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Bertolt Brechts "Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui" - Eine Analyse der Darstellung der Figur Ui in der Inszenierung von Heiner Müller

Titre: Bertolt Brechts "Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui" - Eine Analyse der Darstellung der Figur Ui in der Inszenierung von Heiner Müller

Exposé Écrit pour un Séminaire / Cours , 2007 , 12 Pages , Note: 1,0

Autor:in: Stefanie von Rossek (Auteur)

Théâtrologie, Danse
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Résumé Extrait Résumé des informations

Zeugt es von Naivität anzunehmen, die heutige Gesellschaft setze Adolf Hitler mit einem klassischen Bösewicht gleich?
Ansichten über was oder wen auch immer sind stets an Umfeld, Zeit und Kultur gebunden und – dies ist von entscheidender Bedeutung – in jedem Fall wandelbar.
Dass sich das Hitlerbild mit den Jahren seit seinem Tod geändert hat, arbeitete beispielsweise Alexandra Löffler mit Hilfe der Lexikonartikel im Brockhaus heraus. „Eine relativ neutrale Darstellung“ führt zum „Inbegriff des Bösen“ und endet bei der „Begeisterung weiter Volksteile“.
Es ist und bleibt immer noch eine interessante Frage, ob man dem politischen Führer oder doch vor allem seinem Volk die Schuld für sämtliche Verbrechen geben sollte. Allein mit dem Titel seines Werkes „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ deutet Bertolt Brecht an, dass der einzelne Mensch immer eine gewisse Verantwortung trägt und es kein Problem gewesen wäre, einen Verbrecher an der Machtergreifung zu hindern.
In der Inszenierung von ebendiesem Stück durch Heiner Müller gibt Martin Wuttke jedenfalls eine solch lächerliche Darstellung des Protagonisten Ui ab, dass man meinen könnte, es komme einem Witz gleich, dass diese Figur im Stück zunehmend an Macht gewinnt.
Dies dürfte noch gänzlich im Sinne Brechts sein, schließlich ist dieser Aufstieg ja aufhaltsam.
Und nicht umsonst „[müssen] Die großen politischen Verbrecher (...) durchaus preisgegeben werden, und vorzüglich der Lächerlichkeit. Denn sie sind vor allem keine großen politischen Verbrecher, sondern die Verüber großer politischen Verbrechen, was etwas ganz anderes ist.“
Dabei darf man allerdings nicht missachten, dass gerade diese Lächerlichkeit keine allzu geringe Sympathie beim Publikum bewirken könnte. Es kann passieren, dass man sich selbst dabei ertappt, wie man sich lustig über den Protagonisten macht und doch zugleich auf den Erfolg seiner Unternehmungen hofft.
Wissentlich, dass diese Figur Arturo Ui der historischen Person Adolf Hitler entspricht, erkannte ich dennoch, wie ich mich als Zuschauerin automatisch auf seine Seite stellte und durchaus in mir den Wunsch hegte, er solle seinen politischen und gesellschaftlichen Aufstieg durchziehen.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Von Adolf Hitler zu Arturo Ui

2. Kurze Inhaltszusammenfassung der Inszenierung

3. Die Szene mit dem Schauspieler

4. Die Szene mit der Erschießung Romas

5. Assoziationen einer Zuschauerin

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die Darstellung der Figur Arturo Ui in der Inszenierung von Heiner Müller am Berliner Ensemble (1995). Ziel ist es, mithilfe semiotischer Analysemethoden nach Charles Morris zu ergründen, warum die komische und teils lächerliche Darstellung des Protagonisten beim Publikum eine unerwartete Sympathie hervorrufen kann.

  • Semiotische Analyse theatralischer Zeichen (insb. gestische Zeichen)
  • Untersuchung der Komik als ästhetisches und wirkungspsychologisches Mittel
  • Gegenüberstellung zweier Schlüsselszenen: Schauspielunterricht und Erschießung Romas
  • Reflexion über Zuschauerreaktionen und die Gefahr der Identifikation mit totalitären Figuren
  • Bezugnahme auf Bertolt Brechts Theaterkonzept und dessen Umsetzung durch Heiner Müller

Auszug aus dem Buch

3. Die Szene mit dem Schauspieler

Die ersten Worte, welche Arturo Ui zu dem Schauspieler sagt, sind im Prinzip gegen sich selbst gerichtet. So heißt es doch, dass man ihm zu verstehen gegeben hat, wie seine „Aussprache zu wünschen übrig läßt.“

In Heiner Müllers Inszenierung im Jahr 1995 lacht an dieser Stelle das Publikum und bewirkt damit einen unsicheren Blick der dargestellten Figur Arturo auf das selbige und eine Hand, die ausgiebig an der Jacke herumwischt.

Folgende Szene soll nun auf der semiotischen Ebene untersucht werden, wobei ich – wie bereits angesprochen – vor allem bei den gestischen Zeichen bleiben werde.

Arturo nähert sich dem Schauspieler, indem er seine Hände mit gespreizten Fingern auf dem Bauch abgelegt hat und sie teilweise in der Hose versteckt. Letztere zieht er schließlich nach oben und unternimmt einen Versuch, seine Arme zu verschränken, unterlässt es aber doch und zupft stattdessen an seiner Jacke herum.

