Bereits seit den 1970er-Jahren wird die Integration der Kommunikation als Aufgabe verstanden. Der Grund hierfür liegt in der anhaltenden Verschärfung der Kommunikationsbedingungen durch steigenden Kommunikationswettbewerb, Informationsüberlastung sowie zunehmender Kommunikationsvielfalt. Des Weiteren haben Anspruchsgruppen neue Anforderungen bspw. in Form von individuellen Kommunikationsbedürfnissen oder dialogorientierten Kommunikationsangeboten. Diese Voraussetzungen und v.a. die zunehmende Differenzierung der Kommunikation erfordern eine Re-Integration der Kommunikation.
Da ein Unternehmen ein offenes, komplexes Systeme bewusst koordinierter Handlungen darstellt, können mit Hilfe der Systemtheorie Erklärungsansätze für ein erfolgreiches Management gefunden werden. Dabei besteht die Organisation aus systemtheoretischer Sicht nicht aus Menschen, Maschinen oder Räumen, sondern aus Handlungen der verschiedenen Teilnehmer. Zu diesen Teilnehmern gehören neben den MitarbeiterInnen ebenso KundInnen und LieferantInnen. Im Mittelpunkt der Integrierten Kommunikationsbetrachtung steht die Bewältigung der Komplexität durch Analyse der Strukturen und Prozesse zwischen den Objekten oder Subjekten des betrachteten Systems und dort insbesondere die Wechselwirkungen und gegenseitigen Beeinflussungen im System. Die Integrierte Kommunikation als eigenständiges System agiert daher in vernetzten Beziehungsgefügen und analysiert die Kommunikationswirkungen in einer Gesamtbetrachtung anstatt isoliert bestimmten Ursachen zuzuordnen.
Im Rahmen dieser Arbeit werden die steuerungstheoretischen, hierarchischen Sichtweisen von Willke auf ihre Übertragbarkeit auf das Konzept der Integrierten Kommunikation untersucht sowie Parallelen und Unterschiede aufgezeigt. Es ist nicht Teil dieser Arbeit eine Gesamtgegenüberstellung der Steuerungstheorie und der Integrierten Kommunikation zu schaffen. Stattdessen wird versucht interpretativ die hierarchischen Steuerungsansätze auf ihre Anwendung in der Integrierten Kommunikation zu überprüfen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Begriffsbestimmungen
1.2 Aufbau der Arbeit
2 Kommunikation zwischen sozialen Systemen
3 Notwendigkeit von und das Problem der Koordination
3.1 Differenzierung als Grund für die Notwendigkeit von Integration
3.2 Problem der Steuerung und Ziel der Integrierter Kommunikation
4 Möglichkeiten der Steuerung
5 Hierarchie als Steuerungssystem
5.1 Voraussetzung für und Wesen der Hierarchie
5.2 Arten der Hierarchie
5.3 Dimensionen der Steigerungsprozesse von Komplexität
6 Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die theoretische Übertragbarkeit von Willkes hierarchischen Steuerungsansätzen auf das Konzept der Integrierten Kommunikation nach Bruhn, um Parallelen und Unterschiede bei der Bewältigung organisationaler Komplexität aufzuzeigen.
- Systemtheoretische Grundlagen sozialer Systeme
- Die Notwendigkeit von Koordination bei funktionaler Differenzierung
- Hierarchie als Steuerungsform in der Unternehmensorganisation
- Die Rolle von ÜberexpertInnen und KommunikationsmanagerInnen
- Managementprozesse der Integrierten Kommunikation
Auszug aus dem Buch
Hierarchie als Steuerungssystem
Die Hierarchie legitimiert sich aufgrund der Tatsache, dass die Aufgaben effektiver und effizienter als in jeder anderen Form bewältigt werden. Des Weiteren schafft sie Stabilität und Ordnung. Diese Überlegungen gehen auf das Bürokratiemodell von Max Weber zurück. Dieser sieht die die Bürokratie und damit verbunden die Hierarchie als technisch überlegene und rationalste Form der Problemlösung. Die Hierarchie ist aber nur für bestimmte Arten von Aufgaben bei bestimmten Ansprüchen die beste Form der Aufgabenbewältigung. So sollten die zu lösenden Probleme laut Weber in Form von einfachen Konditionalsequenzen vorliegen, sodass diese im Sinne vom römisch-politischen Postulat „Divide et impera“ in einzelne Schritte bzw. Teilprobleme aufteilbar und somit, entsprechend der hohen Arbeitsteilung, verteilbar sind. Die Teillösungen führen durch räumliche, zeitliche und sachliche Organisation von Aktivitäten zu einer Gesamtlösung.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Einführung in die Thematik der Integrierten Kommunikation, Definition der zentralen Begriffe Systemtheorie, Steuerungstheorie und Integrierte Kommunikation sowie Erläuterung des Arbeitsaufbaus.
