Sprachenpolitik in deutsch-russischen Kooperationen

Probleme interner Unternehmenskooperation


Hausarbeit, 2012

18 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung

2. Die Sprachenpolitik im Unternehmen
2.1 Die Begriffe Sprachpolitik und Unternehmenskommunikation
2.2 Die Relevanz der Sprachpolitik im Unternehmen

3. Die Sprachwahl im Unternehmen
3.1 Die Auswahl einer Sprache
3.1.1 Die Heuristik der Einsprachigkeit
3.1.2 Interkulturelle Kompetenz
3.1.3 Übersetzungsfehler
3.2 Die Auswahl mehrerer Sprachen
3.2.1 Der Einsatz von Dolmetschern
3.2.2 Der polyglotte Dialog
3.3. Verkehrs- und Reduktionssprachen
3.3.1 Lingua Franca - Englisch als Verkehrssprache
3.3.2 Russisch als Lingua Franca

4. rechtliche Vorschriften

5. Fallanalysen

6. Implikationen und Fazit

1. Einleitung

Die Kommunikation im Unternehmen, sei es mit Kunden, Partnern oder Mitarbeitern ist ein wichtiges Instrument moderner Unternehmensführung. Denn ohne eine effiziente Kommunikation können strategisch wichtige Handlungen und Entscheidungen falsch oder gar nicht ausgeführt werden. Dieser Umstand stellt vor allem internationalisierte Unternehmen vor neue Herausforderungen. Bei der Zusammenarbeit von Mitarbeitern aus verschiedenen Kulturen mit verschiedenen Sprachkenntnissen ist neben der bloßen Nicht-Kenntnis der Sprache des Gegenübers auch die Gefahr gegeben, dass Aussagen aufgrund von routiniertem Kommunikationsverhalten missverstanden werden. Dabei läuft nicht nur ein Projekt oder Vorhaben Gefahr zu misslingen. Auch das Geschäftsklima wird wesentlich von einer möglichst verständigen Kommunikation bestimmt. Deshalb sind vor allem Unternehmen die im internationalen Bereich tätig sind, auf eine wohl durchdachte Sprachenpolitik angewiesen.

Dass Probleme dieser Art in Kooperationen mit ausländischen Unternehmen bestehen, ist bekannt. So auch im Geschäft zwischen deutschen und russischen Unternehmenspartnern. Die Frage, die allerdings eine solche Konfrontation mit sich bringt, ist die nach der konkreten Gestaltung der Sprachenpolitik im deutsch- russischen Unternehmen. Hierbei existieren die verschiedensten Möglichkeiten zur Gestaltung der Sprachenpolitik im ausländischen Unternehmen. Allerdings haben alle Möglichkeiten ihre Vor- und Nachteile, die es abzuwägen gilt, besonders in Bezug auf die individuellen Gegebenheiten des russischen Marktes. In dieser Arbeit sollen daher die Möglichkeiten der Gestaltung der Sprachpolitik speziell auf den Bereich deutsch-russischer Unternehmenskooperationen angewendet werden. Dabei wird auf die Spezifik des Kommunikationsverhaltens der beiden Kulturen eingegangen und wie diesen adäquaterweise begegnet werden könnte. Es folgen hierzu Praxisbeispiele, die Probleme und Lösungsansätze interkultureller Zusammenarbeit aufzeigen sollen.

Denn es gilt in der Geschäftswelt ein Grundsatz, der durch folgendes Zitat gut auf den Punkt gebracht werden kann: „Was sich nicht kommunizieren lässt, lässt sich nicht realisieren.“1

Und das gilt insbesondere für die Geschäftstätigkeit im Ausland. Und letztendlich stehen hinter Interessen zur Erschaffung eines optimalen Unternehmensklimas auch immer ökonomische Interessen.

