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Französische und deutsche Kulturauffassung - Die Entstehung des Gegensatzes von Zivilisation und Kultur nach Norbert Elias

Title: Französische und deutsche Kulturauffassung - Die Entstehung des Gegensatzes von Zivilisation und Kultur nach Norbert Elias

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 23 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Mag. Dominic Vaas (Author), Olaf Schwarz (Author), Kathrin Anton (Author)

Sociology - Culture, Technology, Nations
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Summary Excerpt Details

Norbert Elias untersucht in seinem Band “Über den Prozess der Zivilisation” Verhaltensweisen, die man als typisch für die abendländisch zivilisierten Menschen ansieht (Norbert Elias: Über den Prozess der Zivilisation – Soziogenetische und psychogenetische Untersuchungen; Erster Band: Wandlungen des Verhaltens in den weltlichen Oberschichten des Abendlandes, Bern und München 1969). Dabei interessieren ihn folgende, zentrale Fragen: “Wie ging eigentlich diese Veränderung, diese ‚Zivilisation’ im Abendlande vor sich, worin bestand sie und welches waren ihre Antriebe, ihre Ursachen oder Motoren?”

Das erste Kapitel geht den verschiedenen Bedeutungen und Bewertungen nach, mit denen man den Zivilisationsbegriff in Deutschland und Frankreich gebraucht. Dazu nimmt er eine Gegenüberstellung der Begriffe Zivilisation und Kultur mit jeweiligem Bezug auf Deutschland oder Frankreich vor. Dies soll der Verdeutlichung bestimmter typischer Figuren des Zivilisationsprozesses dienen.

Im zweiten Kapitel findet sich eine große Anzahl von historischen Beispielreihen typischer französischer oder deutscher Verhaltensweisen der absolutistischen Zeit. Elias will damit verdeutlichen, dass die Entwicklung der Zivilisation allmählich voranging. Dies begründet er damit, dass auch in der so genannten zivilisierten Gesellschaft kein Menschenwesen zivilisiert auf die Welt kommt. Der individuelle Zivilisationsprozess, dem der Mensch zwangsläufig unterliegt, ist eine Funktion des gesellschaftlichen Zivilisationsprozess. Elias glaubt hier die Antwort auf die Frage, warum sich im Laufe ihrer Geschichte der Aufbau der abendländischen Gesellschaft kontinuierlich ändert, zu finden, was er besonders als These im zweiten Band thematisiert.

Im Folgenden soll der Frage nachgegangen werden, wie und warum die spezifisch deutsche Kulturauffassung vor sich ging und warum sich diese antithetisch zum französischen Zivilisationsbegriff verhielt. Dabei soll gezeigt werden, dass aus der ursprünglich sozialen innerdeutschen Antithese von Kultur und Zivilisation ein nationales deutsch-französisches Gegensatzpaar wird. Die Untersuchung möchte zunächst die Argumentationskette Elias‘ aufdecken, welche in einem zweiten Schritt verdeutlicht und interpretiert werden soll.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Zur Soziogenese des Gegensatzes von ‚Kultur’ und ‚Zivilisation’ in Deutschland

1. Über den Entwicklungsgang des Gegensatzpaares Zivilisation und Kultur in Deutschland

a) Der deutsche Mittelstand und der höfische Adel

Die Stellung von Friedrich dem Großen und der Aristokratie ( Lit. Bezug )

Die Stellung der deutschen Literaten

Die mittelständische Intelligenz

Die literarische Bewegung in Frankreich

Hemmnisse des sozialen Aufstiegs der mittelständischen Intelligenz

Die mittelständische Beamtenintelligenz

Die deutsche Universität

b) Zurücktreten des sozialen und das Hervortreten des nationalen Gegensatzes in der Gegenüberstellung von Kultur und Zivilisation

II. Zur Soziogenese des Begriffs “civilisation” in Frankreich

1. Über die soziale Genese des französischen Begriffs “Zivilisation”

2. Zur Soziogenese des Physiokratismus u. der franz. Reformbewegung

Schlussbemerkung: ‚Zivilisation’ und ‚Kultur’ bei Elias

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die soziogenetischen Hintergründe der Begriffe „Kultur“ und „Zivilisation“ und analysiert deren gegensätzliche Entwicklung in Deutschland und Frankreich auf Basis von Norbert Elias' Werk „Über den Prozess der Zivilisation“.

