Für den Staat, insbesondere den Wohlfahrtstaat ist die Hausarbeit in Familien ein Kernprozess von industrialisierten Systemen. Nur mit einer funktionierenden Arbeitsteilung und dem unentgeltlichen Verrichten der Hausarbeit funktioniert das Modell der „Kernfamilie“ als Stütze der industrialisierten Wohlfahrtsgesellschaft erfolgreich (Rendtorff, 2007, S. 94). Frauen übernehmen den Großteil dieser Arbeit (für einen Überblick siehe Coltrane, 2000) und Männern wird seit längerer Zeit eine „verbale Aufgeschlossenheit bei weitgehender Verhaltensstarre“ (Beck, 1986, S. 169) attestiert.
Welche theoretischen Erklärungsansätze hierbei diskutiert werden, welche Faktoren diese Arbeitsteilung beeinflussen und wie sich aufgrund verändernder Bedingungen in der Zukunft die familiale Arbeitsteilung gestalten wird, soll in dieser Hausarbeit erörtert werden. Ein Schwerpunkt soll hierbei auf sich verändernde Geschlechterrollen gelegt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffsbestimmungen und theoretischer Hintergrund
2.1. Begriffsbestimmungen
2.2. Haushaltsökonomie – New Home Economics
2.3. Ressourcen- und Austauschtheorie und Bargaining Modelle
2.4. Time-Availability Ansatz
2.5. Geschlechterrollentheorie
3. Forschungsstand bezüglich der Arbeitsteilung im Haushalt
3.1 Mikro-Level Ebene (individuelle Faktoren)
3.2 Makro-Level Ebene
4. Gesellschaftliche Entwicklungen und Tendenzen
4.1 Veränderungen der Familie, des Haushalts und der Arbeitsteilung
4.2 Veränderungen der Geschlechterrollen
5. Arbeitsteilung im Haushalt in der Zukunft
5.1 Individuelle Einflussfaktoren und sich verändernde Geschlechterrollen
5.2 Bewertung des politischen Handlungsbedarfes
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die zukünftige Entwicklung der familialen Arbeitsteilung im Haushalt vor dem Hintergrund sich wandelnder Geschlechterrollen und gesellschaftlicher Rahmenbedingungen, um mögliche politische Handlungsfelder zu identifizieren.
- Theoretische Erklärungsansätze zur Haushaltsarbeitsteilung (ökonomisch/soziologisch)
- Aktueller Forschungsstand zur Mikro- und Makro-Perspektive
- Gesellschaftlicher Wandel von Familie und Geschlechterrollen
- Einflussfaktoren wie Bildungsniveau, Erwerbstätigkeit und Lebensverlauf
- Diskussion über politischen Handlungsbedarf zur Förderung der Gleichstellung
Auszug aus dem Buch
3.1 Mikro-Level Ebene (individuelle Faktoren)
Der Einblick in aktuelle Daten verdeutlicht die nach wie vor existierende Ungleichheit der Aufteilung der Hausarbeit. Für amerikanische Haushalte gilt, dass Frauen dreimal so viel im Haushalt arbeiten wie Männer (Coltrane, 2000). Die letzte Zeitbudgeterhebung des Statistischen Bundesamtes zeigt wie groß die Unterschiede zwischen den Geschlechtern bei der Arbeitsteilung im Haushalt sind.
Wenn beide Partner erwerbstätig sind und kein(e) Kind(er) haben ist die Arbeitsteilung fast ausgeglichen. Gemessen an allen anfallenden Tätigkeiten im Haushalt übernehmen Frauen 63 % und Männer 37 % (Statistisches Bundesamt, 2003, S. 16).
Die familiale Arbeitsteilung im Haushalt wird von zahlreichen individuellen und auch Makro-Level Faktoren (siehe 3.2) beeinflusst. In der Forschung aktuell diskutierte Befunde, die der individuellen Ebene zuzuordnen sind, werden nachstehend erläutert.