2. Die Sprachenpolitik im Unternehmen

2.1 Die Begriffe Sprachpolitik und Unternehmenskommunikation

Die Sprachenpolitik in multinationalen Unternehmungen dient der Regelung der unternehmensexternen und -internen Kommunikation. Sie kann Regeln festlegen, in welcher Sprache schriftlich wie mündlich kommuniziert wird. Allgemein kann man die Unternehmenskommunikation als jene Kommunikationsprozesse verstehen, die einen „[…] Beitrag zur Aufgabendefinition und -erfüllung in gewinnorientierten Wirtschaftseinheiten […]“ leisten.2

Weiterhin differenziert man in externe und interne Kommunikation. Mit der externen Kommunikation sind alle diejenigen sprachlichen Handlungen gemeint, die sich an Nicht-Angehörige des Unternehmens richten, wie Lieferanten, Kunden und Kapitalgeber. Für diese Bereiche existieren in größeren Unternehmen mit Beteiligungen und der Zusammenarbeit im Ausland in der Regel eigene Abteilungen, wie beispielsweise das Marketing für die Regelung der Kommunikation zwischen Unternehmen und dem Kunden.3

Die interne Kommunikation meint alle Kommunikationsprozesse zwischen Angehörigen eines Unternehmens. Wichtig ist hierbei, dass dies nicht nur die Kommunikation zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern auf geschäftlicher Ebene umfasst, die als formelle Kommunikation bezeichnet wird, auch das lockere Gespräch außerhalb des Geschäftlichen wird zum Teil der Unternehmenskommunikation. Diese nennt man deshalb auch informelle Kommunikation, sie folgt in der Regel kaum Vorschriften und liegt nur teilweise im Kontrollbereich des Unternehmers.4

2.2 Die Relevanz der Sprachpolitik im Unternehmen

Die Sprachwahl im Unternehmen dient nicht nur dem Zweck einer aus ökonomischer Sicht effektiven Kommunikation, zumindest nicht in erster Linie. Eine erfolgreiche Kommunikation, vor allem auch im privateren Bereich, das heißt informell zwischen den Mitarbeiter ist ein wichtiger Faktor bei der Erschaffung und Pflege einer eigenen Unternehmenskultur. Damit dient die Kommunikation nicht nur der Informationsweitergabe sondern ebenso der “[...] Herstellung einer Gemeinsamkeit [...]”5

Mit der Gemeinsamkeit wird die Erschaffung einer Identität innerhalb der sozialen Gruppe verstanden, die für soziale Systeme von grundlegender Bedeutung ist. Die Kommunikation nimmt demnach eine beziehungsstiftende Funktion ein.6 Die Bildung einer Unternehmenskultur kann als ein wesentliches Element des Unternehmenserfolges betrachtet werden. Die Kommunikation kann für den Unternehmer zum Problem durch Ineffizienz werden, wenn diese verspätet, ungenau oder fehlerhaft stattfindet. Denn Kommunikation verursacht immer Kosten, die sogenannten Transaktionskosten der Informationsbeschaffung und Weitergabe. Sie entstehen immer in der Planung von Arbeitsschritten und im allgemeinen Austausch zwischen den Mitarbeitern. Noch deutlicher wird dieser Stellenwert der Sprachenpolitik bei der Betrachtung der Haupttätigkeiten eines Managers. Studien aus dem Bereich der Unternehmenskommunikation zeigten, dass Manager 40 bis 90% ihrer Arbeitszeit für Informations- und Kommunikationsaktivitäten aufwenden. Damit geht einher, dass in diesem Bereich hohes Rationalisierungspotential besteht. Das heißt, man versucht immer möglichst Kosten- und Zeiteffizient zu kommunizieren, sodass die Transaktionskosten gering gehalten werden können.7 Denn ein Problem der Transaktionskosten ist, dass sie nur schwer auf bestimmte Arbeitsschritte zugerechnet werden können, das heißt es kann nur schwer ermittelt werden, welchen Anteil diese Kosten an den gesamten Kosten haben. Von daher ist das Optimierungspotential nur schwer festzustellen und es gilt dieses von Anfang an einer Zusammenarbeit nach klaren Vorstellungen aufzubauen um späteren Eingriffen in ein bereits etabliertes System der Kommunikation, dass sich ohne Planung fehlerhaft herausbilden kann, auszuweichen.8

