Wer kennt die Geschichte von der Hexe in der Besenkammer? Oder die von dem lieben kleinen Teufel, der nur den einen Wunsch hegt, brav zu sein und in den Himmel zu kommen?
Oder die vom Riesen mit seinen roten Zaubersocken? Oder, oder, oder?
Diese drei und zehn weitere Erzählungen sind im berühmten Band des französischen Autoren Pierre Gripari enthalten. Die Kindergeschichten aus der Rue Broca in Paris.
Gripari verstarb Ende des Jahres 1990 in Paris und ruht dort auf dem Friedhof Pere Lachaise. Seine Arbeitsweise, Geschichten auf Stichwort hin, für die Kinder seiner Nachbarschaft zu erfinden, war oder ist auch die des deutschen Geschichtenerzählers Josef Mahlmeister in Köln.
Als er durch seine Französisch-Lehrerin im Jahre 1993, mit einer ersten Geschichte, nämlich seiner Hexe in der Besenkammer konfrontiert wurde, hatte der gelernte Erzieher in Köln bereits ein Jahr zuvor seinen ersten Band: „Die Zaubergeschichten vom Zauberer Mirabellum und der Hexe Schlapperspeck“, mit einer Sammlung von zehn eigenen Stegreif-Gute-Nacht-Geschichten veröffentlicht.
Zu den Inhalten der Rue-Broca-Geschichten, meint er aber auch heute noch: „Es sind genau die Geschichten, die ich selbst erfunden hätte, wenn sie mir eingefallen wären!“
Der lange fast zwanzig Jahre dauernde Weg, bis es endlich im Jahre 2011 zum 20. Todestag von Pierre Gripari, die erste komplette Buchausgabe mit seinen Rue-Broca-Geschichten in deutscher Sprache gab, ist der Inhalt dieses Buches.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
1. Erzählen, insbesondere das „freie“ Erzählen ist eine Kunst!
1.1 Von Idolen, Autoren und lieb gewonnenen Freunden
1.2 Verzaubern und Verhexen konnte mich bislang nur einer: Pierre Gripari!
1.3 Was ist eigentlich „Erzählen“ und was ist ein Erzähler?
1.4 Meine Arbeitsstelle im Kindergarten
1.5 Wo „freies“ Erzählen zur Unfreiheit führt
1.6 Der Idealfall des freien Storytellers
1.7 Von Limelight zum Lampenfieber
1.8 Lesen, Lernen und Lebenserfahrungen
2. Kurze Reflektion von J. M. - 1999
2.1 Storyteller vs. Santa Claus
3. Der französische Erzähler Pierre Gripari
3.1 Mein Leben mit Pierre! - 2002
3.2. Die Akte Mensch - Les Dossiers H (omme)! - 2011
4. Ein nachdenklich machendes Nachwort!
5. Ein zu Unrecht vergessener Erzähler / Buchrezension in der Gazette - 1999
6. Die Leidenschaft namens: Pierre Gripari!
7. Der französische Homme-o-sexuelle Kommunist und Atheist!
8. Nachwort aus der Übersetzung der Rue Broca Zaubergeschichten - 2011
Zielsetzung & Themen
Das Ziel der Arbeit ist es, das Leben und Werk des französischen Erzählers Pierre Gripari für den deutschsprachigen Raum zugänglich zu machen und die Kunst des freien Erzählens vor dem Hintergrund der persönlichen Erfahrungen des Autors zu beleuchten.
- Die Philosophie und Bedeutung des „freien“ Erzählens.
- Biografische und literarische Würdigung von Pierre Gripari.
- Die Herausforderungen bei der Übersetzung von Kinderliteratur.
- Der Einfluss von Storytelling im pädagogischen Kontext (Kindergarten).
- Reflektion über die Rolle des Erzählers im Gegensatz zu anderen Rollen wie dem Nikolaus.
Auszug aus dem Buch
1.2 Verzaubern und Verhexen konnte mich bislang nur einer: Pierre Gripari!
Verzaubert und für immer geprägt aber haben mich nur wenige. Es waren Menschen wie Edith Nesbit, Mark Twain, Lewis Carroll, Joanne Rowling (mit ihrem „Harry Potter“ selbst natürlich ;-) und vor und nach allen anderen: Pierre Gripari!
Erzählen ist ein wenig Kabarett. Es ist ein wenig Clownerie und es hat etwas von Grabrednern. Je nach Publikum und Auftragsanforderung wird der Storyteller zum geforderten Knetmännchen oder auch nicht; falls er den jeweiligen Auftrag erst gar nicht annimmt und sich und seiner Linie, sprich: damit sich und seiner ganz eigenen Art des Erzählens, des freien Vortrags, treu bleibt!
