Kindliches Lernen, Einfühlen und Verstehen aus neurobiologischer Sicht


Referat (Ausarbeitung), 2011

11 Seiten, Note: 12 Punkte


Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung

2 Kindliches Lernen, Einfühlen und Verstehen aus neurobiologischer Sicht
2.1 Voraussetzungen für kindliches Lernen aus neurobiologischer Sicht
2.2 Empathie und Verstehen aus neurobiologischer Sicht

3 Schlussteil

4 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Prägend für die Identitäts- und Selbstentwicklung von Menschen sind die Entwicklungen in der frühen Kindheit. Erfahrungen, die hier erlebt werden, bilden die Grundlage für weitere Entwicklungen eines Individuums. Folglich entsteht hier auch die Basis für das lebenslange Lernen. Die Entwicklungen in der frühen Kindheit bilden folglich auch für Pädagogen einen wichtigen Interessensschwerpunkt.

Namenhafte Psychoanalytiker und Bindungsforscher wie unter anderen Erikson, Winnicott und Piaget haben Entwicklungen in der frühen Kindheit untersucht. Sie entwarfen Theorien und Konzepte, die mit empirischen Untersuchungen bestätigt und teilweise auch revidiert oder erweitert wurden. Daneben gibt es jüngere Forschungen aus der Neurobiologie, die sich ebenfalls mit den Entwicklungen in der frühen Kindheit aus neurobiologischer Sicht beschäf- tigten.

Im Hinblick auf Lernvoraussetzungen und das Entstehen von Empathie und Intuition legt die vorliegende Ausarbeitung Ergebnisse aus neurobiologischen Untersuchungen dar. Zunächst wird erklärt, welche Voraussetzungen Kinder zum Lernen benötigen, wie die Lust am Lernen entsteht und wie neues Wissen aufgebaut wird. Im darauf Folgenden wird verdeutlicht, wel- che hirnphysiologischen Bedingungen Kinder zum intuitiven Verstehen und Lernen mitbrin- gen.

2 Kindliches Lernen, Einfühlen und Verstehen aus neurobiologischer Sicht

2.1 Voraussetzungen für kindliches Lernen aus neurobiologischer Sicht

Das Hirn eines Kindes ist in seiner Struktur noch nicht festgelegt, daher tragen zur Entwicklung des kindlichen Gehirns maßgebend die Erfahrungen bei, die das Kind in seinen ersten Lebensjahren und bereits vor der Geburt macht. Durch Erlebnisse, die einem Kind widerfahren, werden bestimmte Nervenzellen und Netzwerke im Hirn genutzt. Eine häufige Nutzung stabilisiert die Vernetzung, nicht genutzte Nervenzellen verkümmern. Da das Kleinkind von seinen Bezugspersonen abhängig ist, haben diese einen entscheidenden Einfluss auf die Erlebnisse des Kindes und damit auf die Entwicklung des kindlichen Hirns.

Die nutzungsabhängige Strukturierung des Gehirns durch Erfahrungen findet bereits vor der Geburt statt. Im Mutterleib spürt das Kind Wärme und Schaukelbewegungen, hört den Herzschlag der Mutter, Stimmen, Geräusche und Musik und kann das Fruchtwasser schmecken. Aus diesen Erlebnissen resultieren die zwei wichtigsten Grunderfahrungen, mit denen das Kind auf die Welt kommt: „Das ist einerseits die Erfahrung engster, vertrauter Verbundenheit und andererseits die Erfahrung, aus dieser Sicherheit bietenden Verbundenheit heraus immer wieder neu über sich hinauswachsen zu können.“1

Beide Grunderfahrungen zusammen bilden die Basis für die Offenheit, Lernfähigkeit, Entde- ckerfreunde und Gestaltungslust. Sind diese Eigenschaften dem Kind nicht gegeben oder bil- den sich mit der Zeit zurück, so ist das nicht auf das Gehirn des Kindes zurückzuführen. Die Verantwortung hierfür liegt in der Umwelt des Kindes. Eine ideale Entwicklung der Verschaltung von Nervenzellen im Gehirn wird beispielsweise durch das Hineinwachsen in eine Spaßgesellschaft, Reizüberflutung, Verwöhnung und Vernachlässigung verhindert. Ver- antwortlich für die Erhaltung und Förderung der angeborenen Lernfreude sind die Bezugsper- sonen des Kindes. Von vergangenen Erziehungszielen wie purem Gehorsam, Anstand und Fleiß haben sich heutige Erziehungsstile distanziert und versuchen den Bedürfnissen der Kin- der gerecht zu werden. Daher befindet sich in dieser Hinsicht die Stabilisierung und positive Verstärkung der Lust am Lernen auf einem guten Weg.