Dies ist nur der Anfang, doch der Fortlauf seiner Bewegungen ändert sich kaum. Nie scheint er zu wissen, was er tun soll, wie er sich verhalten soll; das alles spricht für hochgradige Unsicherheit.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Von Adolf Hitler zu Arturo Ui: Das Kapitel führt in die historische Analogie der Figur Arturo Ui zu Adolf Hitler ein und diskutiert die bewusste Darstellung als lächerliche Figur im Sinne Brechts.

2. Kurze Inhaltszusammenfassung der Inszenierung: Es erfolgt ein Überblick über die Handlung von Brechts Stück, um den Kontext der untersuchten Szenen innerhalb der Machtübernahme des Gangsters zu verdeutlichen.

3. Die Szene mit dem Schauspieler: Die Analyse konzentriert sich auf die gestischen Zeichen des Protagonisten, die dessen Unsicherheit verdeutlichen und eine ambivalente Zuschauerreaktion zwischen Lachen und Sympathie provozieren.

4. Die Szene mit der Erschießung Romas: Die Untersuchung zeigt auf, wie die steife Gestik in dieser moralisch kritischen Szene den inneren Widerwillen oder die Unsicherheit der Figur im Moment des Verrats unterstreicht.

5. Assoziationen einer Zuschauerin: Das abschließende Kapitel reflektiert die persönliche Wahrnehmung der Inszenierung und diskutiert die Gefahr, dass Zuschauer trotz der aufgezeigten Lächerlichkeit unbewusst Partei für den Diktator ergreifen.

Schlüsselwörter

Arturo Ui, Bertolt Brecht, Heiner Müller, Inszenierung, Semiotik, gestische Zeichen, Martin Wuttke, Komik, Sympathie, Machtmissbrauch, Theaterwissenschaft, Zuschauerreaktion, Ästhetik des Hässlichen, Machtübernahme, Identifikation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert die Darstellung von Arturo Ui in der Inszenierung von Heiner Müller, um zu verstehen, wie die Interpretation der Figur trotz ihrer negativen Konnotation eine positive Resonanz beim Publikum auslösen kann.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Im Zentrum stehen die semiotische Theateranalyse, die Wirkung von Komik auf das Publikum, die Psychologie der Zuschaueridentifikation sowie der Vergleich der Figur mit historischen und dramatischen Vorbildern.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, die spezifischen gestischen Zeichen zu identifizieren, die den Protagonisten Arturo Ui in der Inszenierung von 1995 zu einer ambivalenten Figur machen, die trotz ihrer moralischen Verwerflichkeit Sympathie wecken könnte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt die semiotische Theorie von Charles Morris, speziell die Kategorie der gestischen Zeichen, um die schauspielerische Leistung von Martin Wuttke präzise zu beschreiben und auszuwerten.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Inhaltsübersicht sowie die detaillierte semiotische Analyse zweier gegensätzlicher Schlüsselszenen: der humorvollen Szene mit dem Schauspieler und der moralisch schweren Szene der Erschießung Romas.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?

Schlüsselbegriffe sind Arturo Ui, Bertolt Brecht, Heiner Müller, Semiotik, gestische Zeichen, Komik, Zuschaueridentifikation und Machtübernahme.

Welche Bedeutung hat die "Lächerlichkeit" für die Darstellung des Arturo Ui?

Die Lächerlichkeit fungiert als ästhetisches Mittel, das Arturo Ui menschlich erscheinen lässt, was paradoxerweise dazu führen kann, dass das Publikum eine unbewusste Sympathie oder gar Unterstützung für den Aufstieg des Gangsters empfindet.

Wie unterscheidet sich die Inszenierung von Heiner Müller vom klassischen Theaterverständnis?

Indem Heiner Müller die Figur durch Martin Wuttke bewusst lächerlich und clownesk agieren lässt, fordert er das Publikum zum Nachdenken auf und ermöglicht eine kritische Distanz, anstatt Mitleid nach aristotelischem Vorbild zu erzeugen.

Warum wird die Szene der Erschießung Romas als problematisch bewertet?

Weil sie den zuvor als lächerlich und sympathisch wahrgenommenen Protagonisten in einer moralisch verwerflichen Situation zeigt, was das Publikum zwingt, seine bereits aufgebaute Empathie zu hinterfragen.

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Résumé des informations

Titre
Bertolt Brechts "Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui" - Eine Analyse der Darstellung der Figur Ui in der Inszenierung von Heiner Müller
Université
LMU Munich
Note
1,0
Auteur
Stefanie von Rossek (Auteur)
Année de publication
2007
Pages
12
N° de catalogue
V193493
ISBN (ebook)
9783656191285
ISBN (Livre)
9783656191698
Langue
allemand
mots-clé
Bertolt Brecht Adolf Hitler Heiner Müller Arturo Ui Sympathie
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Stefanie von Rossek (Auteur), 2007, Bertolt Brechts "Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui" - Eine Analyse der Darstellung der Figur Ui in der Inszenierung von Heiner Müller, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193493
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Extrait de  12  pages
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