  • Soziogenese des deutschen Kulturbegriffs im Gegensatz zur französischen Zivilisation
  • Rolle des deutschen Bildungsbürgertums und der höfischen Aristokratie
  • Einfluss sozio-ökonomischer Faktoren auf die nationale Identitätsbildung
  • Vergleich der französischen Zivilisationsauffassung und des Physiokratismus
  • Bedeutung der Begrifflichkeiten als Mittel der nationalen Abgrenzung

Auszug aus dem Buch

Die Stellung der deutschen Literaten

Im Laufe der Zeit wurden die bürgerlichen Kreise in Deutschland zunehmend wohlhabender. Friedrich der Große versprach sich mit dieser Entwicklung” ein Erwachen der Künste und der Wissenschaft” und folglich eine “glückliche Revolution”. Dass dies aber genau nicht eintraf, lag an der jahrelangen Ignoranz und an dem Verkennen der “wahren Ideale” des Bürgertums. Dieser Kontrast der Ideale wird wieder in der Literatur deutlich. Das Bürgertum bevorzugte und rühmte anstatt der klassischen französischen Literatur die Werke Shakespeares und andere bürgerliche Dramen. Denn diese Dramen waren es, die das neue Selbstbewusstsein des Bürgertums antrieb und förderte. Die lit. Bewegung zur zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts war somit völlig konträr zu den Geschmacksidealen Friedrichs des Großen.

Vertreter dieser lit. Bewegung in Deutschland waren Klopstock, Herder, Lessing, die Dichter des Sturm und Drangs, Goethe, Schiller sowie der Hainbund. Doch so nachhaltig und bedeutend diese lit. Epoche auch einzuordnen ist, hatte sie auch Grenzen. Literaten und deren Werke lösten zwar eine lit. und soziale Bewegung aus, berührte jedoch nicht die Sphäre der Politik. Doch dies entsprach auch genau dem Zeitgeist. Denn bis 1789 lässt sich keine nennenswerte “Idee zu konkreten politischen Aktionen, z.B. Parteibildung, oder gar ein politisches Parteiprogramm” erkennen. Als einzige Ausnahme kann das preußische Beamtentum betrachtet werden, welches praktische Reformen im Sinne des aufgeklärten Absolutismus vorantrieb. Alles andere blieb Stückwerk. Dennoch waren zumindest Ansätze zur Veränderung der sozialen Lage erkennbar. So ist bei Kant “eine Entwicklung zu Grundsätzen entgegen den herrschenden Verhältnissen” erkennbar. In den Schriften des Hainbundes wird der “wilde Hass” gegen Fürsten, Höfe, Aristokraten, Französlinge und die höfische Unmoral deutlich.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Einführung in die Forschungsfrage und das Werk von Norbert Elias bezüglich der Zivilisationsprozesse.

I. Zur Soziogenese des Gegensatzes von ‚Kultur’ und ‚Zivilisation’ in Deutschland: Analyse der historischen Entstehung und sozialen Differenzierung der Begriffe in Deutschland.

1. Über den Entwicklungsgang des Gegensatzpaares Zivilisation und Kultur in Deutschland: Detaillierte Betrachtung des Konflikts zwischen bürgerlicher Intelligenzschicht und höfischem Adel.

a) Der deutsche Mittelstand und der höfische Adel: Untersuchung der ständischen Unterschiede und deren Auswirkung auf die Ideale.

Die Stellung von Friedrich dem Großen und der Aristokratie ( Lit. Bezug ): Analyse der höfischen Ideale und der Rolle Friedrichs des Großen.

Die Stellung der deutschen Literaten: Untersuchung der kulturellen Bewegung und ihrer Abgrenzung gegenüber der höfischen Welt.

Die mittelständische Intelligenz: Beschreibung der paradoxen sozialen Lage der Intelligenzschicht zwischen Aufstiegswillen und Zurückhaltung.

Die literarische Bewegung in Frankreich: Kontrastierung der französischen Situation mit den deutschen Verhältnissen.

Hemmnisse des sozialen Aufstiegs der mittelständischen Intelligenz: Identifikation historischer und geographischer Faktoren für die deutsche Sonderentwicklung.

Die mittelständische Beamtenintelligenz: Darstellung der Bedeutung von Pfarrern und Professoren für die deutsche Gebildetensprache.

