„Die Erkenntnis, dass ein beachtlicher Teil der in Deutschland lebenden Kinder und Jugendlichen aus Zuwandererfamilien aufgrund unzureichender Deutschkenntnisse in der Schule und im Berufsleben erheblich benachteiligt ist, hat in den letzten Jahren nicht nur bundesweit Fördermaßnahmen angestoßen, sondern auch erhebliche Lücken im Bereich diagnostischer Verfahren offenbart.“ (Ehlich et al. 2005; Fried 2004; Kany / Schöler 2007).
Wie das Zitat verdeutlicht, gehört laut Literatur die Sprachstandserhebung und Sprachförderung zu den zeitgenössischen Diskussionen der deutschen Bundesländer und muss hinsichtlich ihrer Qualität hinterfragt werden. Demnach bedarf es stets der Weiterentwicklung der Instrumente und dem Versuch das Forschungsfeld transparenter und zugänglicher zu gestalten.
Der theoretische Teil umfasst zunächst die Auseinandersetzung mit dem Begriff der Sprachstandsdiagnose und die damit verbundenen Fragestellungen der Gütekriterien sowie die oft verwendeten Begriffe des Screenings und der Diagnostik. Auf Grundlage der Theorie werden im Anschluss die Instrumente HASE und MSS verglichen und bewertet. Darüber hinaus sollen zusätzlich Potentiale und Grenzen diskutiert werden. Im Resümee soll schließlich folgende Forschungsfrage eine Antwort gegeben werden:
„Können die Sprachstandsdiagnoseinstrumente MSS und Hase eindeutig mit den Begriffen des Screenings oder der Diagnostik beschrieben werden?“
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriff der Sprachstandsdiagnose
3. Voraussetzungen für eine Sprachstandsdiagnose: Gütekriterien
4. Was ist ein Test
4.1 Screening
4.2 Diagnostik
5. Vergleich MSS-Hase
5.1 MSS
5.2 HASE
5.3 Ein Vergleich der Instrumente
6. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht und vergleicht die Sprachstandsdiagnoseinstrumente "Marburger Sprach-Screening" (MSS) und "Heidelberger Auditives Screening in der Einschulungsuntersuchung" (HASE) im Hinblick auf ihre wissenschaftliche Zuordnung als Screening-Verfahren oder diagnostische Instrumente.
- Grundlagen der Sprachstandsdiagnose und wissenschaftliche Gütekriterien
- Definition und Abgrenzung der Begriffe Screening und Diagnostik
- Detaillierte Analyse und Vergleich der Instrumente MSS und HASE
- Diskussion über Zeitökonomie, Methodik und diagnostische Tiefe
- Kritische Reflexion der Eignung beider Verfahren für den pädagogischen Alltag
Auszug aus dem Buch
4.1 Screening
„Ein standardisierter Test ist ein wissenschaftliches Verfahren, das Merkmale oder Eigenschaften, die nicht beobachtbar sind, messen soll. Nicht beobachtbar sind z.B. Intelligenz oder Sprachfähigkeit.“ (Kany; Schöler, 2007, S.109)
Auch das Screening ist standardisiert und gehört zu den verbreiteten Formen der Erhebungsverfahren. Der Begriff bedeutet übersetzt Siebverfahren oder Selektion und ist vor allem im medizinischen Bereich geläufig. Doch die Funktion ist auch bei den Instrumenten anwendbar. Charakteristisch für die Art des Verfahrens ist die Festlegung eines kritischen Werts, welcher die Durchsiebung bestimmt. Es wird also eine Leistungsgrenze festgelegt, die erreicht werden muss, um nicht als Risikokind eingestuft zu werden. Darüber hinaus soll zeitökonomisch verfahren werden, um die benannte Zielgruppe auszusortieren. Die verwendete Zeit soll 15 Minuten nicht überschreiten. Außerdem lässt ein Screening Ursachen und die Beschreibung einer Sprachstörung außer acht und zielt ausschließlich auf die Prognose künftiger Entwicklungsverläufe. (vgl. Kany; Schöler, 2007, S.114)
Die Titel von Hase und MSS sollten vermuten lassen, dass es sich um solche Verfahren handelt und sie der Beschreibung bzw. Zielsetzung von Screenings entsprechen. Zusammengefasst müssen sie also einerseits ein Siebverfahren sein, zeitökonomisch arbeiten, präventiven Charakter besitzen, eine Leistungsgrenze festlegen und andererseits nur die Kinder selektieren, die eine Störungen im Spracherwerb zeigen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Notwendigkeit der Sprachstandserhebung bei Kindern aus Zuwandererfamilien und stellt die Forschungsfrage zur begrifflichen Einordnung von MSS und HASE.