2 Kommunikation zwischen sozialen Systemen: Analyse der Probleme, die bei der Interaktion zwischen differenzierten Funktionssystemen entstehen, und die daraus resultierende Notwendigkeit für Übersetzungsleistungen.
3 Notwendigkeit von und das Problem der Koordination: Untersuchung der Ursachen für den Integrationsbedarf, insbesondere der zunehmenden Differenzierung, und Gegenüberstellung der Zielsetzungen von Willke und Bruhn.
4 Möglichkeiten der Steuerung: Skizzierung der Steuerungsformen Hierarchie, Markt/Demokratie sowie Verhandlungssysteme/Netzwerke.
5 Hierarchie als Steuerungssystem: Detaillierte Betrachtung der hierarchischen Struktur als Mittel zur Aufgabenbewältigung sowie Analyse der verschiedenen Arten von Hierarchie und Komplexitätsdimensionen.
6 Zusammenfassung und Fazit: Reflektion der Ergebnisse hinsichtlich der Eignung hierarchischer Steuerungsmodelle für die Integrierte Kommunikation.
Schlüsselwörter
Integrierte Kommunikation, Systemtheorie, Steuerungstheorie, Hierarchie, Koordination, Differenzierung, Managementprozess, Komplexität, Soziale Systeme, Funktionssysteme, Organisation, Kommunikationsplanung, Down-Up-Planung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Verknüpfung von systemtheoretischen Steuerungsansätzen nach Willke mit dem praktischen Konzept der Integrierten Kommunikation nach Bruhn.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen umfassen die Systemtheorie, das Problem der Koordination in Unternehmen, die Hierarchie als Organisationsform sowie die strategische Planung von Kommunikationsprozessen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Untersuchung der Übertragbarkeit hierarchischer Steuerungsansätze auf die Integrierte Kommunikation und die Identifikation von Parallelen und Unterschieden in diesen Modellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine interpretative, theoretische Analyse, die Fachliteratur (vornehmlich Willke und Bruhn) vergleicht und auf das spezifische Feld der Unternehmenskommunikation überträgt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Notwendigkeit von Integration aufgrund von Systemdifferenzierung, die verschiedenen Steuerungsformen und insbesondere die Hierarchie in ihren verschiedenen Ausprägungen und Dimensionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Integrierte Kommunikation, Systemtheorie, Hierarchie, Koordination und Komplexitätsmanagement charakterisiert.
Was versteht man unter der "Down-Up-Planung" in diesem Kontext?
Es handelt sich um einen von Bruhn vorgeschlagenen Managementprozess, der top-down und bottom-up Ansätze kombiniert, um eine ganzheitliche Integration der Kommunikationsmaßnahmen auf allen Ebenen zu erreichen.
Welche Herausforderung stellt laut Willke die Koordination dar?
Willke sieht das Problem der Koordination nicht in der reinen Schaffung von Einheit, sondern darin, eine notwendige Einheit herzustellen, ohne dabei die Autonomie und Vielfalt der einzelnen Teilsysteme zu zerstören.
- Arbeit zitieren
- Benjamin Kehrer (Autor:in), 2011, Systemische Betrachtung der Integrierten Kommunikation anhand der Steuerungstheorie nach Willke, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/193706