Kinder brauchen den Computer nicht, sie brauchen Liebe und Geborgenheit, stabile
Beziehungen, Akzeptanz, Ermutigung, Bewegung, primäre Erfahrungen im Umgang
mit anderen und mit der sie umgebenden Welt. Doch der Computer ist auch Teil ihrer
Lebenswirklichkeit. Sie hören von phantastischen Dingen, die der Computer zu leisten
vermag und begegnen ihm an verschiedenen Orten: im eigenen Elternhaus, bei
Freunden, in der Schule, in Geschäften, in der Bank, usw.
Die meisten aufstiegsorientierten Eltern befürworten den Einsatz von Computern in
der Schule. Manche ermöglichen ihren Kindern zusätzlich außerschulische Hilfen
(Computerkurse). Eltern mit Erfahrungen aus schulischen Computereinsätzen, die
erste Erfahrungen im Umgang mit dem Computer in der Schule sammeln konnten,
stehen dem weiteren Einsatz meist positiv gegenüber. Richtlinien und Lehrpläne schreiben vor, dass „medienerzieherische Aufgabenstellungen“
(Der Kultusminister NW: Rahmenkonzept. Neue Informations- und Kommunikationstechnologien
in der Schule. Köln: 1985, Seite 19) in der Schule wahrgenommen
werden müssen und „Informations- und Kommunikationstechnologien“
(Rahmenkonzept; Seite 19) als Lernmittel genutzt werden sollten. Der Einsatz von
Computern ermöglicht eine erste Orientierungshilfe zum kritischen und sinnvollen
Umgang mit den neuen Medien, Möglichkeiten und Grenzen der Nutzung sollen erprobt
werden. „Einbeziehung, Aufarbeitung und ggf. Korrektur vor- und außerschulischer
Medienerfahrungen der Kinder stellen sich als vordringliche Aufgabe der Medienpädagogik
in der Grundschule.“ (Rahmenkonzept Seite 18)
Inhaltsverzeichnis
1. Brauchen Kinder einen Computer?
2. Medienpädagogischer Auftrag der Lehrer und Lehrerinnen
3. Grundschule im Dilemma
4. Argumente für die Nutzung von Computern in der Schule
5. Argumente gegen die Nutzung von Computern in der Schule
6. Didaktische Funktion des Computers im Unterricht
7. Der Computer in der inneren Differenzierung
8. Einsatzmöglichkeiten von Computern im Unterricht
8.1 Übungsprogramme
8.2 Lernprogramme
8.3 Computerspiele
8.4 Simulationen
8.5 Informationsprogramme
8.6 Fazit
9. Der Computer als Schreibwerkzeug
9.1 Texte schreiben
9.2 Rechtschreibung
9.3 Gefahren beim Einsatz von Computern zum Schreiben von Texten
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht den Einsatz von Computern in der Grundschule unter Berücksichtigung pädagogischer, didaktischer und entwicklungspsychologischer Aspekte. Das primäre Ziel ist es, den Nutzen sowie die Risiken des Computereinsatzes kritisch zu beleuchten und Empfehlungen für eine sinnvolle Integration im Unterricht zu erarbeiten.
- Pädagogischer Auftrag zur Medienerziehung
- Pro- und Contra-Argumente zur Computernutzung
- Didaktische Differenzierungsmöglichkeiten durch Software
- Einsatz des Computers als Schreibwerkzeug
Auszug aus dem Buch
9.3 Gefahren beim Einsatz von Computern zum Schreiben von Texten
Der Computer darf nicht auf die Funktion eines Eingabegerätes, einer Schreibmaschine reduziert werden, indem man die Kinder nur fertige Texte in den Computer eingeben lässt und die Möglichkeiten, die der Computer während des Schreibprozesses bietet, übersieht.
Gefahren beim Einsatz von Computern zum Schreiben von Texten liegen z.B. in der zu geringen Würdigung der Handschrift. In einigen Bereichen ist die Bedeutung von handschriftlichen Mitteilungen nach wie vor sehr hoch, z.B. bei kurzen Mitteilungen, Liebensbriefen oder anderen persönlichen Anlässen. Es kann daher nicht genügen, Kindern das Schreiben über eine Tastatur beizubringen. Dem Kind muss bewusst gemacht werden, dass trotz des Computers die eigene Handschrift unersetzbar ist für das Anfertigen einer Notiz, einer kurzen Mitteilung, eines persönlichen Briefes. Über die Zweckmäßigkeit des Einsatzes des Computers muss reflektiert werden, denn er eignet sich nicht immer und überall als Schreibinstrument. In alltäglichen Situationen kann man mit geringerem Aufwand und weniger Kosten kommunizieren.