2. Begriff der Sprachstandsdiagnose: Dieses Kapitel erläutert die etymologische Herkunft und pädagogische Bedeutung der Sprachstandsdiagnose als Instrument zur Erkennung individueller Lernvoraussetzungen.
3. Voraussetzungen für eine Sprachstandsdiagnose: Gütekriterien: Der Autor beschreibt die fundamentalen Voraussetzungen (Inhalt, Ziel, Methode) sowie die Gütekriterien Objektivität, Validität und Reliabilität für ein qualitatives Testinstrument.
4. Was ist ein Test: Hier werden die Definition eines Tests sowie die spezifischen Merkmale von Screening-Verfahren und Diagnostik im sprachheilpädagogischen Kontext detailliert gegenübergestellt.
5. Vergleich MSS-Hase: Dieses zentrale Kapitel analysiert und vergleicht das Marburger Sprach-Screening und das HASE-Verfahren hinsichtlich ihrer Durchführung, Zielsetzung und Aussagekraft.
6. Resümee: Das Fazit beantwortet die Forschungsfrage und kommt zu dem Schluss, dass HASE ein Screening darstellt, während MSS eher diagnostische Ansätze verfolgt und der Titel somit irreführend sein kann.
Schlüsselwörter
Sprachstandsdiagnose, Screening, Diagnostik, MSS, HASE, Sprachförderung, Gütekriterien, Sprachauffälligkeit, pädagogische Diagnostik, Frühdiagnostik, Teilleistungsschwäche, Spracherwerb, Testverfahren, Zeitökonomie, Förderdiagnostik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Es geht um die kritische Auseinandersetzung mit der Einordnung zweier bekannter Sprachstandsdiagnoseinstrumente in die Kategorien „Screening“ oder „Diagnostik“.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die theoretischen Grundlagen der Diagnostik, die Erläuterung wissenschaftlicher Gütekriterien sowie der direkte methodische Vergleich von MSS und HASE.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, zu prüfen, ob die Instrumente MSS und HASE den theoretischen Anforderungen an ein Screening-Verfahren tatsächlich gerecht werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor führt eine literaturbasierte Analyse und einen kriteriengeleiteten Vergleich der Verfahrensbeschreibungen und Manuale durch.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Neben der Definition von Gütekriterien und Testarten wird eine detaillierte Gegenüberstellung der Testverfahren MSS und HASE bezüglich ihrer Durchführung und theoretischen Ausrichtung vorgenommen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Sprachstandsdiagnose, Screening, Validität, Reliabilität und Förderdiagnostik.
Wie unterscheidet sich HASE laut der Arbeit von einem Diagnoseverfahren?
HASE ist als reines, zeitökonomisches Siebverfahren konzipiert, das sich auf die Prognose von Schriftspracherwerbsproblemen konzentriert, ohne eine individuelle Ursachenanalyse anzustreben.
Warum hält der Autor den Titel des "Marburger Sprach-Screenings" für problematisch?
Der Autor argumentiert, dass das Instrument über ein reines Siebverfahren hinausgeht, individuelle Lernprozesse integriert und daher eher diagnostische Züge trägt, was den Begriff „Screening“ irreführend erscheinen lässt.
Welche Rolle spielt die Zeitökonomie beim Vergleich der Instrumente?
Die Zeitökonomie ist ein entscheidendes Kriterium für Screenings. HASE hält den Zeitrahmen von unter 15 Minuten ein, während MSS den zeitlichen Rahmen eines Screenings nach Ansicht des Autors durch seine Komplexität überschreitet.
- Quote paper
- Manuel Neumeister (Author), 2010, MSS im Vergleich zu Hase: Screening oder Diagnostik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193616