Die Forderungen der Orthodoxen im Vorfeld der Brester Union von 1596


Hausarbeit (Hauptseminar), 2011
12 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Der katholische und der orthodoxe Glaube in ihrer Grundstruktur

3. Voraussetzungen der Brester Union von 1596

4. Die Unionsbulle von 1595
4.1 Die Forderungen der Orthodoxie
4.2 Interpretation der Forderungen im Hinblick auf den orthodoxen Glauben

5. Zusammenfassung und Ausblick

6. Quellen und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Die Union von Brest 1596 versucht ein Bindeglied zwischen den immer weiter auseinanderdriftenden Glaubensrichtungen des Katholizismus und der Orthodoxie in der Ukraine zu schaffen. Das Ergebnis ist ein Zusammenschluss beider Kirchen gewesen – die unierte Kirche.

Die vorliegende Arbeit will anhand der 33 Artikel der Bulle von 1595[1] versuchen, die Forderungen der Orthodoxie im Hinblick auf eine Einigung mit der katholischen Kirche aufzuzeigen und wie die orthodoxe Kirche versucht, trotz einer bevorstehenden Unierung, ihre Glaubens – und Traditionsinhalte zu schützen.

Hierbei gilt es zuerst die beiden genannten Glaubensrichtungen in ihren Grundzügen darzustellen, um eine Basis für die Arbeit an und mit der Quelle zu geben. Anschließend werden knapp die Voraussetzungen der Brester Union genannt, um anknüpfend die 33 Artikel in einer Auswahl darzustellen.[2] Die Forderungen sollen genannt und in Bezug zur gestellten Leitfrage hin ausgewertet werden. Abschließend wird der erarbeitete Untersuchungsstand zusammengefasst. Zudem sollen weitere Fragen genannt werden, die sich während der Beschäftigung des Themas für weitere Überlegungen, die aber über die Leitfrage hinausgehen, ergeben haben.

2. Der katholische und der orthodoxe Glauben in ihrer Grundstruktur

Bevor die Forderungen der Orthodoxie betrachtet werden können, soll zunächst geklärt werden, wie die beiden Glaubensrichtungen in ihren Grundstrukturen zu verstehen sind, um darauf später bei der Quellenbetrachtung zurückgreifen zu können.

Die orthodoxe Kirche hat ihren Ursprung bereits in den ersten christlichen Gemeinden im Osten des römischen Reiches zu verzeichnen, wobei sich das Christentum hier anders entwickelt hat als im westlichen Teil. Daher betont die Orthodoxie besonders ihre Herkunft aus dem Osten und spricht von sich selbst als Ostkirche.[3] Unter diesem Begriff werden all jene Kirchen zusammengefasst, die dem byzantinischen Ritus des Christentums folgen.[4] Jedoch „[…] setzen sie die Existenz anders geprägter Kirchen voraus.“[5]

„Die Theol[ogie] der Kirchenväter, [ähnlich den Bischöfen], genießt daher kirchenbegründende Autorität, weil sie in der geistl[ichen] Nähe zu den Ursprüngen der Kirche den authentischen christlichen Glauben bezeugen und mit ihren Grundentscheidungen unübertreffbare Leitlinien für das Glaubensleben […] aufzeigen.“[6] Für die allgemeinen orthodoxen Traditionen sind vor allem das Fest der ‚göttlichen Liturgie‘, die 7 Sakramente, bestimmte Weihehandlungen, Ikonenverehrung, Gebete sowie Hymnen auszumachen.[7]

Die römisch–katholische Kirche ist diejenige Kirche, die von Christus selbst gestiftet wurde. Sie ist heilig, katholisch, apostolisch, sichtbar, unvergänglich, unfehlbar und allein selig sprechend. Der Papst hat das Primat der katholischen Kirche inne und dient als Stellvertreter Jesus auf Erden.[8] Im Katholizismus hat die oberste Lehrautorität der Bischof.[9] Ebenso wie die Orthodoxie folgt der Katholizismus den 7 Sakramenten, wobei hinzuzufügen ist, dass eine Trennung von Sakramenten und Sakramentalien bei der katholischen Kirche ausdifferenzierter ist, als bei der Orthodoxen. Das 5. Sakrament in der Orthodoxie, die Ehe, ist in der katholischen Kirche das 7., somit steht im Katholizismus die Krankensalbung an 5. Stelle. Auch die katholische Kirche beansprucht für sich ‚die einzig wahre Kirche‘ zu sein, die den rechten Glauben verbreitet, da katholisch so viel wie „allgemein, ein Ganzes bildend“ bedeutet. Die Konfessionsbezeichnung stammt aus dem 16. Jahrhundert und ist für die römisch–katholische Kirche zu verorten.[10]

Ergänzend ist zu erwähnen, dass die orthodoxe sowie die katholische Kirche keine nennenswerten Unterschiede in der Ausübung ihres Glaubens aufweisen und recht ähnliche Strukturen ausbilden.

[...]


[1] http://www.archeparchy.ca/documents/history/Union%20of%20Brest.pdf, 08.09.2011, 13:57 Uhr.

[2] Die Artikel werden aus Magocsi, Paul Robert: A History of Ukraine, genutzt. Ergänzend und der Vollständigkeit der Artikel halber ist die obige Internetadresse hinzugezogen worden. Der Wortlaut der Artikel im Englischen ist unmerklich abweichend. Bei der weiteren Kennzeichnung der genutzten Artikel wird immer das Werk Magocsis als Grundlage angegeben.

[3] Vgl. Hauptmann, Peter: Orthodoxe Kirchen, in: Religion in Geschichte und Gegenwart, Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft, Bd. 6, Tübingen 2003, Sp. 676.

[4] Felmy, Karl Christian: Orthodoxe Kirchen, in: Lexikon für Theologie und Kirche, Bd. 7, Freiburg; Basel; Rom; Wien 1998, Sp. 1144.

[5] Hauptmann 2003, Sp. 680.

[6] Ebenda, Sp. 682.

[7] orthodoxe Kirchen, in: Bertelsmann, Das neue Universallexikon, Gütersloh; München 2009, S. 701.

[8] katholische Kirche, in: Bertelsmann, Das neue Universallexikon, Gütersloh; München 2009, S. 474.

[9] Oberdorfer, Bernd: Katholizität der Kirche, in: Religion in Geschichte und Gegenwart, Handwörterbuch für Theologie und Religionswissenschaft, Bd. 4, Tübingen 2001, Sp. 903.

[10] katholisch, in: Bertelsmann 2009, S. 474.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Die Forderungen der Orthodoxen im Vorfeld der Brester Union von 1596
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
Note
2,0
Autor
Jahr
2011
Seiten
12
Katalognummer
V193435
ISBN (eBook)
9783656184058
ISBN (Buch)
9783656184799
Dateigröße
467 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ukraine, Brester Union, 1596, Osteuropäische Geschichte, orthodoxe Kirche
Arbeit zitieren
Sandra Tafelski (Autor), 2011, Die Forderungen der Orthodoxen im Vorfeld der Brester Union von 1596, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193435

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