Das Gehirn eines Säuglings ist in seiner Strukturierung und Entwicklung wenig ausgereift. Nur Verschaltungen und Netzwerke von Nervenzellen, die das Überleben absichern, sowie einige Reflexe, sind vorhanden. Die enorme Lernfähigkeit in den ersten Lebensjahren ermög- licht es, dass das Kind durch neue Erfahrungen erlernt, was es zum Leben in die hineingebo- rene Gesellschaft benötigt. Neu erlerntes Wissen wird in der Großhirnrinde abgespeichert, indem die bei der Geburt bereits vorhandenen Nervenzellen ein dichtes Geäst von Fortsätzen ausbilden. Die vielfältige Vernetzung von Nervenzellen führt zur Verdreifachung des anfäng- lichen Volumens der Großhirnrinde und zu einem Überschuss an Nervenzellenverbindungen. Das Überangebot an Nervenzellen reguliert sich nutzungsabhängig. Benötigte und verwendete Netzwerke bleiben erhalten und werden stabilisiert, unnötige und nicht genutzte Verschaltungen von Nervenzellen werden wieder abgebaut. Der entscheidende Einfluss auf die Entwicklung des kindlichen Gehirns durch Bezugspersonen ist auch hier deutlich erkenn- bar. Sie beeinflussen die Erfahrungen des Kindes und tragen damit zur nutzungsabhängigen Strukturierung bei.

Wie auch die Fähigkeit, ständig Neues hinzulernen zu können, so ist auch die Freude am Ler- nen den Kindern von Geburt an gegeben. Damit sich neue Netzwerke und Verschaltungen von Nervenzellen im kindlichen Gehirn herausbilden können, ist es notwendig, dass das Ge- hirn auf unterschiedlichste Art angeregt wird. Diesem Entwicklungsprozess ist aus neurobio- logischer Sicht auch die Entdeckerfreude von Kindern zuzuschreiben, die Kinder von Beginn an in sich tragen. Anregungen, die vom Kind selbst aus entstehen, haben zu extrinsischen An- reizen den Vorteil, dass die Kinder bei den selbst gewählten neuen Erfahrungen besser an bereits vorhandenes Wissen anknüpfen können. Bestehende Netzwerke von Nervenzellen werden auf diese Weise unter besonders günstigen Bedingungen erweitert.

Die ständige Entdeckerlust entsteht dadurch, dass sich nach der Suche nach Neuem, was von einem Gefühl der Unruhe begleitet wird, Entspannung und Glückseligkeit eintritt. Dieser innere Zustand, der sich mit dem Entdecken von Neuem einstellt, ist mit dem Rauschgefühl von Drogenkonsumenten zu vergleichen. Durch die Freisetzung von Botenstoffen empfinden Kindern ähnlich, sie verspüren den Drang nach immer neuen Erfolgserlebnissen. Diese Lust wird in der Regel nur durch Ermüdungsphasen unterbrochen. Während des Schlafens kann dann Neuerlerntes im Gehirn verarbeitet und abgespeichert werden.

Zur Verarbeitung und Abspeicherung von neuem Wissen ist der Abgleich von neuen Wahr- nehmungen mit „Erinnerungsbildern“ notwendig. Diese sind bereits durch vorgeburtliche Erfahrungen im Gehirn vorhanden. Neue Wahrnehmungen regen im Gehirn Aktivierungs- muster an und werden dadurch mit „Erinnerungsbildern“ abgeglichen. Stimmen beide Bilder überein, so wird die Wahrnehmung lediglich registriert. Sind nur partiell Ähnlichkeiten vor- handen, so wird das vorhandene „Erinnerungsbild“ entsprechend der neuen Wahrnehmung modifiziert und als neues „Erwartungsbild“ für folgende Wahrnehmungen abgespeichert.

[...]


1 Hüther, Gerald (2006): Wie lernen Kinder? Voraussetzungen für gelingende Bildungsprozesse aus neurobiologischer Sicht. In: Caspary, R. (Hrsg.): Lernen und Gehirn. Freiburg i. Br. Seite 71

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Kindliches Lernen, Einfühlen und Verstehen aus neurobiologischer Sicht
Hochschule
Universität Kassel
Veranstaltung
Entwicklung in früher Kindheit - vom Säugling bis zum Grundschulkind
Note
12 Punkte
Autor
Jahr
2011
Seiten
11
Katalognummer
V193633
ISBN (eBook)
9783656186403
ISBN (Buch)
9783656186038
Dateigröße
485 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Identitätsentwicklung, Selbstentwicklung, Lernvoraussetzungen, Empathie, hirnphysiologisch, neurobiologisch, Lernen, Nervenzellen, Spiegelneuronen, mirror neurons
Arbeit zitieren
Stephanie Töpert (Autor), 2011, Kindliches Lernen, Einfühlen und Verstehen aus neurobiologischer Sicht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193633

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