3. Die Sprachwahl im Unternehmen

Nach Ansicht der Auswahl der Kommunikationssprache betrachtet man die Sprache selbst als geschlossene Ganzheit, es handelt sich demnach um eine Makroansicht der Sprache. Es existieren verschiedene Möglichkeiten bei der Auswahl der Kommunikationssprache im Unternehmen. Im Wesentlich lassen sich diese nach den Kriterien einsprachig oder mehrsprachig unterscheiden.

Neben diesem Entscheidungsbedarf müssen die damit verbundenen Konsequenzen beachtet werden, die sich nicht unerheblich auf das Klima des Unternehmens auswirken können. Denn eine Sprache ist immer ein Kulturgut. Über die Kommunikation werden wesentliche Werte und damit verbundene Erwartungshaltungen des Kommunikationspartners transportiert.9 Als Veranschaulichung kann hier das Eisbergmodell dienen. Dies ist eine Metapher in Form eines Eisberges, die das Problem der oberflächlichen Betrachtung verdeutlicht. Das Modell enthält die beiden Ebenen Perceptas und Conceptas. Wobei die Perceptas-Ebene nur an der Oberfläche Sichtbar wird und nur ca. 10% des Einsberges ausmacht, während der wesentliche Teil Unterhalb des sichtbaren Bereiches liegt. Betrachtet man dieses in Hinsicht auf die Fremdsprachenproblematik, ergibt sich der Umstand, dass die jeweiligen sprachlichen Zeichen, die von einem Sender an einen Empfänger gehen und umgekehrt, nur die Oberfläche der Kommunikation darstellen. Wesentliche Konzepte wie Wertvorstellungen und kulturell geprägte Ansichten werden damit nur kryptisch weitergegeben und liegen somit viel tiefer im unteren, nicht sichtbaren Teil des Eisberges verborgen.10

Vergegenwärtigt man sich dieses Problem in Hinsicht auf die Auswahl der Kommunikationssprache so zeigt sich, dass eine Auswahl für oder wider eine Sprache immer wesentlich die Conceptas-Ebene beeinflussen wird. Weitere Ausführungen hierzu folgen in den Einzeldarstellungen zur Sprachpolitik.

3.1 Die Auswahl einer Sprache

3.1.1 Die Heuristik der Einsprachigkeit

Die Entscheidung für eine bestimmte Kommunikationssprache impliziert, dass es zur Entscheidung gegen die Auswahl anderer Sprachen kommt. Das heißt, entscheidet sich ein Unternehmen für die Kommunikationssprache Russisch, so bedeutet das, dass die Mitarbeiter alle gefordert sind in dieser Sprache zu sprechen, unabhängig davon, ob es sich um die Muttersprache oder um eine Fremdsprache für die entsprechende Person handelt. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von einer asymetrischen Sprachwahl, weil eine von beiden Parteien - in diesem Fall die Angehörigen einer Sprachgemeinschaft - gezwungen ist, die Sprache der anderen zu adaptieren. Es kann sich hierbei um die Stammhaussprache oder die Standortsprache handeln. Die Strategie kann im Fall, dass die meisten eingestellten oder im Auslandsgeschäft tätigen Mitarbeiter bereits der Fremdsprache mächtig sind, Vorteile mit sich bringen, da es sich aus heuristischer Sicht um die einfachste und praktikabelste Lösung handelt.11

Ist dies allerdings nicht der Fall, können die Probleme bei dieser Entscheidung sehr vielseitig sein. Denn zunächst einmal muss davon ausgegangen werden, dass die Mitarbeiter, die dieser Sprache nicht oder nur begrenzt mächtig sind, darauf angewiesen sind, sich Weiterbildungsmaßnahmen zu unterziehen. Das bedeutet auf der einen Seite, dass für das Unternehmen zusätzliche Kosten entstehen und dass hierfür auch genügend Motivation seitens der Mitarbeiter vorhanden sein sollte.

