„Kognitive Verzerrungen im Clinical Reasoning der Altenpflege. Ein alphabetisch geordnetes Nachschlagewerk“ betrachtet Clinical Reasoning in der Altenpflege primär aus einer Sichtweise, die die Pflegekraft ähnlich dem Homo oeconomicus als rational entscheidende Person ansieht.
Obgleich sich Pflegekräfte im CRA-Prozess neben der Ratio – also der Deliberation – durchaus auch ihrer Intuition bedienen, soll letztere zur Eingrenzung des Themenbereiches hier zunächst nahezu ausgeklammert werden. Dies bedeutet nicht, dass Erkenntnisse beispielsweise wie Kognition und Intuition innerhalb der Cognitive Continuum Theory (CCT) die Entscheidung der Pflegekraft determinieren ausgeblendet werden sollen, sondern lediglich hier eine Beschränkung auf rein kognitive Faktoren stattfindet. Dabei wird eingangs ein alphabetisch geordnetes Register angeboten, indem die entsprechende kognitive Verzerrung – geordnet nach ihrer englisch-sprachigen Bezeichnung gelistet und mit entsprechender Seitenzahl versehen ist. Hierdurch ist das Auffinden im textlichen Teil, dem Hauptteil, möglich. Dieser beschreibt den Cognitive Bias näher und gibt beispielhaft eine Vorstellung davon, wie durch die Missachtung der Verzerrung die Pflegekraft in ihrer Entscheidungsfindung beeinträchtigt werden kann. Wobei der Schwerpunkt sicherlich stets auf „kann“, aber nicht „muss“ liegt. Pflegekräften, die um diese Möglichkeiten der Beeinflussung ihrer Entscheidungen und damit schließlich auch Pflegeplanungen und Pflegeinterventionen wissen, können gezielt danach streben, diese auszuschalten, einzudämmen und somit zu vermeiden. Die Darstellung der kognitiven Verzerrungen muss eingebettet in den theoretischen Rahmen des Clinical Reasoning betrachtet werden. Es erscheint daher als sinnvoll hierzu die einschlägige Grundliteratur zum Thema Clinical Reasoning in der Altenpflege entweder als Basis, mindestens aber flankierend hinzu zu ziehen.
Inhaltsverzeichnis
Einführung und Einteilung
Alphabetisch geordnetes Nachschlagewerk
Zielsetzung & Themen
Das Hauptziel dieses Nachschlagewerks ist es, kognitive Verzerrungen (Cognitive Biases) im klinischen Entscheidungsprozess (Clinical Reasoning) der Altenpflege zu identifizieren, zu beschreiben und für Pflegekräfte verständlich aufzubereiten, um Fehlinterpretationen in der pflegerischen Entscheidungsfindung zu vermeiden.
- Grundlagen kognitiver Verzerrungen im klinischen Alltag der Altenpflege
- Strukturierte Darstellung von Biases bei Entscheidungen und Verhalten
- Einfluss von Urteilsheuristiken auf die Wahrnehmung von Tatsachen und Wahrscheinlichkeiten
- Soziale Verzerrungen und deren Auswirkungen auf Teamprozesse
- Strategien zur Reflexion und Vermeidung von kognitiven Denkfehlern im Pflegeprozess
Auszug aus dem Buch
Actor-Observer Effect
Hat eine Pflegekraft die Tendenz die Ursachen ihres eigenen Verhaltens eher in der Situation und den äußeren Rahmenbedingungen zu suchen, das Verhalten anderer aber auf Persönlichkeitseigenschaften bezieht, so spricht man vom Actor-Observer-Effect. Eigenes Verhalten wird demnach situativ attributiert, fremdes Verhalten wird personal attributiert. (Brehm et al. 2004)
Ursachen hierfür könnten sein:
- Perspektive
Der Handelnde (Actor) hat eine andere Perspektive auf das Verhalten als der Beobachter (Observer). Daher kann es zu unterschiedlichen Erklärungsansätzen kommen.
- Bezug zum Kontext
Der Beobachter (Observer) beurteilt seine z. b. durch sehen, hören, riechen etc. wahrgenommenen Informationen, während der Handelnde (Actor) weitere Informationen situativ mit aufnimmt. (Eigenes Fühlen, Hintergrundinformationen, Vorerfahrungen)
(Brehm et al. 2004)
Für die Pflege ist dieser Effekt zum einen wichtig, um das Verhalten der Arbeitskollegen richtig einzuschätzen, aber auch die Pflegebedürftigen besser zu verstehen. Um den Actor-Observer-Effect auszuschalten – zumindest aber zu minimieren – können sich die Beteiligten absprechen die Rolle des anderen einzunehmen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung und Einteilung: Dieses Kapitel erläutert die Problematik kognitiver Verzerrungen als Urteilsheuristiken und bietet eine erste Systematisierung in vier Hauptkategorien für den pflegerischen Kontext.
Alphabetisch geordnetes Nachschlagewerk: Dieser Hauptteil bietet eine detaillierte, lexikalische Aufarbeitung zahlreicher kognitiver Verzerrungen, inklusive praktischer Beispiele aus dem Pflegealltag und theoretischer Erläuterungen.
Schlüsselwörter
Clinical Reasoning, Altenpflege, Kognitive Verzerrungen, Cognitive Bias, Entscheidungsprozess, Urteilsheuristik, Pflegeplanung, Wahrnehmungsfehler, Attribution, Selbstreflexion, Evidence Based Nursing, Patientenwohl, Pflegequalität, Kognition, Intuition.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Werk grundsätzlich?
Es geht um die Darstellung kognitiver Verzerrungen, die als unbewusste Denkfehler den professionellen Entscheidungsprozess (Clinical Reasoning) in der Altenpflege beeinflussen können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen Entscheidungsprozesse, soziale Interaktion, Gedächtnisleistung und die Wahrnehmung von Wahrscheinlichkeiten im Pflegealltag.
Was ist das primäre Ziel des Autors?
Ziel ist es, die Pflegekraft durch das Wissen über diese Verzerrungen zur Reflexion anzuregen, um Fehlentscheidungen zu reduzieren und die Pflegequalität zu sichern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Das Werk nutzt eine alphabetische Struktur, um Begriffe zu definieren, sie durch psychologische Theorien zu stützen und durch spezifische Beispiele aus dem Pflegealltag greifbar zu machen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil besteht aus einem detaillierten Nachschlagewerk, das einzelne Biases wie den Actor-Observer-Effect oder den Halo-Effekt definiert und deren Bedeutung für das Clinical Reasoning analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Clinical Reasoning, Altenpflege, Kognitive Verzerrungen, Urteilsheuristiken und Pflegequalität.
Wie hilft das Wissen über den "Actor-Observer Effect" im Pflegealltag?
Es hilft Pflegekräften zu verstehen, warum sie eigenes Verhalten oft situativ entschuldigen, während sie das Verhalten von Kollegen schneller personal bewerten, was durch Rollentausch minimiert werden kann.
Warum ist das "Peter-Prinzip" in diesem Buch enthalten?
Es dient als Exkurs zur Veranschaulichung, warum inkompetente Führungspersonen in Hierarchien aufsteigen können und warnt davor, Positionen automatisch mit hoher Fachkompetenz gleichzusetzen.
- Quote paper
- Horst Siegfried Kolb (Author), 2012, Kognitive Verzerrungen im Clinical Reasoning der Altenpflege, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193322