Die deutsche Universität: Die Rolle der Universitäten als Gegenzentrum zum höfischen Leben.

b) Zurücktreten des sozialen und das Hervortreten des nationalen Gegensatzes in der Gegenüberstellung von Kultur und Zivilisation: Übergang der sozialen Antithese in eine nationale Unterscheidung.

II. Zur Soziogenese des Begriffs “civilisation” in Frankreich: Analyse der Entstehung und Bedeutung des französischen Zivilisationsbegriffs.

1. Über die soziale Genese des französischen Begriffs “Zivilisation”: Beschreibung der Integration des Bürgertums in höfische Kreise in Frankreich.

2. Zur Soziogenese des Physiokratismus u. der franz. Reformbewegung: Untersuchung der Rolle des Physiokratismus im Reformprozess.

Schlussbemerkung: ‚Zivilisation’ und ‚Kultur’ bei Elias: Zusammenfassende Betrachtung der Begriffe als Inbegriffe des nationalen Selbstbewusstseins.

Schlüsselwörter

Norbert Elias, Kultur, Zivilisation, Soziogenese, Bürgertum, Adel, Deutschland, Frankreich, Nationalidentität, Bildungsbürgertum, Physiokratismus, gesellschaftlicher Wandel, Höflichkeit, Tugend, Sozialstruktur.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der soziologischen Untersuchung der Begriffe „Kultur“ und „Zivilisation“, insbesondere wie sie durch Norbert Elias im Kontext der deutschen und französischen Identitätsbildung analysiert werden.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Die Arbeit konzentriert sich auf die historische Entwicklung der sozialen Schichten (Adel vs. Bürgertum), die Herausbildung nationaler Identitäten und die daraus resultierende unterschiedliche Verwendung und Bewertung der Begriffe Kultur und Zivilisation.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, aufzudecken, warum sich die deutsche Kulturauffassung antithetisch zum französischen Zivilisationsbegriff entwickelte und wie soziale Gegebenheiten diesen Prozess beeinflussten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine Literaturanalyse und -interpretation, die sich primär auf Norbert Elias' Hauptwerk „Über den Prozess der Zivilisation“ stützt und soziologische Theorien auf historische Gegebenheiten anwendet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert die soziale Genese der Begriffe in Deutschland, die Rolle des Bildungsbürgertums als „Vorhut“ der Kultur, sowie die Entstehung des Begriffs „civilisation“ in Frankreich in Verbindung mit dem Physiokratismus.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Soziogenese, Kultur, Zivilisation, Bildungsbürgertum, Aristokratie, Nationalcharakter und gesellschaftliche Transformation.

Welchen Einfluss hatte das Bürgertum auf den Kulturbegriff?

Das deutsche Bildungsbürgertum nutzte den Kulturbegriff als Abgrenzung zur „äußeren Zivilisiertheit“ des Adels, um eigene Werte wie Tugend, Leistung und geistige Bildung zu betonen.

Warum wird Frankreich im Kontext des Zivilisationsbegriffs anders betrachtet?

In Frankreich erfolgte eine frühere und bruchlosere Integration des Bürgertums in höfische Kreise, wodurch der Begriff „civilisation“ stärker als Inbegriff der nationalen Entwicklung und Rechtfertigung für nationale Bestrebungen fungierte.

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Details

Title
Französische und deutsche Kulturauffassung - Die Entstehung des Gegensatzes von Zivilisation und Kultur nach Norbert Elias
College
University of Applied Sciences Bingen  (Institut für Soziologie)
Course
Hauptseminar: Kultursoziologie
Grade
1,7
Authors
Mag. Dominic Vaas (Author), Olaf Schwarz (Author), Kathrin Anton (Author)
Publication Year
2003
Pages
23
Catalog Number
V19359
ISBN (eBook)
9783638235020
ISBN (Book)
9783638738262
Language
German
Tags
Französische Kulturauffassung Entstehung Gegensatzes Zivilisation Kultur Norbert Elias Hauptseminar Kultursoziologie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Mag. Dominic Vaas (Author), Olaf Schwarz (Author), Kathrin Anton (Author), 2003, Französische und deutsche Kulturauffassung - Die Entstehung des Gegensatzes von Zivilisation und Kultur nach Norbert Elias, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/19359
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