Durch die Überbetonung des maschinellen Schreibens kann die individuelle Handschrift vernachlässigt werden. Das Handschreiben trainiert nämlich in besonderer Weise die Feinmotorik der Hand, die Auge-Hand-Koordination usw., da es aus vielfältigen, unterschiedlichen Bewegungsabläufen besteht. Das maschinelle Schreiben hingegen besteht aus nur einem einzigen Bewegungsablauf (dem gezielten Drücken einer Taste).
Das maschinelle, jederzeit korrigierbare Schreiben führt zu einer veränderten Schreibweise. Gedanken und Sätze werden nicht mehr vorab exakt durchdacht, sondern relativ spontan aufgeschrieben, schließlich kann man sie immer noch löschen, ändern und korrigieren. Man muss sich jedoch die Frage stellen, ob Kinder deshalb "schlechter", qualitativ weniger bedeutend oder einfach nur anders, spontaner, freier und konstruktiver schreiben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Brauchen Kinder einen Computer?: Es wird diskutiert, ob Kinder im Computer primär ein notwendiges Werkzeug oder einen Teil ihrer Lebenswirklichkeit sehen und wie Eltern dazu stehen.
2. Medienpädagogischer Auftrag der Lehrer und Lehrerinnen: Dieses Kapitel erläutert die Anforderungen von Richtlinien und Lehrplänen, die den Computer als notwendiges Lernmittel und Gegenstand der Medienerziehung definieren.
3. Grundschule im Dilemma: Hier wird die Diskrepanz zwischen der Computernutzung im privaten Alltag der Kinder und der fehlenden Ausstattung in vielen Schulen thematisiert.
4. Argumente für die Nutzung von Computern in der Schule: Es werden positive Aspekte wie Motivationssteigerung, Handlungsorientierung und die Förderung kognitiver Fähigkeiten hervorgehoben.
5. Argumente gegen die Nutzung von Computern in der Schule: Dieses Kapitel beleuchtet kritische Stimmen, die soziale Isolation, Verlust von Kreativität und eine mechanistische Weltsicht befürchten.
6. Didaktische Funktion des Computers im Unterricht: Es wird analysiert, inwieweit der Computer den Lehrer entlasten oder als spezifisches Werkzeug in den Unterricht integriert werden kann.
7. Der Computer in der inneren Differenzierung: Hier wird der Einsatz als Instrument zur individuellen Förderung von Schülern in offenen Unterrichtsformen beschrieben.
8. Einsatzmöglichkeiten von Computern im Unterricht: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über verschiedene Softwaretypen von Übungsprogrammen bis hin zu Simulationen und deren pädagogischen Wert.
9. Der Computer als Schreibwerkzeug: Es wird untersucht, wie der Computer den Schreibprozess entlasten kann, aber auch welche Gefahren durch den Verlust der Handschrift entstehen können.
Schlüsselwörter
Computer, Grundschule, Medienerziehung, Unterrichtssoftware, Schreibwerkzeug, Lernen, Medienkompetenz, Differenzierung, Lernsoftware, Simulationen, Handschrift, Kognitive Entwicklung, Lernziele, Didaktik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Integration des Computers als Lehr- und Lernmedium in den Alltag der Grundschule.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Schwerpunkten zählen der medienpädagogische Auftrag, der Vergleich von Pro- und Contra-Argumenten sowie die didaktischen Möglichkeiten verschiedener Softwareformen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist eine kritische Reflexion des Computereinsatzes, um Lehrern eine fundierte Entscheidungsgrundlage für eine pädagogisch sinnvolle Nutzung zu bieten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse bestehender Konzepte, Literatur und bildungspolitischer Rahmenvorgaben.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine argumentative Auseinandersetzung sowie eine detaillierte Analyse der Einsatzmöglichkeiten von Software, unterteilt in Übungs-, Lern- und Informationsprogramme sowie den Bereich Textverarbeitung.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Computer, Grundschule, Medienerziehung, Schreibwerkzeug, Differenzierung und kognitive Entwicklung.
Welche Rolle spielt die Software für das Lernen?
Die Autorin betont, dass der Wert der Software stark von der inhaltlichen und zeitlichen Planung des Lehrers abhängt und eine sorgfältige Analyse der Lernziele erforderlich ist.
Gibt es spezielle Risiken beim Einsatz von Schreibsoftware?
Ja, ein zentrales Risiko ist die Vernachlässigung der Handschrift sowie die Gefahr, dass das maschinelle, korrigierbare Schreiben die notwendige gedankliche Strukturierung von Texten bei Kindern verändert.
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- Kathrin Morawietz (Author), 2003, Computergestütztes Lernen in der Schule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19325