Landsknechte - Wer sie waren und was sie von den Reisläufern unterschied


Hausarbeit, 2007
15 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Personengruppe und ihre Motivation

3 Wie man ein Söldner wurde

4 Ämter im Landsknecht Regiment

5 Gerichtsbarkeit

6 Fazit

7 Literaturverzeichnis

8 Anhang

1 Einleitung

Der Übergang vom Spätmittelalter hin zur Frühen Neuzeit war in Bezug auf die Technik des Kriegführens durch den vermehrten massenweisen Einsatz von Fußtruppen gekennzeichnet. Die schweizer Eidgenossen hatten ihre größten Erfolge im 14.- und 15. Jahrhundert (1315 Morgarten, 1386 Sempach, 1476/’77 Burgunderkriege). Mit der Schlacht bei Marignano 1515 endeten dann zwei Jahrhunderte der eidgenössischen Unbesiegbarkeit. Während die eidgenössischen Gewalthaufen nun mehr Niederlagen als Siege errungen, etablierten sich seit Ende des 15. Jahrhunderts Fußknechte aus nieder- und besonders oberdeutschen Gebieten als alternative Fußtruppe. Maximilian I. von Habsburg wird als „Vater der Landsknechte“, aber auch als der „letze Ritter“[1] bezeichnet. Allein in seiner Person zeigt sich eine Übergangsphase.Die deutschen Knechten orientierten sich hinsichtlich Taktik und Waffengebrauch an den Schweizern. Jedoch hatten diese Fußknechte mehr Schusswaffen und wurden in Armeen eingesetzt in denen die Kombination der drei Waffengattungen optimiert wurde. Das 16. Jahrhundert wurde zur Blütezeit der Landsknechte wie sie ab der Mitte der 1480er[2] genannt wurden.

Nachdem ich mich etwas näher mit dem Themenkomplex des frühneuzeitlichen Söldnertums beschäftigt hatte, interessierten mich zwei Aspekte: Zuerst einmal welche Personen aus welcher Motivation Söldner wurden und zweitens was der Unterschied zwischen den Reisläufern und Landsknechten war. Da es den Rahmen einer Hausarbeit sprengen würde diese Themen differenziert zu behandeln, habe ich versucht zu ermitteln wo der entschiedenste Unterschied zu finden ist. Was meines Erachtens die Landsknechte von den Reisläufern am stärksten trennt sind die zahlreichen abgestuften Planstellen und die Eigenständigkeit der Gerichtsbarkeit. Somit werden diese Aspekte in der Hausarbeit behandelt nachdem ich aufgezeigt habe wie ein Mann zum Söldner wurde. An wenigen Stellen werde ich die Reisläufer vergleichend erwähnen um zu zeigen, dass es zwar Parallelen zwischen den Söldnergruppen, gab aber eben auch enorme Unterschiede.

2 Die Personengruppe und ihre Motivation

Zuerst möchte ich die Personengruppe und deren Motivationen identifizieren über die über die 1539 geschrieben wurde: „[ein] neuwer ordenn der seelosen leut “ welche „ eytel brenner, reuber, moerder, unkeusch leut, spieler, sauffer, Gottslesterer “. Selbst der Teufel würde über sie sagen: „ Sie hetten mich sunnst gwuergt und ghrupfft, gebruet, mein zotten außgezupft, hetten mich praten, darnach gefressen[3] Aber auch Beschreibungen als wortgewandte, selbstbewusste und weit gereiste Personen lassen sich finden.

In der Eidgenossenschaft existierte seit dem Hochmittelalter eine Art allgemeine Wehrpflicht. Die lokale Führungsschicht und die Kantonsleitung, meist Angehörige der Patrizierfamilien setzte fest, welcher Mann Kriegsdienst zu leisten hatte. Wenn sich ein ausgewählter waffenfähiger Mann weigerte, dann konnte er Haus und Hof verlieren sowie an Leib und Leben bestraft werden.

Das damalige allgemeine Problem in der Eidgenossenschaft war, dass es wenig Bodenschätze gab, sowie durch die Umstellung von Ackerbau auf Viehwirtschaft weniger Arbeitsplätze zur Verfügung standen und es zu viele Kinder gab als das jedes in der Heimat Arbeit finden konnte.[4]

In der Eidgenossenschaft wurde den Städten und Dörfern anhand der Bevölkerungszahl auferlegt wie viele waffenfähige Männer sie aufzubieten haben. Somit waren bei einem Kriegszug dann 30-75 % der in Frage kommenden Männer im Solddienst. Also keineswegs ein „freies Söldnertum“ wie im Einflussgebiet des Kaisers.[5] Das Söldnertum brachte den Vorteil für die Stadt, dass man „unruhige Personen“ loswerden konnte, jedenfalls für eine bestimmte Zeit.

Vor allem Gehilfen ohne Ausbildung, Tagelöhner, Hausknechte, Dienstboten, Gesindeleute und Handwerksgesellen ohne Arbeit, ließen sich in den Städten werben. Auf dem Land fanden Werber vor allem bei nachgeborenen Bauern- und Handwerkssöhnen Gehör für den Eintritt in den Solddienst.[6]

Da ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhundert auch Waffen und Ausrüstung vom Regiment geliehen werden konnten bzw. dort gekauft werden konnten, war der Solddienst auch für verarmte Männer nun eine Art des Broterwerbs. Ihnen kam zu Gute, dass die Armeen von Feldzug zu Feldzug immer größer wurden und die Auswahlkriterien immer geringer wurden.