3.1.2 Interkulturelle Kompetenz

In dem Fall, dass solche Maßnahmen wie Sprachkurse vorgenommen werden, besteht immer noch die Gefahr, dass es zu Wahrnehmungsfehlern und Interpretationsfehlern von Gesagtem kommt. Denn auch wenn ein Sprecher eine Fremdsprache ausreichend beherrscht, fehlt ihm dennoch das Wissen über die kulturellen Eigenheiten des Sprachgebrauchs.

Wichtig ist dabei die Bewusstmachung der Diversitäten zwischen der eigenen und der fremden Kultur, die jenseits der Fremdsprachenkenntnisse liegen. Denn neben der schnellen Erlernung der Fremdsprache, ist es erforderlich, dass der Kommunikationspartner Eigenschaften besitzt, die man als interkulturelle Kompetenzen bezeichnet.12

Denn nicht jeder Mitarbeiter ist dazu geeignet ins Ausland entsandt zu werden. Die Vorstellung von interkultureller Kompetenz umfasst vor allem landeskundliche und kommunikative Kompetenzen im Umgang mit fremden Kulturen.

[...]


1 Zerfaß, Ansgar: Unternehmensführung und Öffentlichkeitsarbeit. Grundlegung einer Theorie der Unternehmenskommunikation und Public Relations. S.27.

2 Zerfaß, Ansgar: Unternehmenskommunikation und Kommunikationsmanagement. Grundlagen, Wertschöpfung, Integration. aus: Piwinger, Manfred: Handbuch Unternehmenskommunikation. Wiesbaden: Gabler 2007. S.23.

3 Vgl. Martynova, Olga: Sprachwahl in der deutsch-russischen Unternehmenskommunikation. Frankfurt a.M: Lang 2010 S.1-3. Vgl. Vollstedt, Marina: Sprachenplanung in der internen Kommunikation internationaler Unternehmen. Hildesheim: Olms 2002. S.13-15.

4 Vgl. Mast (2008) aus: Leutelt, Jasmin: Hierarchiefreiheit und in Organisation und Kommunikation. Hamburg: Dimplomica 2010.S.22.

5 Hayakawa, Samuel (hgg. v. Schwarz, Günther): Semantik. Sprache im Denken und Handeln. Darmstadt: Darmstädter Blätter 1969. S.103f.

6 Vgl. Vollstedt, Marina: Sprachenplanung in der internen Kommunikation internationaler Unternehmen. Hildesheim: Olms 2002. S.22-24.

7 Vgl. Ebd. S.33f.

8 Vgl. Ebd.

9 Vgl. LeMar, Bernd: Kommunikative Kompetenz. Der Weg zum innovativen Unternehmen. Berlin: Springer 2007. 90f.

10 Vgl. Bolten, Jürgen: Einführung in die interkulturelle Wirtschaftskommunikation. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht 2007. S.95f.

11 Vgl. Martynova, Olga: Sprachwahl in der deutsch-russischen Unternehmenskommunikation. Frankfurt a.M: Lang 2010 S.1-3.

12 Vgl. Volkmann, Laurenz: Interkulturelle Kompetenz. Tübingen: Narr 2002. S.12f.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Sprachenpolitik in deutsch-russischen Kooperationen
Untertitel
Probleme interner Unternehmenskooperation
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
18
Katalognummer
V193456
ISBN (eBook)
9783656184836
ISBN (Buch)
9783656186250
Dateigröße
443 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Russland, Unternehmenskooperation, Kommunikation, Unternehmenskommunikation, internationale Beziehungen, russische Kooperation, Joint-Venture, Sprachpolitik
Arbeit zitieren
Benjamin Damm (Autor), 2012, Sprachenpolitik in deutsch-russischen Kooperationen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193456

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