Wer vom Geschichten erzählen leben muss, der hat es heutzutage nicht einfach. Viele haben daher entweder noch einen Brotberuf oder eine Nebentätigkeit. Manche, das sind aber die wenigsten, zugegeben ich kenne keinen davon, haben eine reiche Prinzessin geheiratet und können ihren Beruf völlig frei und nach Lust und Laune ausüben.
Der Erzähler steht fast immer ganz alleine vor einem großen Publikum. Und er geht von ihm weg mit vielen Bekannt-gewordenen, manchen Freunden und dem einen oder anderen potenziellen sich aber vielleicht noch nicht geoutetem künftigen Auftraggeber.
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort: Einleitende Gedanken zur Bedeutung von Pierre Gripari und der Motivation des Autors, dessen Werk im deutschen Raum bekannter zu machen.
1. Erzählen, insbesondere das „freie“ Erzählen ist eine Kunst!: Eine theoretische und praktische Auseinandersetzung mit der Rolle des Geschichtenerzählers, der Bedeutung von Authentizität und der Abgrenzung von "freiem" zu "unfreiem" Erzählen.
2. Kurze Reflektion von J. M. - 1999: Eine persönliche Reflexion darüber, warum Kinder Märchen brauchen und welche Rolle das Wechselspiel zwischen Erzähler und Publikum dabei spielt.
3. Der französische Erzähler Pierre Gripari: Eine tiefgehende Analyse der Person Pierre Gripari, seines Stils und seiner anhaltenden Faszination als Autor.
4. Ein nachdenklich machendes Nachwort!: Gedanken über die Schwierigkeiten, Gripari als Autor in Deutschland zu etablieren und die Bedeutung seiner Werke.
5. Ein zu Unrecht vergessener Erzähler / Buchrezension in der Gazette - 1999: Eine kritische Würdigung Griparis als Autor, der trotz seines Talents lange Zeit im deutschen Sprachraum kaum Beachtung fand.
6. Die Leidenschaft namens: Pierre Gripari!: Eine chronologische Auflistung der Bemühungen des Autors, Gripari durch Übersetzungen und Veranstaltungen im deutschsprachigen Raum zu verbreiten.
7. Der französische Homme-o-sexuelle Kommunist und Atheist!: Eine philosophische Betrachtung über die Werte und Weltanschauungen von Künstlern wie Pierre Gripari.
8. Nachwort aus der Übersetzung der Rue Broca Zaubergeschichten - 2011: Ein Rückblick auf die Herausforderungen bei der Übersetzung der spezifischen Geschichten von Pierre Gripari.
Schlüsselwörter
Pierre Gripari, Geschichtenerzähler, Storytelling, Rue Broca, Übersetzung, Kinderliteratur, Josef Mahlmeister, Freies Erzählen, Pädagogik, Literatur, Frankreich, Märchen, Theater, Authentizität, Lesung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Kunst des freien Geschichtenerzählens und dem Werk des französischen Autors Pierre Gripari, dessen Schaffen der Autor in Deutschland bekannter machen möchte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Theorie des Storytellings, biografischen Details zu Pierre Gripari sowie den praktischen Erfahrungen bei der Übersetzung und öffentlichen Präsentation seiner Geschichten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Pierre Gripari als bedeutenden Autor zu würdigen und aufzuzeigen, wie seine Geschichten, trotz anfänglicher Ignoranz durch deutsche Verlage, ihren Weg in den deutschsprachigen Raum gefunden haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt einen autobiografisch geprägten, reflektierenden Ansatz, der durch persönliche Anekdoten, Dokumentationen von Übersetzungsarbeiten und theoretische Exkurse zum Erzählen gestützt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Reflexionen über das Erzählen, eine Analyse des Werks von Gripari und einen chronologischen Abriss der Bemühungen, den Autor in Deutschland zu etablieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird besonders durch Begriffe wie Storytelling, Pierre Gripari, kultureller Transfer, Übersetzungsarbeit und pädagogische Erzählpraxis geprägt.
Welche Bedeutung hat das "freies Erzählen" für den Autor?
Für den Autor ist das freie Erzählen eine Kunstform, die ein direktes, lebendiges Wechselspiel mit dem Publikum erfordert und ohne feste Vorlage auskommt, was den Erzähler in eine sehr persönliche, kreative Rolle versetzt.
Wie bewertet der Autor die Reaktion der Verlage auf Gripari?
Der Autor beschreibt die Reaktion der meisten deutschen Verlage als ablehnend oder desinteressiert, wobei er diesen Umstand als "zu Unrecht vergessen" kritisiert und eine hohe Hartnäckigkeit in seinen eigenen Bemühungen zeigt.
- Quote paper
- Josef Mahlmeister (Author), 2012, Pierre Gripari und seine Rue Broca Geschichten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193597