Doch auch adelige Söhne und Kinder von wohlhabenden Patrizierfamilien sind meist als Reiter oder Doppelsöldner in den Landsknechtsheeren zu finden, fast nie als einfacher Kriegsknecht. Je weiter entfernt der Zielort des militärischen Unternehmens lag, desto mehr abenteuerlustige Männer fanden sich auf den Musterplätzen ein. Bei (verarmten) Adeligen spielten neben den wirtschaftlichen Gründen auch das eigene Selbstbildnis als Krieger eine Rolle bei der Entscheidung in den Solddienst zu treten[7].

Weiterhin ließen Familienstreitigkeiten wie Generationskonflikte und Eheprobleme Männer, obwohl nicht durch Überbevölkerung, Armut oder Arbeitslosigkeit in ihrer wirtschaftlichen Existenz gefährdet in den Solddienst eintreten[8]. Ferner war die Aussicht innerhalb von weniger als einem halben Jahr mehr Geld zu verdienen als sonst in einem ganzen Jahr auch für Männer attraktiv, welche ihr eigenes kleines Geschäft oder Handwerksbetrieb besaßen; also „Selbstständige“ waren. Eine kurzfristige Geldnot, oder die Schulden verursacht durch den Kauf einer neuen Maschine führten hier zum Eintritt in den Solddienst. Doch diese Personen integrierten sich wieder in das Zivilleben, anders als die Knechte welche aus einer ausweglosen Lage in den Solddienst getreten waren. Die Blütezeit der Landsknechte war übereinstimmend mit dem sogenannten „konfessionellen Zeitalter“. Somit könnte man bei den Knechten auch religiöse Motivationen vermuten. Dies ist aber nur selten zu finden, da die Söldnerheere aus Katholiken und Protestanten zusammengesetzt waren und auch für Kriegsherren unterschiedlicher Religiosität und Konfessionalität kämpften. Da es kein Vaterland gab, kämpften sie auch nicht auf Grund eines Gefühls von Nationalismus.[9]

Ab der Mitte des 16. Jahrhundert rekrutierten sich die Landsknechte auch aus den Söhnen, welche im Tross groß geworden sind und nur das Leben als Landsknecht kannten, also auch nur geringe Chance hatten sich im Zivilleben einzurichten.

Man verpflichtet sich meist für mindestens drei Monate, maximal sechs Monate. Im Laufe des Dreißigjährigen Krieges entwickelte sich jedoch ein unbefristetes Dienstverhältnis.

Einen Krieg zuführen war für die meisten Söldner reiner Selbstzweck, da sie nur so Geld verdienen konnten. Somit war es den meisten auch nicht wichtig, ob sie für den Kaiser, den französischen König, skandinavische Fürsten, italienische Städte oder eine freie Reichsstadt kämpften.

[...]


[1] Matthias Rogg: Landsknechte. Anmerkungen zur Lebenswirklichkeit von Söldnern im 16. Jahrhundert, in: Militärgeschichte - Zeitschrift für historische Bildung, Bd.2, 2003, S. 8-11, hier: S. 9, im Folgenden: Rogg: Lebenswirklichkeit.

[2] Birgit von Seggern: Der Landsknecht im Spiegel der Renaissancegrafik um 1500-1540, Bonn, 2003, hier: S. 32, im Folgenden: von Seggern: Renaissancegrafik.

[3] Peter Burschel: Söldner im Nordwestdeutschland des 16. und 17. Jahrhundert, Göttingen, 1994, hier: S. 27.

[4] Albert Hocheimer: Verraten und verkauft. Die Geschichte der europäischen Söldner, Stuttgart, 1967, hier: S. 52, im Folgenden: Hochheimer: Verraten und verkauft.

[5] Hermann Meynert: Geschichte des Kriegswesens und der Heerverfassung in Europa, Bd. 2, Graz, 1975 (ND), hier: S. 123, im Folgenden: Meynert:, Geschichte des Kriegswesens.

[6] Reinhard Baumann: Landsknechte, München, 1994, hier: S.64, im Folgenden: Baumann: Landsknechte.

[7] Ebd. S. 68.

[8] Arnold Esch: Lebensverhältnisse von Reisläufern im spätmittelalterlichen Thun. Eine Beschlagnahme-Inventur von 1495, in: Arnold Esch: Alltag der Entscheidung. Beiträge zur Geschichte der Schweiz an der Wende vom Mittelalter zur Neuzeit, Bern Stuttgart Wien, S. 161-173, hier: S 167.

[9] Michael Kaiser: „…würdt allso die Armee gewaltig ruinirt“. Die Lebenswelt der Söldner und das Phänomen der Desertion im Dreißigjährigen Krieg, in: Osnabrücker Mitteilungen, Bd. 103, 1998, S. 105-125, hier: S. 118.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Landsknechte - Wer sie waren und was sie von den Reisläufern unterschied
Hochschule
Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover  (Historisches Seminar)
Note
2,3
Autor
Jahr
2007
Seiten
15
Katalognummer
V193624
ISBN (eBook)
9783656211655
ISBN (Buch)
9783656212478
Dateigröße
1182 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Landsknechte, Söldner, Reisläufer, Maximilian I.
Arbeit zitieren
Master of Arts Henning Priet (Autor), 2007, Landsknechte - Wer sie waren und was sie von den Reisläufern unterschied, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193624

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