Computergestütztes Lernen in der Schule


Hausarbeit, 2003

20 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Brauchen Kinder einen Computer?

2. Medienpädagogischer Auftrag der Lehrer und Lehrerinnen

3. Grundschule im Dilemma

4. Argumente für die Nutzung von Computern in der Schule

5. Argumente gegen die Nutzung von Computern in der Schule

6. Didaktische Funktion des Computers im Unterricht

7. Der Computer in der inneren Differenzierung

8. Einsatzmöglichkeiten von Computern im Unterricht
8.1 Übungsprogramme
8.2 Lernprogramme
8.3 Computerspiele
8.4 Simulationen
8.5 Informationsprogramme
8.6 Fazit

9. Der Computer als Schreibwerkzeug
9.1 Texte schreiben
9.2 Rechtschreibung
9.3 Gefahren beim Einsatz von Computern zum Schreiben von Texten

10. Literaturverzeichnis

1. Brauchen Kinder einen Computer?

Kinder brauchen den Computer nicht, sie brauchen Liebe und Geborgenheit, stabile Beziehungen, Akzeptanz, Ermutigung, Bewegung, primäre Erfahrungen im Umgang mit anderen und mit der sie umgebenden Welt. Doch der Computer ist auch Teil ihrer Lebenswirklichkeit. Sie hören von phantastischen Dingen, die der Computer zu leisten vermag und begegnen ihm an verschiedenen Orten: im eigenen Elternhaus, bei Freunden, in der Schule, in Geschäften, in der Bank, usw.

Die meisten aufstiegsorientierten Eltern befürworten den Einsatz von Computern in der Schule. Manche ermöglichen ihren Kindern zusätzlich außerschulische Hilfen (Computerkurse). Eltern mit Erfahrungen aus schulischen Computereinsätzen, die erste Erfahrungen im Umgang mit dem Computer in der Schule sammeln konnten, stehen dem weiteren Einsatz meist positiv gegenüber.

2. Medienpädagogischer Auftrag der Lehrer und Lehrerinnen

Richtlinien und Lehrpläne schreiben vor, dass „medienerzieherische Aufgabenstellungen“ (Der Kultusminister NW: Rahmenkonzept. Neue Informations- und Kommunikationstechnologien in der Schule. Köln: 1985, Seite 19) in der Schule wahrgenommen werden müssen und „Informations- und Kommunikationstechnologien“ (Rahmenkonzept; Seite 19) als Lernmittel genutzt werden sollten. Der Einsatz von Computern ermöglicht eine erste Orientierungshilfe zum kritischen und sinnvollen Umgang mit den neuen Medien, Möglichkeiten und Grenzen der Nutzung sollen erprobt werden. „Einbeziehung, Aufarbeitung und ggf. Korrektur vor- und außerschulischer Medienerfahrungen der Kinder stellen sich als vordringliche Aufgabe der Medienpädagogik in der Grundschule.“ (Rahmenkonzept Seite 18)

3. Grundschule im Dilemma

Die meisten Grundschüler begegnen dem Computer in ihrem alltäglichen Lebensumfeld: im Arbeitszimmer ihrer Eltern, bei Freunden, in der Post, am Fahrkartenschalten, usw., meist jedoch nicht in der Schule, da sich Schulträger kaum bereit erklären, Grundschulen Computer zur Verfügung zu stellen. Ohne die Initiativen von Schulvereinen können oft keine Computer angeschafft werden.

In der Grundschule wird zwar über den Computer gesprochen und reflektiert, aber meist nicht am Computer gelernt und der handelnde Umgang bleibt oft aus. Außerhalb der Schule hat das Kind jedoch meist Zugriff auf einen Computer, was eine „Schulwirklichkeit“ (HALLEN / SCHMIDT, 1992, Seite 110) schafft.

Grundschulen stehen unter dem Druck, den Computer als alltägliches Werkzeug im Unterricht zu thematisieren, erfahren dabei aber oft keinerlei Hilfen und entwickeln deshalb ihre eigene Didaktik. Manchmal begegnet man in der Grundschule einem wissenschaftlichen, „hardware-orientierten“ (HALLEN / SCHMIDT, 1992, Seite 111) Ansatz. Schüler lernen Einzelteile des Computers kennen, setzen sich jedoch nicht handelnd mit dem Rechner auseinander. Verbal vermitteltes, unverstandenes Wissen wird abgefragt und kontrolliert und der Unterricht auf sprachliche Tätigkeiten beschränkt und reduziert. Subjekte Erfahrungen, Wünsche und Ängste kommen jedoch nicht zur Sprache.