Höhere Bildungsabschlüsse bzw. ein höheres Bildungsniveau führen zu einer eher nontraditionellen bzw. egalitären Einstellung bei der Arbeitsteilung (Künzler, 1990, Blossfeld et al., 2006). Blossfeld et al. (2006) wagen die Vorhersage, dass die Bildungsexpansion zu egalitäreren Rollenvorstellungen und damit zu eher gleicher Aufteilung der Hausarbeit führen wird. Auch könnte, wenn die Einkommenschancen und damit die Ressourcen der Frau am Beginn der Partnerschaft höher sind, die Frau eher eine Umkehrung der Geschlechterrollen durchsetzen (Blossfeld et al., 2006).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Bedeutung der Hausarbeit als Stütze der Gesellschaft und leitet die Forschungsfrage bezüglich der zukünftigen Entwicklung unter sich ändernden Geschlechterrollen ein.
2. Begriffsbestimmungen und theoretischer Hintergrund: Es werden grundlegende Definitionen von Familie und Haushalt geklärt sowie ökonomische und soziologische Theorien zur Erklärung der Arbeitsteilung vorgestellt.
3. Forschungsstand bezüglich der Arbeitsteilung im Haushalt: Dieses Kapitel beleuchtet empirische Befunde auf individueller sowie makrosozialer Ebene, die die innerfamiliale Arbeitsteilung beeinflussen.
4. Gesellschaftliche Entwicklungen und Tendenzen: Es wird der Wandel von Familienformen und Geschlechterrollen analysiert, insbesondere im Hinblick auf moderne Rollenbilder bei Männern und Frauen.
5. Arbeitsteilung im Haushalt in der Zukunft: Basierend auf den Einflussfaktoren wird die künftige Entwicklung der Arbeitsteilung diskutiert und der politische Handlungsbedarf evaluiert.
6. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass Unsicherheiten über den Wandel bestehen und fordert eine intensivere Forschung, um die komplexen Zusammenhänge besser abbilden zu können.
Schlüsselwörter
Hausarbeit, Arbeitsteilung, Geschlechterrollen, Haushalt, Familie, New Home Economics, Ressourcentheorie, Doing-Gender, Erwerbstätigkeit, Gleichstellung, Bildungsexpansion, Traditionalisierung, Modernisierung, politische Maßnahmen, Rollenbilder.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die familiale Arbeitsteilung im Haushalt und untersucht, wie sich diese zukünftig durch gesellschaftliche Veränderungen und wandelnde Geschlechterrollen gestalten könnte.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf theoretischen Erklärungsmodellen für Hausarbeit, dem aktuellen Forschungsstand zu Einflussfaktoren, dem Wandel von Familienmodellen sowie der Diskussion politischer Gestaltungsmöglichkeiten.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, die dynamischen Einflussfaktoren auf die Arbeitsteilung zu identifizieren und zu erörtern, ob und wie diese zu einer egalitäreren Aufteilung der Aufgaben zwischen den Geschlechtern führen können.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin nutzt eine umfassende Literaturanalyse und wertet aktuelle Studien sowie empirische Daten (u.a. vom Statistischen Bundesamt) aus, um soziologische und ökonomische Theorien zu verknüpfen.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Grundlagen vor allem die empirischen Befunde zu individuellen Faktoren wie Bildungsniveau und Erwerbsbiografie sowie makrosoziale Bedingungen, etwa politische Rahmenbedingungen, detailliert behandelt.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, der „Doing-Gender“-Ansatz, die Ressourcentheorie sowie die Pluralisierung der Lebensformen.
Wie bewertet die Autorin das Zurückfallen in traditionelle Muster nach der Geburt?
Sie beschreibt dies als einen "Automatismus", der trotz modernerer Einstellungen häufig auftritt, da Alltagsroutinen und normative Erwartungen oft tief verankert sind und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erschweren.
Welche Rolle spielen politische Maßnahmen laut der Arbeit?
Politik wird als Instrument gesehen, das durch Rahmenbedingungen wie Kinderbetreuung, Arbeitszeitgestaltung und die Förderung moderner Rollenbilder in Bildungseinrichtungen aktiv auf die Arbeitsteilung einwirken kann.
- Citation du texte
- Susanna Schwarz (Auteur), 2012, Entwicklung der familialen Arbeitsteilung im Haushalt , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193497