt sich kritisch mit den Konzepten von Hans Brügelmann und Erika Brinkmann auseinander, um den Spracherfahrungsansatz für den Anfangsunterricht theoretisch und praktisch zu beleuchten. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie individuelles Lernen unter Berücksichtigung unterschiedlicher Vorerfahrungen der Kinder gestaltet werden kann, anstatt starre Einheitslehrgänge zu verfolgen.
- Grundlagen des Spracherfahrungsansatzes
- Kognitive Entwicklung beim Lesen- und Schreibenlernen
- Einsatz der Didaktischen Landkarte zur Unterrichtsplanung
- Strukturierung des Unterrichts durch das Vier-Säulen-Modell
- Abgrenzung gegenüber traditionellen fibelorientierten Lehrgängen
Auszug aus dem Buch
2. Der Spracherfahrungsansatz nach Hans Brügelmann
Der Spracherfahrungsansatz nach Hans Brügelmann und Erika Brinkmann, der Anfang der Neunziger Jahre entwickelt wurde, basiert auf dem Modell des language experience approach, welches in den Vierziger Jahren in den USA von Goodman entwickelt wurde. Bei Letzterem handelt es sich um einen lesemethodischen Ansatz, der aus der Kritik an den Unterricht eingesetzten Fibeln entstand, denn die in den Fibeln verwendete Sprache wurde als den Kindern nicht angemessen angesehen. Der language experience approach sollte nun im Gegensatz zu den Fibellehrgängen die Spracherfahrungen der Kinder berücksichtigen und Lesen und Schreiben als kommunikative Handlungen vermitteln.
Hans Brügelmann geht davon aus, dass Kinder bereits vor ihrem ersten Schultag Kontakt mit Schrift und Sprache haben und somit auch schon eigene Theorien und Konzepte über das Funktionieren und den Sinn von Sprache entwickeln konnten. Jeder Schüler hat also bereits seine individuellen Erfahrungen mit Schrift und Sprache gemacht. Daher ist ein einheitlicher Fibellehrgang auch nicht unbedingt förderlich für den Lernprozess der Schüler. Denn „(...) in derselben Übungsaufgabe lernen verschiedene Kinder Unterschiedliches. (...) Gemeinsame Lehrgänge verdecken insofern nur die unterschiedlichen Lernwege.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorbemerkung zum Schriftspracherwerb: Einführung in die Thematik des Schriftspracherwerbs und die Relevanz der Auseinandersetzung mit dem Spracherfahrungsansatz.
2. Der Spracherfahrungsansatz nach Hans Brügelmann: Erläuterung der theoretischen Wurzeln und der Leitgedanken des Ansatzes, der die individuellen Vorerfahrungen der Lernenden in den Fokus rückt.
3. Lesen und Schreiben als Denkentwicklung: Analyse der acht kritischen Einsichten, die Kinder beim Verständnis des alphabetischen Schriftsystems durchlaufen müssen.
4. Methodische Orientierungshilfen: Vorstellung praktischer Instrumente zur Unterstützung der Lehrkräfte bei der Gestaltung eines offenen Anfangsunterrichts.
4.1 Die Didaktische Landkarte: Detaillierte Betrachtung der acht Lernfelder, die den verschiedenen Aspekten der Schrift und des Lernens gewidmet sind.
4.2 Das Vier-Säulen-Modell: Erklärung eines strukturellen Rahmens zur Organisation des Unterrichtsalltags und zur Förderung unterschiedlicher Schreib- und Lesekompetenzen.
5. Ein Vergleich mit fibelorientierten Lehrgängen: Gegenüberstellung des Spracherfahrungsansatzes mit traditionellen Modellen und Diskussion der individuellen Lernmöglichkeiten.
Schlüsselwörter
Spracherfahrungsansatz, Hans Brügelmann, Schriftspracherwerb, Anfangsunterricht, Didaktische Landkarte, Vier-Säulen-Modell, Lesen, Schreiben, Alphabetisierung, offener Unterricht, individuelle Förderung, Lese- und Schreibentwicklung, Sprache, Lernfelder.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt den Spracherfahrungsansatz nach Hans Brügelmann und Erika Brinkmann als Alternative zu herkömmlichen Fibellehrgängen im Anfangsunterricht der Grundschule.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die kognitiven Entwicklungsprozesse beim Erlernen der Schriftsprache sowie methodische Hilfsmittel wie die Didaktische Landkarte und das Vier-Säulen-Modell.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Schüler durch den Spracherfahrungsansatz effektiver und individueller in ihrem Lernprozess begleitet werden können.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung mit Forschungsliteratur und didaktischen Konzepten zum Schriftspracherwerb.
Was behandelt der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil erörtert die kognitiven Einsichten der Kinder beim Erwerb der Schrift sowie die praktische Umsetzung des Unterrichts durch spezifische didaktische Werkzeuge.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Spracherfahrungsansatz, Schriftspracherwerb, Didaktische Landkarte und individuelle Lernwege.
Warum wird Kritik an klassischen Fibellehrgängen geübt?
Klassische Fibeln vernachlässigen laut dem Autor oft die unterschiedlichen Vorerfahrungen und individuellen Lernvoraussetzungen der Kinder.
Wie unterscheidet sich der Spracherfahrungsansatz von einer Fibel?
Während Fibeln oft ein lineares Vorgehen vorschreiben, ermöglicht der Spracherfahrungsansatz eine individuelle Anpassung der Lernwege an die Interessen und Bedürfnisse der Schüler.
- Citation du texte
- Laura Ostermaier (Auteur), 2010, Die Ideen des Spracherfahrungsansatzes (nach Brügelmann / Brinkmann), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193239