Manche Lehrer lehnen die Arbeit mit Computern prinzipiell ab. Viele besitzen keine Beurteilungskompetenzen in Fragen einer sinnvollen und kindgemäßen Hard- bzw. Software und können ratlose Eltern nicht hinreichend beraten, da sie selbst den Computer in der Freiarbeit oder in Arbeitsgemeinschaften nicht einsetzen. Viele Lehrer verfügen über keine eigenen Unterrichtserfahrungen mit dem Computer. Sie führen eine Diskussion theoretischer und grundsätzlicher Art und nehmen eher eine skeptische Position ein. Ihre Befürchtungen sind spekulativ und beruhen nicht auf empirisch gesicherten Erkenntnissen. Dabei lässt die Forschung keine Verallgemeinerungen positiver oder negativer Wirkungen der Computernutzung von Kindern zu, da sich kaum empirische Untersuchungen mit Kindern im Alter von 6-10 Jahren auseinandersetzen.

4. Argumente für die Nutzung von Computern in der Schule

Mit fortschreitender Technisierung der Gesellschaft hält der Computer in immer mehr Lebensbereichen Einzug: im Beruf, in der Freizeit und als Informations- und Kommunikationstechnologie in immer mehr Privathaushalten. Demzufolge steigt auch die Zahl derjenigen Kinder, die Zugang zu einem Rechner haben und zum Teil schon im Kindergartenalter erste Erfahrungen mit diesem Medium sammeln. Gerade die Altersgruppe der Sechs- bis Zehnjährigen ist Zielgruppe eines ständig expandierenden Lern- und Übungssoftwaremarktes. Kinder gehen mit dem Computer unbefangen, natürlich und kreativ um, sie erwerben zunehmend zu Hause Kompetenzen im Umgang mit Computerprogrammen und es ist nur legitim diese den Schülern auch in der Schule bei Vorhandensein der technischen und menschlichen Voraussetzungen nicht vorzuenthalten, „sondern ihnen einen im Interesse einer vernünftigen und zukunftsweisenden Medienerziehung gestalteten Zugang“ (BÜTTNER/ SCHWICHTENBERG, 1999, Seite 28) zum Computer zu ermöglichen. Man kann es sich nicht leisten, an einem Medium, welches auch im Leben der Kindern einen immer höheren Stellenwert einnimmt, achtlos vorüber zu gehen.

Viele Kinder kennen Computer nur im Zusammenhang mit Computerspielen, was eine stark eingeschränkte Zugangsweise darstellt. Unter dem Aspekt der Handlungsorientierung erscheint es zweckmäßig, durch unmittelbare Handlung am Computer Einsatzmöglichkeiten dieses Mediums zu erfahren. Dabei muss aber beachtet werden, dass nur durch direkten Vergleich mit anderen Medien eine kritische Einschätzung und eine sinnvolle Nutzung erkennbar ist. Kindern, die noch keinerlei Vorerfahrungen mit diesem Medium besitzen, sollten diese Erfahrungen, unter Berücksichtigung ihrer individuellen Voraussetzungen, ermöglicht werden.

Im Gegensatz zum Buch, das linear Informationen bietet, präsentieren die neuen Medien Informationen simultan: Wort und Bild, Wort und Bild und Ton. Damit bieten sie die Chance zu „mehrkanaligem Lernen, dem simultanen Ansprechen mehrerer Sinnesorgane und zur Präsentation von Veranschaulichungen unterschiedlicher Realitätsgrade, die eine Assimilation in die kognitive Struktur des einzelnen erleichtern.“ „Duale Codierungen“ (HALLEN / SCHMIDT, 1992, Seite 110) können besser behalten werden.

Kinder haben phantastische und „magisch-animistische“ (HALLEN / SCHMIDT, 1992, Seite 110) Vorstellungen von Computern. Da sie eine ursprüngliche Beziehung zu allem Lebendigen haben, verlebendigen sie selbst Gegenstände; auch den Computer. Sie reden und spielen mit ihm. Deshalb muss die Schule für eine Entmystifizierung sorgen, die kritische Einschätzung und sinnvolle Nutzung fördern und es den Schülern ermöglichen die Grenzen und Möglichkeiten des Computers im tätigen Umgang selbst zu erfahren. Nur dieser Prozess der „Selbstaufklärung“ schafft eine kritische Distanz zum Mythos Computer.

Es ist bekannt, dass am häuslichen Computer derzeit erheblich mehr Jungen als Mädchen Erfahrungen sammeln. Dieser geschlechtsspezifischen Fixierung könnte gerade in der Grundschule entgegengewirkt werden, denn sie ist die Schulform mit dem höchsten Anteil an Lehrerinnen und Schulleiterinnen, die in der Lage wären, Mädchen positive Identifikationsmuster im Hinblick auf die Nutzung der neuen Medien anzubieten.

Als Arbeitsgerät für den Schüler schafft der Computer Erleichterung in der Einzel-, Partner- und Gruppenarbeit in den verschiedenen Lernbereichen der Grundschule. Mit Hilfe des Computers können Defizite kompensiert und die Schüler durch qualitativ und quantitativ unterschiedliche Übungen individuell und spezifisch gefördert werden, um gleiche Lernchancen herzustellen. Die Möglichkeiten einzelner Programme erlauben und erfordern ein weit selbständigeres Arbeiten der Schüler. Der Computer erlaubt den Schülern ihrer eigenen Geschwindigkeit entsprechend zu lernen.

Auch im Bereich des Förderunterrichts kann der Computer zusätzliche Hilfe bereitstellen. Er reagiert im Gegensatz zu einem Arbeitsblatt mit sofortigem Feedback und ermöglicht regelmäßiges Üben. Übungssoftware stellt eine Chance für langsamere und lernbehinderte Schüler dar.

Computer fördern die geistige Disziplin, die Fähigkeit des Kindes seine Gedanken zu ordnen, weiterzuentwickeln und logische Strukturen zu erkennen, systematisches und logisches Denken sowie Problemlösefähigkeiten und unterstützt bei Kindern die kognitive Entwicklung.

Computerprogramme können Unterrichtsmaterialien schneller bereitstellen, Modellvorstellungen können veranschaulicht und die Möglichkeiten und Grenzen solcher Modelle entdeckt werden. Es kann mit unveränderten Parametern gearbeitet werden.

Außerdem sollte man schon Kinder mit dem Computer konfrontieren, damit sie Interesse entwickeln und bei Bedarf Computer später zum Berufsinhalt machen können.

5. Argumente gegen die Nutzung von Computern in der Schule

Kritiker sind der Meinung, der Computer führe zur Vereinzelung und sozialer Isolation. Ein entsprechender Unterricht stelle daher die Gewinnung einer Identität in Frage, ebenso wie die Förderung kognitiver Fähigkeiten, denn soziale Erfahrungen üben einen erheblichen Einfluss auf die kognitive Entwicklung aus. Durch fehlende soziale Erfahrungen könnte die geistige Entwicklung beeinträchtigt und ohne den benötigten sozialen Kontakt die Entwicklung der eigenen sozialen Identität beeinträchtigt werden.

Der Computer hemmt Kreativität und Phantasie, er fördert eher passive Verhaltensweisen und verändert das Verhalten der Kinder negativ, denn er baut eine Scheinwelt auf, engt das Denken der Schüler ein und unterdrückt Emotionen. Die Beschäftigung mit Computern hat eine mechanisierte Art des Denkens über seelische Zusammenhänge zur Folge. Das rein technische, algorithmische Denken wird überbetont, intuitives, divergentes Denken eingeschränkt und die Persönlichkeitsentwicklung dadurch beeinträchtigt. Der Computer hat den Verlust von Kreativität zur Folge, denn um kreativ zu sein, bedarf es einer „flexiblen, praktisch orientierten Intelligenz, d.h. einer Intelligenz, die auf Realität ausgerichtet, und nicht ausschließlich intellektuell, formal und abstrakt ist.“ (SETZER, 1992, Seite 73)

Die Anschaffung von Computern ist mit hohen Kosten verbunden, wobei der Leistungsumfang der meisten Programme jedoch gering ist. Gute Software fehlt. Die derzeitige Software unterschätzt die Kinder sowieso: sie sehen beispielsweise, wenn sie richtig rechnen, einen lächelnden Löwen oder hören eine Melodie. Manche Grundschulkinder versuchen diesem langweiligen Mechanismus dadurch zu entfliehen, indem sie absichtlich falsche Ergebnisse eintippen, um den Löwen zum Brüllen zu bringen. Die meisten Lernprogramme basieren auf einem naiven Behaviorismus und reduzieren den Computer auf eine Maschine, die Aufgaben präsentiert und eingetippte Ergebnisse mit richtig oder falsch bewertet. Sie dokumentieren lediglich Defizite.

[...]

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten

Details

Titel
Computergestütztes Lernen in der Schule
Hochschule
Universität Koblenz-Landau  (Institut für Psychologie)
Note
2,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
20
Katalognummer
V19325
ISBN (eBook)
9783638234757
Dateigröße
465 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Computergestütztes, Lernen, Schule
Arbeit zitieren
Kathrin Morawietz (Autor), 2003, Computergestütztes Lernen in der Schule, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19325

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